Gesundheit und Ernährung

Die Gesundheit beeinflusst das individuelle und gesellschaftliche Wohlbefinden ebenso nachhaltig wie Leistungsfähigkeit, Produktivität und Wachstum. Die Zunahme von Volkskrankheiten und Mehrfacherkrankungen in der Bevölkerung, die in vielen Industriestaaten mit dem demografischen Wandel einhergehen, stellt unsere Gesellschaft und Wirtschaft vor große Herausforderungen. Gleichzeitig bietet der steigende Bedarf an Gesundheitsleistungen vielfältige Chancen für die deutsche Gesundheitswirtschaft, auch auf den internationalen Märkten.

Die Gesundheitsforschung nimmt eine herausgehobene Stellung in den Förderanstrengungen der Bundesregierung ein. In kaum einem anderen Forschungsbereich profitieren Bürgerinnen und Bürger so unmittelbar von neuen Erkenntnissen und Innovationen wie in der Gesundheitsforschung. Forschungsergebnisse sollen daher schnell bei den Menschen ankommen. Das Rahmenprogramm Gesundheitsforschung (2010–2017) benennt sechs Aktionsfelder, die die maßgebliche Grundlage für die Förderung der Gesundheitsforschung bilden. Hierzu zählen die gebündelte Erforschung von Volkskrankheiten, die Weiterentwicklung der individualisierten Medizin, Fortschritte in der Präventions- und Ernährungsforschung sowie der Versorgungsforschung, die Förderung der Gesundheitswirtschaft und die Stärkung der internationalen Zusammenarbeit. Das Programm wird gemeinsam von BMBF und BMG getragen. Ergänzend zur Projektförderung und institutionellen Förderung des BMBF spielt die Ressortforschung des BMG in Verbindung mit seinen Instituten eine wichtige Rolle. Der G7-Gipfel auf Schloss Elmau setzte weitere entscheidende Impulse für die künftige Forschungsagenda. So wird der Kampf gegen Antibiotikaresistenzen und gegen vernachlässigte Tropenkrankheiten intensiviert, und es werden multilaterale Maßnahmen ergriffen, um auf Epidemien mit neu auftretenden Erregern, wie die Ebola-Krise, künftig besser vorbereitet zu sein.

Ein wichtiges Element eines gesunden Lebens ist eine gesunde Ernährung. Hier geht es, neben einer auf den Energiebedarf abgestimmten Ernährung, auch um eine hinreichende Lebensmittelversorgung sowie um die Qualität und Sicherheit der Lebensmittel. Sichere Lebensmittel und gesunde Ernährungsweisen sind auch ein wesentliches Thema des Verbraucherschutzes, der aber weit über Ernährungsfragen hinausreicht und immer wichtiger wird. Transparenz und bessere Informationen zu Produkteigenschaften und Dienstleistungsangeboten stärken den Verbraucher, Qualitätsmanagementsysteme sichern hochwertige Produkte und helfen, Risiken für jede und jeden zu minimieren.

Bei Produktion und Konsum sind zugleich Nachhaltigkeitsaspekte im Blick zu behalten. Zudem kann Forschung einen entscheidenden Beitrag dazu leisten, Lösungswege für die Sicherung der Welternährung zu entwickeln.

Bekämpfung von Volkskrankheiten

Die Zahl der Menschen, die an Volkskrankheiten leiden bzw. erkranken, nimmt weltweit weiter zu. Zu Volkskrankheiten zählen Krankheiten wie Krebs, Herz-Kreislauf-, Stoffwechsel-, Lungen- oder neurodegenerative Erkrankungen. Aber auch Infektionskrankheiten, neu auftretende Krankheitserreger sowie Antibiotikaresistenzen stellen die Gesundheitsforschung und Gesundheitsversorgung vor neue Herausforderungen. Wichtiges Ziel ist es daher, die genannten Krankheiten einzudämmen, zu verhindern oder zu verzögern. Gleichermaßen gilt es, den bereits betroffenen Personen das Leben mit ihrer Erkrankung zu erleichtern. Hierfür müssen Früherkennung, Diagnostik, Therapie, Rehabilitation, Nachsorge und Pflege weiter verbessert werden.

Die Bundesregierung fördert daher innovative, überregionale Forschungsstrukturen und -netzwerke, die sich dem Leitgedanken der Translation, also dem Transfer von Forschungsergebnissen aus dem Labor in die breite medizinische Versorgung, verschrieben haben. Eine zentrale Rolle nehmen dabei die Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung (DZG) ein (siehe auch EB II Organisationen und Einrichtungen in Forschung und Wissenschaft). Inzwischen arbeiten ca. 41 Standorte mit mehr als 100 beteiligten Hochschulen, Universitätskliniken und außeruniversitären Forschungseinrichtungen in den Zentren zusammen. Thematisch ausgerichtete DZG existieren derzeit zu Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Infektionskrankheiten, Krebs, Lungenkrankheiten und neurodegenerativen Erkrankungen (siehe auch Infobox Diabetes mellitus). Wertvolle Partner sind dabei Ressortforschungseinrichtungen des BMG, das Robert Koch-Institut (RKI), das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) und das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) (siehe auch EB II Organisationen und Einrichtungen in Forschung und Wissenschaft). Das BMBF hat bis 2015 mehr als 700 Mio. Euro für die sechs indikationsbezogenen Zentren zur Verfügung gestellt. Nach Abschluss der Aufbauphase werden nunmehr jährlich über 220 Mio. Euro durch den Bund zur Verfügung gestellt. Die Länder beteiligen sich mit rund 22 Mio. Euro jährlich.

Das neue Berliner Institut für Gesundheitsforschung (BIG) verfolgt komplementär dazu einen übergreifenden systemmedizinischen Forschungsansatz. Das BIG erforscht die komplexen, krankheitsübergreifenden Zusammenhänge in ihrer Gesamtheit und entwickelt neue Therapieansätze. Es erlangte 2015 seine Rechtsfähigkeit als selbstständige Körperschaft des öffentlichen Rechts des Landes Berlin. Im BIG wird die Zusammenarbeit des Max-Delbrück-Centrums (MDC) und der Charité – Universitätsmedizin Berlin durch die Schaffung eines gemeinsamen Forschungsraums institutionalisiert. Es ist geplant, den Aufbau bis 2019 durch den Bund mit rund 355 Mio. Euro (plus rund 34,5 Mio. Euro vom Land Berlin) zu finanzieren.

Mit dem Ziel, eine neue Organisationsstruktur mit Modellcharakter für die Hochschulmedizin aufzubauen und zu erproben, fördert das BMBF seit 2008 insgesamt acht Integrierte Forschungs- und Behandlungszentren (IFB). Forschung und Patientenversorgung werden miteinander vereint, damit Ergebnisse aus der Forschung schneller in der Klinik angewandt werden können. Hierbei soll insbesondere die klinische Spitzenforschung gefördert werden, um Deutschland in diesem Bereich sichtbar und wettbewerbsfähig zu machen. Mit Karriereförderprogrammen für den klinisch-wissenschaftlichen Nachwuchs leisten die IFB einen wichtigen Beitrag zur Umsetzung dieser Ziele.

