Innovationskraft des Mittelstands stärken und Wertschöpfung steigern

Der Mittelstand ist ein zentraler Bestandteil des deutschen Innovationssystems. Als Kern des deutschen Wirtschaftsmodells ist seine Erneuerungskraft dafür mitentscheidend, wie sich Deutschland künftig im globalen Wettbewerb behaupten wird. Die Digitalisierung, veränderte Rollen in Wertschöpfungsketten und die Globalisierung stellen den Mittelstand derzeit und in Zukunft vor neue und große Herausforderungen.

Die Ausgaben der Unternehmen in Deutschland für Innovationen, also für Forschung und Entwicklung, Marketing, Prototypen oder Produktionsaufbau, liegen zwar mit 145 Mrd. Euro im Jahr 2014 auf einem stabilen hohen Niveau, doch der Anteil der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) daran nimmt ab. Gleichzeitig ist der Anteil der Unternehmen, die erfolgreich neue Produkte und Dienstleistungen in den Markt eingeführt haben, die sogenannte Innovatorenquote, zurückgegangen, allerdings inzwischen mit 37 % im Jahr 2014 im Vergleich zum Vorjahr stabil.

Seit vielen Jahren kommt die staatliche FuE-Förderung überproportional den KMU zugute. Im Zeitraum 2007 bis 2015 stieg die Forschungs- und Entwicklungsförderung des Bundes zugunsten von KMU von 783 Mio. Euro auf 1.445 Mio. Euro an. Die Innovationsprogramme für den Mittelstand wurden neu strukturiert, gebündelt und übersichtlicher gestaltet sowie um neue passfähige Maßnahmen erweitert. Dieses verstärkte Engagement wird von der Expertenkommission Forschung und Innovation in ihrem neunten Jahresgutachten ausdrücklich begrüßt.

Entlang des Innovationszyklus werden künftig vier Programmfamilien Unternehmen Von der Idee zum Markterfolg begleiten. Die Förderangebote zielen auf:

  • innovative Gründungen (Zuschüsse und Wagniskapital für Gründungen und junge Unternehmen, wie EXIST, INVEST und Hightech Gründerfonds)
  • Innovationskompetenz (Zuschüsse für Beratungsleistungen, wie z. B. go-inno und go-digital)
  • Technologietransfer (Zuschüsse für Patentanmeldungen und vorwettbewerbliche Forschungsvorhaben, wie z. B. die Industrielle Gemeinschaftsforschung IGF)
  • marktorientierte Technologieprojekte (Zuschüsse für marktnahe Technologieprojekte, wie das Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand – ZIM)

Komplementär hierzu wurde ein Zehn-Punkte-Programm Vorfahrt für den Mittelstand entwickelt. Dieses zielt in vier Handlungsfeldern auf:

  • mehr Beteiligung von KMU an den thematischen Fachprogrammen (z. B. mit KMU-innovativ in den Schlüsselbereichen Digitale Wirtschaft, Gesundes Leben, Nachhaltiges Wirtschaften)
  • die Vernetzung mit großen Unternehmen und Forschungseinrichtungen (z. B. mit starken Fachhochschulen – FH-Impuls, in künftig deutschlandweiten Innovationsforen sowie über Strategische Innovationsverbünde)
  • die Sicherung der Fachkräfte und Qualifikationsbedarfe (z. B. mit einem MINT-Recruiting für den Mittelstand, einem Sonderprogramm zur Digitalisierung in Überbetrieblichen Ausbildungsstätten und befristeten Seitenwechseln zwischen Wirtschaft und Wissenschaft)
  • die Verbesserung der Rahmenbedingungen und Vereinfachung von Förderverfahren (z. B. durch zweistufige Antragsverfahren und die Vorabfinanzierung von Sondierungs- oder Machbarkeitsstudien)

Die Förderberatung Forschung und Innovation des Bundes informiert über die einzelnen Maßnahmen, nicht nur der Bundesregierung, sondern auch der Länder und der Europäischen Kommission.

