Exzellenzinitiative

Ziel der Exzellenzinitiative ist es, innovative Spitzenforschung an den Hochschulen zu fördern, um sie als Forschungsstätten international sichtbarer und wettbewerbsfähiger zu machen. Mit der Exzellenzinitiative fördert die Politik daher gezielt herausragende Forschungsprojekte und -einrichtungen an den deutschen Hochschulen. Die erste Bund-Länder-Vereinbarung zur Exzellenzinitiative vom Sommer 2005 umfasste zwei Auswahlrunden. Die so ausgewählten Projekte wurden in dieser ersten Förderperiode mit insgesamt 1,9 Mrd. Euro gefördert (davon 75 % vom Bund, 25 % vom Sitzland).

Die Exzellenzinitiative umfasst drei Förderlinien (siehe auch Infobox Die Exzellenzinitiative):

  • Graduiertenschulen zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses,
  • Exzellenzcluster zur Förderung der Spitzenforschung und
  • Zukunftskonzepte zum projektbezogenen Ausbau der universitären Spitzenforschung.

In den drei Linien wurden insgesamt 85 Projekte gefördert.

Aufgrund des großen Erfolgs der ersten Förderperiode haben die Regierungschefinnen und -chefs der Länder und die Bundeskanzlerin am 4. Juni 2009 die Fortsetzung der Exzellenzinitiative bis 2017 mit insgesamt 2,7 Mrd. Euro an Fördergeldern unterzeichnet. Neben dem Finanzierungsschlüssel wurde ebenfalls das bisherige Auswahlverfahren als wettbewerblicher und wissenschaftsgeleiteter Prozess mit den bereits bestehenden Förderkriterien sowie die Struktur mit den drei Förderlinien beibehalten. Um auch kleineren Hochschulen bzw. Fachbereichen eine Chance zu geben, wurden neue Finanzierungsbandbreiten definiert (für Graduiertenschulen jährlich bis zu 2,5 Mio. Euro und für Exzellenzcluster 3 bis 8 Mio. Euro pro Jahr). Das wissenschaftsgeleitete Auswahl- und Begutachtungsverfahren wird gemeinsam von der DFG und dem WR durchgeführt. Allein für die Zukunftskonzepte zum projektbezogenen Ausbau der universitären Spitzenforschung (dritte Förderlinie) stehen damit insgesamt rund 142 Mio. Euro jährlich zur Verfügung.

Am 15. Juni 2012 fiel die Entscheidung im zweiten Auswahlprozess: 45 Graduiertenschulen (33 Fortsetzungsanträge und 12 Neuaufnahmen), 43 Exzellenzcluster (31 Fortsetzungsanträge und 12 Neuanträge) und 11 Zukunftskonzepte waren in der zweiten Phase erfolgreich. Bei der Auswahl der Vorhaben wurden Aspekte insbesondere der forschungsbezogenen Lehre einbezogen. In der dritten Förderlinie der Zukunftskonzepte konnten die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen, die Freie Universität Berlin, die Humboldt-Universität zu Berlin sowie die Universitäten Bremen, Dresden, Heidelberg, Köln und Konstanz, die Ludwig-Maximilians-Universität München, die Technische Universität München und die Universität Tübingen mit ihren Konzepten überzeugen.

Die Exzellenzinitiative

Die Exzellenzinitiative mit ihrem bisherigen Fördervolumen von insgesamt 4,6 Mrd. Euro für die beiden Förderperioden hat nicht nur in den geförderten Hochschulen profilbildende Wirkung erzeugt. Ihr wissenschaftsgeleitetes und wettbewerbliches Verfahren hat auch international große Anerkennung erfahren.

• In den Graduiertenschulen wird der wissenschaftliche Nachwuchs gefördert und vielfach fakultäts- und fächerübergreifend zusammengearbeitet.

• In Exzellenzclustern findet Forschung auf internationalem Spitzenniveau statt. Sie integrieren in der Regel mindestens zwei Fachgebiete.

• Insgesamt elf Universitäten setzen derzeit erfolgreiche Zukunftskonzepte um, mit denen sie sich als Institution in der internationalen Spitzengruppe etablieren wollen.

• Der Ausbau der internationalen Vernetzung als Querschnitts- und Leitungsaufgabe spielt in allen Konzepten eine wichtige Rolle.

• In allen drei Förderlinien kooperieren die Universitäten mit regionalen, nationalen und internationalen Partnern aus Wissenschaft und Wirtschaft. Bisher konnten rund 5.750 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler (davon mehr als 80 % wissenschaftlicher Nachwuchs bzw. 25 % aus dem Ausland) rekrutiert werden.