Der Kampf gegen Infektionen ist eine zentrale Aufgabe der Medizin. Kernthemen der Infektionsforschung des BMG bilden sich in der gemeinsam mit BMBF und BMEL getragenen Deutschen Antibiotika-Resistenzstrategie (DART 2020) sowie der Strategie zur Eindämmung von HIV, Hepatitis B und C sowie anderer sexuell übertragbarer Infektionen ab. Im europäischen Rahmen beteiligt sich das BMBF an der Joint Programming Initiative zu antimikrobiellen Resistenzen (JPI AMR). Das BMBF fördert den Aufbau klinisch-infektiologischer Forschungsgruppen als selbstständige Einheiten an deutschen Hochschulkliniken und unterstützt Forschungen zur Bedeutung der körpereigenen, natürlichen Resistenz gegenüber Infektionskrankheiten. Die Erforschung, Prävention und Bekämpfung von durch Tieren auf Menschen übertragbaren Infektionskrankheiten (Zoonosen) fördern BMBF, BMG und BMEL gemeinsam über die Nationale Forschungsplattform für Zoonosen. An der Plattform sind vonseiten der Ressortforschungseinrichtungen das RKI, das PEI und das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) beteiligt. Anfang 2016 haben das BMBF, das BMG und das BMEL die Forschungsvereinbarung zu Zoonosen erneuert. Als neuer Partner ist das BMVg hinzugekommen. Als eine zentrale Initiative fördert das BMBF ein Nationales Forschungsnetz zoonotische Infektionskrankheiten.

Der Krebsbekämpfung wird seit vielen Jahren ein hoher Stellenwert eingeräumt. Der Nationale Krebsplan dient als Koordinierungs- und Kooperationsprogramm zur Weiterentwicklung und Verbesserung sowohl der Früherkennung von Krebs als auch der Versorgung von krebskranken Menschen (siehe auch Infobox Ausbau und Erweiterung des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen). Zum Thema Krebs wurde auch der Förderschwerpunkt Forschung im Nationalen Krebsplan vom BMG aufgelegt.

Auch psychische Erkrankungen sowie Erkrankungen oder Verletzungen des Haltungs- und Bewegungsapparates haben eine zunehmende gesundheitspolitische Bedeutung. Für die Versorgung sind diese Erkrankungen sehr relevant, da sie häufig auftreten, die Betroffenen und Angehörigen enorm belasten und hohe Versorgungs- und Pflegekosten verursachen können. Das BMBF fördert daher von 2015 bis 2019 zwei Forschungsnetze zu muskuloskelettalen Erkrankungen und zu psychischen Erkrankungen. Das BMG unterstützt außerdem einen Forschungsschwerpunkt zur Verbesserung der Versorgung von Menschen mit psychischen Störungen. Darüber hinaus hat das BMBF aufgrund der Empfehlungen des Runden Tisches Sexueller Missbrauch in Abhängigkeits- und Machtverhältnissen in privaten und öffentlichen Einrichtungen und im familiären Bereich im Jahr 2011 eine Initiative gestartet, um eine Wissenschafts- und Forschungslandschaft im Bereich sexueller Missbrauch von Kindern und Jugendlichen aufzubauen. Im diesbezüglichen Förderschwerpunkt im Bereich der Gesundheitsforschung werden elf Forschungsverbünde von 2012 bis 2016 mit insgesamt 23 Mio. Euro gefördert. Die Forschung entwickelt und erprobt evidenzbasierte Konzepte zur Prävention, Erkennung und Therapie, um Kinder und Jugendliche vor sexualisierter Gewalt besser zu schützen und die seelische und die körperliche Gesundheit von Betroffenen bestmöglich wiederherzustellen.

Auf europäischer Ebene koordiniert das BMBF die beiden ERA-Netze (European Research Area Networks) für neurologische und psychiatrische Erkrankungen (NEURON) sowie für kardiovaskuläre Erkrankungen (ERA-CVD). Außerdem ist das BMBF Partner in einem ERA-NET zur translationalen Krebsforschung (TRANSCAN) und beteiligt sich an den JPIs (Joint Programming Initiatives) zu neurodegenerativen Erkrankungen (JPND) und zur antimikrobiellen Resistenz (JPIAMR). Das BMG beteiligt sich zudem an den im Rahmen des EU-Programms Health geförderten Joint Action Alkohol (RARHA) und Joint Action on Chronic Deseases sowie an ERANID (European Research Area Network on Illicit Drugs), das im Rahmen des 7. EU-Forschungsprogramms gefördert wird. Das BMG plant die Einführung eines elektronischen Meldeverfahrens für Infektionskrankheiten. Mit der Umsetzung des Projekts (Deutsches Elektronisches Meldesystem für den Infektionsschutz DEMIS) wurde das RKI beauftragt. Die bundesweite Einführung eines elektronischen Meldeverfahrens stärkt den öffentlichen Gesundheitsdienst, da eine verbesserte medienbruchfreie Kommunikation zwischen den Akteuren des Meldewesens (Ärzte, Krankenhäuser, Labore, öffentlicher Gesundheitsdienst) sowie eine flexiblere und bessere Datenerhebung zur epidemiologischen Situation in Deutschland ermöglicht wird. Damit ist insbesondere auch eine bessere und schnellere Bewältigung von Ausbruchsgeschehen verbunden.

Diabetes mellitus

Diabetes mellitus, umgangssprachlich auch als Zuckerkrankheit bezeichnet, ist eine chronische Stoffwechselerkrankung. Die beiden wichtigsten Formen sind der Typ-1- und der Typ-2-Diabetes. Etwa 95 % der Menschen mit Diabetes leiden an Typ-2-Diabetes. Der Diabetes mellitus Typ 2 wurde früher auch als Altersdiabetes bezeichnet, weil vor allem Menschen in höherem Lebensalter daran erkranken. Beim Typ-1-Diabetes handelt es sich um eine Autoimmun-erkrankung. Sie kann schon im frühen Kindes- und Jugendalter auftreten. Bei dieser Form des Diabetes richtet sich das körpereigene Immunsystem gegen die eigenen Körperzellen, nämlich gegen die Insulin produzierenden Betazellen der Bauchspeicheldrüse. Die Immunreaktion zerstört dabei die Betazellen. In der Folge kommt die körpereigene Insulinproduktion zum Erliegen, und der Blutzuckerspiegel steigt an. Dies kann langfristig die Blutgefäße, Nerven und andere Organe schädigen. Betroffene müssen mehrmals am Tag Insulin spritzen. Nur so können sie akute Stoffwechselstörungen und Folgeerkrankungen, beispielsweise des Herz-Kreislauf-Systems, verhindern.

Das Deutsche Zentrum für Diabetesforschung (DZD) beteiligt sich an einer Studie, um die Erkrankungsrate für Typ-1-Diabetes bei Kindern mit sehr hohem Erkrankungsrisiko zu senken. Mehrere Länder führen diese sogenannte Pre-POINT-Studie durch. Pre-POINT überprüft eine Art Impfung gegen die Autoimmunreaktion bei Typ-1-Diabetes. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler konnten zeigen, dass eine orale Insulingabe einen schützenden Effekt bewirkt. Unerwünschte Nebenwirkungen, wie z. B. Unterzuckerung, wurden nicht beobachtet. Die jetzt geplante POINT-Studie validiert die orale Insulinimpfung an einer größeren Anzahl von Kindern.

Zwei von fünf Partnern im Verbund des DZD sind das Deutsche Diabetes-Zentrum in Düsseldorf und das Deutsche Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE), die als Leibniz-Institute vom Bund gefördert werden (siehe auch EB II Organisationen und Einrichtungen in Forschung und Wissenschaft).

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Individualisierte Medizin

Entstehung, Ausprägung und Verlauf einer Krankheit hängen von vielen individuellen Faktoren ab. Hierzu zählen beispielsweise die genetische Veranlagung, das Geschlecht und das Alter des Menschen. Aber auch der persönliche Lebensstil und äußere Umwelteinflüsse beeinflussen unsere Gesundheit entscheidend. Die individualisierte Medizin erfasst diese Faktoren und ihre gegenseitigen Wechselwirkungen. Sie eröffnet so die Möglichkeit, maßgeschneiderte Präventions- und Therapieverfahren zu entwickeln. Mögliche Nebenwirkungen der Behandlung sollen minimiert und der Behandlungserfolg verbessert werden. Gleichzeitig bietet die individualisierte Medizin der deutschen Gesundheitswirtschaft neue Chancen für mehr Wettbewerbsfähigkeit. Zusammen mit der zunehmenden Digitalisierung ist sie der wichtigste Treiber der modernen Medizin.

