Finanzierung von Wissenschaft, Forschung und Entwicklung durch Bund und Länder

Bund und Länder sind bedeutende Akteure der Finanzierung von Forschung und Entwicklung. Das föderale System der Bundesrepublik Deutschland eröffnet sowohl dem Bund als auch den Ländern in ihren jeweiligen Zuständigkeitsbereichen die Möglichkeit der Forschungs- und Innovationsförderung. Zudem arbeiten Bund und Länder bei der Förderung von Einrichtungen und Vorhaben der wissenschaftlichen Forschung in Fällen überregionaler Bedeutung zusammen.

Die öffentlich finanzierte Forschung hat in Deutschland einen hohen Stellenwert. Bund und Länder gaben 2013 gemeinsam rund 24,4 Mrd. Euro für FuE aus. Ein Großteil der Ausgaben des Bundes für Forschung und Entwicklung wird über das BMBF und das BMWi bereitgestellt.

Die staatliche Finanzierung der Forschung adressiert die Förderung der Grundlagenforschung, die aufgrund der hohen externen Effekte im Wirtschaftssektor eine untergeordnete Bedeutung hat, wie auch die anwendungsorientierte Forschung.

Ausgaben des Bundes für FuE

Die FuE-Ausgaben des Bundes sind in den vergangenen Jahren deutlich dynamischer angestiegen als in den 1990er- und 2000er-Jahren und konnten auf knapp 14,3 Mrd. Euro im Jahr 2013 gesteigert werden. Bis 2016 sollen sich die Bundesausgaben für FuE weiter auf 15,8 Mrd. Euro erhöhen. Rund 60 % der FuE-Ausgaben des Bundes entfallen dabei auf das BMBF, rund 21 % auf das BMWi und rund 5 % auf das BMVg (siehe auch Abb. II-3).

Grafische Abbildung der Ausgaben des Bundes für Forschung und Entwicklung 2016 nach Ressorts

Abb. II-3: Ausgaben des Bundes für Forschung und Entwicklung 2016 nach Ressorts (Soll in Mio. Euro)

BMBF

Auch die Ausgaben des Bundes für FuE im Rahmen der direkten Projektförderung und extramuralen Ressortforschung wurden in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesteigert und summierten sich im Jahr 2014 auf 5,5 Mrd. Euro. Für 2016 sind entsprechende Bundesausgaben für FuE von rund 6,5 Mrd. Euro geplant. Auf das BMBF, das BMWi sowie das BMVg entfallen davon zusammengenommen 81,3 %, der Anteil des BMBF entspricht rund 56 % (siehe auch Abb. II-4). Die Ausgaben des Bundes für FuE im Rahmen der indirekten Projektförderung betrugen 0,8 Mrd. im Jahr 2013; für 2016 sind Ausgaben in Höhe von 0,9 Mrd. Euro geplant.

Den Ressortforschungseinrichtungen des Bundes standen im Jahr 2014 gut 993 Mio. Euro für FuE-Aktivitäten zur Verfügung. Zudem vergibt der Bund zusätzlich Forschungsaufträge und -projekte zur Deckung des Forschungsbedarfs der Ressorts u. a. an Hochschulen, außeruniversitäre Forschungseinrichtungen und Unternehmen.

Hinzu kommen die aus dem Rahmenprogramm für Forschung und Innovation Horizont 2020 für Deutschland wirksamen FuE-Ausgaben der EU. Der jährliche Durchschnittswert der bisherigen Laufzeit 2014 bis 2015 betrug rund 1,1 Mrd. Euro (siehe auch Abb. II-4 sowie V 2.3 Deutschlands Beteiligung an Horizont 2020).

Grafische Abbildung der Ausgaben des Bundes für Forschung und Entwicklung im Rahmen der direkten Projektförderung und Auftragsforschung nach Ressorts sowie in Deutschland wirksame FuE-Ausgaben der EU

Abb. II-4: Ausgaben des Bundes für Forschung und Entwicklung im Rahmen der direkten Projektförderung und Auftragsforschung nach Ressorts (Soll 2016 in Mio. Euro) sowie in Deutschland wirksame FuE-Ausgaben der EU (in Mio. Euro)

BMBF

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Gemeinsame Forschungs- und Wissenschaftsförderung des Bundes und der Länder

Bund und Länder wirken bei der Förderung von Einrichtungen und Vorhaben der wissenschaftlichen Forschung in Fällen überregionaler Bedeutung zusammen. Die konkrete Ausgestaltung der gemeinsamen Forschungsförderung von Bund und Ländern erfolgt auf Grundlage von Bund-Länder-Vereinbarungen (siehe auch IV Die Zusammenarbeit zwischen Bund und Ländern).

Die Gesamtmittel der gemeinsamen Förderung beliefen sich 2013 auf 12,35 Mrd. Euro. Diese wurden zu zwei Dritteln vom Bund (66,7 %) und zu einem Drittel von den Ländern (33,3 %) getragen. Bund und Länder haben die bereitgestellten Mittel der gemeinsamen Förderung im Vergleich zu 2012 um rund 1,64 Mrd. Euro bzw. 15,3 % erhöht. In der Aufschlüsselung der Gesamtmittel 2013 nach Förderbereichen nimmt der Hochschulpakt 2020 mit rund 3,18 Mrd. Euro von Bund und Ländern den größten Anteil ein. Die Förderung der am Pakt für Forschung und Innovation beteiligten Forschungs- und Wissenschaftsorganisationen (DFG, HGF, MPG, Leibniz-Gemeinschaft und Fraunhofer) summiert sich auf etwa 7,75 Mrd. Euro (siehe auch Abb. II-5). Die institutionelle Forschungsförderung durch Bund und Länder belief sich im Jahr 2015 auf 9,4 Mrd. Euro. Davon entfielen 6,6 Mrd. Euro auf den Bund und 2,8 Mrd. Euro auf die Länder.

