Forschung und Entwicklung in der Wirtschaft

Forschung und Entwicklung (FuE) in Unternehmen sind Treiber von Wohlstand und Beschäftigung. Der größte Teil der Wertschöpfung in Deutschland beruht auf forschungsintensiven Produkten und Dienstleistungen. Mit ihren Investitionen in Forschung und Entwicklung schaffen Unternehmen hohe Werte nicht nur für sich selbst, sondern für die Volkswirtschaft und Gesellschaft. Neu gewonnene Erkenntnisse helfen anderen Forscherinnen und Forschern in Unternehmen, Universitäten und staatlichen Forschungseinrichtungen dabei, ihrerseits neue Ergebnisse zu erzielen. FuE werden in Deutschland zu gut zwei Dritteln in Unternehmen durchgeführt.

Die internen FuE-Ausgaben in der deutschen Wirtschaft summierten sich 2013 auf insgesamt 53,57 Mrd. Euro. Diese entsprechen etwa zwei Dritteln aller Bruttoinlandsausgaben für FuE bzw. einem Anteil von etwa 1,91 % des Bruttoinlandsprodukts. Im Jahr 2014 wurden rund 57 Mrd. Euro für interne FuE aufgewendet. Für das Jahr 2015 waren Ausgaben in Höhe von 59 Mrd. Euro geplant.

Der weitaus überwiegende Teil (48,96 Mrd. Euro im Jahr 2013) wird vom Wirtschaftssektor selbst getragen, der damit einen hohen Eigenfinanzierungsanteil von gut 91 % erzielt. Die deutsche Wirtschaft ist darüber hinaus durch eine vergleichsweise hohe Finanzierungsbeteiligung an FuE-Aktivitäten des öffentlichen Sektors gekennzeichnet. Im Jahr 2013 erreichte der Finanzierungsanteil der Wirtschaft an den FuE-Aktivitäten der Hochschulen und außeruniversitären Einrichtungen 14 % bzw. 10 %. Der Durchschnitt der OECD-Länder liegt bei 5,9 % bzw. 3,4 %.

Die intensive Kooperation mit Universitäten und Forschungseinrichtungen ist neben dem starken Engagement der Wirtschaft für FuE entscheidend für den Innovationserfolg der deutschen Unternehmen. Durch diese Kooperationen erfolgt der Transfer der Forschungsergebnisse in innovative Produkte und Dienstleistungen. Ein Indikator, an dem sich diese Einbindung in Forschungskooperationen gut ablesen lässt, ist das Verhältnis von interner zu externer FuE: Die internen FuE-Ausgaben der Wirtschaft betrugen 53,57 Mrd. Euro im Jahr 2013. Etwa 14,96 Mrd. Euro wurden 2013 in externe FuE investiert. Im Jahr 2014 steigerten die Unternehmen ihre Ausgaben deutlich auf 57 Mrd. Euro bzw. 16 Mrd. Euro. Unter den Ausgaben für externe FuE werden Ausgaben für FuE-Aufträge verstanden, die Unternehmen nicht im eigenen Haus durchführen.

Während die Ausgaben für interne FuE 2013 gegenüber 2012 leicht – um 0,4 % – zurückgingen, verzeichneten die Ausgaben für externe FuE einen Anstieg um 16,7 %. Von den externen FuE-Ausgaben ging mit rund 62,5 % ein Großteil an andere inländische Unternehmen, hiervon rund 39,7 % an verbundene Unternehmen der eigenen Unternehmensgruppe. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass der größte Teil der externen FuE-Ausgaben auf Empfänger im inländischen Wirtschaftssektor an fremde Unternehmen entfiel. Weitere 26,3 % entfielen auf FuE-Aufträge im Ausland und 8 % auf Hochschulen und Einrichtungen der außeruniversitären Forschung sowie 3,3 % auf sonstige Inländer. Besonders der Anteil der aus dem Ausland finanzierten FuE-Aufträge hat sich in den letzten zehn Jahren mehr als verdoppelt. Der weitaus überwiegende Teil der externen FuE (rund 87,9 %) ging an Unternehmen der forschungsintensiven Industrie. Der Automobilbau hat hier eine herausragende Stellung. Gut die Hälfte (rund 55,4 %) aller externen FuE-Ausgaben der Wirtschaft flossen in den Automobilbau. Forschungsintensive Dienstleistungen stellen rund 7 % der externen FuE-Ausgaben.

FuE in der deutschen Wirtschaft wird im Wesentlichen von großen Unternehmen mit 500 und mehr Beschäftigten durchgeführt. Im Jahr 2013 hatten sie einen Anteil von rund 85,4 % der internen FuE-Ausgaben und beschäftigten nahezu drei Viertel (76,4 %) des FuE-Personals. Kleine und mittlere Unternehmen mit weniger als 250 Beschäftigten können lediglich 9,7 % der internen FuE-Ausgaben, allerdings nahezu ein Fünftel des FuE-Personals (rund 17 %) auf sich vereinen. Die internen Ausgaben der kleinen und mittleren Unternehmen (bis zu 250 Beschäftigte) für FuE beliefen sich im Jahr 2013 auf 5.191 Mio. Euro. Gleichzeitig haben sie 849 Mio. Euro für externe FuE-Aufträge ausgegeben. Der größte Teil der externen FuE-Ausgaben der KMU verblieb im Wirtschaftssektor (rund 43 %). Im Vergleich zu großen Unternehmen vergeben in Deutschland KMU häufiger externe FuE-Aufträge an Hochschulen und Einrichtungen der außeruniversitären Forschung (27,3 %). Für die großen Unternehmen lag der entsprechende Anteil bei lediglich 6,7 %.