Die Bundesregierung fördert die individualisierte Medizin seit 2013 in einem Aktionsplan Individualisierte Medizin, der Teil des Rahmenprogramms Gesundheitsforschung ist. Bis zum Jahr 2016 stellt die Bundesregierung 360 Mio. Euro für die projektbezogene Forschungsförderung zur Verfügung. Durch die Förderung sollen zwei Hauptziele erreicht werden. Zum einen sollen neue Ansätze für maßgeschneiderte Prävention, Diagnostik und Therapie entwickelt werden. Zum anderen soll ein gesellschaftlich akzeptierter Rahmen für den Umgang mit der individualisierten Medizin geschaffen werden. Dem dienen auch die parallel laufenden Forschungsvorhaben zu ethischen, rechtlichen und sozialen Auswirkungen dieses Prozesses. Das BMG wird eine Förderbekanntmachung veröffentlichen, um anwendungsbezogene Forschung zu den ethischen Aspekten der Digitalisierung im Gesundheitswesen zu ermöglichen.

Um die Forschungsergebnisse möglichst rasch in die klinische Praxis und in die wirtschaftliche Verwertung zu bringen, ist eine enge Kooperation zwischen akademischen, klinischen und industriellen Partnern notwendig.

Der Aktionsplan Individualisierte Medizinein neuer Weg in Forschung und Gesundheitsversorgung deckt den Bereich der Innovationskette von der biomedizinischen Grundlagenforschung über die Translation hin zur wirtschaftlichen Verwertung ab. Mit mehreren Förderinitiativen (e.Med – Maßnahmen zur Etablierung der Systemmedizin) werden die systemorientierte Erforschung von Krankheiten vorangetrieben und Lebens- und Informationswissenschaften miteinander verbunden. Die Systemmedizin ist eine Grundlage für die Umsetzung, Gestaltung und Realisierung einer individualisierten Medizin. Geförderte Projekte und Forschungsverbünde belegen den Nutzen und die Anwendbarkeit systemorientierter, lebenswissenschaftlicher Forschungsansätze und entwickeln IT-basierte Methoden und Verfahren für optimierte Therapieentscheidungen.

Ausbau und Erweiterung des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen

Das BMBF stärkt die Krebsforschung in Deutschland und fördert die Entwicklung individualisierter Therapien von Krebspatientinnen und -patienten. Das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) in Heidelberg wird ausgebaut, und es wird eine NCT-Außenstelle in Dresden errichtet. Dies gab die Bundesministerin für Bildung und Forschung Prof. Dr. Johanna Wanka anlässlich des 50-jährigen Jubiläums des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) bekannt.

Das 2004 gegründete NCT ist eine Kooperation des DKFZ, der Universitätsmedizin Heidelberg und der Deutschen Krebshilfe. Als Onkologisches Spitzenzentrum (Comprehensive Cancer Centre) vereint das NCT klinische Forschung sowie Patientinnen- und Patientenversorgung unter einem Dach. Gemäß einer modernen Präzisionsonkologie werden über die Grenzen der traditionellen Fachrichtungen und akademischen Abteilungen hinweg entsprechend den spezifischen Bedürfnissen individualisierte Therapien entwickelt.

Das NCT entwickelt sich durch den Ausbau und den neuen Standort in Dresden zu einem der führenden Zentren in der individualisierten Krebsforschung in Europa und weltweit. Das BMBF plant einen sukzessive ansteigenden Finanzbetrag. Das Land Baden-Württemberg und der Freistaat Sachsen werden die bauliche Erweiterung des NCT in Heidelberg bzw. den Forschungsneubau am Standort Dresden finanzieren und sich mit 10 % an den laufenden Kosten beteiligen.

Im Rahmen der individualisierten Medizin werden die Integration unterschiedlicher Datenformate und die Interpretation großer Datenmengen immer wichtiger. Die Bundesregierung widmet sich dieser Aufgabe verstärkt, etwa mit der Fördermaßnahme Medizininformatik: Daten vernetzen – Gesundheitsversorgung verbessern. Das Ziel der modularen und langfristig angelegten Fördermaßnahme ist die Verbesserung von Forschungsmöglichkeiten und der Versorgung der Patientinnen und Patienten in Deutschland durch innovative IT-Lösungen. Die Fördermaßnahme Medizininformatik wird dabei von den Ergebnissen existierender Fördermaßnahmen wie der Integrativen Datensemantik in der Systemmedizin und des Deutschen Netzwerks für Bioinformatik-Infrastruktur profitieren.

Verschiedene Förderaktivitäten des BMBF zielen darauf ab, Forschungsergebnisse möglichst rasch in die klinische Praxis und in die wirtschaftliche Verwertung zu bringen. Die Innovationen für die individualisierte Medizin entwickeln neue Biomarker und zielgerichtete Therapieansätze und validieren diese für den Einsatz in der klinischen Praxis. Die Methoden und Werkzeuge für die individualisierte Medizin entwickeln spezifische Techniken und unterstützen so die Forschung und Entwicklung in diesem Bereich. Die Fördermaßnahme Innovative Stammzelltechnologien für die individualisierte Medizin adressiert interdisziplinäre Forschungsverbünde im Bereich der Stammzelltechnologien, die neuartige Reprogrammierungstechnologien und induzierte pluripotente Stammzellen für die Anwendung erschließen, um die Behandlungsmöglichkeiten für degenerative Erkrankungen zu verbessern.

Viele Aspekte der individualisierten Medizin können auf nationaler Ebene nur bedingt umgesetzt werden. So werden beispielsweise länderübergreifende Standards benötigt, um die Daten von Patientinnen und Patien-ten zu analysieren und zu speichern. Des Weiteren werden Therapien oder Diagnoseverfahren für immer kleinere Patientinnen- und Patientengruppen entwickelt. Ohne eine länderübergreifende Zusammenarbeit könnten nur schwer ausreichend Probandinnen und Probanden für klinische Studien rekrutiert werden. Diese Zusammenarbeit wird maßgeblich von Aktivitäten zur Erstellung von Roadmaps und Strategic Research Agendas wie der der CSA CASyM und der im Herbst 2015 ausgelaufenen CSA PerMed getrieben, an der sich BMBF und BMG/BfArM aktiv beteiligt haben. Ferner fördert das BMBF auf europäischer Ebene die Validierung von Biomarkern in der individualisierten Krebsmedizin (ERA-Net TRANSCAN 2011). Aktuell beteiligt sich das BMBF am ERA-Net Co-Fund für Systemmedizin ERACoSysMed. Die Förderung erster transnationaler Forschungsprojekte des ERA-Netzes ist zu Beginn des Jahres 2016 gestartet.

Forschungsprojekte zu ethischen, rechtlichen und sozialen Aspekten der individualisierten Medizin unterstützen den notwendigen Diskurs zwischen Wissenschaft, Gesellschaft und Politik.

