Digitalisierung, Schlüsseltechnologien

Digitalisierung und Schlüsseltechnologien sind wichtige Treiber für Innovationen und sichern die starke und weltweit wettbewerbsfähige industrielle Basis in Deutschland. Innovative Entwicklungen aus den Informations- und Kommunikationstechnologien, der Mikroelektronik, der Photonik, den Produktions- und Werkstofftechnologien oder auch aus der Mensch-Technik-Interaktion bilden die Grundlage für neue Produkte, Verfahren und Dienstleistungen in vielen industriellen und gesellschaftlichen Anwendungsbereichen. Insbesondere die Informations- und Kommunikationstechnologien haben die Welt in vielfacher Weise verändert. Digitale Wertschöpfung und Vernetzung schaffen Wachstum und sichern die Wettbewerbsfähigkeit.

Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) prägen mittlerweile alle Lebens- und Wirtschaftsbereiche. Sie treiben Innovationen, sorgen für Produktivitätszuwachs und tragen dazu bei, wirtschaftliches Wachstum, Wohlstand und Arbeitsplätze in der Zukunft zu sichern. Für Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit ist die gelungene Entwicklung und Integration digitaler Technologien in industriellen Anwenderbranchen entscheidend, denn IKT sind wichtige Treiber innovativer Wertschöpfungsketten und Produkte in vielen Wirtschaftszweigen. Eine zentrale Gestaltungsaufgabe für Wirtschaft, Wissenschaft und Politik ist es, den Wandel zu einer Industrie 4.0 und zu einer Arbeit 4.0 zu begleiten. Zudem kommt der Medienkompetenz für einen sicheren, ressourcenschonenden und verantwortungsbewussten Umgang mit IKT sowie der Ausgestaltung des sozialen Miteinanders in einer digitalisierten Welt eine wachsende Bedeutung zu.

Die Bundesregierung trägt mit einer umfassenden Forschungs- und Innovationspolitik zu nachhaltigen Erfolgen in diesem Bereich bei. Diese steht im Einklang mit der Hightech-Strategie und der Digitalen Agenda 2014–2017. Die ökonomischen Potenziale der voranschreitenden Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft sind frühzeitig nutzbar zu machen. Vorrangige Ziele sind die Unterstützung von Wirtschaft und Wissenschaft bei der Umsetzung von Industrie 4.0 und bei der Entwicklung innovativer Dienste und Dienstleistungen z. B. durch Big-Data-Technologien.

Schlüsseltechnologien sind aufgrund ihrer volkswirtschaftlichen Hebelwirkung von besonderer Bedeutung. für die deutsche Wirtschaft. Die konsequente Nutzung der wirtschaftlichen Potenziale von Schlüsseltechnologien sichert die starke Position des Produktionsstandorts Deutschland im globalen Wettbewerb. Insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen profitieren von einer breiten Nutzung der Schlüsseltechnologien für die Entwicklung international wettbewerbsfähiger Produkte und Dienstleistungen. Daher ist es ein wichtiges strategisches Ziel der Förderung, Brücken zwischen Technologien und Anwendungsfeldern zu bauen, um Forschungsergebnisse rasch in wirtschaftliche Erfolge umzuwandeln.

Softwaresysteme, Wissenstechnologien

Intelligente Softwaresysteme sind ein wichtiger Teilbereich der Informations- und Kommunikationstechnologien und Innovationstreiber in allen wesentlichen Wirtschaftszweigen. Orientiert an den Handlungsfeldern der Digitalen Agenda 2014–2017 fördert das BMBF die Weiterentwicklung von IT-Systemen auf Basis des Förderprogramms IKT 2020 – Forschung für Innovationen. Daraus abgeleitete Fördermaßnahmen priorisieren anwendungsorientierte strategische Kooperationen von Wissenschaft, Wirtschaft und Politik. Dazu soll nicht nur die gesamte Wertschöpfungskette mit einbezogen werden, sondern erwartet wird auch ein erheblicher finanzieller Eigenanteil der Wirtschaft. Mit der Fördermaßnahme KMU-innovativ: Informations- und Kommunikationstechnologien wird darüber hinaus die Beteiligung von kleinen und mittleren Unternehmen an der Fachförderung sichergestellt (siehe auch III 3.1 Innovativer Mittelstand).

Industrie 4.0, Big Data und das Höchstleistungsrechnen bilden die derzeitigen Schwerpunkte der Forschungsförderung zu Softwaresystemen und Wissenstechnologien:

Industrie 4.0 steht für die intelligente, digitale Vernetzung von Produktentwicklung, Produktion, Logistik und Kunden, welche durch den umfassenden Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologien in Produktionsabläufen unter Einbeziehung der notwendigen IT-Sicherheitsanforderungen hervorgerufen wird. Kennzeichen dieser Form der Industrieproduktion sind die starke Individualisierung der Produkte unter den Bedingungen einer hoch flexibilisierten Produktion (auch in großer Serie), die weitgehende Integration von Kundinnen und Kunden sowie Geschäftspartnerinnen und Geschäftspartnern in Geschäfts- und Wertschöpfungsprozesse und die Verkopplung von Produktion und hochwertigen Dienstleistungen, die in sogenannten hybriden Produkten mündet.

Industrie 4.0 ist eines von zehn Zukunftsprojekten der Hightech-Strategie der Bundesregierung und wird u. a. durch die von BMWi, BMBF, Wirtschaft, Gewerkschaften und Wissenschaften neu gestartete Plattform Industrie 4.0 umgesetzt (siehe Infobox Nationaler IT-Gipfel 2015).

