Hessen

Das Wissenschaftssystem in Hessen

Die Etablierung profilbildender Forschungsschwerpunkte an den Hochschulen ist das Anliegen in der Hochschulentwicklungsplanung und ein Wettbewerbsinstrument der Hochschulen. Derzeit sind etwa 90 dieser Schwerpunkte etabliert, die alle relevanten Wissenschaftsfelder abdecken und zunehmend interdisziplinäre Ansätze umfassen, die auch die Verwertungsseite im Blick haben (z. B. Bildung von Hochschulzentren und Clustern).

Die verstärkte innerhochschulische Vernetzung spiegelt sich in strukturierten Verbünden nach außen wider. Die wissensbasierte, themenbezogene Zusammenarbeit von Wissenschaft und Wirtschaft wird in sogenannten Houses-of realisiert. Zusätzlich zu dem bereits bestehenden House of Finance, dem House of IT, dem House of Logistics and Mobility sowie dem House of Pharma and Healthcare wurde 2015 das House of Energy etabliert (siehe entsprechenden Abschnitt unten).

In der Exzellenzinitiative war Hessen mit jeweils sechs Großprojekten erfolgreich. Drei Exzellenzcluster und zwei Graduiertenschulen werden in beiden Programmphasen gefördert, ein Cluster in der ersten Programmphase und eine Schule zusätzlich in der zweiten Programmphase. Die Projekte werden bis 2017 aus Mitteln von Bund und Ländern gefördert. Schwerpunkte der Exzellenzprojekte sind die Bereiche Medizin/Life Science, Ingenieurwissenschaften und Kulturwissenschaften.

Auch innerhalb des 7. Forschungsrahmenprogramms (7. FRP) agieren hessische Hochschulen sehr erfolgreich. Insgesamt sind die Hochschulen zum Ende der Laufzeit des Programms an über 400 Projekten beteiligt und übernahmen in über 30 Projekten koordinierende Funktionen.

Hessen hat im März 2007 das Hochschulbauinvestitionsprogramm HEUREKA (Hochschul-Entwicklungs- und -Umbauprogramm: Runderneuerung, Konzentration und Ausbau von Forschung und Lehre in Hessen) beschlossen. Damit werden in den Jahren 2008 bis 2020 jährlich 250 Mio. Euro und somit insgesamt 3 Mrd. Euro für die Modernisierung der baulichen Infrastruktur der Hochschulen bereitgestellt. Dieses Investitionsprogramm wurde bis zum Jahr 2026 verlängert und um 1 Mrd. Euro auf 4 Mrd. Euro aufgestockt. Bis Ende 2014 sind Maßnahmen mit einem Ausgabenvolumen in Höhe von 2,055 Mrd. Euro umgesetzt worden.

Um einen schnellen und umfassenden Informationsaustausch von Forschung und Lehre sicherzustellen, fördert das Land aus einem Innovationsfonds den Ausbau der Hochgeschwindigkeitsdatennetze an den einzelnen Hochschulstandorten. Neben einer stetigen Erweiterung der Backbone-Kapazitäten und der campusweiten Ausstattung mit zeitgemäßer Verkabelung ist auch die flächendeckende Einführung von Wireless LAN Ziel der Förderung.

In der Hochschulmedizin bestehen durch ein standortübergreifendes Strukturentwicklungskonzept Schwerpunkte. Mit der Übernahme von 95 % der Gesellschafteranteile der Universitätsklinikum Gießen und Marburg GmbH hat sich die Rhön-Klinikum AG vertraglich zu Bauinvestitionen in Höhe von mindestens 367 Mio. Euro verpflichtet, wovon ein Betrag in Höhe von 30 Mio. Euro in Flächen investiert wird, die überwiegend Forschung und Lehre betreffen. Nachhaltig unterstützt wird die hochschulmedizinische Forschung und Lehre an den Standorten Gießen und Marburg durch die vom Land Hessen mit einem Stiftungskapital in Höhe von 100 Mio. Euro errichtete Von-Behring-Röntgen-Stiftung. In den bisherigen Förderrunden wurden seit 2008 rund 14,8 Mio. Euro für medizinische Forschungsprojekte bereitgestellt.

