Arbeit, Produktion und Dienstleistung

Der grundlegende Wandel von Wirtschaft und Arbeitswelt lässt kaum einen Sektor unberührt; er betrifft Produkte und Dienstleistungen ebenso wie Produktions- und Arbeitsprozesse. Betriebsstrukturen, aber auch die Arbeitsverhältnisse verändern sich. Hinzu kommen neue Anforderungen an Kompetenzen oder neue Wertvorstellungen der Menschen auch in Bezug auf ihre berufliche Tätigkeit. Die Globalisierung und Digitalisierung von Produktions- und Kommunikationsprozessen spiegelt sich in neuen Wertschöpfungsstrukturen wider.

Die Bundesregierung nimmt mit der Hightech-Strategie die Herausforderungen des technologischen Wandels für die Arbeitswelt in den Blick. Das Rahmenprogramm Innovationen für die Produktion, Dienstleistung und Arbeit von morgen betrachtet Forschungsthemen aus den Bereichen Produktion, Dienstleistung und Arbeit erstmals gemeinsam. Das Rahmenprogramm widmet sich gezielt den technologischen, prozessualen und organisatorischen Herausforderungen und ermöglicht so künftige Innovationssprünge. Es hat eine Laufzeit von sieben Jahren (2014–2020); das Förderbudget beläuft sich auf ca. 1 Mrd. Euro. Die Programmlinie Zukunft der Arbeit bringt gleichermaßen technologische und soziale Innovationen voran. So sollen neben den Grundsätzen der Wirtschaftlichkeit im gleichen Maße die Bedürfnisse der Menschen im Arbeitsprozess berücksichtigt werden. Das Fachforum Innovative Arbeitswelt der Hightech-Strategie, das Dialogformat Arbeiten 4.0 und die Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA) stellen Arbeitgebern und Beschäftigten Wissen und konkrete Unterstützungsangebote für die Gestaltung einer modernen, attraktiven Arbeitswelt bereit.

Mit der Förderung der Forschung für die Zukunft der Arbeit in einer digitalisierten Welt trägt die Bundesregierung dazu bei, geeignete Maßnahmen und passfähige Rahmenbedingungen für die Arbeitsgestaltung zu entwickeln. Ziel ist es zum einen, den technischen Fortschritt zu unterstützen, und zum anderen, Faktoren wie die Rechte von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, Kompetenzentwicklung, Arbeits- und Prozessinnovationen und die Gesunderhaltung am Arbeitsplatz umfassend zu berücksichtigen. So steht weiterhin der Mensch und nicht die Technik im Mittelpunkt.

Forschung für die Zukunft der Arbeit

In der Arbeitswelt der Zukunft müssen die Arbeitssysteme und Kompetenzen an die neuen technologischen Erfordernisse und die Bedürfnisse der sich in Zeiten des demografischen Wandels verändernden Belegschaft angepasst werden. Die vernetzte Tätigkeit mit digitalen Arbeitsmitteln und Arbeitsinhalten macht schon heute den überwiegenden Teil der Arbeit aus. Der Qualifizierung von Beschäftigten für die sich dynamisch verändernden Anforderungen kommt eine immer größere Bedeutung zu. Ganzheitliche Konzepte der Arbeits- und Organisationsgestaltung sowie fortschrittliche Konzepte der Personal- und Kompetenzentwicklung sind zu entwickeln und in der betrieblichen Praxis zu erproben.

Um den Herausforderungen des kontinuierlichen Wandels in der Arbeitswelt Rechnung zu tragen und frühzeitig die Weichen für optimal aufeinander abgestimmte und gute Arbeitsbedingungen zu stellen, fördert das BMBF seit 2016 mit dem Programm Zukunft der Arbeit innovative Konzepte der Personal-, Kompetenz- und Organisationsentwicklung. Das Programm wird aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds für Deutschland (ESF) mitfinanziert. Es folgt dem vorherigen Programm Arbeiten – Lernen – Kompetenzen entwickeln. Innova-tionsfähigkeit in einer modernen Arbeitswelt und ist Teil des 2014 veröffentlichten Rahmenprogramms Innovationen für die Produktion, Dienstleistung und Arbeit von morgen.