Zur Realisierung von Industrie 4.0 veröffentlichte das BMBF seit 2012 sieben Förderbekanntmachungen, die mit einem Fördervolumen von insgesamt 120 Mio. Euro hinterlegt sind. Die geförderten Projekte sind in der 2015 erschienenen Dokumentation Industrie 4.0 – Innovationen für die Produktion von morgen dargestellt. Auf Basis dieser Projektergebnisse lassen sich künftige Forschungsbedarfe für die Förderung von Industrie 4.0 ableiten:

  • Mittelstand: Industrie 4.0 ist ein Forschungsthema mit Chancen und Potenzialen für eine vernetzte Fabrik. So können aufgrund von fehlenden technischen Standards derzeit noch keine zuverlässigen Annahmen getroffen werden, welche Technik sich als zukunftsfähig erweist. Im Rahmen der BMBF-Fördermaßnahme Intelligente Vernetzung in der Produktion – Ein Beitrag zum Zukunftsprojekt Industrie 4.0 werden hierzu Lösungen insbesondere für den Mittelstand erarbeitet (siehe auch III 1.3 Arbeit, Produktion und Dienstleistungen). Mit dem Förderschwerpunkt Mittelstand-Digital unterstützt das BMWi insbesondere KMU mit praxisrelevantem Wissen zur Anwendung und zum wirtschaftlichen Nutzen von digitalen Technologien und Industrie 4.0 (siehe auch III 3.1 Innovativer Mittelstand)
  • Standards und IT-Architekturen: Um einen klaren Informationsfluss gewährleisten zu können, müssen technische Standards in einer Referenzarchitektur definiert werden. Die von BMWi und BMBF gemeinsam geförderte Plattform Industrie 4.0 hat dazu das Referenzarchitekturmodell Industrie 4.0 (RAMI 4.0) erarbeitet. Dieses wird einen wichtigen Ansatz für die Umsetzung von Industrie 4.0 in der Praxis darstellen. Das BMBF fördert deshalb weiterführende Lösungsansätze, die auf RAMI 4.0 aufbauen.
  • IT-Sicherheit: Durch die zunehmende Vernetzung der industriellen Produktion steigen die Sicherheitsanforderungen, da mit der Vernetzung auch die Furcht vor unbefugtem Zugriff und Missbrauch von sorgfältig gehütetem Wissen wächst. Das BMBF hat 2015 das neue Forschungsprogramm IT-Sicherheit. Selbstbestimmt und sicher in der digitalen Welt und gemeinsam mit der Wirtschaft ein Nationales Referenzprojekt zur IT-Sicherheit in der Industrie 4.0 gestartet (siehe auch III 1.6 Sicherheit).
  • Qualifikation: Industrie 4.0 hat neben technologischen und ökonomischen Potenzialen auch Auswirkungen auf die Gestaltung künftiger Arbeitsprozesse. Zugleich sollten neue Chancen für die Beschäftigten genutzt werden. Dazu bedarf es neuer Ideen für Arbeitsgestaltung, Kompetenzentwicklung und Präventionskonzepte. Diese Forschung ist Teil des Förderprogramms Innovationen für die Produktion, Dienstleistung und Arbeit von morgen (siehe auch III 1.3 Arbeit, Produktion und Dienstleistungen).

Die Menge der in Wissenschaft und Wirtschaft produzierten Daten wächst exponentiell. Die Gründe für den rapiden Datenzuwachs sind neben der Digitalisierung von Inhalten und dem Austausch von Daten vor allem die Integration digitaler Mess-, Steuer- und Regelsysteme in Alltagsgegenstände sowie die Kommunikation dieser Systeme mit „intelligenten Umgebungen“. Die Verarbeitung der so erzeugten großen, heterogenen Datenmengen stößt mittlerweile an ihre Grenzen, weshalb innovative Big-Data-Technologien benötigt werden. Im gleichen Maße, wie sich die verfügbaren Datenmengen in vielen Branchen und Anwendungsfeldern vergrößern, können an diesen Stellen durch den Einsatz intelligenter Technologien neue Möglichkeiten für Wirtschaft und Wissenschaft erschlossen werden. Die Thematik Big Data hat damit eine Breitenwirkung, die über die reine IKT-Wirtschaft weit hinausgeht und der gesamten Gesellschaft einen hohen Mehrwert verspricht, gleichzeitig aber auch eines besonders verantwortungsvollen Umgangs mit ihr bedarf.

Das BMBF unterstützt die Forschung zum Umgang mit großen Datenmengen in Deutschland mit folgenden Aktivitäten:

  • Big-Data-Forschungsvorhaben: Forschungsbedarfe bestehen hinsichtlich der Extraktion nützlicher und verlässlicher Informationen aus riesigen Datenmengen, die in für Menschen verwertbare Daten transformiert und visualisiert werden. Das BMBF fördert zehn Projekte in den Anwendungsbereichen der Produktion, das heißt vor allem Industrie 4.0, aber auch den Lebenswissenschaften und den Geowissenschaften.
  • Big-Data-Kompetenzzentren: Das BMBF fördert zwei Kompetenzzentren, welche herausragende Kompetenzprofile auf dem Gebiet des Umgangs mit großen Datenmengen bieten. Das Berlin Big Data Center entwickelt automatisch skalierbare Technologien, die riesige Datenmengen organisieren und aus diesen fundierte Entscheidungen ableiten. Das Competence Center for Scalable Data Services and Solutions in Dresden und Leipzig verfolgt eine eher serviceorientierte Ausrichtung und wird in einem iterativen Prozess ein umfassendes Konzept für Big-Data-Services entwickeln sowie diese als anwendungsbezogene Lösungen zur Verfügung stellen. Zusätzlich wird das Smart Data Innovation Lab in Karlsruhe, das auf Betreiben der Wirtschaft im Rahmen des IT-Gipfel- Prozesses gemeinsam von Forschungsinstituten und Unternehmen gegründet wurde, eine umfangreiche Wissensbasis im Bereich Smart Data aufbauen und reale Daten aus Industrieunternehmen zu Forschungszwecken bereitstellen.
  • Förderkonzept Medizininformatik: Das BMBF fördert den Aufbau von Datenintegrationszentren und die Entwicklung von innovativen IT-Lösungen, um die großen Mengen medizinisch relevanter Daten zum Wohle von Patientinnen und Patienten zu nutzen (siehe auch III 1.4 Gesundheit und Ernährung)
  • Big-Data-Begleitforschung: Das BMBF evaluiert die Potenziale und Herausforderungen von Big Data mit einer Begleitforschung (siehe auch Infobox ABIDA – assessing big data).

ABIDA – assessing big data

Alle Anwendungen von Big Data bergen gleichzeitig Potenziale und Herausforderungen juristischer und gesellschaftlicher Art. Die ständig wachsende Menge verfügbarer Daten wirft Fragen von großer gesellschaftlicher Relevanz auf: etwa Fragen des Schutzes der Privatsphäre, von kommerziellen oder staatlichen Geschäftsprozessen, Fragen der Intransparenz oder des Schutzes vor kriminellen Datenmanipulationen sowie bei automatisierten Entscheidungen.

Deshalb wurde vom BMBF eine begleitende Forschung aufgesetzt, welche die gesamtgesellschaftlichen und wirtschaftlichen Folgen beim Umgang mit großen Datenmengen interdisziplinär analysiert. Dadurch wird ein verantwortungsvoller Umgang mit Big Data ermöglicht, und die Ergebnisse werden in den gesellschaftlichen Diskurs eingebracht.

