Gesellschaft und Bildung

Kommende gesellschaftliche Entwicklungen und aktuelle Herausforderungen erhöhen den Bedarf an Wissen über kulturelle, soziale und wirtschaftliche Strukturen und Entwicklungen. Zu diesem Zweck investiert die Bundesregierung in Forschungsprojekte in den Bereichen Bildung, Geistes-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, zum demografischen Wandel und zur Stärkung der Gleichstellungsstrukturen und fördert die Integration durch Bildung.

Bildung entscheidet maßgeblich über die Chancen der Menschen, ihre individuellen Fähigkeiten zu entfalten, ihre beruflichen Ziele zu verwirklichen und an der Gesellschaft teilzuhaben. Im Sinne einer zukunftsorientierten Bildungspolitik fördert die Bundesregierung internationale Bildungsstudien und die empirische Bildungsforschung. Außerdem unterstützt die Bundesregierung die kulturelle Bildung, die Forschung an Museen und den Auf- und Ausbau von Infrastrukturen im Bildungs- und Forschungsbereich und die Umsetzung von Inklusion im Sinne der UN-Behindertenrechtskonvention. In der weiterführenden Bildung stehen Aktivitäten zum Übergang in das Ausbildungssystem und deren Begleitforschung im Mittelpunkt. Auch im Hochschulbereich engagiert sich die Bundesregierung mit einer breiten Projektförderung, zum Beispiel mit der 2014 gestarteten Qualitätsoffensive Lehrerbildung.

Mit Blick auf die demografischen Herausforderungen kann Forschung Beiträge zur Verbesserung der Lebensqualität und gesellschaftlichen Teilhabe älterer Menschen leisten. In der Forschungsagenda der Bundesregierung für den demografischen Wandel „Das Alter hat Zukunft" werden die Forschungsprogramme der Bundesressorts gebündelt und verstärkt auf die Herausforderungen des demografischen Wandels ausgerichtet. An die Agenda schließt sich im Jahr 2015 das Forschungsprogramm Technik zum Menschen bringen an. Mit diesem werden Innovationen der Mensch-Technik-Interaktion gefördert, die die weiteren gesellschaftlichen Herausforderungen adressieren (siehe auch III 1.1. Digitalisierung, Schlüsseltechnologien). Die Bundesregierung fördert die Chancengerechtigkeit, um das Potenzial von Frauen in der Wissenschaft besser auszuschöpfen, ihre Beteiligung an der EU-Forschung zu erhöhen sowie ihren Anteil in Spitzenfunktionen des Wissenschaftsbereichs zu steigern. Das Professorinnenprogramm des Bundes und der Länder trägt mit insgesamt 300 Mio. Euro zu einer Erhöhung der Professorinnenanteile bei.

Sport ist als Spitzen-, Breiten- oder Freizeitsport für die Gesellschaft von großer Bedeutung und wird gemeinsam von Bund und Ländern gefördert, wobei der Bund grundsätzlich für die Förderung des Spitzensports zuständig ist. Für die gesellschaftliche Integration leisten der Sport und die sportwissenschaftliche Forschung einen wichtigen Beitrag.

Bildungsmonitoring

Ziel des Bildungsmonitorings ist die Sicherung und Verbesserung der Leistungsfähigkeit des Bildungswesens durch die Bereitstellung von evidenzbasiertem Wissen für bildungsrelevante Entscheidungen und Maßnahmen in allen Bereichen und auf allen Ebenen des Bildungssystems. Bund und Länder arbeiten hier im Rahmen der Gemeinschaftsaufgabe nach Art. 91b Abs. 2 GG zusammen. Zu den wesentlichen Instrumenten des Bildungsmonitorings gehören der nationale Bildungsbericht und internationale Bildungsvergleichsstudien.

Der von BMBF und Ländern gemeinsam geförderte Bildungsbericht wird von einer Gruppe von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern unter Federführung des Deutschen Instituts für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF) erstellt (siehe auch EB II Organisationen und Einrichtungen in Forschung und Wissenschaft). Inhalte sind eine indikatorengestützte Analyse und problemorientierte Darstellung der aktuellen Situation sowie zeitlicher Entwicklungen über alle Bereiche des Bildungswesens hinweg. Der Bildungsbericht 2016 widmet sich im Schwerpunkt dem Thema Bildung und Migration.

Zu den internationalen Vergleichsstudien gehören:

  • IGLU – Internationale Grundschul-Lese-Untersuchung (IEA)
  • TIMSS – Trends in International Mathematics and Science Study (IEA)
  • PISA – Programme for International Student Assessment (OECD)
  • ICILS – International Computer and Information Literacy Study (IEA)
  • PIAAC – Programme for the International Assessment of Adult Competencies (OECD)

Die internationalen Bildungsvergleichsstudien erfassen die Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern sowie von Erwachsenen in den Bereichen Lesen, Mathematik, Naturwissenschaften sowie bei der Nutzung von Computern. IGLU, TIMSS und PISA werden gemeinsam vom BMBF und der Kultusministerkonferenz finanziert, ICILS und PIAAC alleinig vom Bund. Alle Studien ermöglichen eine Standortbestimmung des deutschen Bildungswesens und identifizieren seine Stärken und Schwächen im internationalen Vergleich. Im Rahmen des Zentrums für internationale Bildungsvergleichsstudien (ZIB) unterstützen Bund und Länder insbesondere auch Forschung und Nachwuchsförderung im Bereich Educational Measurement. Das BMBF fördert darüber hinaus weitere Forschungsprojekte, die an die Bildungsberichtserstattung und die internationalen Assessments anschließen. Hierzu gehört die Studie PIAAC-L, die im Anschluss an PIAAC mit anderen Datenerhebungen in Deutschland, nämlich dem Sozio-oekonomischen Panel (SOEP) und dem Nationalen Bildungspanel (NEPS), verknüpft ist. Hierzu gehören Forschungsprojekte, die Indikatoren identifizieren, mit deren Hilfe nicht monetäre Erträge von Bildung ermittelt werden können. Diese sollen mittelfristig den nationalen Bildungsbericht ergänzen, der seit 2006 alle zwei Jahre erscheint.

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Empirische Bildungsforschung

Bildung entscheidet maßgeblich über die Chancen der Menschen, ihre individuellen Fähigkeiten zu entfalten, ihre beruflichen Ziele zu verwirklichen und an der Gesellschaft teilzuhaben. Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, müssen die Stärken und Schwächen des Bildungssystems sichtbar gemacht werden, Entwicklungen sind zu hinterfragen und auf der Grundlage dieser Erkenntnisse Weichen zu stellen. Eine zentrale Rolle dabei spielt die Bildungsforschung.

Das Rahmenprogramm zur Förderung der empirischen Bildungsforschung zielt darauf ab, Wissen für Reformen des Bildungswesens bereitzustellen und die empirische Bildungsforschung strukturell zu stärken. Die Forschungsförderung fokussiert zum einen Themen, bei denen ein besonderer gesellschaftlicher und politischer Bedarf an wissenschaftlichen Erkenntnissen besteht, wie zum Beispiel Sprachliche Bildung und Mehrsprachigkeit (2012–2017). Zum anderen werden die inhaltliche Profilbildung der Bildungsforschung sowie der akademische Nachwuchs über strukturelle Maßnahmen gestärkt.

