Innovationserfolge

Die Investitionen von Wissenschaft und Wirtschaft in FuE schlagen sich dann in volkswirtschaftlichen Erträgen nieder, wenn die Ergebnisse von FuE von den Unternehmen aufgegriffen und in Produkte und Dienstleistungen umgesetzt werden. Indikatoren hierfür sind die Innovatorenquote sowie die Innovationsintensität. Ein weiterer wichtiger Indikator ist der Handel mit forschungsintensiven Gütern, der die wirtschaftliche Verwertung von Forschung und Innovationen bemisst.

Um zu beurteilen, in welchem Umfang und mit welchem Erfolg die Unternehmen Inventionen (technisch-wissenschaftliche Erfindungen) in Innovationen umsetzen, haben sich in der empirischen Innovationsforschung zwei Indikatoren etabliert. Die Innovatorenquote misst den Anteil der Unternehmen, die innerhalb eines Dreijahreszeitraums zumindest eine Produkt- oder Prozessinnovation eingeführt haben. Diese Innovation muss dabei nur aus Sicht des Unternehmens selbst eine Neuerung darstellen. Die Innovationsintensität misst den Anteil der Innovationsausgaben am Umsatz. Sie lag 2014 mit 2,84 % auf dem Niveau des Vorjahres. Damit wurde der bisherige Höchstwert aus dem Jahr 2006 (2,8 %) wieder erreicht. Die Innovatorenquote lag 2014 bei 36,8 %. Im Vergleich dazu betrug sie im Vorkrisenjahr 2008 noch 47 %. Gleichzeitig erreichten bei gesunkener Innovatorenquote die Innovationsausgaben 2014 einen Spitzenwert von 145,0 Mrd. Euro und lagen damit auf dem Niveau des Vorjahres 2013.

Handel mit forschungsintensiven Gütern

Ein wichtiger Indikator für die wirtschaftliche Verwertung von Forschung und Innovationen ist der Handel mit forschungsintensiven Gütern. In diesem Indikator spiegelt sich die Wettbewerbsfähigkeit wissensbasierter Volkswirtschaften auf den internationalen Märkten für innovative Produkte und Dienstleistungen wider. Die Betrachtung der vergangenen beiden Dekaden zeigt, dass der weltweite Handel mit forschungsintensiven Waren – mit Unterbrechung während der Finanz- und Wirtschaftskrise – kontinuierlich gestiegen ist. Im Jahr 2014 erreichte der globale Handel mit forschungsintensiven Waren einen Gesamtwert von 6,1 Billionen US-Dollar, davon entfielen knapp ein Drittel auf Spitzentechnologiegüter und gut zwei Drittel auf Hochtechnologiegüter.

Im Zeitraum 2000 bis 2008 verzeichnete der Handel mit forschungsintensiven Erzeugnissen einen durchschnittlichen jährlichen Zuwachs von 9,1 %. In dem durch die Wirtschaftskrise geprägten Folgezeitraum bis 2014 fiel das Wachstum mit 3,2 % vergleichsweise niedrig aus. So war zwischen 2008 und 2009 ein deutlicher Rückgang von knapp 20 % bei den hochwertigen Technologien und den nicht forschungsintensiven Erzeugnissen zu verzeichnen, während die Spitzentechnologien mit einem Minus von 7,4 % weitaus weniger vom vorübergehenden Rückgang des Welthandels betroffen waren.

Aufgrund der stärkeren Einbindung einiger Schwellenländer in den Welthandel ist der Anteil des Handels mit forschungsintensiven Erzeugnissen im Zeitablauf insgesamt leicht rückläufig. Im Jahr 2014 lag der Welthandelsanteil der Technologiegüter bei rund 44 % und damit rund fünf Prozentpunkte unterhalb des Niveaus, das im Jahr 2000 erreicht wurde. Gegenüber dem Vorjahr ist allerdings wieder ein leichter Anstieg zu verzeichnen (2013: 43 %). Vor allem die Spitzentechnologien sind von der strukturellen Veränderung betroffen (2000: 18,6 %; 2014: 14,8 %). Hochtechnologieerzeugnisse hingegen weisen einen vergleichsweise stabilen Anteil am Welthandel aus, der 2014 bei rund 29,6 % lag.

Deutschland hat im Zeitraum 2000 bis 2014 seinen Anteil am weltweiten Handel mit forschungsintensiven Waren relativ stabil halten können (2014: 12,4 %). Gleiches gilt für die Schweiz, wenngleich auf deutlich niedrigerem Niveau. Im Gegensatz dazu war der entsprechende Weltmarktanteil vieler anderer hoch entwickelter europäischer Industrieländer sowie der USA und Japans größtenteils rückläufig. Der Anteil Chinas am weltweltweiten Handel mit FuE-intensiven Waren ist im gleichen Zeitraum beträchtlich gestiegen. [1]

 

[1]     Schiersch, A.; Gehrke, B. (2014): Die Wissenswirtschaft im internationalen Vergleich: Strukturen, Produktivität, Außenhandel, Studien zum deutschen Innovationssystem, Nr. 6-2014, und Schiersch, A.; Gehrke, B. (2015): Globale Wertschöpfungsketten und ausgewählte Standardindikatoren zur Wissenswirtschaft, Studien zum deutschen Innovationssystem, Nr. 10-2015, sowie Gehrke, B.; Schiersch, A. (2016): FuE-intensive Industrien und wissensintensive Dienstleistungen im internationalen Vergleich, Studien zum deutschen Innovationssystem, Nr. 6-2016.