Von 2015 bis 2019 fördert das BMBF das Projekt ABIDA mit insgesamt 6,4 Mio. Euro. Um gesellschaftliche Veränderungen durch Big Data zu ermitteln und zu beurteilen, werden nach Basisanalysen interdisziplinäre Vertiefungsstudien erarbeitet, die von Expertenworkshops und Fokusgruppen begleitet werden. Weiterhin sind drei „Bürgerkonferenzen“ und eine repräsentative Bevölkerungsumfrage geplant, um die Einschätzungen und Erwartungen von Bürgern zu eruieren. Darüber hinaus sollen Handlungsoptionen für Politik, Forschung und Entwicklung erarbeitet werden.

Im Juli 2016 veröffentlichen Forschende von ABIDA ein Sonderheft der International Review of Information Ethics (IRIE). Die Ausgabe wird den Titel „Ethics of Big Data“ tragen und setzt sich inhaltlich mit den politischen, sozialen und ethischen Dimensionen von Big Data auseinander.

Das Höchstleistungsrechnen hat die Art des Forschens und die Entwicklung von marktfähigen Innovationen revolutioniert. Die Simulation hat sich neben der Theoriebildung und dem Experiment als dritte Säule der Wissenschaft etabliert. Das Höchstleistungsrechnen ist mitentscheidend für den Erfolg unserer Wissenschaftslandschaft und vieler Bereiche unserer Industrie.

Die drei leistungsfähigsten Supercomputer Deutschlands sind unter dem Dach des Gauss Centre for Supercomputing (GCS) vereint, das 2007 gegründet wurde. Ihm gehören das Höchstleistungsrechenzentrum Stuttgart (HLRS), das Leibnitz Rechenzentrum der Bayerischen Akademie der Wissenschaften in Garching bei München (LRZ) und das Jülich Supercomputing Centre (JSC) mit ihren Supercomputern an (siehe auch EB II Organisationen und Einrichtungen in Forschung und Wissenschaft). Grundlage für diese Allianz ist eine Initiative des BMBF zusammen mit den Wissenschaftsministerinnen und -ministern von Baden- Württemberg, Bayern und Nordrhein-Westfalen zu einem Zusammenschluss der drei Standorte zu einem Verbund. Der Bund auf der einen und die drei Länder auf der anderen Seite finanzieren jeweils zur Hälfte den schrittweisen Ausbau der deutschen Höchstleistungsrechenkapazität in diesem Verbund bis 2017 mit insgesamt bis zu 400 Mio. Euro.

weiterlesen

Kommunikationssysteme

Zuverlässige, zugängliche und sichere Kommunikationssysteme und hochleistungsfähige Netzinfrastrukturen schaffen die Voraussetzung für Mobilität, Datenaustausch sowie Kapital-, Waren- und Dienstleistungstransfer. Hier geht es längst nicht mehr um einfaches Telefonieren. Kommunikationssysteme lassen uns via Kurznachrichtendienste und soziale Netzwerke miteinander in Verbindung treten. Sie sorgen aber auch für die Vernetzung von medizinischen Geräten in einem Operationsaal, und sie sind Voraussetzung für das Internet der Dinge und das Internet der Dienste sowie für die Energiewende oder den Betrieb vernetzter Produktionsanlagen und Lieferketten.

Ziel der Forschungsförderung des BMBF im Bereich Kommunikationssysteme ist es, die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands in den Kommunikationstechnologien, insbesondere in Anwendungsfeldern wie Industrie 4.0, Mobilität und Medizin weiter zu stärken. Das Erforschen neuer leistungsfähiger, sicherer, barrierefreier und energieeffizienter Kommunikationssysteme soll dazu beitragen, eine weltweite Spitzenposition der deutschen Wissenschaft und Wirtschaft, insbesondere auch im Bereich KMU und Mittelstand, zu sichern. Die frühzeitige Entwicklung neuer Technologien kann die Grundlage für künftige Kommunikationsstandards und neue Anwendungen bilden. So können zum Beispiel in Industrieanlagen komplex vernetzte Regelungsanlagen durch drahtlose Kommunikation wesentlich flexibler gestaltet werden, um die Individualisierung der Produkte zu ermöglichen und die Ausfallsicherheit der Produktion zu erhöhen. Aktuell gilt es vor allem, Technologien und Schnittstellen für die Nutzung des neuen Mobilfunkstandards 5G zu entwickeln.

Das BMBF hat dazu im Bereich Industrielle Kommunikation der Zukunft drei Forschungsschwerpunkte gestartet:

  • Zuverlässige drahtlose Kommunikation in der Industrie: Es werden acht Forschungsprojekte gefördert, in denen echtzeitfähige und hochverfügbare drahtlose Kommunikationslösungen insbesondere im Kontext Industrie 4.0 erforscht werden. Darüber hinaus adressiert ein Begleitforschungsprojekt wichtige Querschnittsthemen wie z. B. die Sicherheit, die Standardisierung und den Transfer der Projektergebnisse
  • 5G: Industrielles Internet: Forschung zu flexiblen, virtualisierten und anwenderfreundlichen Kommunikationsnetzen für die Industrie (Projektstart 2016)
  • 5G: Taktiles Internet: Erforschung von konvergenten, sicheren Netzwerkkonzepten auf Basis der neuen 5G-Technologien für neue Anwendungen und Geschäftsmodelle in Bereichen wie Industrie 4.0, Medizin und Mobilität (Projektstart 2017)

Die sichere technische Kommunikation ist für die digitale Vernetzung von Menschen, Organisationen und „Dingen“ eine der wesentlichen technischen Voraussetzungen. Sichere Hardwareplattformen, auf Fehler und Sicherheit getestete Softwarebibliotheken und Anwendungen, die Resistenz bieten gegen Angriffe und Manipulationen, sind weitere Anknüpfungspunkte für Forschungsbedarf (siehe auch III 1.6 Sicherheit).

weiterlesen

Entwicklung Digitaler Technologien

Digitale Inhalte und Dienste gewinnen in nahezu allen Wirtschaftsbereichen an Bedeutung. Aus der fortschreitenden Entwicklung und Konvergenz von bislang getrennten Technologien und Systemen ergeben sich dabei neue Möglichkeiten für innovative netzbasierte Produkte, Dienste und Anwendungen. Auch bietet die zunehmende Digitalisierung die Chance, neue Nutzerkreise bzw. Kundinnen und Kunden zu gewinnen.