Das Programm Zukunft der Arbeit sieht in der Innovationsfähigkeit von Menschen, Unternehmen und Netzwerken einen Schlüsselfaktor zur langfristigen Sicherung des Forschungs- und Wirtschaftsstandorts, der insbesondere durch den demografischen Wandel in Deutschland sowie die zunehmende Digitalisierung vor besondere Herausforderungen gestellt ist. Ziel ist es daher, die Innovationsfähigkeit der deutschen Wirtschaft, basierend auf einem ganzheitlichen Verständnis, als zentralen Ansatzpunkt für Wachstum und Beschäftigung zu stärken. Wichtige Faktoren der Innovationsfähigkeit von Menschen und Unternehmen sind in diesem Kontext beispielsweise ein abgestimmtes Zusammenspiel von Mensch und Technik am Arbeitsplatz, kontinuierliches Lernen und die Entwicklung von Kompetenzen sowie gesundheitsförderliche Arbeitsplätze.

Thematische Förderschwerpunkte wurden im Berichtszeitraum in folgenden Bereichen gesetzt:

  • Arbeit in der digitalisierten Welt
  • Präventive Maßnahmen für die sichere und gesunde Arbeit von morgen
  • Betriebliches Kompetenzmanagement im demografischen Wandel
  • Innovationsfähigkeit im demografischen Wandel

Das Programm Zukunft der Arbeit trägt mit seiner Ausrichtung maßgeblich zur Umsetzung der Forschungsagenda des BMBF Das Alter hat Zukunft innerhalb der Demografiestrategie der Bundesregierung Jedes Alter zählt bei (siehe auch III 1.8 Gesellschaft und Bildung).

weiterlesen

Initiative Neue Qualität der Arbeit / Dialog Arbeiten 4.0

In der Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA) des BMAS engagieren sich Bund, Länder, Arbeitgeberverbände und Kammern, Gewerkschaften, die Bundesagentur für Arbeit, Unternehmen, Sozialversicherungsträger und Stiftungen gemeinsam für eine moderne Arbeitskultur und Personalpolitik. Ziel der Initiative ist die Verbesserung der Qualität der Arbeit, von der Unternehmen und Beschäftigte gleichermaßen profitieren. INQA bietet Sensibilisierung und konkrete Angebote für Unternehmen und Verwaltungen in vier personalpolitischen Handlungsfeldern: Personalführung, Chancengleichheit und Diversity, Gesundheit sowie Wissen und Kompetenz.

Im April 2015 startete das BMAS den Dialogprozess Arbeiten 4.0 und schuf damit einen Rahmen für einen teils öffentlichen, teils fachlichen Dialog über die Zukunft der Arbeitsgesellschaft. Arbeiten 4.0 geht über die heutige Normalität in den Betrieben hinaus und soll neue Perspektiven und Gestaltungschancen für die Zukunft der Arbeit im Zeichen von Digitalisierung und Technisierung aufzeigen. Im bereits veröffentlichten Grünbuch zum Dialogprozess wurden bisherige Analysen und offene Fragen zu wichtigen Entwicklungen und Handlungsfeldern in der Arbeitsgesellschaft von morgen zusammengestellt. Mit dem Grünbuch wurde eine breite Diskussion darüber in Gang gesetzt, wie wir arbeiten wollen und welche Gestaltungschancen es für Unternehmen, Beschäftigte, Sozialpartner und Politik gibt. Der Dialogprozess soll Ende 2016 mit einem Weißbuch Arbeiten 4.0 seinen Abschluss finden.

Im Rahmen seiner Ressortforschung hat das BMAS im Berichtszeitraum verschiedene wissenschaftliche Kurzexpertisen und Forschungsaufträge zur Fachkräftesicherung und zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen (Arbeitsqualität) vergeben. Die Ressortforschung der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) zielt, im Rahmen der fachlichen Unterstützung und Beratung des BMAS, auf die Verbesserung von Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit und ihre menschengerechte Gestaltung ab. Darüber hinaus leistet auch das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB) umfangreiche und vielfältige Spezialforschung zur Arbeit in der digitalisierten Welt (siehe auch EB II Organisationen und Einrichtungen in Forschung und Wissenschaft).

