Europäische Initiativen und Programme

Ergänzend zu Horizont 2020 existieren weitere Initiativen und Programme zur Förderung von Forschung und Innovation im Europäischen Forschungsraum. Neben den Bereichen grenzüberschreitende Zusammenarbeit und Vernetzung stehen insbesondere kleine und mittlere Unternehmen im Fokus der Förderung.

EUREKA und COST sind lang etablierte technologieoffene Initiativen zur Förderung von grenzüberschreitenden Forschungsverbünden. Der Fokus von COST liegt auf der Förderung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit von Forschenden und beinhaltet auch Mobilitätshilfen und Konzertierungskosten. Eurostars unterstützt KMU dabei, Kooperationsprojekte mit europäischen Partnern durchzuführen und daraus entstehende innovative Produkt- oder Prozessideen schnellstmöglich zu kommerzialisieren. Im Rahmen des Programms Erasmus+ sollen durch Jean-Monnet-Aktivitäten weltweit Spitzenleistungen in akademischer Lehre und Forschung im Zusammenhang mit EU-Studien gefördert werden.

EUREKA – Die europäische Forschungsinitiative

Ein weiteres wichtiges Instrument im Europäischen Forschungsraum ist die europäische Forschungsinitiative EUREKA. Derzeit sind 40 Staaten und die Europäische Kommission Vollmitglieder. Neben allen Mitgliedsländern der Europäischen Union sind dies die Ehemalige Jugoslawische Republik Mazedonien, Island, Israel, Monaco, Montenegro, Norwegen, Russland, San Marino, die Schweiz, Serbien, die Ukraine und die Türkei. Die Republik Südkorea, Kanada und Südafrika haben den assoziierten Status. Anders als das Forschungsrahmenprogramm ist EUREKA kein vorab inhaltlich definiertes und im Konsens der beteiligten Regierungen beschlossenes Programm, sondern ein offener Rahmen für grenzüberschreitende Forschungsvorhaben von europäischen Unternehmen und Forschungseinrichtungen. EUREKA deckt dabei insbesondere die anwendungsorientierte Forschung ab. Eines der wesentlichen Ziele ist dabei die Umsetzung von Forschung in Innovation.

Eine Besonderheit von EUREKA ist der themenoffene, sogenannte Bottom-up-Ansatz. Das heißt, dass Projektteilnehmerinnen und -teilnehmer jederzeit die Möglichkeit haben, Projektanträge zu beliebigen Themen einzureichen, und mit den Projekten zeitnah beginnen können. Diese Flexibilität schätzen insbesondere Unternehmen, die schnell und unbürokratisch Kooperationsprojekte im europäischen Rahmen starten wollen. Auch die schlanke und dezentral ausgerichtete Administration der Initiative kommt Unternehmen entgegen. Die Projektfinanzierung liegt zunächst in eigener Verantwortung der Projektteilnehmerinnen und -teilnehmer; sie können dann auf nationaler Ebene staatliche Förderung beantragen oder andere Finanzierungsmöglichkeiten in Anspruch nehmen.

EUREKA blickte im Juli 2015 auf 30 Jahre seines Bestehens zurück. Die Regierungen der EUREKA-Mitgliedstaaten und die Europäische Kommission stimmen darin überein, dass die Initiative auch in Zukunft als komplementäres Instrument neben dem Forschungsrahmenprogramm fortgesetzt und weiterentwickelt werden soll. Mit den klassischen sogenannten Netzwerk-Projekten, den Strategischen Initiativen (EUREKA Cluster und EUREKA Umbrellas) und dem Förderprogramm Eurostars, das sich insbesondere an forschungstreibende kleine und mittlere Unternehmen (KMU) richtet, bietet EUREKA dazu eine gute Basis.

In diesem Kontext wurde 2014 in EUREKA eine strategische Roadmap erarbeitet, in der u. a. festgelegt wird, wie man die Initiative besser im Europäischen Forschungsraum verankern und die Komplementarität mit anderen Programmen verbessern kann. Die hierbei verfolgten Hauptziele wurden unter Berücksichtigung der EFR-Prioritäten definiert. Bis zum Ende der Laufzeit der strategischen Roadmap im Jahre 2020 wird es darum gehen, konkrete Maßnahmen dieser Strategie umzusetzen.

