Für Perspektiven durch Bildung und Integration

Von Initiativen im Kindergarten über das BAföG bis hin zu Alphabetisierungsprogrammen für Erwachsene – der Bund unterstützt das lebenslange Lernen mit vielfältigen Programmen. Denn Bildung ist der Schlüssel zu Integration und Aufstieg. In den öffentlichen Haushalten wurde 2015 etwa jeder fünfte Euro für Bildung ausgegeben.

Gute Bildung ist maßgeblich für gute Chancen, Teilhabe und die Innovationsfähigkeit unseres Landes. Sie ist der Schlüssel zur Integration und zum Aufstieg durch Bildung. Notwendig ist ein durchlässiges und anschlussfähiges Bildungssystem, das die Entfaltung von Talenten unabhängig von Herkunft und materiellen Ressourcen fördert. Die Bildungsgerechtigkeit muss weiter gestärkt werden. Bund, Länder, Kommunen und Gesellschaft tragen dafür gemeinsam Verantwortung.

Auf dem Weg zur Bildungsrepublik ist Deutschland in den letzten Jahren gut vorangekommen:

  • Die Ergebnisse von PISA 2012 zeigen, dass sich die Schülerinnen und Schüler in Deutschland seit den ersten PISA-Erhebungen im Jahr 2000 kontinuierlich verbessert haben und nunmehr in den getesteten Kompetenzbereichen Mathematik, Naturwissenschaften und Lesen signifikant über dem OECD-Mittel liegen. Dabei konnten Schülerinnen und Schüler mit Zuwanderungshintergrund und aus sozioökonomisch schlechter gestellten Familien ihre Leistungen deutlich verbessern. Kaum einem anderen OECD-Land ist eine Leistungssteigerung und gleichzeitige Milderung des Herkunftseffekts gelungen.
  • Gleichzeitig konnte die Zahl der Schulabbrecherinnen und Schulabbrecher weiter gesenkt werden. Während im Jahr 2006 noch 75.900 Jugendliche ohne Hauptschulabschluss von der Schule abgingen, sind es im Jahr 2014 nur noch 47.000.
  • Auch die Zahl der Jugendlichen im Übergangssystem zur Förderung der Ausbildungsreife reduzierte sich. So sind die Neuzugänge zum Übergangssystem von 417.649 im Jahr 2005 auf 257.626 im Jahr 2013 gesunken.
  • Die Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland bleibt mit 7,7 % (2014) die geringste in der Europäischen Union (durchschnittlich 22,2 %).

Insgesamt erreichen die geplanten Bildungsausgaben von Bund, Ländern und Kommunen 2015 rund 123,7 Mrd. Euro. Das ist ein Zuwachs von rund 37 Mrd. Euro gegenüber 2005. Demnach wurde im Verhältnis der öffentlichen Bildungsausgaben zum Gesamtetat der öffentlichen Haushalte etwa jeder fünfte Euro in Bildung investiert. Der Bund hat sein Engagement in der Bildung stetig erhöht: Allein zwischen 2014 und 2015 stiegen die Investitionen in Bildung um 11 %, verglichen mit 2005 sogar um fast 116 %.

Bildung im gesamten Lebenslauf verankern

Gute Bildung eröffnet individuelle Zukunftschancen, fördert Teilhabe und Integration in die Gesellschaft und ist die beste Vorsorge gegen den Fachkräftemangel. Dabei ist der gesamte Lebenslauf – von der frühkindlichen Bildung bis zum lebensbegleitenden Lernen – zu berücksichtigen. Zahlreiche Initiativen des Bundes tragen hierzu bei:

  • Mit der Initiative Haus der kleinen Forscher werden Kinder in der frühkindlichen Bildung gezielt an naturwissenschaftlich-mathematisch-technische Themen herangeführt – und mit Start 2016 auch an eine Bildung für nachhaltige Entwicklung.
  • Das selbstständige Experimentieren in den Schülerlaboren der außeruniversitären Forschungseinrichtungen hilft Schülerinnen und Schülern dabei, naturwissenschaftliche Theorien besser zu verstehen und sie auch hinterfragen zu können. Sie ergänzen mit ihrem Angebot das Schulsystem und schaffen eine Schnittstelle zwischen schulischer und beruflicher Ausbildung. Lehrkräfte können das breite Angebot fachlicher Fortbildungen nutzen.
  • Mit dem Programm Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung unterstützt die Bundesregierung außerschulische Angebote kultureller Bildung für bildungsbenachteiligte Kinder und Jugendliche und stärkt bürgerschaftliches Engagement.
  • Mit der Initiative Bildungsketten und dem Berufsorientierungsprogramm werden Schülerinnen und Schüler allgemeinbildender Schulen für die berufliche Bildung sensibilisiert und bei Bedarf auf ihrem Weg in die Ausbildung individuell begleitet.
  • Die Öffnung der Hochschulen für Berufstätige und beruflich Qualifizierte wird im Rahmen des Bund-Länder-Wettbewerbs Aufstieg durch Bildung: offene Hochschulen gesteigert, auch durch einen besseren Zugang zu den Hochschulen.
  • Aufstiegs- und Weiterbildungsstipendien unterstützen talentierte und leistungsbereite berufliche Fachkräfte, indem sie Zugang zu gezielten Fortbildungsmöglichkeiten und zu einem Studium eröffnen.
  • Mit der Projektförderung im Rahmen der Dekade für Alphabetisierung werden neue Lernwege und Zugangsmöglichkeiten für funktionale Analphabetinnen und Analphabeten im Erwachsenenalter gefördert.
  • Das Bundesprogramm Bildungsprämie mobilisiert seit 2008 Menschen mit geringem Einkommen für die individuelle berufliche Weiterbildung. Die 13 vom Bund unterstützten Begabtenförderungswerke und das Deutschlandstipendium fördern begabte und engagierte Studierende und Promovierende. Die jüngst vorgelegte Evaluation und die Begleitforschung zum Programm haben seine Wirksamkeit nachdrücklich bestätigt. Das Deutschlandstipendium, das zur Hälfte vom Bund und zur Hälfte von privaten Förderern finanziert wird, leistet einen entscheidenden Beitrag zur Etablierung einer neuen Spendenkultur, zur Gewinnung hoch qualifizierter Fachkräfte und zur Vernetzung der Hochschulen mit den Unternehmen vor Ort. Mittlerweile werden über 22.000 Studierende gefördert.
  • Mit der Weiterentwicklung des Hochschulpaktes werden die Hochschulen auf das weiter ansteigende Studierinteresse von jungen Menschen vorbereitet.
  • Die Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern hat im Bildungssystem eine Schlüsselfunktion: Deshalb unterstützen Bund und Länder mit einer Qualitätsoffensive Lehrerbildung innovative Konzepte für das Lehramtsstudium.
  • Das Programm Berufsbildung für nachhaltige Entwicklung befördern. Über grüne Schlüsselkompetenzen zu klima- und ressourcenschonendem Handeln im Beruf (BBNE) fördert im Rahmen des Europäischen Sozialfonds (ESF) Projekte, die für neue Produktionsprozesse, Arbeitsabläufe und Kompetenzen auf dem Weg zu einer klima- und ressourcenschonenden Wirtschaftsweise sensibilisieren.
  • Die Nationale Plattform Bildung für nachhaltige Entwicklung setzt sich dafür ein, dass zentrale Themen nachhaltiger Entwicklung zum Bestandteil des allgemeinen Lehrens und Lernens werden.
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Bildung und Digitalisierung

Die Nutzung digitaler Medien im Alltag ist weit fortgeschritten. Nun gilt es, deren Potenzial für Lehr- und Lernprozesse noch stärker zu erschließen. Digitale Medien bieten erhebliche Chancen für die Bewältigung der großen Herausforderungen des Bildungssystems: Der wachsenden Heterogenität der Bildungsteilnehmer kann durch individualisierte Angebote Rechnung getragen werden. Leistungsstarke und Leistungsschwache können gezielter gefördert werden. Auf komplexe und sich rasch fortentwickelnde Qualifikationsanforderungen kann rascher reagiert werden. Voraussetzung dafür, dass dies gelingt und die digitale Spaltung der Gesellschaft verhindert wird, ist die Medienkompetenz des pädagogischen Personals wie der Bildungsteilnehmerinnen und -teilnehmer. Sie zu fördern ist eine zentrale Aufgabe der kommenden Jahre. Mit der Initiative Gutes Aufwachsen mit Medien unterstützt die Bundesregierung die Medienerziehung in Familien und stärkt die Voraussetzungen für die Entwicklung von Medienkompetenz von Anfang an. Besonderes Augenmerk muss zugleich auf der Qualitätssicherung digitaler Bildungsmedien und dem Datenschutz liegen.