Das BMWi greift in dem Aufgabenbereich Entwicklung digitaler Technologien die beiden Entwicklungstrends Internet der Dinge und Internet der Dienste auf. Adressiert werden Forschungs- und Entwicklungsprojekte im vorwettbewerblichen Bereich, um digitale Zukunftsthemen frühzeitig aufzugreifen und den Transfer von wissenschaftlichen Ergebnissen hin zu marktorientierten Spitzentechnologien mit hohem Anwendungspotenzial zu beschleunigen. Die Ergebnisse sollen Ausgangspunkt für die Schaffung von neuen marktfähigen Produkten, Lösungen und Geschäftsmodellen – insbesondere für die mittelständische Wirtschaft – sein.

Das 2015 gestartete Förderprogramm Digitale Technologien für die Wirtschaft, das mit 50 Mio. Euro ausgestattet ist, unterstützt Unternehmen dabei, kreative Ideen und neue wissenschaftliche Erkenntnisse umzusetzen, beispielsweise mit Blick auf industrielle 3D-Anwendungen, Service-Robotik und echtzeitfähige Kommunikation. Ziel ist es, innovative digitale Technologien besser und schneller in die Anwendung zu überführen. Weitere thematische Förderschwerpunkte wurden im Berichtszeitraum in folgenden Bereichen gesetzt:

  • Autonomik für Industrie 4.0: Förderung von 15 Projekten, in denen zukunftsweisende Ansätze für intelligente Produktionstechnologien und intelligente Produkte aufgezeigt werden sollen. Darüber hinaus adressiert ein Begleitforschungsprojekt wichtige Querschnittsthemen wie z. B. rechtliche Aspekte und unterstützt die Verwertung und den Transfer der Projektergebnisse (seit 2012)
  • Smart2Home: Förderung von vier Vorhaben zur Entwicklung integrierter Systeme der Haus- und Gebäudetechnik und neuer innovativer Dienste (seit 2014)
  • Smart Service Welt: Förderung von 16 Projekten zur Verknüpfung digitaler Anwendungsbereiche durch eine zielgerichtete, sichere Kombination von cyberphysischen Systemen, Datenmanagementtechnologien und offenen Diensteplattformen (seit 2015) (siehe auch III 1.3 Arbeit, Produktion und Dienstleistungen)
  • IKT für Elektromobilität II: Förderung von 18 Projekten zu den Themenbereichen Smart Car – Smart Grid – Smart Traffic (2011–2015), (siehe auch III 1.5 Mobilität).
  • IKT für Elektromobilität III mit den Themenbereichen Logistik-, Mobilitäts- und Energieinfrastrukturen (2015–2018), (siehe auch III 1.5 Mobilität).

Ergänzend werden durch strategische Technologieprojekte punktuell neue und herausragende Technologien und Lösungen vorangetrieben, von denen sich das BMWi langfristige und strategische Wirkungen im IKT-Sektor erwartet (siehe auch Infobox Die mobile Scanstraße CultLab3D).

Die mobile Scanstraße CultLab3D

Um dem wachsenden Bedarf nach einem optimierten Scanverfahren in 3D zu entsprechen, entwickelt das Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung (IGD) derzeit im Rahmen von CultLab3D den weltweit ersten Ansatz zur 3D-Massendigitalisierung von Artefakten. Durch Automatisierung des gesamten Prozessablaufs soll die bisher zeitintensive Datenakquise beschleunigt werden, um große Mengen an dreidimensionalen Objekten schnell und günstig in 3D erfassen zu können. Gleichzeitig wird eine originalgetreue Objektwiedergabe in hoher Qualität angestrebt, indem neben der Erfassung von Geometrie und Textur auch optische Materialeigenschaften berücksichtigt werden. Dies erfolgt unter Verwendung von neuesten Generationen autonomer und nachgiebiger Roboter sowie optischen Scantechnologien, die unter Berücksichtigung der Umgebungsbeleuchtung eingesetzt werden. Weiteres Ziel des Verbundprojektes ist die Verknüpfung von 3D-Modellen mit multimedialen Informationen und Metadaten. Gegenwärtig befindet sich CultLab3D noch in der Entwicklungsphase. Im Rahmen von ersten Praxistests mit Museumspartnern konnte eine Auswahl an Objekten in 3D gescannt werden. Der Einsatz vor Ort hat gezeigt, dass die Erfassung in hoher Qualität innerhalb des angestrebten Zeitraums unter realen Museumsbedingungen umgesetzt werden kann.

CultLab3D wird vom BMWi und der Fraunhofer-Gesellschaft gefördert. Es wurde 2013 auf der Digital Heritage Konferenz, der bisher größten Veranstaltung zum Thema Digitales Kulturgut unter der Schirmherrschaft der UNESCO, mit dem „Digital Heritage International Congress and V-MUST.NET“-Preis für das technisch beste Exponat ausgezeichnet.

weiterlesen

Digitale Medien in der Bildung

Neben den technologischen und ökonomischen Konsequenzen bewirkt die Digitalisierung auch einen tief greifenden Transformationsprozess zu einer digitalen Informations- und Wissensgesellschaft. Die Bundesregierung adressiert daher in der Digitalen Agenda auch das Thema der Stärkung der digitalen Medienkompetenz in vielfältigen Facetten. Im Privat- oder Berufsleben sind digitale Medien bereits allgegenwärtig. Diese Entwicklung erfordert zum einen die fortlaufende Weiterentwicklung des Bildungssystems und sollte zum anderen neben den Potenzialen digitaler Medien, beispielsweise in der Bildung, auch auf die durch digitale Medienumgebungen entstehenden Herausforderungen für Kinder und junge Menschen abstellen. Hieraus ergeben sich neue Forschungsfragen. Bildungsangebote mit digitalen Medien stellen den lernenden Menschen mit seinen Bedürfnissen in den Mittelpunkt. Sie schaffen Voraussetzungen, um mit schnell wechselnden Lerninhalten Schritt zu halten. Digitale Medien bieten somit hohe Flexibilität für eine schnellere Anpassung an neue Entwicklungen und einen veränderten Bedarf. Sie bieten auch neue methodische Zugänge zum Lernen und zur Kompetenzentwicklung für spezifische Zielgruppen. Insbesondere für die Inklusion von Menschen mit Behinderungen in Schule und Beruf leisten digitale Medien einen wesentlichen Beitrag.