• In allen drei Förderlinien zählte die Gleichstellung zu den Begutachtungskriterien. Die Maßnahmen in den geförderten Projekten reichen von Frauenquoten über Mentoren- und Stipendienprogramme bis zu Dual-Career-Programmen oder dem Ausbau der Kinderbetreuungsangebote. Dabei zeichnet sich ein Fokus auf die Karriereförderung junger Wissenschaftlerinnen in der Promotions- und Postdoc-Phase ab.

Die Evaluation wurde anhand eines datengestützten Berichts von DFG und WR durch eine Kommission internationaler Experten durchgeführt, die im Januar 2016 ihre Ergebnisse vorgelegt hat.

Am 11. Dezember 2014 haben die Bundeskanzlerin und die Regierungschefinnen und -chefs der Länder einen Grundsatzbeschluss über eine neue Bund-Länder-Initiative (Nachfolge der Exzellenzinitiative) nach 2017 gefasst mit der übergreifenden Zielsetzung, den Wissenschaftsstandort Deutschland nachhaltig zu stärken, seine internationale Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern und die erfolgreiche Entwicklung fortzuführen, die die Ausbildung von Leistungsspitzen in der Forschung und die Anhebung der Qualität des Hochschul- und Wissenschaftsstandorts Deutschland in der Breite zum Ziel hat. Bund und Länder streben an, dass die bisher gemeinsam für die Exzellenzinitiative bereitgestellten Mittel mindestens im selben Umfang auch künftig für die Förderung exzellenter Spitzenforschung an Hochschulen zur Verfügung stehen.

Am 29. Juni 2015 haben die DFG und die Geschäftsstelle des WR gemäß der Verwaltungsvereinbarung zwischen Bund und Ländern (§ 8 ExV II) den datengestützten Bericht der Gemeinsamen Kommission über den Verlauf der Exzellenzinitiative der GWK vorgelegt.

Seit September 2014 führte eine von der GWK berufene internationale Expertenkommission eine unabhängige Evaluation der Exzellenzinitiative und ihrer Auswirkungen auf das deutsche Wissenschaftssystem durch. Den Vorsitz hatte Prof. Dr. Dieter Imboden, der ehemalige Präsident des Forschungsrates der Schweiz und heutige Vorsitzende des Aufsichtsrates des Österreichischen Wissenschaftsfonds FWF. Das Gremium präsentierte seine Evaluationsergebnisse Bund und Ländern im Januar 2016. Nach Meinung der Kommission sei die Wirkung der Exzellenzinitiative überaus positiv:

  • Die Exzellenzinitiative habe eine neue Dynamik in das deutsche Universitätssystem gebracht. Sie sei zu einem Symbol geworden für den Willen, die deutschen Universitäten international besser zu qualifizieren, und habe einigen der leistungsfähigsten Universitäten zusätzliche Mittel an die Hand gegeben, um ihre Forschung zu stärken und ihre Strukturen zu optimieren.
  • Die Exzellenzinitiative habe aufgezeigt, dass es im deutschen Universitätssystem markante Unterschiede bezüglich der Forschungsleistung gäbe. Bibliometrische Untersuchungen zeigten eine beeindruckende qualitative Leistung der im Rahmen von Exzellenzclustern entstandenen Publikationen: 25,9  % der Exzellenzcluster-Publikationen 2008 bis 2011 zählen zu den 10 % weltweit hochzitierten Veröffentlichungen, was sogar noch den entsprechenden Anteil der Publikationen der MPG (22,6 %) übertreffe.
  • Die Exzellenzinitiative habe die universitäre Governance in der Antragstellung gefordert und bei vielen beteiligten Hochschulen zu einem erhöhten Kollektivverständnis beigetragen. Die Exzellenzinitiative habe das Potenzial, positiv auf die Landeshochschulgesetze zu wirken und dadurch die institutionellen Rahmenbedingungen des gesamten deutschen Universitätssystems zu verbessern.

Das zentrale Ziel, die Stärkung der Spitzenforschung in Deutschland und die Verbesserung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit der Universitäten als zentrale Träger des Forschungssystems, solle auch künftig verfolgt werden.

Die GWK hat am 22. April 2016 die neue Bund-Länder-Initiative zur Förderung von Spitzenforschung an Universitäten verabschiedet. Die von der GWK getroffene Vereinbarung wird den Regierungschefinnen und -chefs von Bund und Ländern zur abschließenden Entscheidung im Juni 2016 vorgelegt (siehe auch I Die Ziele und Die Forschungs- und innovationspolitischen Ziele der Bundesregierung und ihre Schwerpunkte).