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Internationale Positionierung

Die Leistungsfähigkeit des deutschen FuI-Systems im europäischen und internationalen Vergleich ist als sehr hoch einzuschätzen. Die selektive Betrachtung einzelner Indikatoren wird der Komplexität und Vielschichtigkeit des FuI-Systems nicht gerecht, da diese lediglich Teilaspekte messen. Im Folgenden wird diese Betrachtung durch sogenannte zusammengesetzte Indikatoren (Kompositindikatoren) ergänzt. Dabei wird nicht nur ein einziger Indikator, sondern meist eine größere Anzahl von Indikatoren betrachtet, um die jeweilige Leistungsfähigkeit des Forschungs- und Innovationssystems eines Landes zu charakterisieren. Beispiele sind der Leistungsanzeiger der Innovationsunion (Innovation Union Scoreboard – IUS) der Europäischen Kommission und der innovationsbezogene Teil des Global Competiveness Index des Weltwirtschaftsforums.

Das IUS ist ein institutionalisiertes Monitoringsystem der Europäischen Kommission und dient zur Beobachtung der Umsetzung der Leitinitiative Innovationsunion der Strategie Europa 2020. Anhand vergleichender Daten über die Innovationsentwicklung wird die Leistungsfähigkeit der Innovationssysteme der EU-Mitgliedstaaten und ausgewählter Drittstaaten dargestellt. Grundlage sind eine Vielzahl von themenspezifischen Indikatoren, die die äußeren Innovationsbedingungen, das Maß der Innovationstätigkeit in den Unternehmen selbst sowie den sich daraus für die gesamte Wirtschaft ergebenden Nutzen erfassen.

Methodisch berücksichtigt das IUS insgesamt 25 Einzelindikatoren, untergliedert in die Bereiche Innovationstreiber (Enablers), Unternehmensaktivitäten (Firm activities) sowie Innovationsergebnisse (Output). Deutschland liegt im IUS 2015 an vierter Stelle aller EU-28-Länder und gehört damit zur Gruppe der Innovationsführer. Das IUS 2015 betont insgesamt – zusätzlich zu den vorgestellten Indikatoren der vorherigen Abschnitte – die hohe Leistungsfähigkeit des deutschen Innovationssystems und die aktuelle Attraktivität des Wissenschaftsstandorts. Deutschland zählt im IUS regelmäßig zur Spitzengruppe.

Die relativen Stärken des deutschen Innovationssystems liegen vor allem in den Output-Dimensionen „Unternehmensinvestitionen“ sowie „Vernetzung und unternehmerische Initiative“ (siehe auch Abb. II-16). Die größten Leistungssteigerungen im Vergleich zum Vorjahr waren bei den Einzeldimensionen „Lizenz- und Patenteinnahmen aus dem Ausland“, „Nicht-FuE-relevante Innovationsausgaben“ und „Internationale wissenschaftliche Kopublikationen“ zu verzeichnen. Stärken des deutschen Innovationssystems liegen zudem im Wissenschaftsbereich „Anzahl von Universitätsabsolventen mit Doktortitel“. Relative Schwächen des deutschen Innovationssystems sieht das IUS 2015 u. a. in der geringen Zahl von Nicht-EU-Doktorandinnen und -Doktoranden sowie in schwachen Wagniskapitalinvestitionen. [2]

Grafische Abbildung der Innovationsdimensionen des Innovation Union Scoreboard 2015

Abb. II-16: Innovationsdimensionen des Innovation Union Scoreboard 2015

BMBF

Der Global Competitiveness Index (GCI) des Weltwirtschaftsforums bildet die Grundlage für den jährlich erscheinenden Global Competitiveness Report. Im Gegensatz zum IUS ist der GCI thematisch breiter aufgestellt. Der Bericht bewertet die Wettbewerbsfähigkeit von derzeit 140 Volkswirtschaften hinsichtlich ihrer Wachstumschancen anhand von 114 Einzelindikatoren, die zu zwölf Themenbereichen, drei Subindizes bzw. einem Gesamtindex statistisch verdichtet und als Ranking veröffentlicht werden. Berücksichtigung finden eine Reihe von öffentlich zugänglichen Datenquellen, u. a. vom IWF, der Weltbank und der UN. Hinzu kommen qualitative Daten aus Unternehmensbefragungen. Der Subindex „Innovations- und Vollkommenheitsfaktoren“ ist insbesondere für innovationsgetriebene Volkswirtschaften von großer Bedeutung. Er speist sich aus Einzelindikatoren, die die Innovationsfähigkeit und den Entwicklungsgrad des Wirtschaftssektors bestimmen.

Deutschland zählt seit vielen Jahren zur Spitzengruppe der im GCI bewerteten innovationsgetriebenen Volkswirtschaften. Im Gesamtindex 2015 bis 2016 belegt Deutschland Rang 4. Eine vergleichbar hohe Rangplatzierung erreicht Deutschland auch im innovationsbezogenen Teil des GCI (Rang 6). Innerhalb des Themenbereichs „Innovation“ erzielt Deutschland besonders hohe Werte für die Einzelindikatoren „Innovationskapazität“ (Rang 5), „Betriebliche FuE-Ausgaben“ (Rang 6), „PCT [3] Patente und Anmeldungen pro eine Million Einwohner“ (Rang 6). Zweistellig sind die Rangplatzierungen lediglich bei den Einzelindikatoren „Kooperationen zwischen Wirtschaft und Hochschulen“ (Rang 10), „Öffentliche Beschaffung von hoch entwickelten Hightech-Produkten“ (Rang 10) und „Verfügbarkeit von wissenschaftlichem Personal und Ingenieuren“ (Rang 15).

 

[2]     Hollanders, H. et al. (2015): Innovation Union Scoreboard 2015. European Commission, Directorate-General for Internal Market, Industry, Entrepreneurship and SMEs.

[3]     Patent Cooperation Treaty (PCT).

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