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Berufliche Bildung stärken

Das Bildungssystem ist in den vergangenen Jahren leistungsfähiger und gerechter geworden. Doch die soziale Herkunft beeinflusst weiterhin stark den Bildungserfolg. Deshalb bleibt die weitere Verbesserung der Bildungsgerechtigkeit in Deutschland ein wesentliches Ziel der Bundesregierung. Der dualen Ausbildung kommt hier eine große Bedeutung zu. Die Allianz für Aus- und Weiterbildung hat es sich zur Aufgabe gemacht, die duale Ausbildung zu stärken und noch mehr junge Menschen dafür zu gewinnen (siehe auch I 1 Die Hightech-Strategie – ein klares Bekenntnis zu Forschung und Innovation). Entscheidender Vorzug des dualen Ausbildungssystems ist die Nähe zur Beschäftigung. Damit möglichst viele Jugendliche davon profitieren, hat die Bundesregierung die Förderung der individuellen Beratung und Orientierung sowie der Unterstützung Leistungsschwächerer vor und während der Ausbildung kontinuierlich ausgebaut. Sie entwickelt die Berufs- und Bildungsorientierung und -begleitung für Schülerinnen und Schüler sowie Auszubildende kontinuierlich weiter und verbessert die Durchlässigkeit zwischen beruflicher und hochschulischer Bildung. Die Initiative Bildungsketten unterstützt Jugendliche dabei, den Übergang von der Schule in die berufliche Ausbildung zu meistern. Die Maßnahmen der Bundesregierung im Hinblick auf Abschluss, Anschluss und Aufstieg wurden in der Initiative Chance Beruf gebündelt. Mit dem Ausbildungsstrukturprogramm JOBSTARTER werden Initiativen ergriffen, um die betriebliche Berufsausbildung zu stärken und dem Fachkräftemangel zu begegnen. Die Koordinierungsstelle Ausbildung und Migration fördert die Ausbildung in Unternehmen mit Inhaberinnen und Inhabern mit Migrationshintergrund und unterstützt die Ausbildungsbeteiligung von Jugendlichen mit Migrationshintergrund. Mit dem Bund-Länder-Wettbewerb „Aufstieg durch Bildung – offene Hochschulen“ sollen weitere attraktive Bildungsperspektiven für beruflich Qualifizierte ermöglicht werden.

Mit dem Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetz (AFBG), dem sogenannten Meister- oder Aufstiegs-BAföG werden Teilnehmer und Teilnehmerinnen an Maßnahmen der beruflichen Aufstiegsfortbildung finanziell unterstützt. Sie erhalten einkommensunabhängig einen Beitrag zu den Kosten der Fortbildung und bei Vollzeitmaßnahmen zusätzlich einkommensabhängig einen Beitrag zum Lebensunterhalt. Durch die 3. Novelle des Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetzes werden zum 1. August 2016 zahlreiche Leistungen des AFBG verbessert, die Förderung für neue Zielgruppen eröffnet, Strukturen optimiert, der Vollzug vereinfacht und auf Trends aus der Ordnung der beruflichen Aufstiegsfortbildung reagiert. Der maximale Unterhaltsbeitrag im AFBG für Alleinstehende steigt von 697 Euro auf 768 Euro. Der maximale Maßnahmebeitrag für Lehrgangs- und Prüfungskosten steigt von 10.226 Euro auf 15.000 Euro.

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BAföG bedarfsgerecht gestalten

Mit dem 25. BAföG-Änderungsgesetz hat der Bund ab dem Jahr 2015 die volle Finanzierung der Geldleistungen nach dem BAföG übernommen und damit die Länder dauerhaft um rund 1,17 Mrd. Euro jährlich entlastet, um ihnen einen zusätzlichen Spielraum für die Bildungsfinanzierung, insbesondere für Hochschulen, zu eröffnen. Außerdem wurden die Leistungen spürbar verbessert. Dazu gehört die Erhöhung der Bedarfssätze und Einkommensfreibeträge mit Wirkung zum Beginn des Schuljahres 2016/2017 bzw. des Wintersemesters 2016/2017 um jeweils 7 %. Der Kreis der BAföG-Empfänger und -Empfängerinnen wird so im ersten Vollwirkungsjahr 2017 im Jahresdurchschnitt insgesamt um rund 110.000 anwachsen.