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Seltene Erkrankungen

Das vom BMG gemeinsam mit dem BMBF und der Allianz Chronischer Seltener Erkrankungen (ACHSE e. V.) gegründete Nationale Aktionsbündnis für Menschen mit Seltenen Erkrankungen hat es sich zur Aufgabe gemacht, die gesundheitliche Situation für Menschen mit seltenen Erkrankungen zu verbessern und dazu den Nationalen Aktionsplan für Menschen mit Seltenen Erkrankungen veröffentlicht. Der Aktionsplan enthält 52 Maßnahmenvorschläge zum Informationsmanagement, zur Verkürzung von Diagnosewegen, von Versorgungsstrukturen und zur Forschung im Bereich der Seltenen Erkrankungen, die von den verantwortlichen 28 Bündnispartnern umgesetzt werden sollen. Das BMG stellte hierfür bis Ende 2015 Fördermittel in Höhe von rund 5 Mio. Euro zur Verfügung. Ab dem Jahr 2016 sind weitere Projekte aus dem Themenbereich seltene Erkrankungen geplant.

Das BMBF engagiert sich seit 2003 mit spezifischen Fördermaßnahmen im Bereich der seltenen Erkrankungen. Im Rahmen der jüngsten Fördermaßnahme zu translationsorientierten Verbundvorhaben im Bereich der seltenen Erkrankungen unterstützt das BMBF beispielsweise zehn große nationale Forschungsverbünde von 2015 bis 2019 mit insgesamt ca. 20 Mio. Euro. Weitere 19 Mio. Euro hat das BMBF seit 2008 im Rahmen der europäischen Förderinitiative E-Rare in die Forschung zu seltenen Erkrankungen investiert. Zusätzlich werden auch in weiteren Förderschwerpunkten, z. B. im Förderschwerpunkt zu klinischen Studien, Projekte zu seltenen Erkrankungen gefördert.

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Prävention

Immer mehr Menschen erreichen ein hohes Alter bei guter körperlicher und geistiger Leistungsfähigkeit. Dies ermöglichen medizinische Fortschritte, verbesserte Lebensbedingungen und ein reichhaltiges Angebot hochwertiger Lebensmittel. Gleichzeitig steigt jedoch auch die Zahl derer, die an chronischen Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes oder Krebs leiden, deutlich an. Dies stellt die Betroffenen, das Gesundheitssystem wie auch die Gesellschaft vor neue Herausforderungen. Eine große Chance liegt darin, chronischen Krankheiten vorzubeugen, sie frühzeitig zu erkennen bzw. ihren Verlauf abzumildern. Präventionsmaßnahmen, insbesondere ausreichende Bewegung und eine gesundheitsförderliche Ernährung, können einen wesentlichen Beitrag dazu leisten. Zudem kann davon ausgegangen werden, dass durch erfolgreiche Prävention mittelfristig Einsparpotenziale im Gesundheitssystem realisiert werden können.

Präventionsmaßnahmen werden in der Präventionsforschung in enger Kooperation aller beteiligten Disziplinen entwickelt. Diese können nur erfolgreich sein, wenn ihre Wirksamkeit wissenschaftlich nachgewiesen ist und sie auf die jeweilige Zielgruppe zugeschnitten sind. Inter- und transdisziplinäre Forschungsverbünde zur Primärprävention und Gesundheitsförderung dienen der strukturellen und nachhaltigen Stärkung der Forschungskapazitäten der Präventionsforschung und dem Transfer bzw. der Umsetzung von Primärprävention und Gesundheitsförderung im Alltag. Evaluationsstudien zu langfristigen Wirkungen von Primärprävention und Gesundheitsförderung leisten einen Beitrag zur Verbesserung der Evidenzbasierung von Präventionsstrategien und bewerten den gesellschaftlichen Nutzen einer bestimmten Maßnahme im Verhältnis zu deren Kosten.

Erfolgreiche verhaltensbezogene Präventionsmaßnahmen, wie Angebote zur Bewegungsförderung, Stressreduktion und gesunden Ernährung, erfordern eine hohe Eigenverantwortung der Menschen. Gleichzeitig muss das Lebensumfeld gesundheitsfördernd gestaltet werden (Verhältnisprävention). Mit dem Präventionsgesetz vom 17. Juli 2015 werden die Krankenkassen daher zusammen mit den übrigen Sozialversicherungsträgern verpflichtet, eine gemeinsame nationale Präventionsstrategie zu entwickeln. Dazu vereinbaren sie trägerübergreifende Rahmenempfehlungen, die als Grundlage für Vereinbarungen auf Landesebene über Maßnahmen in den Lebenswelten dienen. Für eine bessere Zusammenarbeit und zur Erhöhung der Qualität und Effizienz der Maßnahmen in den Lebenswelten können die Sozialversicherungsträger einzeln oder mit Dritten Modellvorhaben durchführen. Daneben leistet die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) im Geschäftsbereich des BMG einen wichtigen Beitrag (siehe auch EB II Organisationen und Einrichtungen in Forschung und Wissenschaft).

Um Prävention und Gesundheitsförderung als vierte Säule des Gesundheitssystems neben Heilung, Pflege und Rehabilitation fortzuentwickeln, braucht es darüber hinaus verlässliche wissenschaftliche Grundlagen. Die Bundesregierung hat deshalb im Jahr 2013 einen Aktionsplan Präventions- und Ernährungsforschung vorgelegt. Er umfasst alle für die Entwicklung erfolgreicher Präventionsmaßnahmen relevanten Forschungsansätze und verknüpft diese miteinander. Im Zeitraum von 2013 bis 2016 stellt die Bundesregierung bis zu 125 Mio. Euro für Forschungs- und Entwicklungsprojekte zur Verfügung.

Ein zentraler Baustein für die Forschung auf dem Gebiet Prävention ist die langfristige Datenerhebung in großen Bevölkerungsgruppen, sogenannten Kohorten. Seit 2013 wird daher die bisher größte Bevölkerungskohorte in Deutschland, die NAKO-Gesundheitsstudie, aufgebaut. Das BMBF, die Länder und die HGF finanzieren diese Gesundheitsstudie gemeinsam. Es sollen insgesamt 200.000 Frauen und Männer innerhalb der nächsten zehn Jahre mehrfach untersucht und befragt werden. Durch die erhobenen Daten sollen Schutz- und Risikofaktoren für Krankheiten identifiziert werden.

Schon seit 2008 liefert das kontinuierliche Gesundheitsmonitoring am RKI repräsentative Gesundheitsinformationen über alle Altersgruppen hinweg, sowohl in Querschnitt- als auch in Längsschnittanalysen. Es schafft damit eine wesentliche Erkenntnisgrundlage für die zielgerichtete Ausgestaltung von gesundheitlicher Prävention und auch deren Evaluation. Das Gesundheitsmonitoring besteht aus drei sich ergänzenden Untersuchungskomponenten, und zwar regelmäßigen Befragungserhebungen (GEDA) und abwechselnden, über drei Jahre laufenden Untersuchungssurveys zu Kindern und Jugendlichen (KiGGS) bzw. zu Erwachsenen (DEGS). Es erlaubt Aussagen nicht nur über die Entwicklung der gesundheitlichen Lage in Deutschland, sondern auch zu Ursachen und Bedingungen gesundheitlicher Veränderungen.

Um die Bedürfnisse der Menschen in ihren verschiedenen Lebensphasen besser zu verstehen und Prävention und Therapien noch passgenauer auszurichten, wurde die neue Förderinitiative Gesund – ein Leben lang initiiert. Im Mittelpunkt steht die konsequente Ausrichtung der Forschung auf die spezifischen Belange von vier Bevölkerungsgruppen: Kinder und Jugendliche, arbeitende Menschen, Männer und Frauen sowie betagte Menschen.