weiterlesen

Forschung für die Produktion der Zukunft

Produktion umfasst die gesamte Wertschöpfungskette der Produktentstehung von der strategischen Produktplanung und Ideenfindung über die konkrete Produktentwicklung und die Entwicklung des passenden Produktionssystems bis zur Produktionsdurchführung. Hinzu kommen die für den nachhaltigen Geschäftserfolg immer wichtiger werdenden produktbegleitenden Dienstleistungen, effiziente Logistiksysteme, das Recycling im Sinne einer Kreislaufwirtschaft sowie begleitende Initiativen im Bereich der Standardisierung und Normung. Produktionstechnologie nutzt und integriert innovative Erkenntnisse anderer Schlüsseltechnologien wie Nanotechnologie, Mikrosystemtechnik, Biotechnologie, optische und Werkstofftechnologien sowie Informations- und Kommunikationstechnologie.

Produktion und Dienstleistung bilden die zentrale Basis für eine leistungs- und wettbewerbsstarke Volkswirtschaft. Beide Bereiche stehen für hochwertige Beschäftigung und Innovation und haben vielfältige Auswirkungen auf die Arbeit von morgen. Im Jahr 2014 veröffentlichte das BMBF das Rahmenprogramm Innovationen für die Produktion, Dienstleistung und Arbeit von morgen. Die zusammengeführten Programme für Produktion, Dienstleistung und Arbeit sind als lernende Programme mit eigenen Steuerungsinstrumentarien angelegt. Über spezifische Bekanntmachungen bzw. Förderschwerpunkte werden Verbundvorhaben gefördert, die wissenschaftliche Erkenntnissuche mit der direkten betriebspraktischen Erprobung verbinden und so eine unmittelbare Umsetzung der Forschungsergebnisse gewährleisten. Das Rahmenprogramm Innovationen für die Produktion, Dienstleistung und Arbeit von morgen trägt mit seiner Ausrichtung zur Umsetzung der Digitalen Agenda 2014–2017 der Bundesregierung bei. So werden Arbeitsgestaltungs- und Produktionsforschungsansätze innerhalb des Zukunftsprojekts Industrie 4.0 gefördert (siehe auch III 1.1 Digitalisierung, Schlüsseltechnologien).

Das Rahmenprogramm unterstützt anwendbare Lösungen, um Wertschöpfung und Arbeitsplätze in Deutschland zu erhalten und auszubauen, die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen (insbesondere von KMU) zu stärken, Arbeit wirtschaftlich und sozial verträglich zu gestalten sowie die Produktions- und Dienstleistungsprozesse effizient und umweltgerecht weiterzuentwickeln. Erstmals wurde hier von Beginn an die Forschung für Produktion, Dienstleistung und Arbeit programmatisch verzahnt.

Mit der Entwicklung effizienter und nachhaltiger Produktionstechnologien und -systeme werden die Voraussetzungen für den technischen Vorsprung zu mehr Kundenindividualität, Ressourcenschonung und Zuverlässigkeit und damit für die Zukunft der Produktion in Deutschland geschaffen. Thematische Schwerpunkte sind u. a. Industrie 4.0, Ressourcen- und Energieeffizienz in der Produktion sowie produktbegleitende Dienstleistungs- und Logistikinnovationen. Gefördert werden interdisziplinäre Verbünde und die möglichst enge Zusammenarbeit von Wissenschaft und Wirtschaft. Die Produktionsforschung schafft damit Voraussetzungen für die notwendigen Effizienz- und Innovationssprünge, die auch in Zukunft den Wohlstand Deutschlands sichern.