Das BMBF fördert derzeit im Rahmen des Förderprogramms Digitale Medien in der beruflichen Bildung (DIMEBB) und mit dem Einsatz von Mitteln aus dem Europäischen Sozialfonds in mehreren Initiativen die Entwicklung, Erprobung und den Einsatz neuer Bildungsangebote mit digitalen Medien in der beruflichen Aus- und Weiterbildung. Gefördert werden aktuell knapp 200 Einzelvorhaben mit einem Fördervolumen von jährlich ca. 13 Mio. Euro. Mittels der Förderung werden qualifizierte Angebote zur beruflichen Qualifizierung und Weiterbildung geschaffen. Es werden Lernortkooperationen und die Vernetzung der Akteure auf dem Bildungssektor unterstützt, die somit zu einer stärkeren Durchlässigkeit innerhalb des nationalen Bildungssystems beitragen. Ein Schwerpunkt der Förderung liegt auf Projekten zur Stärkung der Medienbildung. Die regelmäßig stattfindende Programmtagung eQualification bietet den geförderten Projekten in zahlreichen Workshops und Diskussionsforen die Möglichkeit des fachlichen Austauschs und der Vernetzung. Regelmäßig werden Broschüren und Flyer zu einschlägigen Themen im Bereich des Förderprogrammes veröffentlicht.

Kinder und Jugendliche haben digitale Medien ganz selbstverständlich in ihren Alltag integriert. Im Umgang damit erwerben sie wichtige Schlüsselkompetenzen zur Teilhabe in unserer medial geprägten Gesellschaft. Mit der zunehmenden Bedeutung von digitalen Medien im Alltag der Kinder und Jugendlichen steigen auch die Anforderungen an ihre digitale Medienkompetenz. Diesen Aspekt hat das BMFSFJ in zwei Forschungsvorhaben näher untersucht: im Monitoring Jugendmedienschutz und Medienerziehung in digitalen Medienumgebungen: Empirische Evidenz und politische Herausforderungen des Hans-Bredow-Instituts sowie im Projekt Digitale Medien: Beratungs-, Handlungs- und Regulierungsbedarf aus Elternperspektive des Deutschen Jugendinstituts (DJI).

Das Monitoring Jugendmedienschutz und Medienerziehung in digitalen Medienumgebungen: Empirische Evidenz und politische Herausforderungen umfasst eine halbjährlich erscheinende Publikation über aktuelle nationale und internationale Forschungsergebnisse und Regulierungsansätze zur familiären Medienerziehung und liefert qualitative Daten zum Alltag der Medienerziehung in Familien. Das Projekt lieferte mit Laufzeitende im Jahr 2015 empirisch fundierte Aussagen und Handlungsoptionen für das politische Aktionsfeld der Weiterentwicklung des Kinder- und Jungendmedienschutzes.

Im Forschungsprojekt Digitale Medien: Beratungs-, Handlungs- und Regulierungsbedarf aus Elternperspektive untersucht das DJI den medienerzieherischen Beratungsbedarf aus Elternperspektive anhand der gegenwärtigen Erziehungspraxis in Familien. Es basiert auf einer Zusatzbefragung des DJI-Survey „Aufwachsen in Deutschland: Alltagswelten“ (AID:A). Befragt wurden Elternpaare (Mütter und Väter) mit Kindern im Alter zwischen einem und 15 Jahren, insgesamt 350 Elternpaare pro Altersjahrgang.

weiterlesen

Modernitätsfonds

Der Modernitätsfonds ist das datenbasierte Forschungsförderprogramm des BMVI mit einem Volumen von rund 100 Mio. Euro, er investiert in die digitale Mobilität und Vernetzung in Deutschland. Er ist Element des Handlungsfelds „Mobilität fördern und neue Dienste unterstützen“ der Digitalen Agenda im Bereich „Digitale Infrastrukturen“.

Das BMVI ist das Ressort mit den meisten Daten haltenden Behörden und dem größten Datenvolumen innerhalb der Bundesverwaltung. Die Datenvielfalt reicht dabei von Informationen über Verkehrsinfrastrukturen, Wetter, Meeresumwelt bis zu Satellitendaten aus dem europäischen Copernicus-Programm. Die vielfältigen Nutzungspotenziale dieser Daten in der Verwertung für Innovation und Vernetzung sind derzeit noch nicht ausreichend erschlossen.

Ziel des Programms ist daher die Öffnung des Datenbestands des BMVI im Sinne eines Open-Data-Ansatzes für alle interessierten Akteure. Der Modernitätsfonds fördert FuE-Vorhaben, die auf Basis der Daten des Geschäftsbereichs systematisch neue Nutzungs- und Vernetzungsmöglichkeiten entwickeln und zielgerichtet den Datenbedarf der Zukunft identifizieren. Schwerpunkte der Förderung sind die Themen Datenzugang, Datenbasierte Anwendungen und Daten-Governance. Auf diese Weise sollen z. B. Effizienzsteigerungen in der Alltagsmobilität, datenbasierte Geschäftsmodelle in der digitalen Wirtschaft und eine bessere Datengrundlage für die Wahrnehmung öffentlicher Aufgaben realisiert werden. Der Modernitätsfonds leistet damit nicht nur einen wesentlichen Beitrag zur Digitalen Agenda der Bundesregierung, sondern auch zur nationalen Umsetzung der Open-Data-Charta der G8.

Der Modernitätsfonds steht einem breiten Fördernehmerkreis aus Wirtschaft, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Behörden mit FuE-Aufgaben offen. Um Netzwerkeffekte zu erzielen und die Akteure der Community zusammenzubringen, werden Verbundprojekte zwischen den unterschiedlichen Fördernehmern ermöglicht. Die geförderten Projekte können von der Ideenentwicklung bis zur angewandten Forschung und der Erprobung von Prototypen reichen. Die Wettbewerbsformate Hackathon und Ideenwettbewerb ergänzen die FuE-Projektförderung und werden kontinuierlich während der Förderperiode durchgeführt.

weiterlesen

Elektronik und Elektroniksysteme

Elektronische Systeme gehören zu den wichtigsten Schlüsseltechnologien des 21. Jahrhunderts. Die Elektronik hat alle Lebens- und Wirtschaftsbereiche unserer Gesellschaft erobert. Elektronische Bauteile in Computern und in Mobiltelefonen, in der Haushalts-, Unterhaltungs- oder Automobiltechnik erleichtern den Alltag und sind unverzichtbar für Innovationen in allen modernen Technologiebereichen. Auch in Zukunft werden Elektroniksysteme einen wichtigen Beitrag leisten, insbesondere für die Steigerung der Energieeffizienz, im Feld der Elektromobilität und in der Digitalisierung der Industrie. Trotz des starken internationalen Wettbewerbs ist die deutsche Elektronikindustrie strategisch gut positioniert und setzt sowohl auf grundlagen- als auch anwendungsbezogene Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten (siehe auch Infobox Mikrosystemtechnik).