Die moderne Ernährungsforschung ist zunehmend interdisziplinär und anwendungsnah ausgerichtet. Sie hat sich in den vergangenen Jahren immer mehr darauf konzentriert, die molekularen Grundlagen des Wechselspiels von Lebensmitteln mit dem menschlichen Organismus besser zu verstehen. Wissenschaftliche Erkenntnisse im Ernährungsbereich tragen zur Entwicklung innovativer, konsumentenfreundlicher und gesundheitsfördernder Produkte und Dienstleistungen bei. Der Wettbewerb Innovationen und neue Ideen für den Ernährungssektor prämierte Ideen und Lösungen für eine Ernährungsforschung der Zukunft. Im Rahmen des Nachwuchswettbewerbs Molekulare Grundlagen der humanen Ernährung wurden selbstständige Nachwuchsgruppen zur molekularen Ernährungsforschung gefördert.

In vier themenzentrierten und regional angelegten Kompetenzclustern der Ernährungsforschung arbeiten insgesamt 140 Hochschulen, außeruniversitäre Forschungseinrichtungen sowie Unternehmen der Lebensmittel- und Dienstleistungsbranche zusammen (BMBF, seit 2015). Aufbauend auf den Kompetenzclustern werden in einer künftigen Fördermaßnahme dem wissenschaftlichen Nachwuchs neue Perspektiven eröffnet.

Die nationale Förderung der Präventions- und Ernährungsforschung ist eingebettet in die gemeinsame europäische Programmplanungsinitiative Eine gesunde Ernährung für ein gesundes Leben (siehe Infobox European Joint Programming Initiative: A healthy diet for a healthy life). Ziel des Engagements von BMBF und BMEL ist es, die nationale Förderung an einer gemeinsamen strategischen Forschungsagenda auszurichten und die internationale Zusammenarbeit auszubauen. Die nationale Förderung auf dem Gebiet der Ernährungsforschung wird dafür zukünftig noch stärker im Kontext der JPI HDHL erfolgen.

European Joint Programming Initiative: A healthy diet for a healthy life

Die gemeinsame europäische Programmplanungsinitiative Eine gesunde Ernährung für ein gesundes Leben setzt sich mit ernährungsbedingten Erkrankungen und ihren gesundheitlichen, sozialen und wirtschaftlichen Konsequenzen für die Gesellschaft auseinander. In ihr arbeiten 25 europäische Partnerländer und assoziierte Staaten zusammen, um ihre Forschungsaktivitäten im Bereich Ernährung und Gesundheit zu bündeln und zu koordinieren. Geleitet werden alle Partner von einer gemeinsamen Vision: „2030 werden alle Bürgerinnen und Bürger den Wunsch, die Fähigkeit und die Möglichkeit haben, sich gesund und abwechslungsreich zu ernähren und sich ausreichend zu bewegen. Die Häufigkeit ernährungsabhängiger Erkrankungen wird signifikant zurückgegangen sein.“ Eine gemeinsame Forschungsagenda wurde 2012 veröffentlicht. Drei zentrale Bereiche beschreiben die inhaltlichen Prioritäten der Initiative und definieren Strategien, um die Forschungsaufgaben umzusetzen: Determinanten des Ernährungs- und Bewegungsverhaltens, Ernährung und Lebensmittelproduktion sowie ernährungsassoziierte chronische Erkrankungen. Eine Reihe länderübergreifende Fördermaßnahmen wurde in den letzten zwei Jahren umgesetzt. Beispielsweise wurde ein europäisches Netzwerk gegründet, das die in den einzelnen Ländern vorhandenen Daten zum Einfluss biologischer, psychologischer und sozioökonomischer Faktoren auf das Ernährungs- und Bewegungsverhalten zusammenträgt und auswertet.

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Innovationen in der Versorgungsforschung

Der demografische Wandel und gesellschaftliche Veränderungen stellen das Gesundheitssystem vor neue Herausforderungen. Ein wichtiges Ziel ist es, die Qualität der Versorgung zu verbessern und gleichzeitig das System finanzierbar zu halten. Hierfür erbringt die Versorgungsforschung wissenschaftliche Erkenntnisse über den Nutzen von Leistungen, Diagnosen, Therapien sowie rehabilitative und pflegerische Maßnahmen. Sie beschreibt und analysiert Versorgungsrealitäten und entwickelt Ansätze, um diese zu verbessern. Ergebnisse der Versorgungsforschung können Grundlage politischer Entscheidungsprozesse sein und die Versorgungsstrukturen in Deutschland beeinflussen.

Im Rahmenprogramm Gesundheitsforschung der Bundesregierung ist die Versorgungsforschung mit einem eigenen Aktionsfeld vertreten. Im Dezember 2014 wurde dieses durch den Aktionsplan Versorgungsforschung konkretisiert. Er stärkt die Versorgungsforschung strukturell, bündelt forschungsbezogene Ressourcen und greift Themenbereiche bedarfsorientiert auf. Die Bundesregierung investiert von 2015 bis 2018 rund 50 Mio. Euro in die Versorgungsforschung. Mit dem Ziel einer anwendungsnahen Versorgungsforschung wird hier neben Studien auch der Strukturaufbau in der Versorgungsforschung durch die Förderung von Kooperationsnetzen und Nachwuchsgruppen gefördert.

Mehrere Zentren der gesundheitsökonomischen Forschung dienen der Stärkung der Gesundheitsökonomik an ausgewählten Standorten und der Förderung von Karriereoptionen für Nachwuchskräfte. Bereits vier Standorte – in Berlin, Duisburg-Essen, Hamburg und Hannover – werden mit rund 17 Mio. Euro für acht Jahre durch das BMBF gefördert; eine neue Förderrunde ist in Vorbereitung. Die geplante Anschubfinanzierung von Professuren und Einrichtung von Nachwuchsgruppen in der Geriatrie und Gerontologie soll zur Verbesserung der Forschungsstrukturen im Bereich der Altersforschung beitragen. Klinische und sozialwissenschaftliche Disziplinen werden dadurch künftig stärker in die geriatrische und gerontologische Forschung einbezogen.

Über die Ressortforschung des BMG werden ergänzende Maßnahmen initiiert. Diese Maßnahmen verbes-sern die Arzneimittelversorgung, sichern die Qualität der medizinischen Versorgung, überprüfen Therapieempfehlungen evidenzbasiert und passen diese an und verbessern die Situation der Pflegebedürftigen sowie die Versorgung und Rehabilitation von Personen mit psychischen Erkrankungen. Auch im Bereich der Suchterkrankungen, die eine große Anzahl von Menschen in Deutschland betreffen, fördert das BMG zahlreiche Projekte und Studien zur Verbesserung der Versorgung in den Handlungsfeldern Prävention, Beratung und Behandlung sowie Rehabilitation.

Potenziale und Anwendungsfelder von Big Data im Gesundheitswesen werden im Rahmen eines vom BMG vergebenen Gutachtens aufgearbeitet. Im Rahmen des Projekts erfolgt eine differenzierte Auseinandersetzung zur Nutzung und Auswertung großer Datenmengen für eine bessere Diagnose und individualisierte Therapien (Big Data). Die entwickelten Handlungsszenarien sollen gezielt in weiteren Maßnahmen umgesetzt werden, um die Vorteile des technologischen Fortschritts auch in der Gesundheitsversorgung zukünftig gezielt nutzen zu können, die Möglichkeiten einer noch besseren Verbindung zwischen Forschung und Versorgung, aber auch die Wettbewerbsfähigkeit im europäischen und internationalen Vergleich zu stärken.

Im Juli 2015 hat der Bundesgesetzgeber das Gesetz zur Stärkung der Versorgung in der gesetzlichen Krankenversicherung verabschiedet. Es stellt eine gut erreichbare, flächendeckende Versorgung der Patientinnen und Patienten in allen Regionen Deutschlands auf hohem Niveau sicher. Gleichzeitig stärkt es die Rechte von Patientinnen und Patienten. Der Gemeinsame Bundesausschuss wird beauftragt, einen Innovationsfonds mit einem Volumen von 300 Mio. Euro jährlich, zunächst in den Jahren 2016 bis 2019, einzurichten. Mit diesem neuen Instrument sollen neue Versorgungsformen mit 225 Mio. Euro und die Versorgungsforschung mit 75 Mio. Euro gefördert werden.