Seit Beginn des Programms wurden insgesamt 360 Forschungsprojekte mit einem Volumen von ca. 182 Mio. Euro gefördert. Ein neues Rahmenprogramm Bildungsforschung ist in Vorbereitung. Das BMBF hat den Verbund Forschungsdaten Bildung installiert, welcher Daten der empirischen Bildungsforschung sichert und diese für weitere Untersuchungen zur Verfügung stellt. Die Forschungsergebnisse werden der interessierten Öffentlichkeit in der Tagungsreihe Bildungsforschung 2020 präsentiert und mit Akteuren aus der Wissenschaft, Administration, Bildungspraxis und den Medien im Hinblick auf ihre Praxisrelevanz diskutiert.

Das bisher größte Projekt des Rahmenprogramms zur Förderung der empirischen Bildungsforschung ist das Nationale Bildungspanel (NEPS – engl. National Educational Panel Study). Nach einer Projektförderung mit rund 80 Mio. Euro im Zeitraum September 2009 bis Dezember 2013 wurde das NEPS zum 1. Januar 2014 auf Beschluss der GWK zum Leibniz-Institut für Bildungsverläufe e. V. (LIfBi) ausgebaut. Seine zentrale Zielsetzung besteht darin, mehr darüber zu erfahren, wie sich die Aneignung von Kenntnissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten im Lebenslauf vollzieht und unterstützt werden kann.

Seit 2013 gibt es die Bund-Länder-Initiative Bildung durch Sprache und Schrift (BiSS) zur Verbesserung der Sprachförderung, Sprachdiagnostik und Leseförderung. Diese schließt an Ergebnisse aus Forschungsschwerpunkten des Rahmenprogramms an und wird vom BMBF, dem BMFSFJ, der Kultusministerkonferenz (KMK) und der Jugend- und Familienministerkonferenz (JFMK) getragen. Ziel der Initiative ist es, die vielfältigen Maßnahmen zur sprachlichen Bildung vom Beginn institutioneller Betreuung bis zum Ende der Sekundarstufe I zu evaluieren und weiterzuentwickeln. Hierzu haben sich Kindertagesstätten und Schulen deutschlandweit zu rund 100 Verbünden zusammengeschlossen (siehe auch Abb. BiSS – Bildung durch Sprache und Schrift).

Seit 2005 fördert das BMBF, ab 2016 in der III. Phase die Studie zur Entwicklung von Ganztagsschulen (StEG), mit der Datenmaterial zur Entwicklung und Angebotsqualität sowie zu den Wirkungen von Ganztagsschulen erhoben wird. Im Jahr 2015 wurde die zweite repräsentative bundesweite Schulleitungsbefragung zum Stand der Ganztagsschulentwicklung abgeschlossen. Zentrale Erkenntnisse der Studie aus der zweiten Förderphase sollen im Frühjahr 2016 mit einer Ergebnisbroschüre vorgestellt werden.

Das BMBF unterstützt die Bildung in der frühen Kindheit durch die Förderung von Bildungsforschungs- und Reformprojekten zur Optimierung der frühpädagogischen Ausbildungsstrukturen. In der Weiterbildungsinitiative Frühpädagogischer Fachkräfte (WIFF) fördern das BMBF und die Robert Bosch Stiftung in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Jugendinstitut e. V. derzeit in der dritten Förderphase einen bundesweiten und trägerübergreifenden Qualitätsentwicklungsprozess. Neben der Vernetzung der Akteure im frühpädagogischen Arbeitsfeld stehen Formate der Qualitätssicherung, die Anerkennung und Anschlussfähigkeit von Aus-, Fort- und Weiterbildung sowie ein transparentes Aus- und Weiterbildungssystem im Fokus. Die Forschungsförderrichtlinie fokussiert auf die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen. Im Schwerpunkt „Teilhabe" sollen vor allem die pädagogischen Handlungsmöglichkeiten erforscht und beschrieben werden. WIFF ist am dreijährigen Inclusive-pre-primary-education-Projekt der European Agency for Special Needs and Inclusive Education beteiligt. Europaweit soll es die Erfolgsfaktoren und Herausforderungen der frühen Bildung in inklusiven Settings identifizieren. Je zwei Expertinnen und Experten aus den EU-Staaten, Schweden, Norwegen und der Schweiz erarbeiten Länderreports, sichten die Forschungsliteratur und beschreiben Beispiele für eine gelungene Umsetzung von Inklusion im Vorschulbereich in ihren Ländern. Darüber hinaus fördert das BMBF Projekte, in denen empirische Erkenntnisse über institutionelle und personelle Voraussetzungen der frühen Bildung gewonnen werden sollen. Der Themenschwerpunkt besteht seit 2011 und wird 2016 mit einer neuen Förderbekanntmachung zur Qualität in der frühen Bildung erweitert.

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Inklusive Bildung

Mit dem 2011 vom Bundeskabinett beschlossenen Nationalen Aktionsplan (NAP) zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) wurde erstmals eine behindertenpolitische Gesamtstrategie verabschiedet, die politikfeldübergreifend die Ziele und rund 250 Maßnahmen zur Umsetzung der Konvention auf Bundesebene zusammenführt.

Aufbauend auf den Erkenntnissen der vom BMAS in Auftrag gegebenen Evaluation des NAP aus dem Jahr 2014 und unter Berücksichtigung der Empfehlungen des UN-Fachausschusses aus der 2015 abgeschlossenen ersten Staatenprüfung Deutschlands zur UN-BRK wird der NAP zurzeit zum NAP 2.0 weiterentwickelt. Voraussichtlich 2016 soll der NAP 2.0 vom Bundeskabinett beschlossen werden.

Die Impulse bzw. Handlungsaufträge aus der Evaluation des Aktionsplans und der Staatenprüfung spiegeln sich auch in den im NAP 2.0 geplanten Maßnahmen des Handlungsfelds Bildung wider. Das Handlungsfeld Bildung, das sich insbesondere auf Art. 24 UN-BRK bezieht, beinhaltet Maßnahmen im Bereich Schule, Hochschule und Bildungsforschung. Schulen, Hochschulen und Einrichtungen der Weiterbildung sollen alle Menschen von Anfang an in ihrer Einzigartigkeit und mit ihren individuellen Bedürfnissen in den Blick nehmen und fördern. In Bezug auf schulische Bildung ist es das Ziel der Bundesregierung, das erforderliche Wissen zur Verfügung zu stellen. Basierend auf der Bund-Länder-Vereinbarung 2013 in der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz (GWK) wollen Bund und Länder gemeinsam eine strukturelle und inhaltliche Verbesserung des gesamten Prozesses der Lehrerbildung, insbesondere der inklusiven Lehrerbildung, bis in die berufliche Einstiegsphase und Weiterbildung erreichen. Förderziel ist insbesondere die Fortentwicklung der Lehrerbildung in Bezug auf die Anforderungen der Heterogenität und Inklusion sowie die Durchlässigkeit und Offenheit aller Bildungswege, die Gestaltung pädagogischer Ganztagsangebote und der Einsatz Neuer Medien. Zugleich soll die Mobilität von Studierenden und Lehrkräften verbindlich gewährleistet werden.

Des Weiteren wird die Bundesregierung mit verschiedenen Programmen die Teilhabeforschung in Deutschland stärker implementieren und die Verbesserung der Datenlage zum Thema Studium mit Behinderung unterstützen, damit die Akteure (insbesondere die Länder, Hochschulen und Studentenwerke) im Themenfeld „Studium und Behinderung" Handlungsfelder besser identifizieren und Maßnahmen zielgerichtet realisieren können.

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Kulturelle Bildung

Kulturelle Bildung trägt neben der Vermittlung künstlerisch-kreativer Kompetenzen wesentlich zur Persönlichkeitsentwicklung bei. Kulturelle Bildungsprozesse, als wichtiger Teil des lebenslangen Lernens, finden gleichermaßen in formalen, informellen und nonformalen Bildungskontexten statt.