Das hohe Engagement der deutschen Wirtschaft in FuE spiegelt sich u. a. in ihrer internationalen Wettbewerbsfähigkeit wider: Das deutsche Exportvolumen an forschungsintensiven Gütern lag im Jahr 2014 bei rund 570 Mrd. Euro und macht damit über die Hälfte (rund 54 %) aller deutschen Industriewarenausfuhren aus. Gut 12 % des globalen Handelsvolumens an forschungsintensiven Erzeugnissen stammte 2014 aus Deutschland. [1] Von den zehn forschungsstärksten Unternehmen Europas kommen fünf aus Deutschland. Mit 36,8 % liegt der Anteil der Unternehmen, die im Jahr 2014 neue Produkte oder Dienstleistungen eingeführt haben, im europäischen Vergleich auf einem sehr hohen Niveau.

Kennzeichnend für die FuE-Struktur der deutschen Wirtschaft ist die hohe Konzentration auf Branchen der forschungsintensiven Industrie, die 2013 für drei Viertel (rund 76 %) der betrieblichen FuE-Ausgaben verantwortlich waren. Zur forschungsintensiven Industrie zählen der Maschinen- und Fahrzeugbau, die Chemie- und Pharmaindustrie sowie die Elektroindustrie. Innerhalb der forschungsintensiven Industrie haben die Wirtschaftszweige einen besondere Bedeutung, die der hochwertigen Technik zugerechnet werden. Sie stellen mehr als die Hälfte (rund 51 %) der internen FuE-Ausgaben der Wirtschaft. Der Automobilbau hat hier eine herausragende Stellung. Nahezu ein Drittel (rund 32 %) aller internen FuE-Ausgaben der Wirtschaft kommen dem Automobilbau zugute. Die Branchen der Spitzentechnologie haben mit einem Viertel (rund 25 %) der internen FuE-Ausgaben der Wirtschaft im internationalen Vergleich eine geringere Bedeutung in Deutschland. Davon entfallen rund 14 % auf Hersteller von DV-Geräten, elektronischen und optischen Erzeugnissen, rund 8 % auf die Pharmaindustrie und rund 3 % auf die Luft- und Raumfahrt. Gleiches gilt für die forschungsintensiven Dienstleistungen, die zusammengenommen rund 10 % der internen FuE-Ausgaben der deutschen Wirtschaft ausmachen.

Der Wirtschaftssektor beschäftigt mit 360.000 VZÄ (2013) den überwiegenden Teil (rund 61,2 %) des in Deutschland tätigen FuE-Personals. Wie auch in den Hochschulen und in der außeruniversitären Forschung ist hier schon seit vielen Jahren ein signifikanter Zuwachs des FuE-Personals zu beobachten. Gleiches gilt für die Zunahme des Anteils der Forscherinnen und Forscher am gesamten FuE-Personal, der im Jahr 2013 55,1 % erreichte (siehe auch Abb. II-13). Die meisten dieser Personen waren im Fahrzeugbau (104.422 VZÄ), in der Elektroindustrie (76.205 VZÄ) und im Maschinenbau (41.941 VZÄ) beschäftigt.

Grafische Abbildung der Anzahl des FuE-Personals nach Personalgruppen im Wirtschaftssektor in Deutschland

Abb. II-13: Anzahl des FuE-Personals nach Personalgruppen im Wirtschaftssektor in Deutschland (in Vollzeitäquivalenten)

BMBF

Die FuE-Kapazitäten im Wirtschaftssektor sind in Deutschland regional sehr unterschiedlich. Dies hat folgende Gründe: eine ausgeprägte sektorale Spezialisierung einzelner Regionen, entsprechende Forschungsschwerpunkte sowie historisch bedingte Entwicklungspfade. Eine regionale Analyse zentraler bundeslandbezogener Innovationsindikatoren wie z. B. die FuE-Intensität (gemessen am Anteil der FuE-Ausgaben am jeweiligen BIP) verdeutlicht die Unterschiede. Die FuE-Intensität reicht (2013) von 3,87 % in Baden- Württemberg, 1,11 % in Sachsen, 0,75 % in Schleswig- Holstein bis zu 0,42 % in Sachsen-Anhalt. Ein vergleichbares Bild ergibt die regionale Verteilung der FuE-Personal-Intensität (als Anteil der Personalstellen in Forschung und Entwicklung, gemessen in Vollzeitäquivalenten je 10 Tsd. Erwerbstätige). Im baden-württembergischen Wirtschaftssektor kommen auf 10 Tsd. Erwerbstätige 171 in der Wirtschaft tätige FuE-Vollzeitstellen, in Sachsen 53 VZÄ, in Schleswig- Holstein 39 VZÄ und in Sachsen-Anhalt 26 VZÄ. Die Beispiele belegen, dass die regionalen Niveauunterschiede der FuE-Kapazitäten im Wirtschaftssektor nicht allein auf West- und Ostdeutschland beschränkt sind. Es besteht darüber hinaus ein signifikantes Gefälle zwischen dem Süden und dem Norden Deutschlands.

 

[1]     Gehrke, B.; Schiersch, A. (2016): FuE-intensive Industrien und wissensintensive Dienstleistungen im internationalen Vergleich, Studien zum deutschen Innovationssystem, Nr. 6-2016.