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Forschung für die Gesundheitswirtschaft und zur Verbesserung der Patientensicherheit

Die Gesundheitswirtschaft umfasst alle Güter und Dienstleistungen, die dazu beitragen, die menschliche Gesundheit zu erhalten oder zu verbessern. Die Förderaktivitäten richten sich maßgeblich an Pharma-, Medizintechnik- und Biotechnologieunternehmen, von denen in Deutschland die größte Dynamik in der Branche ausgeht. Vor allem kleine und mittelständische Unternehmen können die oftmals hohen Anfangsinvestitionen innovativer gesundheitswirtschaftlicher Forschung durch flankierende Förderprogramme besser stemmen und werden so in der Entwicklung neuer Wirkstoffe, Verfahren, Techniken und Anwendungen unterstützt.

Zur Stärkung von international wettbewerbsfähigen Forschungsstandorten hat das BMBF seit 2008 vier Spitzencluster rund um die Themen Medizintechnik, regenerative Medizin und Biopharma gefördert. Zwei dieser Cluster werden nun im Rahmen der Fördermaßnahme Internationalisierung von Spitzenclustern, Zukunftsprojekten und vergleichbaren Netzwerken ihre internationale Vernetzung ausbauen (siehe auch III 2 Vernetzung und Transfer).

Arzneimittelentwicklung ist eine zentrale Aufgabe der Pharma- und Biotechnologieunternehmen. Um den Forschungs- und Produktionsstandort Deutschland zu stärken und die Versorgung der deutschen Bevölkerung mit qualitativ hochwertigen und innovativen Medikamenten sicherzustellen, hat die Bundesregierung von September 2014 bis April 2016 einen ressortübergreifenden Dialog mit Industrie, Wissenschaft und der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie geführt (Pharmadialog). Das BMBF fördert Forschung zur Wirkstoffsuche, Arzneimittelentwicklung und zu innovativen Diagnose- und Produktionsverfahren. Auf Basis der Initiative BioPharma – Strategiewettbewerb für die Medizin der Zukunft werden zwei große Konsortien zur Entwicklung von Therapien und Diagnostika gegen neurodegenerative Erkrankungen noch bis 2018 durch das BMBF unterstützt.

Zur Förderung der pharmazeutischen Forschung engagiert sich das BMBF gemeinsam mit weiteren europäischen Partnern für die Umsetzung der geplanten Forschungsinfrastruktur EU-OPENSCREEN. Ziel dieser Infrastruktur wird sein, biologisch aktive Substanzen unter hohen Qualitätsstandards zu charakterisieren und für die Entwicklung innovativer Arzneistoffe nutzbar zu machen. Im Sinne optimaler Gesundheitsleistungen ist es unerlässlich, dass Qualität, Wirksamkeit und Unbedenklichkeit von Arzneimitteln gewährleistet sind. Hierzu tragen das BMG, das PEI und das BfArM gezielt bei (siehe auch EB II Organisationen und Einrichtungen in Forschung und Wissenschaft).

Darüber hinaus hat das BMG gemeinsam mit der Ärzte- und Apothekerschaft sowie weiteren Beteiligten den Aktionsplan zur Verbesserung der Arzneimitteltherapiesicherheit ins Leben gerufen. In diesem Rahmen werden und wurden zahlreiche Forschungsprojekte initiiert, die dazu dienen, die Sicherheit der Arzneimitteltherapie zu verbessern.

Im Bereich der Medizintechnik führt das BMBF seit 2011 gemeinsam mit dem BMWi und dem BMG den Nationalen Strategieprozess Innovationen in der Medizintechnik durch, zu dem 2014 eine erste positive Bilanz auf der Nationalen Strategiekonferenz Medizintechnik gezogen wurde. Daraus wurden u. a. folgende Fördermaßnahmen im Bereich Medizintechnik abgeleitet:

  • Mit der Maßnahme KMU-innovativ: Medizintechnik fördert das BMBF seit 2011 mittelständische Medizintechnikunternehmen, das Fördervolumen wurde im Zuge des Strategieprozesses verdoppelt (siehe auch III 3 Innovationsdynamik der Wirtschaft).
  • Mit der Maßnahme Aufbau von Industrie-in-Klinik-Plattformen zur Entwicklung innovativer Medizinprodukte werden seit 2014 in einem mehrstufigen Verfahren versorgungsorientierte Forschungsinfrastrukturen der Medizintechnik gefördert.
  • Die neue Nationale Informationsplattform Medizintechnik wurde als zentrales Portal der Branche im Internet etabliert. Kernstück ist der Innovationslotse, der KMU bei Innovationsprozessen unterstützt.
  • Mit der Fördermaßnahme Medizintechnische Lösungen für die digitale Gesundheitsversorgung wurde eine erste Maßnahme zur Förderung der digitalen Gesundheitswirtschaft veröffentlicht.
  • Das BMG hat den Aufbau und die Weiterentwicklung des Endoprothesenregisters Deutschland (EPRD) gefördert, um Erfahrungen für den Aufbau eines Nationalen Implantateregisters zu sammeln und die Versorgungsqualität und die Sicherheit von Patientinnen und Patienten bei Implantaten zu verbessern.
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Lebenswissenschaftliche Grundlagenforschung und Bioethik

Die lebenswissenschaftliche Grundlagenforschung dient der Entwicklung hochinnovativer neuer Diagnostik- und Therapiemöglichkeiten. Sie ist interdisziplinär und verknüpft Biologie, Medizin, Mathematik und Informationstechnik. Forschungskooperationen und -projekte werden in den Bereichen Stammzellforschung, Systembiologie (z. B. Fördermaßnahme e.BIO) und Systemmedizin (Fördermaßnahme e.Med) in enger Verzahnung mit dem Aktionsfeld Individualisierte Medizin des Rahmenprogramms Gesundheitsforschung gefördert.

Aufgrund ihrer Komplexität und der erforderlichen Infrastruktur entwickelt sich die lebenswissenschaftliche Grundlagenforschung zunehmend zu einer international organisierten, transnationalen Großforschung: Am Internationalen Krebsgenomkonsortium (International Cancer Genome Consortium) werden unter deutscher Beteiligung die Genome von 50 Krebsarten entschlüsselt. Die Initiative Multilaterale Zusammenarbeit in Computational Neuroscience: Deutschland – USA – Israel – Frankreich dient dem Aufbau transnationaler Forschungsgruppen und intensiviert die Zusammenarbeit zwischen Forschenden aus den beteiligten Staaten.

Die Lebenswissenschaften sind Schlüsseldisziplinen zur Lösung der großen gesellschaftlichen Herausforderungen. Gleichzeitig sind auch ethische, rechtliche und soziale Aspekte zu berücksichtigen. Das BMBF unterstützt daher seit 1997 einen eigenständigen Förderschwerpunkt zu ethischen, rechtlichen und sozialen Aspekten der modernen Lebenswissenschaften (Ethical Legal and Social Aspects, ELSA) für den jährlich rund 4,5 Mio. Euro vorgesehen sind. Neben Forschungsvorhaben und Projekten der Nachwuchsförderung werden auch Diskursprozesse gefördert.