Kulturelle Jugendbildung hat das Ziel, positive Lebensbedingungen für Kinder und Jugendliche und eine „Kultur des Aufwachsens" mitzugestalten und zu sichern. Mit dem Programm Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung werden außerschulische Maßnahmen der kulturellen Bildung unterstützt, die von lokalen Bündnissen für Bildung getragen werden und sich an bildungsbenachteiligte Kinder und Jugendliche richten. Bisher wurden über 10.000 Maßnahmen durch rund 4.300 lokale Bündnisse für Bildung angeboten. Für das Programm stellt das BMBF von 2013 bis 2017 insgesamt bis zu 230 Mio. Euro zur Verfügung.

Viele Fragen zur kulturellen Bildung sind bisher kaum oder gar nicht erforscht. Zur Verbesserung der empirischen Datenlage und der Förderung des fachlichen Diskurses auf diesem Gebiet erfolgte Ende 2015 eine Förderbekanntmachung Forschung zur kulturellen Bildung. Gefördert werden Forschungsvorhaben, die Beiträge zur theoretischen Auseinandersetzung und Methodenentwicklung leisten und insbesondere auch informelle und nonformale Formen der kulturellen Bildung und Kooperationsmodelle mit formalen Bildungsträgern in den Blick nehmen.

Seit 2014 fördert das BMBF außerdem 14 Modellvorhaben zur Entwicklung und Erprobung von Weiterbildungskonzepten für Kunst- und Kulturschaffende, die Angebote der kulturellen Bildung mit Kindern und Jugendlichen umsetzen. Die Zusammenarbeit von Praxis und Wissenschaft im Verbund sichert die pädagogische Qualität und den Transfer der Konzepte in die Praxis. Zehn durch das BMBF geförderte kulturelle Bundeswettbewerbe, u. a. in Tanz, Theater, Musik, Film und bildender Kunst, bieten zudem jungen Nachwuchskünstlerinnen und -künstlern Ansporn, ihre Talente zu entwickeln.

Mit einer Initiative zur Stärkung der Vermittlungsarbeit in Museen will die Kulturstiftung des Bundes in den Jahren 2016 bis 2020 einen weiteren Akzent im Bereich der kulturellen Bildung setzen. Dabei geht es darum, Veränderungsprozesse in den Museen anzustoßen, die geeignet sind, junge Menschen anzusprechen. Zunächst wird im Bode-Museum der Staatlichen Museen zu Berlin modellhaft und in Zusammenarbeit mit Berliner Schulen ein Vermittlungslabor eingerichtet. Außerdem werden 18 wissenschaftliche Volontariate im Bereich Vermittlung geschaffen. Die Kulturstiftung des Bundes fördert die Initiative im Rahmen der Zuständigkeit des Bundes und der BKM von 2016 bis 2020 mit insgesamt 5,6 Mio. Euro.

Das BMFSFJ unterstützt die Weiterentwicklung eines vielfältigen kulturellen Bildungsangebotes und sichert eine plurale Trägerinfrastruktur. Gefördert werden neben den zentralen Fachorganisationen und drei institutionellen Einrichtungen insbesondere auch bedeutende bundesweite Wettbewerbe und Preise – wie z. B. die Bundeswettbewerbe Jugend musiziert, Deutscher Jugendliteraturpreis und Deutscher Kinder- und Jugendtheaterpreis. Darüber hinaus fördert das BMFSFJ mit dem Deutschen Jugendinstitut e. V. (DJI) das größte außeruniversitäre sozialwissenschaftliche Forschungsinstitut zum Thema Kinder, Jugendliche und Familien. Es wirkt als Einrichtung mit Ressortforschungsaufgaben des BMFSFJ u. a. bei den Jugend- und Familienberichten der Bundesregierung mit (siehe auch EB II Organisationen und Einrichtungen in Forschung und Wissenschaft).

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Wissenschafts- und Hochschulforschung

Die Wissenschafts- und Hochschulforschung ist ein interdisziplinäres Forschungsfeld, in dem die Rahmenbedingungen, die Leistungsprozesse selbst sowie die Wirkungen des Wissenschaftssystems einschließlich der tertiären Bildung untersucht werden. So können systematische Impulse für qualitäts- und effizienzerhöhende Innovationen für das Wissenschaftssystem generiert und Politik und Praxis mit Handlungswissen sowie belastbaren Daten als Entscheidungshilfe versorgt werden. Zur Aufgabe der Wissenschafts- und Hochschulforschung gehört gleichermaßen die kritische Reflexion aktueller Entwicklungen in Forschung und Lehre.

Schwerpunktmäßig unterstützt das BMBF die Wissenschafts- und Hochschulforschung im Rahmen seiner institutionellen Förderung des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) (siehe auch EB II Organisationen und Einrichtungen in Forschung und Wissenschaft) sowie insbesondere durch ein entsprechendes Projektförderprogramm.

Aktuell werden Projekte zu den Themen Leistungsbewertung in der Wissenschaft, Kompetenzmodellierung und Instrumente der Kompetenzerfassung im Hochschulsektor – Validierungen und methodische Innovationen (als Folgemaßnahme der Förderrichtlinie Kompetenzmodellierung und Kompetenzerfassung im Hochschulsektor und inhaltlich entsprechend den Empfehlungen aus der Evaluation ausgerichtet) sowie Begleitforschung zum Qualitätspakt Lehre unterstützt.

Das Fördervolumen für die derzeit 70 FuE-Vorhaben beläuft sich auf insgesamt 30 Mio. Euro. Im Laufe des Jahres 2016 werden zusätzlich Projekte zum Thema Studienerfolg und Studienabbruch in die Förderung aufgenommen. In Vorbereitung ist ferner ein eigenes Förderkonzept zum Thema Digitale Hochschullehre. Zu jeder der laufenden Förderlinien wurden Koordinierungsstellen eingerichtet, die sich um eine stärkere Vernetzung der Projekte untereinander – insbesondere im Bereich des wissenschaftlichen Nachwuchses – sowie um den wissenschaftlichen Transfer und um die Dissemination in die Praxis kümmern.

Um die Informationslage über die Situation des wissenschaftlichen Nachwuchses in Deutschland zu verbessern, fördert das BMBF die Erstellung des Bundesberichts Wissenschaftlicher Nachwuchs (BuWiN). Der BuWiN ist ein unabhängiger wissenschaftlicher Bericht, der alle vier Jahre erscheint und systematisch aktuelle Daten und Entwicklungen zum wissenschaftlichen Nachwuchs dokumentiert. Außerdem fördert das BMBF im Rahmen der Förderbekanntmachung Forschung zu den Karrierebedingungen und Karriereentwicklungen des Wissenschaftlichen Nachwuchses derzeit bundesweit neun Forschungsprojekte, in denen zu verschiedenen Fragen der Karriereentwicklung des wissenschaftlichen Nachwuchses geforscht wird. Darüber hinaus fördert die Bundesregierung die erneute bundesweite Befragung behinderter und chronisch kranker Studierender an deutschen Hochschulen – Datenerhebung beeinträchtigt studieren (best 2) – insbesondere zu den Themenfeldern Hochschulzugang, Barrieren im Studium und Nachteilsausgleiche im Studium und bei Prüfungen.