Die Förderverfahren werden laufend weiter verbessert. Bürokratische Hürden wurden abgebaut; z. B. wurden für kleine Unternehmen vereinfachte Antragsverfahren eingeführt, alle Verfahren werden sukzessive auf rein elektronische und papierlose Informationsübermittlung umgestellt. Damit wird dem Kabinettsbeschluss zur Entlastung der mittelständischen Wirtschaft von Bürokratie vom 11. Dezember 2014 Rechnung getragen.

Technologie- und branchenoffene FuE-Förderung

Für viele kleine und mittlere Unternehmen ist technologieoffene Förderung eine wichtige Unterstützung auf ihrem Weg zur Innovation. Die Unternehmen bestimmen dabei selbst, in welche Technologien und Produkte sie investieren. Der Staat macht den Unternehmen keine thematischen Vorgaben; die KMU können ihre Forschung und Entwicklung auf ihre spezifischen unternehmerischen Prioritäten ausrichten.

Das Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM) fördert marktorientierte Forschungs- und Entwicklungsprojekte von KMU. Unterstützt werden sowohl Einzelprojekte als auch Kooperationsprojekte mit anderen Unternehmen oder mit Forschungseinrichtungen. Zudem wird das Management und die Organisation von innovativen Unternehmensnetzwerken gefördert. Das Programm wurde 2015 weiterentwickelt, indem u. a. die förderfähigen Kosten erhöht, die Antragsberechtigung auf größere mittelständische Unternehmen erweitert und die Förderquote für internationale Projekte um bis zu 10 % erhöht wurden.

Die Industrielle Gemeinschaftsforschung (IGF) adressiert den vorwettbewerblichen Forschungsbedarf des Mittelstandes; die geförderten Forschungseinrichtungen sind FuE-Dienstleister für KMU. Die Unternehmen wirken bei der Ausgestaltung und Begleitung der Vorhaben mit.

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Potenziale der Schlüsseltechnologien für die Wirtschaft nutzen

Die Innovationskraft des Mittelstands soll in allen für die Zukunftsfähigkeit Deutschlands zentralen Innovationsprozessen optimal zum Tragen kommen. Dazu gehört die gezielte Förderung zukunftsweisender Schlüsseltechnologien in den technologiespezifischen Fachprogrammen. Schlüsseltechnologien sind aufgrund ihrer volkswirtschaftlichen Hebelwirkung von besonderer Bedeutung. Innovative Entwicklungen aus der Informations- und Kommunikationstechnologie, der Mikroelektronik, der Photonik, der Biotechnologie, den Produktionstechnologien sowie den Werkstoff- und den Nanowissenschaften bilden die Grundlage für neue Produkte, Verfahren und Dienstleistungen in vielen industriellen und gesellschaftlichen Anwendungsbereichen.

Die Bundesregierung fördert Schlüsseltechnologien in mehreren Fachprogrammen, um die Innovationsfähigkeit der Unternehmen zu stärken. Dabei unterstützt sie in besonderem Maße KMU und mittelständische „Hidden Champions“ in der breiten Nutzung von Schlüsseltechnologien für neue Produkte und Dienstleistungen und ermöglicht ihnen den Einstieg in die spezifische Fachförderung. Besonders bewährt hat sich KMU-innovativ, das seit 2015 um Förderlinien in der Material- und Werkstoffforschung sowie der Photonik erweitert wurde und künftig im Schwerpunkt „Elektromobilität und Elektroniksysteme“ den KMU-Anteil weiter erhöhen wird. Hochinnovative, leistungsstarke KMU der Spitzenklasse sollen in ihren Vernetzungsaktivitäten und Internationalisierungsbestrebungen künftig stärker unterstützt werden. Die Förderinitiative KMU-innovativ wird zum Teil auf die Zielgruppe größerer Mittelständler mit bis zu 1.000 Beschäftigten ausgedehnt.