Durch Entbürokratisierung und Verfahrenserleichterung sowie durch den Ländern vorgegebenen Einstieg in flächendeckende Ermöglichung von Online-Antragstellungen wird das BAföG noch nutzerfreundlicher. Schülerinnen und Schüler sowie Studierende, die auf BAföG angewiesen sind, können auf eine verlässliche Ausbildungsfinanzierung vertrauen. Die BAföG-Änderungen sind ein entscheidender Schritt in Richtung stärkere Bildungsbeteiligung und Chancengerechtigkeit.

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Integration durch Bildung

In Deutschland leben 16,4 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund. Das entspricht etwa einem Fünftel der Bevölkerung. Vor allem der sozioökonomische Status ist nach wie vor in hohem Maß dafür verantwortlich, dass Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit Migrationshintergrund bei Bildungsbeteiligung und Bildungserfolgen im Durchschnitt schlechter abschneiden als Gleichaltrige. Steigende Investitionen und die Weiterentwicklung des Bildungssystems tragen jedoch dazu bei, dass junge Menschen mit Migrationshintergrund aufholen. Unterstützende Maßnahmen, die gezielt die Potenziale von Migrantinnen und Migranten fördern, tragen zusätzlich dazu bei, Zugänge zu Bildung und Ausbildung zu öffnen. Ein Beispiel ist die Koordinierungsstelle Ausbildung und Migration (KAUSA), die mit dem Ziel gegründet wurde, die duale Ausbildung in Betrieben von Migrantinnen und Migranten zu fördern.

Bildung bleibt auch in Zukunft ein Schlüssel für die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund. Dabei gilt es, erfolgreiche Ansätze fortzuführen und auch für die Integration von Flüchtlingen zu nutzen. Die Integration der gegenwärtig nach Deutschland kommenden Menschen fördert die Bundesregierung durch umfangreiche Maßnahmen, auch unterstützt durch den Europäischen Sozialfonds (ESF), u. a. zum Erwerb der deutschen Sprache, dem Erkennen von Kompetenzen und Potenzialen sowie der Integration in Ausbildung und Beruf (siehe auch Infobox Flüchtlinge durch Bildung integrieren).

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Internationalisierung in der Bildung

Die Bundesregierung kooperiert in der Berufsbildung mit zahlreichen Partnerländern in der Europäischen Union, der OECD und einer Reihe von weiteren Industrie-, Schwellen- und Entwicklungsländern. Das Interesse zahlreicher Länder am deutschen dualen System der Berufsausbildung ist in den vergangenen Jahren ständig gestiegen, weil es sich für die bedarfsgerechte Qualifizierung von Fachkräften sowie als Schlüsselfaktor für die Beschäftigungsfähigkeit und soziale Teilhabe bewährt hat. Auch für die ausreichende und adäquate Fachkräfteausstattung deutscher Unternehmen im Ausland ist die duale Berufsausbildung von entscheidender Bedeutung. Die Bundesregierung hat deshalb den internationalen Austausch dazu deutlich erhöht und die entsprechenden Beratungskapazitäten beim Bundesinstitut für berufliche Bildung ausgebaut.

In Europa bildet das duale System der Berufsausbildung in Kombination mit den Ausbildungsversprechen der Sozialpartner in der Allianz für Aus- und Weiterbildung aufgrund seiner guten Übergänge in Ausbildung und Beschäftigung ein Vorbild für Länder mit hoher Jugendarbeitslosigkeit. Die Europäische Kommission hat im Jahr 2013 die Europäische Ausbildungsallianz (EAfA) mit dem Ziel initiiert, in den Mitgliedstaaten durch eine praxisnahe Ausbildung und das arbeitsweltbezogene Lernen die Beschäftigungsfähigkeit der jungen Erwachsenen zu verbessern. Die EAfA fördert die Beschäftigung von Jugendlichen und unterstützt die Ziele der Jugendgarantie, gleichzeitig wird die Diskrepanz zwischen den beruflichen Fertigkeiten einerseits und dem Arbeitsmarktbedarf andererseits reduziert. Auch die EU-Kommission setzt dabei vor allem auf das gemeinsame Engagement von Politik, Wirtschaft und Sozialpartnern, die Bildungssysteme zu modernisieren. Eine wesentliche Rolle spielen hier die Selbstverpflichtungen von Unternehmen, betriebliche Ausbildungsplätze anzubieten.

Um eine Bewertung und Fortentwicklung der Berufsbildungssysteme auch international zu unterstützen, beteiligt sich die Bundesregierung an der Ausgestaltung des Bildungsprogramms der OECD.

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