Die institutionelle Förderung des DZHW stellt eine zentrale strukturbildende Maßnahme zur Stärkung der Wissenschafts- und Hochschulforschung dar. Unterstützt durch die Verschmelzung des DZHW mit dem Institut für Forschungsinformation und Qualitätssicherung (iFQ) wird ab 2016 das Hochschul- und Wissenschaftssystem mit einer integrierten Forschungsperspektive untersucht. Die Förderung des BMBF hierfür beträgt 4,66 Mio. Euro im Jahr 2016. Als begleitende Infrastrukturmaßnahme wird zum einen der Aufbau eines Forschungsdatenzentrums (FDZ) am DZHW finanziell unterstützt, der im Mai 2017 abgeschlossen werden soll. Das FDZ soll zukünftig einen Datenbestand zur Verfügung stellen, der für Sekundäranalysen zu Gegenwarts- und Zukunftsfragen der Wissenschaftspolitik und Hochschulplanung genutzt werden kann. Zum anderen wurde ein Kompetenzzentrum Bibliometrie für den Betrieb und die Weiterentwicklung einer nationalen Inhouse-Bibliometriedatenbank eingerichtet.

Qualitätsoffensive Lehrerbildung

Bund und Länder wollen mit der Qualitätsoffensive Lehrerbildung Reformen in der Lehrerbildung in Hochschulen anstoßen und unterstützen. Hierzu gehören die Verzahnung der Phasen der Lehrer bildung, die qualitative Verbesserung des Praxisbezugs sowie die Gewinnung neuer Zielgruppen für das Lehramtsstudium. Auch die Herausforderung einer heterogenen Schülerschaft muss in der Lehrerbildung stärker berücksichtigt werden. Ein weiterer Schwerpunkt ist deshalb u. a. die Umsetzung von Inklusion. Ein wichtiges Ziel besteht außerdem darin, die Mobilität in Studium und Beruf zu steigern. Voraussetzung für die Teilnahme am Förderprogramm ist deshalb, dass Hochschulen und ihre Sitzländer die gegenseitige Anerkennung von Studien- und Prüfungsleistungen sicherstellen und einen gleichberechtigten Zugang zum Vorbereitungs- und Schuldienst gewährleisten (siehe § 7 der Bund-Länder-Vereinbarung vom 12. April 2013). Neben der Strukturentwicklung in der Lehrerbildung sind auch die Forschung und die Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses sowie Prozesse der Qualitätssicherung wichtige Aspekte der Projektförderung. Im Rahmen der 1. Förderphase wurden 2015 in den beiden Bewilligungsrunden insgesamt 49 Projekte zur Förderung ausgewählt. Bei der Auswahl der Projekte wurde ein besonderes Augenmerk auf die Wissenschaftsbasierung, ein wissenschaftlich geleitetes Qualitätssicherungsmanagement sowie die Nachhaltigkeit gelegt. Das Fördervolumen der bis 2023 laufenden Qualitätsoffensive Lehrerbildung beträgt insgesamt bis zu 500 Mio. Euro.

Abschluss und weiterführende Umsetzung der UN-Dekaden Bildung für nachhaltige Entwicklung und Alphabetisierung

Nach Abschluss der UN-Dekaden Bildung für nachhaltige Entwicklung (2005–2014) und Alphabetisierung (2003–2012) wurden weiterführende Maßnahmen und Transferprojekte in Deutschland angestoßen:

Im Rahmen der UN-Dekade Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) wurden in der Zeit von 2005 bis 2014 insgesamt 1.900 Projekte, 49 Maßnahmen und 21 Kommunen zur Förderung der lokalen Verankerung von nachhaltiger Entwicklung in Bildungseinrichtungen ausgezeichnet. Deutschlandweit ist ein großes BNE-Netz entstanden. Im März 2015 wurde im Bundestag die weitergehende Umsetzung des Weltaktionsprogramms Bildung für nachhaltige Entwicklung als Folgeprogramm der UN-Dekade Bildung für nachhaltige Entwicklung in Deutschland beschlossen. Ein fraktionsübergreifender Antrag im Bundestag verwies auf die Instrumente, die im Rahmen der nationalen Umsetzung der UN-Dekade in Deutschland erprobt worden sind, und forderte, diese weiterzuentwickeln. Im September 2015 rief das BMBF die Nationale Plattform Bildung für nachhaltige Entwicklung ins Leben, um konkrete Maßnahmen zur strukturellen Verankerung der BNE in allen Bildungsbereichen zu entwickeln und bis 2017 einen Nationalen Aktionsplan Bildung für nachhaltige Entwicklung zu erarbeiten.

In den vergangenen Jahren hat das BMBF mehr als 150 Projekte gefördert, die die Alphabetisierungsarbeit in Deutschland verbesserten. Das BMBF wird die Ergebnisse und Erkenntnisse der geförderten Projekte nachhaltig und langfristig nutzbar machen, indem seit Ende 2015 einzelne Initiativen und Maßnahmen guter Praxis zur Alphabetisierung und Grundbildung aus dem Förderschwerpunkt Arbeitsplatzorientierte Alphabetisierung und Grundbildung Erwachsener (2012–2015) fortgeführt werden. Das Thema Alphabetisierung und Grundbildung wird auch in den kommenden Jahren auf der bildungspolitischen Agenda stehen. Dazu hat das BMBF im September 2015 gemeinsam mit der Kultusministerkonferenz angekündigt, in den nächsten zehn Jahren bis zu 180 Mio. Euro bereitzustellen, um Alphabetisierungsprojekte zu fördern sowie Kurskonzepte und Selbstlernmöglichkeiten zu schaffen. Damit wird die Nationale Strategie für Alphabetisierung und Grundbildung in eine Alphabetisierungsdekade überführt und die Förderung dafür deutschlandweit ausgebaut. Die Maßnahmen werden insbesondere arbeitsmarktnahen Themen und Zielgruppen gelten, aber auch Flüchtlingskinder in Erstaufnahmeeinrichtungen erhalten im Rahmen von Lesestart kindgerechte Unterstützung zum Erwerb von Lese- und Schreibkompetenzen.

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Berufliche Handlungskompetenzen stärken

Durch die betriebliche Praxis bietet die duale Ausbildung Jugendlichen gute Voraussetzungen für den Start ins Arbeitsleben sowie vielfältige Karrierechancen. Zur Stärkung der beruflichen Bildung hat die Bundesregierung im Dezember 2014 mit Vertretern der Wirtschaft, der Gewerkschaften und der Länder sowie der Bundesagentur für Arbeit gemeinsam die Allianz für Aus- und Weiterbildung besiegelt (siehe auch III 4. Innovationsfreundliche Rahmenbedingungen).

In der gemeinsam von BMBF, BMAS und der Bundesagentur für Arbeit und den Ländern getragenen Initiative Bildungsketten werden Jugendliche beim Übergang von der Schule in die Berufsausbildung unterstützt. Die Initiative integriert die Aktivitäten aller Akteure in eine ganzheitliche Förderphilosophie mit dem Ziel, alle ausbildungsreifen und ausbildungswilligen Jugendlichen möglichst bis zum Ausbildungsabschluss zu führen.

Innovationen im deutschen Berufsbildungssystem und konkrete Handlungsoptionen zur strukturellen Verbesserung der beruflichen Bildung werden durch die Berufsbildungsforschung erarbeitet. Erster Ansprechpartner zur Durchführung der Berufsbildungsforschung ist das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB, siehe auch EB II Organisationen und Einrichtungen in Forschung und Wissenschaft). Das BIBB führt seine Forschung auf der Grundlage eines jährlichen Forschungsprogramms durch; es bietet aufbereitete Daten der Berufsbildungsforschung in seinem Forschungsdatenzentrum an.

