Deutschlands Beitrag zum Europäischen Forschungsraum

Mit dem Europäischen Forschungsraum soll ein echter Binnenraum für Forschung und Innovation entstehen, in dem die Freizügigkeit der Forscherinnen und Forscher garantiert und der freie Austausch wissenschaftlicher Erkenntnisse und Technologien ermöglicht wird. Deutschland ist Motor und Impulsgeber für die Entwicklung eines exzellenzbasierten und international ausstrahlenden Europäischen Forschungsraums.

Damit Europa langfristig wettbewerbsfähig bleibt, wirtschaftlich wächst und die großen gesellschaftlichen Herausforderungen bewältigt, arbeiten die EU-Mitgliedstaaten eng in Forschung und Innovation zusammen. Zur Verwirklichung des Europäischen Forschungsraums werden Initiativen und Programme in sechs Themenfeldern erarbeitet und umgesetzt (EFR-Prioritäten).

  1. Effektivere nationale Forschungssysteme: stärker wettbewerblich gestützte Vergabe der Forschungsfördermittel, Anwendung der Kernprinzipien des internationalen Peer-Review, Umkehrung des Brain-Drain, Angleichung der unterschiedlichen Forschungs- und Innovationsleistungen der Mitgliedstaaten und Regionen, intelligente Spezialisierung
  2. Länderübergreifende Zusammenarbeit: gemeinsame Programmplanung, Festlegung und Durchführung gemeinsamer Forschungspläne zu den großen Herausforderungen, Verbesserung der Qualität durch europaweiten offenen Wettbewerb, Aufbau und effektiver Betrieb zentraler Forschungsinfrastrukturen auf paneuropäischer Grundlage
  3. Offener Arbeitsmarkt für Forscherinnen und Forscher: Beseitigung bestehender Hindernisse für einen attraktiveren Arbeitsmarkt für Forscherinnen und Forscher, Verbesserung der Mobilität der Forschenden zwischen Ländern und Forschungseinrichtungen sowie zwischen Wirtschaft und akademischer Forschung
  4. Gleichstellung der Geschlechter und Berücksichtigung des Gleichstellungsaspekts: stärkere Einbeziehung der Geschlechterdimension in die Gestaltung, Bewertung und Durchführung der Forschung, ausgewogene Beteiligung von Männern und Frauen in Entscheidungsgremien und Forschungsvorhaben
  5. Optimaler Austausch von, Zugang zu und Transfer von wissenschaftlichen Erkenntnissen: Umwandlung von wissenschaftlicher Forschung in Innovationen, Strategien für den Zugang zu wissenschaftlichen Informationen, Strategien für den Wissenstransfer zwischen öffentlichem und privatem Sektor, Zugangs- und Nutzungsstrategien für öffentliche E-Infrastrukturen
  6. Internationale Zusammenarbeit in Forschung und Entwicklung: Bilanz zum aktuellen Stand der internationalen Zusammenarbeit in Forschung und Innovation, Entwicklung eines neuen strategischen Ansatzes, Umsetzung der internationalen Zusammenarbeit in Horizont 2020

Die Fortschritte bei der Umsetzung dieser Prioritäten werden in zweijährigen Fortschrittsberichten abgebildet. Der zweite EFR-Fortschrittsbericht der Kommission brachte 2014 eine wichtige Zäsur. Er bestätigte, dass die Mitgliedstaaten sowie die europäischen Institutionen den Europäischen Forschungsraum auf eine solide Grundlage gestellt haben. Viele wichtige Ziele innerhalb der EFR-Prioritäten wurden erreicht. Um die verbliebenen Lücken zu adressieren, haben die Mitgliedstaaten im März 2015 einen Fahrplan beschlossen (ERA-Roadmap), der die Schwerpunkte für künftige Maßnahmen enthält. Darüber hinaus prägen neue Entwicklungen, insbesondere die Digitalisierung und die Zusammenarbeit in sozialen Netzwerken („Open Science"), den Europäischen Forschungsraum.

Strategie der Bundesregierung zum Europäischen Forschungsraum

Am 16. Juli 2014 verabschiedete das Kabinett die Strategie der Bundesregierung zum Europäischen Forschungsraum. Damit legte Deutschland als erster Mitgliedstaat eine eigene, nationale EFR-Strategie vor. Die Strategie umfasst politische Leitlinien und einen Maßnahmenkatalog mit mehr als 40 Schwerpunkten des deutschen Engagements zur weiteren Umsetzung des Europäischen Forschungsraums. Diese umfassen sowohl Maßnahmen der Bundesregierung als auch Beiträge der deutschen Forschungs- und Forschungsförderorganisationen. Thematisch orientieren sich die Maßnahmen an den sechs EFR-Prioritäten, sie decken auch wichtige Bereiche der Digitalisierung („Open Science") ab. Die Bundesregierung wird 2017 über die Umsetzung der Strategie berichten.

Ein wichtiges rechtliches Instrument bei der formalen Umsetzung der internationalen Forschungszusammenarbeit sind die bilateralen wissenschaftlich-technologischen Abkommen der EU mit prioritären Drittstaaten. Diese Abkommen (derzeit etwa 20) schaffen die Rahmenbedingungen, um gemeinsame Interessen, Prioritäten und Instrumente zu identifizieren. Die Union ist der einzige Vertragspartner, die Einbindung der EU-Mitgliedstaaten erfolgt in den Ratsarbeitsgruppen. Deutschland ist über das BMBF vertreten.

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