Die EUREKA-Mitgliedsländer stellen gleichzeitig Überlegungen an, wie sie die Initiative stärker bei der Zusammenarbeit mit außereuropäischen Ländern nutzen können. Mit dem neuen Instrument Global Stars soll die globalere Ausrichtung von EUREKA zur internationalen Zusammenarbeit von KMU mit Partnern aus Drittstaaten vorangetrieben werden. Als zusätzliches Leistungsangebot wurde das EUREKA High Tech Investment Programme (HTIP) ins Leben gerufen. Im Rahmen dieses Programms werden interessierte erfolgreiche Projektteilnehmer an private Kapitalgeber (z. B. Risikokapital-Investoren) vermittelt. Damit soll den Projektteilnehmern bei der Markteinführung ihrer Projektergebnisse geholfen werden.

Ein besonderes Merkmal von EUREKA ist die dezentrale Struktur der Administration. Kontaktbüros in allen Mitgliedsländern bilden gemeinsam ein flexibles administratives Netzwerk mit wenig Bürokratie, das die Antragsteller und Projektteilnehmer eingehend beraten und unterstützen kann.

Seit seiner Gründung im Jahr 1985 sind über 5.900 Kooperationsprojekte gelaufen, davon etwa 1.500 mit deutscher Beteiligung. Die Zahl der laufenden EUREKA-Projekte (Größenordnung 900) ist dabei in den letzten Jahren in etwa gleich geblieben. Etwa zwei Drittel der Projektbeteiligten sind Unternehmen, davon wiederum zwei Drittel KMU. Dies zeigt, dass EUREKA seine Zielgruppe – die Unternehmen – erreicht.

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Eurostars

Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) stellen einen Großteil der Arbeitsplätze und leisten einen wesentlichen Beitrag zur Wirtschaftskraft Europas. Mit Fortführung des Förderprogramms Eurostars unter Horizont 2020 (Laufzeit 2014–2020) sollen KMU weiterhin dabei unterstützt werden, in grenzüberschreitenden Kooperationsprojekten gemeinsam mit europäischen Partnern zu forschen und ihre Innovationen schnellstmöglich in den Markt zu bringen. Das große Interesse an Eurostars zeigt, dass mit der Programmgestaltung der richtige Weg gewählt worden ist: Themenoffene Ausschreibungen, synchronisierte Förderverfahren und eine schlanke Administration machen das Programm für KMU attraktiv. Eurostars hat sich als wichtiges Förderinstrument für die Unterstützung von KMU in europäischen Forschungs- und Entwicklungsprojekten fest etabliert. Gleichzeitig ist Eurostars als ein gemeinsames europäisches Programm von Mitgliedstaaten und Kommission (Joint Programme) ein wichtiger Baustein zur Realisierung des Europäischen Forschungsraums.

Eurostars ist ein gemeinsames Förderprogramm von 34 Ländern – darunter die 28 EU-Mitgliedstaaten – und der Europäischen Kommission nach Art. 185 des Vertrages über die Arbeitsweise der Europäischen Union. Die Förderung der Projektteilnehmer erfolgt jeweils aus nationalen Mitteln, die Europäische Kommission vergibt an die teilnehmenden Staaten in Abhängigkeit von deren Beteiligung zusätzliche Fördermittel (Top-up). Das Programm verzeichnet hohe Antragszahlen mit steigender Tendenz. Jährlich gehen an den zwei Stichtagen im Frühjahr und Herbst zusammen etwa 700 Anträge ein, wobei die Beteiligung deutscher Partner an durchschnittlich einem Drittel aller Anträge hoch ist.

Projektbeispiel Eurostars: CardioXpress

Zahlreiche neue und auch etablierte Medikamente mussten in den vergangenen Jahren aufgrund ihrer Nebenwirkungen auf das Herz vom Markt genommen werden. Heute gelten für die Zulassung strengere Richtlinien. Die Mehrzahl der Pharmaunternehmen ist bestrebt, die vorgeschriebenen Sicherheitstests in einer frühen Entwicklungsphase durchzuführen. Hier setzt das Eurostars-Verbundprojekt CardioXpress an. Es bündelt die Kompetenzen von drei KMU aus Frankreich, den Niederlanden und Deutschland in den Bereichen Stammzellforschung, Softwareentwicklung und komplexe Messtechnik. Durch die Verwendung von humanen, induziert pluripotenten Stammzellen werden Tierversuche vermieden, und es kann bereits früh in der Wirkstoffentwicklung an menschlichen Zellen gemessen werden. Hierfür werden zunächst die aus Hautzellen gewonnenen Zellen zu Herzmuskelzellen umgewandelt und kultiviert. Durch elektrophysiologische Messungen und entsprechende Analysen lassen sich Aussagen über die Wirkung bzw. die Nebenwirkungen neuer Substanzen auf das menschliche Herz treffen.