Um auch in Zukunft international zu reüssieren, muss die Gesamtzahl kleiner und mittlerer Unternehmen, die aktiv an Zukunftslösungen forschen, verbreitert werden. Dabei setzt die Bundesregierung nicht allein auf Mittelzuwächse für die Spitzenforschung, sondern nimmt auch die bisher nicht innovationsaktiven KMU mit bedarfsgerechten Förderangeboten in den Blick. So wird KMU-innovativ um ein Einstiegsmodul, etwa zur Finanzierung kurzer Machbarkeitsstudien, im Vorfeld eines FuE-Projekts ergänzt. Daneben werden künftig zweistufige Antragsverfahren bei für KMU zugänglichen Maßnahmen verlässliche Förderperspektiven schon auf Basis einer ersten Antragsskizze ermöglichen. Dadurch wird die Komplexität im Antragsverfahren reduziert.

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Unternehmergeist fördern

Die Bundesregierung wirkt auf die weitere Verbesserung des Gründungsklimas hin, damit Deutschland auch im Segment der jungen innovativen Unternehmen seine Position als international bedeutender Investitions- und Gründungsstandort ausbaut. Dafür werden Beratungsleistungen, Zuschüsse und Venture Capital bereitgestellt. Die Bundesregierung unterstützt das Gründungsgeschehen von den ersten Ideen, die schon in den Hochschulen und Forschungseinrichtungen entstehen, über die Gründung bis zur ersten Wachstumsphase.

Die Unterstützung für Hightech-Gründungsvorhaben aus der Wissenschaft ist deutlich ausgeweitet worden. Davon zeugen ein deutlicher Mittelaufwuchs für Gründerinnen und Gründer im Rahmen des EXIST-Programms sowie Gründungswettbewerbe wie IKT Innovativ oder die Gründungsoffensive Biotechnologie (GO-Bio). Der German Accelerator unterstützt deutsche Hightech-Start-ups über einen drei- bis sechsmonatigen Aufenthalt im Ausland dabei, ihr Geschäftsmodell zu validieren und gegebenenfalls auf die dortigen Erfordernisse anzupassen, um einen Markteintritt vorzubereiten. Der German Accelerator wurde über die bisherigen Technologiebereiche IKT und Cleantech auch auf die Lebenswissenschaften ausgeweitet.

Darüber hinaus fördert die Bundesregierung die Erschließung neuer Zielgruppen innovativer Gründungen. Künftig wird das EXIST-Programm daher stärker für ausländische Gründerteams geöffnet, die im Rahmen von EXIST in Deutschland gründen wollen. Mit dem neu gestarteten bundesweiten Netzwerk FRAUEN unternehmen aus knapp 180 Unternehmerinnen wirbt die Bundesregierung für mehr Unternehmerinnengeist bei Mädchen und jungen Frauen. Die erfolgreiche Unternehmensnachfolgebörse nexxt-change.org wird künftig Studierende sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an Hochschulen ansprechen.

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Regionale Innovationspotenziale erschließen

Die Bundesregierung investiert in das Innovationspotenzial strukturschwacher Regionen. Das Programm INNO-KOM-Ost unterstützt die innovative Leistungsfähigkeit gemeinnütziger externer Industrieforschungseinrichtungen durch die Bereitstellung von Finanzierung für anspruchsvolle Forschungs- und Entwicklungsprojekte. Mit den Maßnahmen von Unternehmen Region – Die BMBF-Innovationsinitiative für die Neuen Länder fördert die Bundesregierung den Auf- und Ausbau besonderer technologischer, wissenschaftlicher und wirtschaftlicher Kompetenzen in ostdeutschen Regionen. In den vergangenen 15 Jahren hat die Förderung von Kooperation und Wissensaustausch zwischen öffentlicher Forschungsinfrastruktur und Unternehmen zum Aufbau einer international konkurrenzfähigen, von kleinen und mittleren Unternehmen geprägten Wirtschaftsstruktur in Ostdeutschland beigetragen. Ab 2016 wird Unternehmen Region zu einem deutschlandweiten Innovationsförderkonzept zur Unterstützung von Regionen mit besonderen Herausforderungen beim Strukturwandel weiterentwickelt.

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