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Gesundheitsforschung in internationaler Kooperation

Internationale Zusammenarbeit ermöglicht es, Synergien für den medizinischen Fortschritt freizusetzen. Forschungsinfrastrukturen können in internationaler Arbeitsteilung gemeinsam aufgebaut und genutzt werden. Gleichzeitig steht die Gesundheitsforschung auch in der Verantwortung für die weltweite Gesundheitsversorgung. Die Bundesregierung stärkt die Internationalisierung der Gesundheitsforschung durch den gemeinsamen Aufbau von Forschungsinfrastrukturen, verbindet Forschende und Institutionen über Grenzen hinweg und treibt die internationale Koordinierung von Forschungsprogrammen voran (siehe auch V 3 Weltweite Zusammenarbeit).

Ein besonderer Fokus liegt auf der Erforschung vernachlässigter und armutsbedingter Krankheiten. Im Mittelpunkt stehen, nicht zuletzt seit dem verheerenden Ebola-Ausbruch 2014/2015, solche Krankheiten, die vor allem Menschen in Entwicklungsländern betreffen (siehe auch Infobox G7 intensivieren den Kampf gegen armutsbedingte und vernachlässigte Tropenkrankheiten). Das BMBF verfolgt mit dem Förderkonzept Vernachlässigte und armutsassoziierte Krankheiten bereits seit 2011 eine Förderstrategie mit diesem Fokus. Im Oktober 2015 hat das BMBF eine aktualisierte Forschungsstrategie für die Jahre 2015 bis 2020 vorgelegt. In Forschung für die globale Gesundheit werden folgende Handlungsschwerpunkte gesetzt:

  • Ausbau der Produktentwicklungspartnerschaften in neuer fünfjähriger Förderrunde ab 2016
  • Implementierung der Forschungsnetze für Gesundheitsinnovationen und Umsetzung der ressortübergreifenden Forschungsvereinbarung zu Zoonosen
  • Ausbau des deutschen Engagements in der European and Developing Countries Clinical Trials Partnership (EDCTP)
  • Weiterentwicklung der internationalen Forschungskoordination zu vernachlässigten Tropenkrankheiten
  • Fortsetzung der nationalen Forschungsförderung zu vernachlässigten und armutsassoziierten Krankheiten

Der Aufbau gezielter Produktentwicklungspartnerschaften (PDPs) beschreitet neue Wege in der Forschungsförderung zu übertragbaren Krankheiten. PDPs sind Non-Profit-Organisationen, die Medikamente, Impfstoffe und Diagnostika für vernachlässigte Erkrankungen entwickeln. Sie werden durch öffentliche und private wohltätige Geldgeber finanziert. Gegenwärtig fördert das Ministerium vier PDPs. Die Förderung konzentriert sich vor allem darauf, Produkte zu entwickeln, die die Kindersterblichkeit senken und die Gesundheit der Mütter verbessern.

Das BMBF arbeitet eng mit international agierenden, privaten gemeinnützigen Stiftungen und Organisationen zusammen. So wird die Entwicklung neuer Impfstoffe und Arzneimittel unterstützt, um HIV/Aids, Malaria und Tuberkulose sowie weitere tropische Infektionskrankheiten zu behandeln oder diesen Krankheiten vorzubeugen. Im Rahmen der European and Developing Countries Clinical Trials Partnership werden klinische Studien in afrikanischen Ländern finanziert. Zusätzlich bilden deutsch-afrikanische Gesundheitsforschungsnetze, die an den Bedürfnissen der afrikanischen Partner ausgerichtet sind, ein Bindeglied zwischen Forschung, Lehre und Versorgung.

Ein zweiter Fokus der internationalen Kooperation im Bereich der Gesundheitsforschung liegt in der wirksamen Bekämpfung von weltweit zunehmenden Antibiotikaresistenzen. Ein weiteres Ergebnis des G7-Gipfels ist es, nationale Aktionspläne gegen Antibiotikaresistenzen zu erstellen und umzusetzen. Mit der Deutschen Antibiotika-Resistenzstrategie (DART2020) haben BMG, BMBF und BMEL einen überarbeiteten nationalen Aktionsplan mit Maßnahmen zur Eindämmung von Antibiotikaresistenzen vorgelegt. Schwerpunkte der DART2020 sind der sogenannte One-Health-Ansatz und die stärkere Sensibilisierung der Bevölkerung.

G7 intensivieren den Kampf gegen armutsbedingte und vernachlässigte Tropenkrankheiten

Gemeinsam wollen die G7 vernachlässigte Tropenkrankheiten bekämpfen. Auf Schloss Elmau hatten die G7-Regierungschefinnen und Regierungschefs vereinbart, Forschung zu intensivieren, um dringend benötigte Diagnostika, Impfstoffe und Medikamente zu entwickeln. Mehr als 1,4 Milliarden Menschen sind weltweit an armutsbedingten Krankheiten erkrankt, viele Millionen Menschen sterben jährlich an deren Folgen. Auf der Tagesordnung stand die Verbesserung der Gesundheitssituation in den Entwicklungsländern. In der Folge beschlossen die G7-Wissenschaftsministerinnen und -minister, die Forschung der G7 auf den gesamten Kreis der vernachlässigten armutsbedingten Infektionskrankheiten auszuweiten. Dazu gehören Malaria, HIV und Tuberkulose, aber auch Durchfallerkrankungen, die Afrikanische Schlafkrankheit oder das Dengue-Fieber. Vor allem die Ebola-Epidemie hat gezeigt: Nur mit einem funktionierenden Gesundheitswesen können Gesundheitskrisen schnell erkannt und bekämpft werden. Deshalb muss das Gesundheitswesen vor Ort gestärkt werden. Die G7 hat dabei ihre Unterstützung zugesagt. Deutschland wird helfen, Personal in anderen Ländern auszubilden, um Gesundheitskrisen managen zu können. Zudem wird ein schnell einsetzbares Team aus Epidemiologinnen und Epidemiologen sowie Laborexpertinnen und -experten aufgebaut, um schon bei ersten Anzeichen eines Krankheitsausbruchs vor Ort bei der Diagnostik und Bekämpfung unterstützen zu können.

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Strahlenschutz

Um einen zeitgemäßen und den Erkenntnissen aus Wissenschaft und Technik angepassten Strahlenschutz zu gewährleisten, sind Untersuchungen zu den biologischen Wirkungen ionisierender und nicht ionisierender Strahlung erforderlich. Auf deren Grundlage können Grenzwerte und Vorgaben zur Verringerung der Strahlenexposition abgeleitet werden.

Der Ressortforschungsplan des BMUB sichert die fachlichen Grundlagen der Ressortaufgabe Strahlenschutz. Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) vergibt und betreut die Themen in einzelnen Projekten. Der aktuelle Ressortforschungsplan 2016 sieht Forschungsbedarf in folgenden Feldern: Natürliche Strahlenexposition, Strahlenschutztechnik, Strahlenbiologie, Medizinische Strahlenexposition, Radioökologie, Notfallschutz und Nicht ionisierende Strahlung. Die erzielten Forschungsergebnisse sind Grundlage für rechtliche Regelungen und Fachaufgaben des BMUB im Bereich Strahlenschutz.

Das BMBF fördert im Rahmen der Förderinitiative Grundlegende FuE-Arbeiten in der nuklearen Sicherheits- und Entsorgungsforschung zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses und zum Kompetenzerhalt auf Basis des 6. Energieforschungsprogrammes den medizinischen Strahlenschutz, die Strahlenbiologie und die Radioökologie. Außerdem wird die Strahlenforschung institutionell an Zentren der HGF und der Leibniz-Gemeinschaft gefördert. BMBF-geförderte Vorhaben ergänzen die Forschung in den Zentren innerhalb dieser Schwerpunkte. Die Projektförderung erfolgt dabei in der Regel in Form von Verbundvorhaben als Kooperation zwischen Großforschungseinrichtungen, Hochschulen und weiteren Partnern, u. a. der Industrie. Die Förderaktivitäten erfolgen hier unter Beratung durch den Kompetenzverbund Strahlenforschung (KVSF), ein Expertengremium mit Vertretern aus Forschungseinrichtungen und Universitäten, die in diesem Bereich tätig sind. Die Förderung erfolgt in Abstimmung mit dem BMUB.