Der deutsche Partner Multi Channel Systems MCS GmbH erhielt rund 420.000 Euro Fördermittel des BMBF. Die Innovation findet weit über Europa hinaus großen Anklang. Nicht nur Pharmaunternehmen, sondern auch nationale Zulassungsbehörden in Europa, Amerika und Asien validieren derzeit das CardioXpress-Testsystem.

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COST – Europäische Zusammenarbeit auf dem Gebiet der wissenschaftlichen und technischen Forschung

Die seit 1971 bestehende Initiative für Europäische Zusammenarbeit in Wissenschaft und Technik (COST – engl. European Cooperation in Science and Technology) hat das Ziel, den Wissensaustausch und die Zusammenarbeit zwischen exzellenten Forschenden in Europa und darüber hinaus zu fördern. Dazu unterstützt COST den Aufbau von europäischen Netzwerken im Rahmen der sogenannten COST-Aktionen. Dabei handelt es sich um Bottom-up-Initiativen, deren Inhalte die Forschenden selber vorschlagen. Im Fokus stehen Themen, die große gesellschaftliche Herausforderungen darstellen und deren Bewältigung gemeinsamer europäischer oder globaler Anstrengungen bedarf. In den Netzwerken werden beispielsweise Themen wie alternde Gesellschaften, zukünftige Mobilität oder die effizientere Nutzung von Ressourcen und Rohstoffen oder Fragen zu Klimawandel und Klimaanpassung, kultureller und biologischer Vielfalt behandelt. Oftmals münden die dort erarbeiteten Konzepte in große europäische oder internationale Forschungsprojekte, die über Horizont 2020 gefördert werden. Somit ist COST ein initialer Baustein für die Förderung von Verbundprojekten zu künftigen und neu entstehenden Technologien oder Innovationen auf europäischer Ebene.

Die thematische Offenheit und Flexibilität der COST-Aktionen erleichtert den Zugang von Forschenden aus jenen EU-Mitgliedstaaten, die nach 2004 beigetreten sind, zu europäischen Netzwerken. Damit leistet COST einen wichtigen Beitrag zur Vertiefung des Europäischen Forschungsraums und zur Innovationsunion. Auch fördert COST die Mobilität von Nachwuchskräften in Wissenschaft und Technik. Hierdurch werden Grundlagen gelegt, um exzellente europäische Forschungsinfrastrukturen aufzubauen und die Wissenschaft in Europa zu qualifizieren. Darüber hinaus erlaubt COST auch die Kooperation mit Einrichtungen aus nahezu allen anderen Staaten weltweit, sofern bestimmte Mindestvoraussetzungen erfüllt sind.

Deutsche Einrichtungen und Forschende sind an nahezu allen COST-Aktionen beteiligt; sie sind insbesondere in den Bereichen nationaler Förderprioritäten besonders erfolgreich. Das heißt, dass dort, wo nationale Schwerpunkte in der Forschungsförderung gesetzt werden, die daraus resultierenden Kapazitäten, Kompetenzen und Synergien eine erfolgreiche Teilnahme an entsprechenden Themen bei COST erleichtern.

Projektbeispiel COST: EuNetAir

Ein Beispiel für eine COST-Aktion ist EuNetAir. EuNetAir wurde 2012 gegründet. Es koordiniert die Arbeit von Forschenden aus 25 KMU, Spin-offs und öffentlichen Forschungseinrichtungen. Mehr als 120 Institutionen aus 38 Ländern (davon 31 aus Europa) sind an diesem global agierenden Netzwerk beteiligt.