Thematische Förderschwerpunkte wurden im Berichtszeitraum in folgenden Bereichen gesetzt:

  • Serienflexible Technologien für elektrische Antriebe von Fahrzeugen 2 (E-Antriebe2)
  • Kompetenz Montage – kollaborativ und wandlungsfähig
  • Additive Fertigung – Individualisierte Produkte, komplexe Massenprodukte, innovative Materia-lien
  • Industrie 4.0 – Forschung auf den betrieblichen Hallenboden
  • Produktionsanlagen für Wachstumsmärkte – intelligent einfach und effizient
  • Hochleistungsfertigungsverfahren für die Produkte von morgen – Technologieinnovationen auf dem Weg zur intelligenten Fertigung
  • Intelligente Vernetzung in der Produktion – Ein Beitrag zum Zukunftsprojekt Industrie 4.0
  • Serienflexible Technologien für elektrische Antriebe von Fahrzeugen

Insbesondere die Unterstützung von jungen, kleinen und mittelständischen Unternehmen wird als Garant für Veränderungen im Verarbeitenden Gewerbe sowie für die Sicherung vorhandener und den Aufbau neuer Arbeitsplätze gesehen. Kleine und mittlere Unternehmen mit Innovationspotenzial erhalten in der Maßnahme KMU-innovativ: Produktionsforschung des BMBF daher gezielte Unterstützung.

Das Portal „produktionsforschung.de" stellt umfassende Informationen zur Umsetzung der Förderlinien zur Verfügung. Hier stehen auch viele Dokumente aus geförderten Vorhaben zum Herunterladen bereit.

weiterlesen

Forschung für Dienstleistung der Zukunft

Mehr und mehr verschwindet die Trennlinie zwischen Angeboten von Sachgütern und Dienstleistungen. Viele Sachgüter des Alltags oder des Maschinen- und Anlagenbaus können nur über technikgestützte und produktbezogene Dienstleistungen effizient eingesetzt werden und so ihren vollen Nutzen für Kunden entfalten. Dienstleistung garantiert den kontinuierlichen Nutzen der Leistung für den Kunden in der Nutzungsphase. Die Produkte als Gesamtangebot werden komplexer, da Produkt- und Dienstleistungskomponenten zu einem hybriden Leistungsbündel verschmelzen und aus einer Hand angeboten werden können.

Im Jahr 2014 veröffentlichte das BMBF das Rahmenprogramm Innovationen für die Produktion, Dienstleistung und Arbeit von morgen. Das Programm berücksichtigt die wachsende Bedeutung der Dienstleistungen für den Innovationsprozess und die Gestaltung der gesellschaftlichen Herausforderungen wie Digitalisierung, Nachhaltigkeit, Mobilität, Produktivität und demografischer Wandel. Besonderer Wert wird auf die Beteiligung von Unternehmen gelegt. Sie sollen mit ihren Lösungen die Grundlagen für wirtschaftlich tragfähige Geschäftsmodelle, neuartige Vorgehensweisen und Lösungen legen. Unterstrichen wird die Bedeutung der Dienstleistungsforschung durch den Aktionsplan DL 2020. Zukunft gestalten mit Dienstleistungen. Der Aktionsplan thematisiert die Verknüpfung von Technologie und Dienstleistungen. Er gibt Impulse für die ressortübergreifende Zusammenarbeit mit anderen Fachprogrammen. Eine schon langjährige Zusammenarbeit gibt es mit der Energieforschung des BMBF im Rahmen des Wettbewerbs Energieeffiziente Stadt. Zusammen mit der Gesundheitsforschung des BMBF wird der Wettbewerb Gesundheits- und Dienstleistungsregionen von morgen umgesetzt.

Das Spektrum der Dienstleistungsforschung reicht von personenbezogenen Dienstleistungen über komplexe technik- und produktbezogene und wissensintensive Dienstleistungen bis hin zu IT-Diensten sowie Dienstleistungssystemen für Infrastrukturleistungen wie Sicherheits-, Verkehrs- und Energiesysteme. Dienstleistungssysteme bündeln Anbieter, Unternehmen und Organisationen über Branchen hinweg und beziehen Kunden und Nutzer meist mittels Informations- und Kommunikationstechnologien als Koproduzenten aktiv in den Leistungserstellungsprozess ein.

Thematische Förderschwerpunkte wurden im Berichtszeitraum in folgenden Bereichen gesetzt:

  • Technikbasierte Dienstleistungen
  • Smart Service Stadt: Dienstleistungsinnovationen für die Stadt von morgen
  • Dienstleistungsinnovation durch Digitalisierung
  • Dienstleistungsinnovation für Elektromobilität
  • Gesundheits- und Dienstleistungsregionen von morgen
  • Produktivität von Dienstleistungen
weiterlesen