Die Förderung von Elektronik und Elektroniksystemen erfolgt bisher maßgeblich unter dem Dach der Programmgruppe IKT 2020, dem BMBF-Forschungsprogramm im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologien. Anfang 2016 erschien ein neues Rahmenprogramm der Bundesregierung zur Förderung der Mikroelektronik in Deutschland. Bis 2020 beabsichtigt das BMBF, damit bis zu 400 Mio. Euro für Innovationen in der Mikroelektronikindustrie und ihren Anwenderbranchen bereitzustellen.

Im Fokus der Förderung stehen neue Anwendungen im Bereich der energieeffizienten Leistungselektronik durch Forschungen zu innovativen Materialien, Bauelementen, Schaltungen sowie neuen Aufbau-, Verbindungs- und Prozesstechniken. Mit moderner Leistungselektronik lassen sich die Verluste, die bei der Umformung und der Verteilung elektrischer Energie entstehen, auf ein Minimum reduzieren. Auch die Elektromobilität ist ein bedeutendes Anwendungsfeld für innovative Forschung an elektronischen Systemen. Die Forschungsförderung auf dem Gebiet der elektronischen Komponenten und Systeme ermöglicht zukunftsweisende Innovationen für das Auto von morgen (siehe auch III 1.5 Mobilität). Ein weiteres Fördergebiet im Berichtszeitraum ist die Weiterentwicklung der elektronischen Sensortechnik. Der Einsatz moderner sensorgestützter Verfahren und Bauteile, wie z. B. RFID-Transponder (radio-frequency identification), ermöglicht die Optimierung, Flexibilisierung und Beschleunigung von Produktionsprozessen.

Thematische Förderschwerpunkte wurden im Berichtszeitraum in folgenden Bereichen gesetzt:

  • Kompakte und robuste Leistungselektronik der nächsten Generation (KomroL) zur Erschließung von Energie-Einsparpotenzialen beispielsweise im Bereich der nachhaltigen Mobilität
  • Elektroniksysteme für das vollautomatisierte Fahren (ELEVATE) zur Erarbeitung technologischer Grundlagen für das automatisierte Fahren in urbanen Umgebungen und die Nutzung von Synergien von elektrischem und automatisiertem Fahren
  • Sensorbasierte Elektroniksysteme für Anwendungen für Industrie 4.0 (SElekt 4.0) zur Vernetzung der Produktion durch elektronische Sensoren

Das BMBF unterstützt die regionale Vernetzung und enge Zusammenarbeit von Wissenschaft und Industrie zur Sicherung der schnellen wirtschaftlichen Nutzung von Innovationen im Bereich der Mikroelektronik:

  • Die Spitzencluster-Förderung hat mit CoolSilicon in Sachsen und mit MicroTec Südwest in Baden-Württemberg komplexe Netzwerke aus Produzenten von Halbleiterbauelementen, Material- und Technologiezulieferern, Serviceeinrichtungen sowie FuE-Strukturen wachsen lassen. Durch die BMBF-Förderung von Kompetenzzentren sollen in Zukunft weitere Technologiecluster und regionale Vernetzungsaktivitäten für Elektronikbauelemente und Geräte für die Elektronikfertigung angestoßen werden.
  • Mit der European Strategy for Micro- and Nanoelectronic Components and Systems aus dem Jahr 2013 hat die Europäische Kommission einen Vorschlag zur zukünftigen Gestaltung der Förderung von Forschung und Innovation auf europäischer Ebene vorgelegt. Die Bundesregierung übernimmt eine aktive Rolle bei der Ausgestaltung und Umsetzung der europäischen Förderstrategie.
  • Der Bund und das Land Sachsen stärken die deutsche Beteiligung an dem europäischen Forschungsprogramm ECSEL (Electronic Components and Systems for European Leadership) und stellen dafür gemeinsam bis zu 400 Mio. Euro bereit. Ziel des bis 2024 laufenden Programms ist es, den Weltmarktanteil der europäischen Mikroelektronik erheblich zu steigern.
  • Im Berichtszeitraum haben Vertreter der beteiligten Länder und des europäischen Industrieverbandes Aeneas den Startschuss für den EUREKA-Cluster Pan European partnership in micro and Nano-Technologies and Applications (PENTA) gegeben. PENTA ermöglicht von 2016 bis 2020 Forschungsprojekte zur Mikroelektronik im Umfang von mindestens 500 Mio. Euro, an denen sich der Bund mit einer Förderung von insgesamt 50 Mio. Euro beteiligen will.

Mikrosystemtechnik

Mikrosysteme sind kleinste technische Strukturen, die Signale aus ihrer Umwelt aufnehmen und selbstständig in zielgerichtete Aktionen umsetzen. In der Mikrosystemtechnik werden mikromechanische, -optische oder -fluidische Bauelemente zu immer leistungsfähigeren mikroelektronischen Systemen verbunden. Das breite Einsatzspektrum der Mikrosystemtechnik reicht von der Kfz-Sicherheit über Medizin und altersgerechte Assistenzsysteme bis zur Produktionstechnik. Die BMBF-Förderung der Mikrosystemtechnik und deren interdisziplinäres Zusammenwirken mit anderen Schlüsseltechnologien tragen dazu bei, wegweisende technologische Lösungen für „Systeme für den Menschen“ zur Verfügung zu stellen, um gesellschaftliche Herausforderungen wie den demografischen Wandel zu bewältigen.

weiterlesen

Neue Materialien und Werkstoffe

Innovationen aus der Materialforschung sind ein Schlüssel bei der Lösung unserer Zukunftsaufgaben. Neue Werkstoffe helfen, die Material- und Energieeffizienz zu steigern, die Lebensqualität zu verbessern und die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie zu erhöhen. Die Anwendungsfelder für neue Materialien und Werkstoffe sind vielfältig. Sie reichen von der Energietechnik, der Ressourcenschonung, der Mobilität, Gesundheit und Lebensqualität bis zu Anwendungen im Bausektor.

Im Jahr 2015 hat das BMBF mit Vom Material zur Innovation ein neues Rahmenprogramm zur Förderung der Materialforschung veröffentlicht. Das Förderprogramm baut auf dem erfolgreichen Vorgängerprogramm Werkstoffinnovationen für Industrie und Gesellschaft – WING auf, welchem der 2015 veröffentlichte Evaluierungsbericht eine zielführende Förderstrategie attestierte.