Zur Bearbeitung von eher kurzfristig zu lösenden Fragestellungen beauftragt bzw. fördert das BMBF darüber hinaus eigeninitiativ weitere Aktivitäten zur Berufsbildungsforschung im Rahmen der Berufsbildungsforschungsinitiative (BBFI). Deren Ziel ist es, den hohen Bedarf an wissenschaftlicher Expertise zur Konkretisierung des berufsbildungspolitischen Handelns zu decken. Parallel zur Förderinitiative werden die Ergebnisse in der Reihe Berufsbildungsforschung des BMBF veröffentlicht. Um die Methodenentwicklung zur Feststellung beruflicher Kompetenzen voranzutreiben, förderte das BMBF bis 2015 eine Forschungsinitiative (siehe auch Infobox Forschungsinitiative ASCOT).

Forschungsinitiative ASCOT

Die Forschungsinitiative ASCOT (Technology-based Assessment of Skills and Competencies in VET) zur beruflichen Kompetenzmessung hat das Ziel, innovative Verfahren zur Messung beruflicher Handlungskompetenzen zu entwickeln, zu erproben und in die breite Praxis zu transferieren. So griff beispielsweise das Verbundvorhaben CoBALIT zur Erfassung der Kompetenzbereiche in kaufmännischen Berufen auf Unternehmensmodelle zurück und setzte eine daraus entwickelte Testumgebung in 51 Schulen aus sieben Bundesländern ein.

Im Förderzeitraum (2011–2015) wurden über 800 Testaufgaben – hiervon 560 IT-basierte – neu entwickelt und getestet. An den Erhebungsphasen waren über 12.000 Berufsschülerinnen und -schüler aus 13 Bundesländern und rund 300 Schulen beteiligt. Im September 2015 wurden die Ergebnisse präsentiert. Nach der wissenschaftlichen Grundlagen- und Pionierarbeit in ASCOT soll nun der Transfer in weitere Anwendungsfelder und Berufsdomänen forciert werden.

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Kommunales Bildungsmanagement

Aufbauend auf den vielversprechenden Ergebnissen des Programms Lernen vor Ort (2009–2014) wurde 2013 die Initiative Transferagenturen Kommunales Bildungsmanagement gestartet. Mit der Initiative soll die Verbreitung und Implementierung bewährter Konzepte für ein datenbasiertes, kommunales Bildungsmanagement unterstützt werden. Hierzu wurden 2014 neun Transferagenturen als umfassendes, bundesweit agierendes Beratungsnetzwerk eingerichtet. Sie beraten und begleiten die Städte und Landkreise beim Transfer bewährter Strukturlösungen und Modelle. Das Förderprogramm Bildung integriert flankiert die Transferinitiative und gibt finanzielle Unterstützung. Es richtet sich an Kommunen im gesamten Bundesgebiet und soll den Aufbau eines datenbasierten Bildungsmanagements in Städten und Landkreisen in enger Zusammenarbeit mit den Transferagenturen befördern.

Auch im Rahmen des 2015 verabschiedeten Maßnahmenpakets zur Integration von Flüchtlingen kommt der kommunalen Ebene und den lokalen Bildungsbündnissen eine verantwortungsvolle Rolle zu.

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Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften

Die Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften befassen sich mit unserem kulturellen Gedächtnis und Erbe, mit der Analyse politischer Entwicklungen und gesellschaftlicher Strukturen sowie mit Deutungsmustern der Gegenwart. Sie leisten damit wichtige Beiträge zur Selbstverständigung unserer Gesellschaft über ihre Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Kriterien und Maßstäbe zur Bewertung von Modernisierungsprozessen oder zum grenzüberschreitenden Verflechtungs- und Verständigungspotenzial von Gesellschaften sind für die Gestaltung unserer Zukunft wichtig, denn gerade Zeiten des Übergangs und des schnellen Wandels erfordern vermehrt Reflexions- und Orientierungswissen.

Die Förderung in den Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften basiert u. a. auf dem 2012 gestarteten BMBF-Rahmenprogramm Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften (2012–2017). Die Kernziele des Rahmenprogramms lauten: Internationalisierung der Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften, Strukturbildung sowie Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Es trägt durch längerfristig angelegte Forschungsförderung zum strukturellen Ausbau der Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften in Deutschland bei. Weiterhin dient es dazu, die Rolle der Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften als Vermittler und Übersetzer zwischen Traditionen, Kulturen und Religionen zu stärken. Dadurch steigt die Bedeutung sozial- und geisteswissenschaftlicher Forschung für den gesellschaftlichen Dialog in einer globalisierten Welt.

Ein Kernelement der Förderung sind zehn interdisziplinäre Käte Hamburger Kollegs. Diese sind an Universitäten angegliederte, aber wissenschaftlich eigenständige geisteswissenschaftliche Einrichtungen der international vernetzten Spitzenforschung. Das BMBF und die Sitzländer fördern seit 2008 zudem die Zentren für Literatur- und Kulturforschung, für Allgemeine Sprachwissenschaft und für den Modernen Orient in Berlin sowie das Geisteswissenschaftliche Zentrum Geschichte und Kultur Ostmitteleuropas in Leipzig. Mit dem neuen Förderformat Maria Sibylla Merian International Centres erweitert das BMBF das erfolgreiche Kollegprogramm um eine internationale Dimension (siehe auch Infobox Maria Sibylla Merian International Centres for Advanced Studies in the Humanities and Social Sciences).

Das vielfältige kulturelle Erbe in den Museen, Archiven, wissenschaftlichen Sammlungen und Bibliotheken soll durch Forschung besser erschlossen und stärker ins öffentliche Bewusstsein gerückt werden, z. B. im Rahmen der 2012 erstmals erschienenen Förderbekanntmachung Die Sprache der Objekte. Materielle Kultur im Kontext gesellschaftlicher Entwicklungen bzw. in der 2015 veröffentlichten Förderrichtlinie Vernetzen – Erschließen – Forschen. Allianz für universitäre Sammlungen. Das BMBF wirkt darüber hinaus strukturbildend, indem es die Regionalstudien stärkt und weiterentwickelt und die Zentren für Islamische Theologie in Tübingen, Münster/Osnabrück, Erlangen-Nürnberg und Frankfurt am Main/Gießen sowie das Zentrum für Jüdische Studien Berlin-Brandenburg fördert.

Das europäische Netzwerk HERA (Humanities in the European Research Area) stärkt die europäische und internationale Zusammenarbeit in den Geisteswissenschaften. Die Projekte befassen sich mit Fragestellungen zu Kulturkontakt, Transfer zwischen Kulturen und wechselseitiger Beeinflussung von Kulturen sowie mit dem Einfluss unseres Verständnisses der Vergangenheit auf die Gestaltung von Gegenwart und Zukunft.

Maria Sibylla Merian International Centres for Advanced Studies in the Humanities and Social Sciences

Bestimmte geistes- und sozialwissenschaftliche Fragestellungen können am besten im Ausland erforscht werden. Dazu bedarf es eines vertieften Austauschs mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern vor Ort, der Zusammenarbeit mit den ausländischen Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen sowie längerer Auslandsaufenthalte. Wenn zusätzlich die Fragestellung unterschiedliche fachliche Zugänge erfordert, ist eine enge Zusammenarbeit in einer interdisziplinär zusammengesetzten Gruppe notwendig. Das BMBF eröffnet deshalb mit dem neuen Förderformat eines Maria Sibylla Merian International Centres for Advanced Studies in the Humanities and Social Sciences die Möglichkeit, Fragestellungen in einer intensiv zusammenarbeitenden Gruppe und aus unterschiedlichen fachlichen Perspektiven an einem Standort im außereuropäischen Ausland zu erforschen.