EuNetAir hat das Ziel, günstige und energieeffiziente Sensoren zu entwickeln, die innerhalb und außerhalb von Gebäuden die Luftqualität messen. Diese bezahlbaren Sensoren sollen es einer breiten Öffentlichkeit ermöglichen, Informationen über die Luftverschmutzung ihrer Umgebung zu erhalten. Davon profitieren zum Beispiel Asthmatiker, die Informationen über die Belastung der Luft mit ihrem Allergen erhalten. Von einer weiten Verbreitung der Sensoren profitiert auch die Wissenschaft: Bisher haben die Forschenden nur Daten über wenige offizielle Messstationen erhalten. Jetzt sollen die Sensoren Informationen über GPS und GPRS (General Packet Radio Service) an die Wissenschaft zurück übermitteln. Dadurch erhalten die Forschenden detailliertere Daten als bisher. So hoffen sie beispielsweise Erkenntnisse darüber zu erhalten, wieso die Luftverschmutzung regional stark variiert. Auch wollen sie durch Interpretation der Daten Verfahren entwickeln, mit denen die Luftverschmutzung insgesamt reduziert werden kann. So sollen dauerhaft toxische Immissionen genauso wie Treibhausgase in der Luft verringert und die individuelle Lebensqualität in Europa erhöht werden.

Die Sensoren wurden in Großbritannien und Portugal bereits erfolgreich getestet. Derzeit arbeiten verschiedene Firmen an der Marktreife der Geräte. Auch sind weiterführende Anträge für die wissenschaftlichen Arbeiten in Vorbereitung, die in Horizont 2020 eingereicht werden sollen.

COST wird aus Horizont 2020 mit 300 Mio. Euro für den Zeitraum 2014 bis 2020 gefördert. COST hat seit seinem Bestehen rund 1.200 COST-Aktionen gefördert. Derzeit laufen 318 COST-Aktionen. Pro Jahr kommen ca. 60 neue COST-Aktionen hinzu.

Deutschland gehört seit jeher zu den stärksten Nutzern von COST. An rund 1.100 Aktionen haben sich deutsche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler seit dem Bestehen von COST beteiligt. Derzeit sind deutsche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in 316 der 318 Aktionen aktiv. Rund 15 % der COST-Aktionen werden von Deutschland aus koordiniert.

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Jean Monnet

Die Jean-Monnet-Aktivitäten sind Teil von Erasmus+ und fördern weltweit Spitzenleistungen in der akademischen Lehre und Forschung im Bereich der EU-Studien. Thematischer Mittelpunkt der EU-Studien ist die Gesamtsituation Europas im Hinblick auf den Prozess der europäischen Integration, die Rolle der EU in einer globalisierten Welt, eine aktive europäische Bürgerschaft und einen europäischen Dialog zwischen Völkern und Kulturen.

Neben der Lehre und Forschung zielen die Jean-Monnet-Aktivitäten auch auf die politische Debatte zwischen der akademischen Welt und politischen Entscheidungsträgern ab sowie auf die Förderung von Einrichtungen und Vereinen, die sich mit Fragen der europäischen Integration befassen. Zentrale Aktivitäten von Jean Monnet sind Lehrveranstaltungen, Forschungsarbeiten, Konferenzen, Vernetzungsaktivitäten und Veröffentlichungen.

Projektbeispiel Jean Monnet – Frühe Europabildung: Bausteine für den Unterricht in der Grundschule

Das Projekt „Frühe Europabildung: Bausteine für den Unterricht in der Grundschule" strebt nach einem altersgerechten Lehrkonzept, das nachhaltig Eingang in den Sachkundeunterricht finden kann. Das Konzept soll konkrete Bausteine für den Europaunterricht in der Primarstufe benennen und damit ein neues und innovatives methodisches Werkzeug schaffen. Die pädagogische Zielsetzung lehnt sich an das europäische Motto von der Einheit in der Vielfalt an.

Die Aktivitäten des Projektes umfassen Lehrveranstaltungen an der Hochschule, Seminare für Lehramtsanwärterinnen und Lehramtsanwärter sowie Lehrerinnen und Lehrer, öffentliche Vorträge, akademische Tagungen und eine Evaluationsstudie an Grundschulen. Die erwarteten Resultate sind eine höhere Europakompetenz bei den Zielgruppen und eine stärkere wissenschaftliche Beachtung des Themas frühe Europabildung.

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