Die Förderung richtet sich an Kooperationsprojekte zwischen Unternehmen, Hochschulen und Forschungseinrichtungen, wobei insbesondere KMU stärker in den Innovationsprozess eingebunden sowie wissenschaftliche Nachwuchskräfte qualifiziert werden sollen. Das neue Förderprogramm ist bis zum Jahr 2025 angelegt und mit rund 100 Mio. Euro jährlich ausgestattet. Schwerpunkte der Förderung sind beispielsweise der Ausbau von Werkstoffplattformen, die Entwicklung industriell breiter Prozess- und Produktinnovationen und die Unterstützung anwendungsorientierter Projekte zu Werkstoffinnovationen.

Werkstoffplattformen sind übergreifende Cluster unterschiedlicher Projekte zu einer Werkstofftechnologie oder Materialgruppe. Eine erfolgreiche Werkstoffplattform entwickelt Werkstoffe bis zu einem technologischen Reifegrad, der es erlaubt, verschiedene anwendungsorientierte Entwicklungen aufzugreifen. Themen für mögliche Werkstoffplattformen sind adaptive und intelligente Materialien, Hybridwerkstoffe, Carbon-Werkstoffe, katalytische Materialien, Magnetmaterialien sowie Biomaterialien.

Hinsichtlich der Prozess- und Fertigungstechnik werden Innovationen in der wirtschaftlichen Herstellung und Verarbeitung, wie zum Beispiel durch Flexibilisierung, Hochautomatisierung und Digitalisierung, durch künftige Förderaktivitäten mit adressiert.

Parallel zu den spezifischen Themen der Materialforschung fördert das BMBF Querschnittsaktivitäten. Thematische Förderschwerpunkte wurden im Berichtszeitraum in folgenden Bereichen gesetzt:

  • KMU-innovativ: Materialforschung unterstützt seit 2015 gezielt kleine und mittlere Unternehmen bei Forschungsvorhaben im Bereich der Materialentwicklung und der Nanotechnologie.
  • Der Nachwuchswettbewerb NanoMatFutur 2015 wendet sich in seiner nunmehr dritten Wettbewerbsrunde an exzellente Nachwuchsforscherinnen und Nachwuchsforscher aus den Bereichen der Material- und Nanowissenschaften. Er ermöglicht herausragenden Postdoktorandinnen und Postdoktoranden den Aufbau einer eigenen Nachwuchsgruppe und fördert die Qualifikation für zukünftige Leitungsaufgaben in Wissenschaft und Industrie.
  • NanoMatTextil fördert die Anwendung von Erkenntnissen der Werkstoff- und Nanotechnologie in der Textilindustrie.
  • In der Förderung der Materialforschung im Anwendungsfeld Gesundheit und Lebensqualität werden beispielsweise innovative Therapie- und Diagnoseverfahren erforscht, um beispielsweise durch den Einsatz von Nanomaterialien einen effizienteren Wirkstofftransport im Körper zu ermöglichen (Bio-Transporter).
  • Innovationsallianzen von Industrie und Wissenschaft fördert das BMBF in den Themenfeldern Kohlenstoff-Nanoröhren (Inno.CNT) und Lithium-Ionenbatterien (LIB 2020).
weiterlesen

Nanorisikoforschung als Teil der Materialforschung

Als ein Teilbereich der Werkstoffforschung haben nanotechnologische Anwendungen bereits in eine Vielzahl von Produkten und Prozessen Einzug gehalten. Dabei werden gezielt neue funktionelle Eigenschaften ausgenutzt, die Objekte und Materialstrukturen mit Dimensionen im Nanometerbereich aufweisen. Die Erschließung des wirtschaftlichen Potenzials der Nanotechnologie setzt einen verantwortungsvollen Umgang mit ihr voraus. Der Nutzen nanotechnologiebasierter Produkte muss gegenüber potenziellen Risiken und Gefahren von Nanomaterialien für Mensch und Umwelt sorgfältig abgewogen werden. Aus diesem Grund stellt die Nanorisikoforschung einen wichtigen Schwerpunkt in der Förderung durch den Bund dar. Im Rahmen des Aktionsplans Nanotechnologie 2020 bündelt die Bundesregierung ihre Aktivitäten zur Nanorisikoforschung und unterstützt – beispielsweise durch Aktivitäten der Ressortforschungseinrichtungen – die Gestaltung innovationsfreundlicher Rahmenbedingungen für deutsche Unternehmen inklusive KMU.

Das BMBF fördert nationale Vorhaben mit Bezug zur Nanorisikoforschung im Rahmen der Fördermaßnahme NanoCare, auf europäischer Ebene beispielsweise durch Beteiligung an Koordinierungsmaßnahmen wie ERA-Net SIINN und durch Aktivitäten des EU-Rahmenprogramms für Forschung und Innovation (Horizont 2020).

weiterlesen

Photonik

Licht wird nicht nur für die Beleuchtung benutzt, sondern ist heute ein sehr flexibles und wirksames Werkzeug in der Forschung, in der Produktion, der Kommunikation und der Medizin. Die photonische Industrie erforscht und produziert Technologien für die Erzeugung, Steuerung und Messung von Licht. Auf diesem Gebiet sind deutsche Unternehmen und Institute international führend. Ihre Forschungsergebnisse und Produkte beeinflussen unter anderem die Produktionstechnik, Bildverarbeitung und Messtechnik, Medizintechnik und Lebenswissenschaften, Beleuchtungstechnik, Energietechnik sowie optische Komponenten und Systeme etwa für die Computer- und Kommunikationstechnik.

Das BMBF-Forschungsprogramm Photonik Forschung Deutschland – Licht mit Zukunft ist in einem offenen Dialog mit der Fachwelt entstanden und stellt die gemeinsame Strategie von Bundesregierung, Instituten und Unternehmen für die Photonikforschung 2012 bis 2021 dar. Das Innovationssystem der Photonik wird so weiterentwickelt, dass die Chancen der Schlüsseltechnologie optimal genutzt werden können. Bis 2021 stellt die Bundesregierung dafür jährlich rund 100 Mio. Euro zur Verfügung.