Ein Konsortium deutscher und indischer Universitäten und Forschungseinrichtungen hat 2014 den Zuschlag des BMBF erhalten, um in Neu Delhi das erste M.S. Merian Internationale Kolleg für Geistes- und Sozialwissenschaften zu gründen. Die Ausschreibung für ein Kolleg in Lateinamerika wurde im Oktober 2016 veröffentlicht. Bis Ende März 2016 können sich Verbünde um eine Förderung bewerben. Weitere Kollegs in anderen außereuropäischen Regionen sollen in den nächsten Jahren folgen. Die Zentren sind auf bis zu zwölf Jahre angelegt, die sich in eine zweijährige Vorbereitungsphase, eine sechsjährige Hauptphase und eine vierjährige Abschlussphase gliedern.

Mit dem Rahmenprogramm Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften fördert das BMBF im Themenschwerpunkt Kulturelle Vielfalt und Zivilgesellschaft Forschungsinstitutionen und -projekte, die maßgeblich dazu beitragen, Grundlagen- und Anwendungswissen für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zu schaffen. 2013 wurde die Bekanntmachung Finanzsystem und Gesellschaft: Bedeutungs- und Funktionswandel des Finanzsystems sowie Implikationen für die Entstehung, Überwindung und Vermeidung von Finanzkrisen veröffentlicht. Der dritte Bericht zur sozioökonomischen Entwicklung in Deutschland entwickelt Beobachtungskonzepte und Indikatoren für eine integrierte, wissenschaftsgestützte Sozialberichterstattung, die sich am Konzept der Wohlfahrtsproduktion orientiert. Zudem fördert das BMBF in einer deutsch-griechischen Kooperation drei bilaterale Forschungsprojekte, die sich mit den sozioökonomischen Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise in beiden Ländern beschäftigen. Im Jahr 2014 initiierte das BMBF den breit angelegten Agenda-Prozess Zukunft sichern und gestalten, um künftige Forschungsbeiträge der Geistes- und Sozialwissenschaften zu diskutieren (siehe auch III 5 Transparenz und Partizipation).

Mit dem Rat für Sozial- und Wirtschaftsdaten (RatSWD) fördert das BMBF ein Gremium, das mit Forschenden verschiedener Disziplinen und Vertreterinnen und Vertretern von Datenproduzenten besetzt ist. Es setzt sich für weitere Verbesserungen der Dateninfrastruktur ein. Wichtige Infrastrukturelemente bilden weiterhin die Forschungsdatenzentren (FDZ) der statistischen Ämter von Bund und Ländern, der Bundesagentur für Arbeit und der Deutschen Rentenversicherung Bund, die ebenfalls mit Förderung des BMBF aufgebaut wurden. Nach ihrem Vorbild wurden FDZ in weiteren Sachgebieten eingerichtet. Durch Methodenprojekte wird zudem die Forschung in den statistischen Methoden unterstützt.

Mit dem Verbundprojekt TextGrid: Vernetzte Forschungsumgebung in den eHumanities, also in den „digitalen Geisteswissenschaften", förderte das BMBF einen Forschungsverbund, der sich zum Ziel gesetzt hat, eine virtuelle Forschungsumgebung für Geistes- und Kulturwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler zu schaffen. Darüber hinaus förderte das BMBF 24 Projekte in den eHumanities, die ein breites fachwissenschaftliches Themenspektrum abdecken. Mittlerweile werden sechs Nachwuchs- und sechs Zentrenprojekte gefördert, die den Bereich der eHumanities nachhaltig weiterentwickeln und strukturieren.

Das BMBF beteiligt sich am European Strategy Forum on Research Infrastructures (ESFRI) und unterstützt die deutschen Partnerinnen und Partner in fünf geistes- und sozialwissenschaftlichen Projekten, die europäische Forschungsinfrastrukturen schaffen. Dazu zählen u. a. die geisteswissenschaftlichen Projekte DARIAH (Digital Research Infrastructure for the Arts and Humanities) und CLARIN (Common Language Resources and Technology) sowie die sozialwissenschaftlichen Projekte CESSDA (Consortium of European Social Science Data Archives), ESS (European Social Survey) und SHARE (Survey of Health, Ageing and Retirement in Europe) mit jeweils starken deutschen Partnern, die durch die nationale Förderung des BMBF wichtige Säulen der europäischen Infrastrukturprojekte bilden.

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Wirtschaftswissenschaftliche Forschung

Moderne und praxisorientierte empirische wirtschafts- und finanzwissenschaftliche Forschung trägt dazu bei, frühzeitig volkswirtschaftliche Entwicklungen aufzuzeigen und zu bewerten und die Wirkungen wirtschafts- und finanzpolitischer Entscheidungen quantitativ abzuschätzen. Wirtschaftswissenschaftliche Forschung kann darüber hinaus auch wichtige Beiträge für die Lösung globaler gesellschaftlicher Herausforderungen wie des Klimawandels oder der nachhaltigen Transformation der Städte leisten.

In den vergangenen Jahren förderte das BMBF mit den Fördermaßnahmen Wirtschaftswissenschaften für Nachhaltigkeit I und II Forschungsvorhaben zur Weiterentwicklung der Nachhaltigkeitsökonomik und den Aufbau der dafür notwendigen Kapazitäten. Die Förderschwerpunkte Ökonomie des Klimawandels und Sozial-ökologische Forschung, fortgesetzt im neuen Rahmenprogramm Forschung für Nachhaltige Entwicklung (FONA3), fördern die Einbeziehung ökonomischer Konzepte und Perspektiven zum Verständnis drängender gesellschaftlicher Fragen (siehe auch III 1.2 Nachhaltigkeit, Klima, Energie). Auch auf dem Feld der Versorgungsforschung und Gesundheitsökonomik leistet die wirtschaftswissenschaftliche Forschung anwendungsrelevante Beiträge und wird durch das BMBF gezielt, z. B. durch die Einrichtung von Zentren der gesundheitsökonomischen Forschung, gefördert (siehe auch III 1.4 Gesundheit und Ernährung).

Gute Wirtschafts- und Sozialpolitik basiert auf fundierter, flexibler und am aktuellen Bedarf orientierter wirtschafts- und sozialwissenschaftlicher Forschung. Verschiedene Bundesressorts – insbesondere das BMWi, das BMF und das BMAS – vergeben zur Vorbereitung wirtschafts-, technologie-, finanz- und sozialpolitischer Entscheidungen im Rahmen wettbewerblicher Verfahren entsprechende Forschungsaufträge an wirtschaftswissenschaftliche Forschungsinstitute. Im Interesse der Exzellenz, der Unabhängigkeit und der Wertfreiheit der Forschung bedarf es eines intensiven Wettbewerbs zwischen mehreren unabhängigen Instituten. Bund und Länder fördern daher institutionell sieben Einrichtungen der Leibniz-Gemeinschaft, die wirtschafts- und finanzwissenschaftliche Forschung oder wissenschaftliche Infrastruktur bereitstellen (siehe auch EB II Organisationen und Einrichtungen in Forschung und Wissenschaft).

Das BMAS nutzt Ressortforschung, um künftige sozialpolitische Entscheidungen frühzeitig vorzubereiten und umzusetzen. Daneben dient die Ressortforschung des BMAS der Evaluierung geltender rechtlicher Regelungen sowie der Erfüllung gesetzlicher Berichtspflichten. Ressortforschungsaufträge werden zu allen zentralen Fragen und Aspekten der Sozialpolitik, insbesondere der sozialen Sicherung, der Arbeitsmarktpolitik und des Arbeitsschutzes, der Rehabilitation, der Behindertenpolitik und der Sozialhilfe, vergeben (siehe auch III 1.3 Arbeit, Produktion und Dienstleistung).