Auch für die Hochschulmedizin Frankfurt sind im Hochschulbauprogramm HEUREKA Bauinvestitionen vorgesehen. Erarbeitung und Umsetzung eines strategischen Masterplans am Standort Frankfurt zielen auf die Optimierung der wirtschaftlichen und betriebsorganisatorischen Strukturen durch eine räumliche Konzentration der Kliniken.

Außerhochschulische Forschung

In Hessen ist eine Reihe von außeruniversitären Forschungseinrichtungen ansässig. Erklärte Ziele der Landespolitik sind eine möglichst enge Vernetzung der außeruniversitären Forschungseinrichtungen mit den Universitäten des Landes. Die Vielfalt der Disziplinen außeruniversitärer Forschungseinrichtungen und ihre unterschiedlichen Forschungsstrukturen sollen erhalten und ausgebaut werden. Darüber hinaus stehen eine nachhaltige und professionelle Innovationspolitik sowie die Förderung des Wissens- und Technologietransfers – wie sie beispielsweise von Einrichtungen der Fraunhofer-Gesellschaft, dem Helmholtz-Zentrum für Schwerionenforschung oder den Einrichtungen der Leibniz-Gemeinschaft verfolgt werden – im Fokus.

Hessen setzt auch in der außeruniversitären Forschung auf strukturelle Reformen, um die Forschungsqualität zu sichern und die Position der Einrichtungen im Wettbewerb um Forschungsgelder weiter zu stärken. Diese Vernetzungsstrategie soll beispielsweise bei der Wiederbesetzung von Leitungspositionen in außeruniversitären Forschungseinrichtungen sichtbar gemacht werden, die mit der Wahrnehmung einer Professur an einer Universität verbunden sind. Die gemeinsamen Berufungen tragen zur beiderseitigen Steigerung der wissenschaftlichen Leistungen und zur wissenschaftlichen Exzellenz der beteiligten Einrichtungen, zur Entwicklung regionaler Forschungsverbünde und Cluster sowie zur verstärkten Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses bei.

Zu den strukturellen Reformen gehört auch die Einführung einer leistungsorientierten Finanzierung in Form von Programmbudgets. Dadurch können die außeruniversitären Forschungseinrichtungen mittels globaler Budgetzuweisungen ihre Finanzmittel flexibler und effizienter einsetzen. Die strategische Steuerung erfolgt über den Abschluss von Zielvereinbarungen.

Das Land unterstützt die Pläne des Helmholtz-Zentrums für Schwerionenforschung (GSI) in Darmstadt zur Erweiterung seiner Beschleunigeranlage. Herzstück des Großprojekts ist eine Synchroton-Doppelringanlage mit dem fünffachen Umfang des derzeitigen Beschleunigers. Das Ziel ist der weitere Ausbau der international herausgehobenen Stellung des GSI in der Kern- und Hadronenphysik sowie der Atom- und Plasmaphysik.

Aufgrund der sehr guten wissenschaftlichen Infrastruktur haben darüber hinaus bedeutende Forschungseinrichtungen der EU und des Bundes ihren Sitz in Hessen, wie z. B. das Europäische Operationszentrum (ESOC), die Europäische Weltraumorganisation (ESA) in Darmstadt, das Paul-Ehrlich-Institut/Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel in Langen sowie der Deutsche Wetterdienst in Offenbach.

Kartographische Darstellung der Hochschulen und Forschungseinrichtungen Hessens

Datenbasis: Hochschulen – Hochschulrektorenkonferenz, Stand 01/2016; Außeruniversitäre Forschungseinrichtungen sowie Bundes- und Landeseinrichtungen mit FuE-Aufgaben – Bundesbericht Forschung und Innovation 2016, EB II, Eigenangaben der Einrichtungen. © EuroGeographics bezüglich der Verwaltungsgrenzen. Standortkoordinaten: Geoinformationen © Vermessungsverwaltungen der Bundesländer und infas GEOdaten. © BMBF, Kartographische Darstellung: RISO, DLR Projektträger 2016.