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Ernährung

Die Bundesregierung fördert eine ausgewogene, gesunde Ernährung mit sicheren Lebensmitteln. Die Forschungsförderung dient der Beforschung des Ernährungsverhaltens, liefert eine bessere Ernährungsinformation und verbessert die Produkt- und Prozessqualität bei Lebensmitteln. Das BMEL unterhält dafür mehrere Ressortforschungseinrichtungen und weitere forschungsbezogene Einrichtungen (siehe auch EB II Organisationen und Einrichtungen in Forschung und Wissenschaft), die Projekte durchführen (siehe auch Infobox KiESEL-Studie).

Der Forschungsplan des BMEL konkretisiert den Forschungsbedarf für die nächsten Jahre. Das Innovationsprogramm adressiert die Sicherheit und Qualität von Lebensmitteln in einem eigenen Förderschwerpunkt. Der Nationale Aktionsplan IN FORM – Deutschlands Initiative für gesunde Ernährung und mehr Bewegung verfolgt das Ziel, das Ernährungs- und Bewegungsverhalten in Deutschland bis zum Jahr 2020 nachhaltig zu verbessern. Nach einer ersten Förderphase haben BMEL und BMG in einem gemeinsamen Workshop 2014 neue inhaltliche Themenschwerpunkte und Forschungsbedarfe bis 2020 identifiziert. Mit der Initiative Zu gut für die Tonne setzt sich das BMEL mit einer Informationskampagne gegen das Wegwerfen von Lebensmitteln ein und forderte 2015 erstmals in einem Bundeswettbewerb zur Einsendung innovativer Ideen gegen die Nahrungsverschwendung auf.

Das BMBF führt komplementäre Forschungsförderung im Rahmenprogramm Gesundheitsforschung und dem nationalen Aktionsplan Ernährung und Prävention durch. Es generiert damit Basiswissen für den Ausbau und die Optimierung von wissenschaftlich fundierten Präventionsstrategien gegen ernährungsassoziierte Erkrankungen. Darüber hinaus fördert das BMBF mit dem Schwerpunkt Gesunde und sichere Lebensmittel produzieren eine Vielzahl von Projekten zur Entwicklung verbraucherorientierter Produkt- und Prozess-innovationen für gesunde, qualitativ hochwertige, preiswerte und sichere Lebensmittel.

KiESEL-Studie zum Ernährungsverhalten von Kindern

Im Jahr 2015 wurde die Kinder-Ernährungsstudie zur Erfassung des Lebensmittelverzehrs (KiESEL-Studie) durch die BMEL-Ressortforschungseinrichtung Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in Kooperation mit dem Robert Koch-Institut (RKI) durchgeführt. Dazu besuchten Interviewer und Interviewerinnen des BfR in einem KiESEL-Mobil 1.000 Kinder aus ganz Deutschland, um die Eltern zum Lebensmittelverzehr ihrer Kinder zu befragen, die Kinder zu wiegen und zu messen.

Damit wurden erstmals seit zwölf Jahren wieder deutschlandweite Daten zum Ernährungsverhalten von Kindern im Alter von sechs Monaten bis einschließlich fünf Jahren erhoben. Die KiESEL-Studie wird als Modul der Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland (KiGGS Welle 2) des RKI durchgeführt. Mit der repräsentativen KiESEL-Studie soll die Sicherheit von Lebensmitteln verbessert werden. Dafür werden aktuelle Informationen dazu benötigt, was und wie viel gegessen wird. Die Studien-ergebnisse fließen in die BfR-Risikobewertungen zu Zusatzstoffen, Pflanzenschutzmittelrückständen oder unerwünschten Stoffen in Lebensmitteln ein. So kann realistischer geschätzt werden, ob beispielsweise die zugelassenen Mengen an Zusatzstoffen in Süßigkeiten oder Rückständen von Pflanzenschutzmitteln auf Obst oder Gemüse sicher sind oder weiter begrenzt werden sollten. Erste Ergebnisse sollen 2018 vorliegen.

Weltweit müssen extreme Armut, Hunger, Mangel- und Fehlernährung von Menschen bekämpft werden. Die internationale Gemeinschaft zählt dies zu ihren wichtigsten Aufgaben. Die globale Ernährungssicherung ist ein zentrales Handlungsfeld der Bioökonomie. Im Rahmen der Nationalen Forschungsstrategie Bioökonomie 2030 besitzt die weltweite Ernährungssicherung daher höchste Priorität. Zudem stehen auch die gesunde und sichere Ernährung im Fokus, flankiert von einer nachhaltigen Landwirtschaft und der Stärkung des Umwelt- und Tierschutzes (siehe auch III 1.2 Nachhaltigkeit, Klima, Energie). Die 2015 vorgelegte Publikation Nahrung für Milliarden stellt die Forschungsaktivitäten der Bundesregierung zur globalen Ernährungssicherung dar und zeigt auf, wie Forschungsinitiativen Lösungsansätze auf vielen verschiedenen Feldern entwickeln.

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Gesundheitlicher und wirtschaftlicher Verbraucherschutz

Ziele der Forschung im Bereich gesundheitlicher Verbraucherschutz sind die Verbesserung der Lebensmittel- und Produktsicherheit, insbesondere Bekämpfung von Zoonosen und Vermeidung von Rückständen, Sicherung und Verbesserung der Produkt- und Prozessqualität bei Lebens- und Futtermitteln. Forschung im Bereich des wirtschaftlichen Verbraucherschutzes dient u. a. der Verbesserung der Informationsmöglichkeiten und Herstellung von Transparenz für Konsumentinnen und Konsumenten.

Das seit 2012 aufgelegte Programm zur Innovationsförderung des BMEL adressiert Forschungsbedarfe in der Verbesserung der Qualitätsmanagementsysteme in der Vieh- und Fleischwirtschaft und in der Verringerung von Allergierisiken durch Lebensmittel, Kosmetik und Pflegemittel. Das BMEL arbeitet hierfür eng mit Forschungseinrichtungen wie dem Friedrich-Loeffler-Institut, dem Bundesinstitut für Risikobewertung oder dem Max-Rubner-Institut zusammen (siehe auch EB II Organisationen und Einrichtungen in Forschung und Wissenschaft).

Einen besseren Verbraucherschutz in der Informationsgesellschaft liefern die verbesserten Regelungen zur Lebensmittelkennzeichnung. Seit Dezember 2014 gelten europaweit einheitliche Regeln für die allgemeine Lebensmittelkennzeichnung. Zur Bekanntmachung des neuen Kennzeichnungsrechts hat das BMEL 2015 eine Informationskampagne lanciert.

Das BMJV adressiert darüber hinaus weiter gehende Fragestellungen des wirtschaftlichen Verbraucherschutzes, u. a. in den Themenfeldern digitale Welt und Finanzmarkt (siehe auch III 4 Innovationsfreundliche Rahmenbedingungen). Das BMJV fördert den Verbraucherschutz, die Verbraucherbildung und die Verbraucherforschung mit der Geschäftsstelle des Sachverständigenrates für Verbraucherfragen und der Geschäftsstelle des Netzwerks Verbraucherforschung. Das BMI ist mit Fragen des digitalen Verbraucherschutzes und der IT-Sicherheit befasst (siehe auch III 1.6 Sicherheit).

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