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Innovationen für den demografischen Wandel

Angesichts des demografischen Wandels besteht Innovationsbedarf, um die mit einer alternden Gesellschaft verbundenen Herausforderungen zu bewältigen und Chancen zu nutzen sowie die Lebensqualität älterer Menschen zu verbessern. Erforderlich ist die Entwicklung neuer Versorgungskonzepte, Techniken und Dienstleistungen für die Erhaltung und Förderung von Gesundheit im Alter, für die Ermöglichung altersgerechter, barrierefreier Mobilität, für die Entwicklung seniorengerechter Kommunikations- und Informationsinstrumente, für die Gestaltung von Wohn- und Lebensräumen sowie für die Sicherung der Autonomie und Würde im Fall der Pflegebedürftigkeit. Darüber hinaus gilt es, die Kompetenzen und Erfahrungen älterer Menschen für Wirtschaft und Gesellschaft stärker zu nutzen und generell ein neues Altersbild in unserer Gesellschaft zu verankern.

Forschung aus allen Wissenschaftsdisziplinen kann dazu beitragen, die Auswirkungen des demografischen Wandels frühzeitig zu erkennen und zu gestalten. Die Forschungsagenda der Bundesregierung für den demografischen Wandel Das Alter hat Zukunft (2011–2016) ist daher ein zentrales Element der 2015 weiterentwickelten Demografiestrategie der Bundesregierung Jedes Alter zählt (siehe auch Infobox Jedes Alter zählt – Für mehr Wohlstand und Lebensqualität aller Generationen). Sie ist das erste ressortübergreifende Forschungskonzept zum demografischen Wandel, das von einer deutschen Bundesregierung erarbeitet wurde.

In der Forschungsagenda Das Alter hat Zukunft werden die Forschungsprogramme der Bundesressorts gebündelt und anhand von sechs Forschungsfeldern verstärkt auf die Herausforderungen des demografischen Wandels ausgerichtet:

  1. Grundsatzfragen einer Gesellschaft des längeren Lebens: Der geistes- und sozialwissenschaftlichen Forschung kommt bei dem Verständigungsprozess über die Gesellschaft der Zukunft eine tragende Rolle zu. Zu den Schwerpunkten des Forschungsfeldes zählt neben der Erforschung der Ursachen und Konsequenzen des demografischen Wandels nicht zuletzt auch die Entwicklung und Etablierung eines realistischen Altersbildes.
  2. Kompetenzen und Erfahrungen älterer Menschen für Wirtschaft und Gesellschaft nutzen: Das Forschungsfeld adressiert z. B. die Entwicklung von Konzepten für ein demografieorientiertes Personalmanagement und das betriebliche Kompetenzmanagement im demografischen Wandel (siehe auch III 1.3 Arbeit, Produktion und Dienstleistung). Einen weiteren Schwerpunkt bilden innovative Lösungen der Mensch-Technik-Interaktion zur Unterstützung alternder Belegschaften.
  3. Älter werden bei guter Gesundheit: Mit dem Anstieg der Lebenserwartung erhöht sich auch die Zahl der Menschen, die an im Alter vermehrt auftretenden Krankheiten leiden. Im Rahmen des Forschungsfeldes werden die altersassoziierten Erkrankungen (Diagnose, Therapie und Prävention) erforscht, Erkenntnisse zur medizinischen Versorgung älterer Menschen gewonnen sowie der Aufbau von modellhaften Gesundheits- und Dienstleistungsregionen für morgen vorangetrieben (siehe auch III 1.4 Gesundheit und Ernährung).
  4. Gesellschaftliche Teilhabe – Mobil und in Verbindung bleiben: In diesem Forschungsfeld werden Fragestellungen des gesamten Mobilitätsspektrums angesprochen. Wichtig ist dabei, Mobilitätsbarrieren in Wohnkomplexen und -quartieren zu beseitigen und öffentliche Verkehrsmittel, private Fahrdienste und systemübergreifende technische Hilfsmittel in ganzheitliche Mobilitätskonzepte zu integrieren (siehe auch III 1.5 Mobilität).
  5. Sicher und unabhängig wohnen: In dem Forschungsfeld wird der Frage nachgegangen, wie die eigenen vier Wände auch im letzten Lebensabschnitt so gestaltet werden können, dass sich die Bewohnerinnen und Bewohner möglichst lange in ihrem Zuhause wohlfühlen. Dabei ist auch das unmittelbare Wohnumfeld von Bedeutung. Technologische Innovationen, die in Verbindung mit sozialen Innovationen das Wohnen im angestammten Umfeld unterstützen, spielen eine wichtige Rolle.
  6. Mit guter Pflege zu mehr Lebensqualität: In diesem Schwerpunkt werden Fragestellungen zur menschenwürdigen Pflege in einer Gesellschaft des längeren Lebens in den Fokus genommen. Die Förderung bezieht sich auf Entwicklungen, die Patienten, Angehörige und Pflegekräfte technisch unterstützen und vernetzen, und innovative, praxisnahe Konzepte, die z. B. in die Qualifizierung des Personals in den sozialen Diensten eingebracht werden (siehe auch III 1.4 Gesundheit und Ernährung).

Die Forschungsagenda ist mit technologischen Querschnittsfragen, der Nutzerintegration und dem Wissens- und Praxistransfer verknüpft. Ebenso finden die Untersuchung relevanter ethischer, rechtlicher und sozialer Fragen und die internationale Vernetzung Berücksichtigung. Im Rahmen der Agenda wurden Forschungsprojekte im Bereich der Mensch-Technik-Interaktion(siehe auch III 1.1. Digitalisierung, Schlüsseltechnologien) wie auch im Bereich Medizintechnik, Pflege und Prävention gefördert(siehe auch III 1.4 Gesundheit und Ernährung).

Auch die Altenberichterstattung der Bundesregierung leistet einen wichtigen Beitrag: Stand schon beim 6. Altenbericht die Sensibilisierung für die „Altersbilder in der Gesellschaft" im Mittelpunkt, greift der 7. Altenbericht die zuvor genannten Forschungsthemen auf. Unter der Überschrift „Sorge und Mitverantwortung in der Kommune – Aufbau und Sicherung zukunftsfähiger Gemeinschaften" nimmt er die kommunale Perspektive in den Blick.

Das Maßnahmenprogramm des BMG zur Verbesserung der Versorgung Pflegebedürftiger enthält Modellprojekte, die sich mit der Fortentwicklung der pflegerischen Versorgungsstrukturen angesichts des demografischen Wandels befassen.

Der demografische Wandel ist auch in vielen anderen Industriestaaten schon heute Realität. Die nationalen Förderschwerpunkte werden daher durch internationale Kooperationen ergänzt. Deutschland beteiligt sich aktiv an der Entwicklung des Europäischen Rahmenprogramms für Forschung und Innovation Horizont 2020. Darüber hinaus bringt sich Deutschland maßgeblich in die europäischen Programmplanungsinitiativen zu den Themen Demografischer Wandel und Neurodegenerative Erkrankungen ein. Deutschland hat bereits parallel zur Vorbereitung der nationalen Forschungsagenda die Joint Programming Initiative More Years, Better Lives: The Potential and Challenges of Demographic Change (JPI-MYBL) initiiert.