Grafische Abbildung der gemeinsamen Forschungs- und Wissenschaftsförderung des Bundes und der Länder nach Förderbereichen im Jahr 2013

Abb. II-5: Gemeinsame Forschungs- und Wissenschaftsförderung des Bundes und der Länder nach Förderbereichen 2013 (in Mio. Euro)

BMBF

In der regionalen Verteilung der Gesamtmittel für das Jahr 2013 dominieren die bevölkerungsreichen Flächenländer Nordrhein-Westfalen mit etwa 2,30 Mrd. Euro (18,6 %), Baden-Württemberg mit etwa 1,94 Mrd. Euro (15,7 %) und Bayern mit etwa 1,67 Mrd. Euro (13,6 %). Rund 3,29 Mrd. Euro (26,6 %) entfallen auf die übrigen westdeutschen Länder und etwa 2,89 Mrd. Euro (23,3 %) auf die ostdeutschen Länder inklusive Berlin. Der verbleibende Betrag von rund 267 Mio. Euro (2,2 %) ist nicht regionalisierbar. [1]

 

[1]     GWK (2015): Gemeinsame Forschungsförderung des Bundes und der Länder, Finanzströme im Jahr 2013, Heft 44.

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Ausgaben der Länder für FuE

Neben den Aktivitäten der Bundesregierung und den gemeinsamen Aktivitäten von Bund und Ländern führen die Länder landesspezifische forschungs-, technologie- und innovationspolitische Fördermaßnahmen durch. Dabei werden spezifische Stärken der einzelnen Regionen sowie bestehende räumliche Strukturen und Besonderheiten aufgegriffen. Diese regionalen Unterschiede tragen entscheidend dazu bei, das deutsche FuI-System in seiner Gesamtheit zu stärken (siehe auch VI Die Forschungs- und Innovationspolitik der Länder sowie EB III Forschungs- und Innovationspolitik der Länder).

Die Ausgaben der Länder für FuE (ohne Gemeinden) betrugen 2013 etwa 10,14 Mrd. Euro nach rund 10,15 Mrd. Euro im Vorjahr und sind somit leicht rückläufig. Der Anteil der Länder an den Gesamtausgaben von Bund und Ländern für FuE liegt bei etwas über 41 %. Auch hier ist die Tendenz leicht rückläufig.

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Staatliche Förderung von FuE in der Wirtschaft

Der staatliche Anteil der Bruttoinlandsausgaben zur Unterstützung von FuE-Projekten im Wirtschaftssektor betrug 2013 in Deutschland rund 1,8 Mrd. Euro. Mit 3,4 % liegt der staatliche Finanzierungsanteil der FuEAusgaben in der Wirtschaft unter dem Durchschnitt der OECD-Länder von 6,6 %, jedoch noch vor anderen innovationsstarken Ländern wie z. B. der Schweiz und Finnland. [2]

Die staatliche Förderung von FuE in der Wirtschaft bedient sich in Deutschland des Instruments der Projektförderung und adressiert maßgeblich Projekte der vorwettbewerblichen, anwendungsorientierten Forschung. Mittels Fachprogrammen werden Basistechnologien gefördert, die Entwicklungen in zentralen Anwendungsfeldern vorantreiben und so als Wachstumstreiber in vielen Branchen wirken. Im Mittelpunkt der Hightech-Strategie stehen Fragen zu Kommunikation, Klima, Energie, Arbeit, Gesundheit, Ernährung, Mobilität und Sicherheit. Hinzu kommen spezielle technologieoffene Förderprogramme, die sich insbesondere an KMU richten bzw. ihnen zugutekommen(siehe auch III Die Forschungs- und Innovationspolitik des Bundes).

Auf große Unternehmen mit 500 und mehr Beschäftigten entfällt in Deutschland deutlich weniger als die Hälfte der gesamten staatlichen Finanzierung von FuE im Wirtschaftssektor, während diese Unternehmen mit 85 % den Großteil der internen FuE-Ausgaben der Wirtschaft tätigen. Staatliche Förderung insgesamt macht in diesen Unternehmen weniger als 2 % ihrer internen FuE-Ausgaben aus. KMU mit weniger als 250 Beschäftigten finanzieren hingegen 16 % ihrer internen FuE-Ausgaben aus staatlichen Fördermitteln. Die staatliche FuE-Förderung in Deutschland kommt somit auch nach diesen Zahlen der Wissenschaftsstatistik überproportional KMU zugute. Im Zeitraum 2007 bis 2015 stieg die FuE-Förderung des Bundes an und zugunsten von KMU von 783 Mio. Euro auf 1.445 Mio. Euro. Die technologieoffenen Programme des BMWi machten davon rund 897 Mio. Euro aus (siehe auch Abb. II-6).

Grafische Abbildung der Projektförderung des Bundes an und zugunsten von KMU gemäß nationaler Definition

Abb. II-6 Projektförderung des Bundes an und zugunsten von KMU gemäß nationaler Definition (in Mio. Euro)

BMBF

 

[2]     Schasse, U. et al. (2016): Forschung und Entwicklung in Staat und Wirtschaft, Studien zum deutschen Innovationssystem, Nr. 2-2016.

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