Thematische Förderschwerpunkte wurden im Berichtszeitraum in folgenden Bereichen gesetzt:

  • Seit 2015 fördert das BMBF im Förderschwerpunkt Effiziente Hochleistungs-Laserstrahlquellen (EffiLAS) innovative Laserstrahlquellen, um deren Markteintritt zu beschleunigen und Einsatzgebiete zu erweitern.
  • In der Maßnahme Open Photonik werden moderne Open-Innovation- und Open-Source-Ansätze für den Innovationsprozess gefördert, um Innovationsprozesse vielfältiger und offener zu machen und damit auch unerwartete Innovationen zu ermöglichen (siehe auch III 5 Transparenz und Partizipation).
  • Die Initiative Make Light unterstützt die Maker- Bewegung bei der Nutzung des Lichts, u. a. mit einem jährlichen Online-Wettbewerb und Maker-Treffen. Zum Festival of Lights in Berlin fand im Oktober 2015 das Make-Light-Labor für Schülerinnen und Schüler sowie Familien statt.
  • Photonik Plus – Neue optische Basistechnologien unterstützt seit 2015 komplexe und risikoreiche Projekte der optischen Grundlagenforschung mit großem Marktpotenzial.
  • Die Maßnahme Digitale Optik berücksichtigt die enge Verzahnung optischer und elektronischer Funktionsebenen und fördert die interdisziplinäre Erforschung von integrierten Systemen, Technologien und Funktionalitäten.
  • Die Maßnahme Photonische Systemlösungen für Medizin und Biotechnologie zielt auf die Erforschung von Geräten für den Einsatz im praktischen Kontext, z. B. für die patientennahe Diagnostik, für die medizinische Therapie in Klinik und Praxis oder zur Überwachung des aktuellen Gesundheitszustands durch Körpersensoren.
  • Gezielte Unterstützung von Forschung und Entwicklung im Bereich der optischen Technologien erfahren kleine und mittelständische Unternehmen in der 2015 veröffentlichten Maßnahme KMU-innovativ: Photonik (siehe auch III 3 Innovationsdynamik in der Wirtschaft).
weiterlesen

Mensch-Technik-Interaktion

Interaktive Technologien bedeuten einen grundlegenden Wandel in der Technologieentwicklung. Basierend auf Schlüsseltechnologien wie den Informations- und Kommunikationstechnologien und der Elektronik optimieren sie das Zusammenspiel von Mensch und Technik. Auf diese Weise entstehen innovative Lösungen, die Menschen in immer mehr Lebensbereichen unterstützen – von der mitdenkenden Wohnung über die intelligente Mobilität und die Gesunderhaltung bis hin zur assistierten Pflege. Moderne Technologien optimal den Bedürfnissen des Menschen anzupassen ist eine große Herausforderung für die Gesellschaft. Das BMBF fördert die Entwicklung interaktiver Technologien im Rahmen des Förderschwerpunktes Mensch-Technik-Interaktion (MTI). In dem Förderschwerpunkt wurden unter anderen folgende Fördermaßnahmen aufgelegt:

  • In den beiden Innovationsclustern BeMobil und KogniHome werden unterstützende technische Systeme für den Alltag entwickelt; im Fokus stehen das selbstbestimmte Wohnen und die Bewegungsmobilität im Alter (seit 2014).
  • Mit den drei Förderschwerpunkten Pflegeinnovationen für Menschen mit Demenz (seit 2014), Pflegeinnovationen zur Unterstützung informell und professionell Pflegender (seit 2014) und Innovationen für die Intensiv- und Palliativpflege (seit 2015) werden Innovationen der MTI gefördert, die dazu beitragen, die Selbstbestimmung und Lebensqualität von Pflegebedürftigen zu verbessern und professionell Pflegende ebenso wie pflegende Angehörige zu entlasten.
  • Innovationen für Kommunen und Regionen im demografischen Wandel (InnovaKomm) fördert Innovationen der MTI, welche konkrete Probleme von Kommunen und Regionen aufgreifen (seit 2014).
  • Vom technischen Werkzeug zum interaktiven Begleiter (InterEmotio) fördert Projekte der MTI, die durch die Integration sozialer und emotionaler Aspekte die Funktionalität und Effizienz interaktiver Systeme erhöhen (seit 2013).
  • Interdisziplinärer Kompetenzaufbau zur Mensch-Technik-Interaktion für den demografischen Wandel fördert technologische Innovationen und Konzepte der MTI für mehr Selbstbestimmung und Lebensqualität älterer Menschen (seit 2013).

Im Dezember 2015 wurde das neue Forschungsprogramm zur Mensch-Technik-Interaktion Technik zum Menschen bringen gestartet. Mit ihm werden die bisherigen Fördermaßnahmen des BMBF im Bereich der MTI weiterentwickelt und intensiviert. Die Themenfelder des Forschungsprogramms orientieren sich an den gesellschaftlichen Herausforderungen, die die Bundesregierung in ihrer neuen Hightech-Strategie als prioritäre Zukunftsaufgaben identifiziert hat. Im Zentrum stehen die Themen Intelligente Mobilität, Digitale Gesellschaft und Gesundes Leben. Zeitgleich mit dem Start des Programms wurde bereits der neue Förderschwerpunkt Interaktive körpernahe Medizintechnik ins Leben gerufen. Für die weitere Umsetzung des Forschungsprogramms stellt das BMBF bis Ende 2020 jährlich bis zu 70 Mio. Euro zur Verfügung.

Kennzeichnend für die Fördermaßnahmen des BMBF im Bereich der MTI ist ein integrierter Forschungsansatz: Neben den technischen Aspekten der Mensch- Technik-Interaktion betrachtet das Forschungsprogramm auch die nicht technischen Dimensionen, die mit einer verantwortungsvollen Gestaltung der Forschung und Entwicklung verbunden sind. Dazu zählt die Auseinandersetzung mit den ethischen, rechtlichen und sozialen Fragen der MTI ebenso wie die Nutzerintegration und die internationale Perspektive. Diese Aspekte werden im Rahmen dieses Forschungsprogramms systematisch zusammengeführt und wechselseitig aufeinander bezogen.

Ein wesentliches Ziel des Forschungsprogramms ist darüber hinaus eine signifikante Beteiligung von KMU, um das vorhandene Innovationspotenzial des deutschen Mittelstands zu erhalten, zu nutzen und auszubauen. KMU werden daher in den Fördermaßnahmen zur MTI besonders berücksichtigt. Sie haben überdies Zugang zur BMBF-Förderlinie KMU-innovativ. Im Rahmen dieser Förderlinie ist ein eigener Technologie- und Anwendungsbereich zur MTI eingerichtet worden.

weiterlesen