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Chancengerechtigkeit von Frauen in Bildung und Forschung

Die Verwirklichung von Chancengerechtigkeit für Frauen ist unerlässlich, will Deutschland sich erfolgreich als attraktiver Bildungs-, Wissenschafts-, Forschungs- und Wirtschaftsstandort im globalen Wettbewerb behaupten. Die Integration von Gender in die Forschung ist ein wichtiges Anliegen des Europäischen Forschungsraums, welches auch von der Bundesregierung verfolgt wird. Exzellente Forschung ist nur möglich, wenn Geschlecht konsequent, dort wo notwendig, berücksichtigt wird.

Bund und Länder fördern seit 2008 mit insgesamt 300 Mio. Euro in zwei Förderphasen das Professorinnenprogramm. Das Programm erhöht die Anzahl der Professorinnen an deutschen Hochschulen und stärkt durch spezifische Maßnahmen die Gleichstellungsstrukturen an Hochschulen. In den beiden Programmphasen haben insgesamt 169 deutsche Hochschulen erfolgreich teilgenommen. Ende 2015 wurden bereits fast 500 Professuren gefördert. Die wissenschaftliche Evaluation der zweiten Programmphase (PP II 2013–2017) ist 2015 an eine unabhängige Institution vergeben worden.

Die Förderlinie Frauen an die Spitze wurde in Kofinanzierung mit Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) aufgelegt. Sie zielt auf strukturelle Veränderungen ab, um die Beteiligung von Frauen – insbesondere in den höheren Qualifikationsstufen – im Wissenschaftssystem und in der Wirtschaft zu steigern. Rund 120 Projekte haben seit 2007 u. a. Ursachen für die weibliche Unterrepräsentanz in Führungspositionen erforscht und Handlungsansätze für mehr Chancengerechtigkeit und mehr Frauen in Führungspositionen entwickelt. Mit der Förderung von Maßnahmen zum Ausbau von innovativen Forschungskooperationen und zur Stärkung der Netzwerktätigkeit werden seit 2012 neue Impulse für die Erforschung genderbezogener Fragestellungen gesetzt sowie der Erfahrungsaustausch über die Grenzen von Fachdisziplinen hinweg gestärkt.

Im Jahr 2008 haben sich Unternehmen und Institutionen aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Medien im Nationalen Pakt für Frauen in MINT-Berufen – Komm, mach MINT. zusammengeschlossen. Ziel des Paktes ist, das Potenzial von Frauen für die naturwissenschaftlich-technischen Fächer besser als bisher auszuschöpfen. Junge Frauen sollen für innovations- und zukunftsträchtige MINT-Studiengänge und -Berufe begeistert und der Frauenanteil an Führungspositionen in der Wirtschaft erhöht werden. Inzwischen sind mehr als 200 Partner dem Pakt beigetreten und über 1.000 MINT-Projekte deutschlandweit gestartet. Mit der 2015 lancierten Initiative Erfolg mit MINT – Neue Chancen für Frauen werden die Ziele des Nationalen Paktes für Frauen in MINT-Berufen nachhaltig umgesetzt. Die für die Förderung ausgewählten Projekte sollen als Forschungsprojekte, Umsetzungsmaßnahmen oder fachliche Veranstaltungen wesentlich zur Einbindung von Frauen in den digitalen Wandel beitragen und bilden so einen Baustein der Digitalen Agenda 2014–2017 (siehe auch III 1.1. Digitalisierung, Schlüsseltechnologien).

Um belastbare Daten für das langfristige Ziel eines höheren Anteils von Medizinerinnen in leitenden Positionen im akademischen und klinischen Bereich der medizinischen Fakultäten zu erlangen, wird mit der wissenschaftlichen Untersuchung zum Thema „Medical Women on Board Index" der Status quo der Beschäftigung von Medizinerinnen im akademischen und klinischen Bereich der Fakultäten erhoben.

Der jährliche Girls’ Day – Mädchen-Zukunftstag, den BMBF und BMFSFJ ergänzt durch Mittel des ESF fördern, setzt bereits früher an und bricht geschlechterstereotype Berufswahlprozesse von Mädchen im MINT-Bereich auf. Am zeitgleich stattfindenden Boys’ Day – Jungen-Zukunftstag können Jungen Berufe kennenlernen, in denen bislang nur wenige Männer arbeiten, zum Beispiel aus dem sozialen, erzieherischen und pflegerischen Bereich.

Die nationale Kontaktstelle Frauen in die EU-Forschung (FiF) wurde 2007 vom BMBF mit dem Ziel gegründet, den Frauenanteil in Forschung und Entwicklung in Europa zu erhöhen.

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Sportförderung und Sportforschung

Den verfassungsrechtlichen Vorgaben entsprechend konzentriert sich die Sportförderung des Bundes auf den Spitzensport sowie solche herausragenden Aktivitäten, an denen ein gesamtstaatliches Interesse besteht.

Mit einer effektiven und effizienten wissenschaftlichen Unterstützung soll die internationale Wettbewerbsfähigkeit deutscher Spitzensportlerinnen und Spitzensportler gesichert bzw. mittelfristig ausgebaut werden. Die Förderung der Sportwissenschaft zielt auf eine athletennahe, sportartspezifische, interdisziplinäre und komplexe Trainings- und Wettkampfforschung sowie Technologieentwicklung ab. Zudem werden gesellschaftliche und politische Gegenstandsbereiche sowie Themen der baulichen und technologischen Sportinfrastruktur bearbeitet. Das Spektrum der Anwendungsforschung ist dabei breit angelegt und reicht von der grundlagenorientierten Forschung über praxisnahe Begleitforschung bis hin zu gerätetechnischer Entwicklungsforschung.

Diese Zielsetzungen werden im Wissenschaftlichen Verbundsystem für den Leistungssport (WVL) realisiert. Im obersten Steuerungsgremium des WVL, dem Strategieausschuss, übt das Bundesinstitut für Sportwissenschaft (BISp) im Wechsel mit dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) den Vorsitz aus.

Zwei Programme dienen als inhaltlicher Orientierungsrahmen der sportwissenschaftlichen Forschungsförderung: das BISp-Programm zur Schwerpunktsetzung sportwissenschaftlicher Forschung und das Langfristige strategische Forschungsprogramm für das Wissenschaftliche Verbundsystem im Leistungssport (WVL) des Strategieausschusses. Mit beiden Programmen wird die Forschung konsequent auf die Zielgrößen der Wettkampfleistung im Spitzensport, ihre Einflussgrößen und die Möglichkeiten zur Beeinflussung unter der Prämisse eines humanen Leistungssports und unter den Bedingungen der offenen Gesellschaft ausgerichtet. Dabei nehmen der olympische und paralympische Spitzensport vordringliche Rollen ein. In beiden Programmen kommt der Dopingbekämpfung eine herausgehobene Bedeutung zu.

Die sportwissenschaftliche Forschung wird maßgeblich über das Bundesinstitut für Sportwissenschaft (BISp) organisiert (siehe auch EB II Organisationen und Einrichtungen in Forschung und Wissenschaft). Das BMI förderte die sportwissenschaftliche Projektförderung des BISp im Jahr 2015 mit 4,799 Mio. Euro.

Um die Zukunftsfähigkeit der Strukturen der Spitzensportförderung – einschließlich der wissenschaftlichen Unterstützung des Spitzensports – zu sichern, wird derzeit ein Reformkonzept erarbeitet. Dieses Konzept soll zeitnah nach den Olympischen und Paralympischen Sommerspielen 2016 in Rio de Janeiro abgeschlossen sein.

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