Innovationspotenziale der Regionen

Ideen entstehen sowohl in Hochschulen und Forschungseinrichtungen als auch in den Unternehmen selbst. Enge Austauschbeziehungen ermöglichen Synergien, die nicht nur zu innovativen Produkten und Anwendungen führen, sondern auch den regionalen Arbeitsmarkt und die regionale Wertschöpfung nachhaltig beflügeln können. Innovative regionale Cluster entstehen aus starken Partnerschaften aller am Innovationsprozess beteiligten Akteure, den Unternehmen, wissenschaftlichen Einrichtungen und Forschungsinstituten. Sie bündeln Kompetenzen einer Region und bieten somit ein hervorragendes Umfeld für Forschung und Entwicklung entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

Regionen unterscheiden sich in ihrer wirtschaftlichen Struktur und ihren Rahmenbedingungen für Wachstum. Seit der Wiedervereinigung haben die ostdeutschen Länder auf ihrem Weg zu einer wettbewerbsfähigen, innovativen Wirtschaft große Fortschritte gemacht. Die ostdeutsche Innovationsdynamik wird im Bottom-up-Prinzip mit den Akteuren vor Ort und unter Nutzung der vorhandenen regionalen Stärken effektiv gesteigert. Auch in den westdeutschen Ländern gibt es Regionen, deren Innovationskraft durch zielgerichtete Maßnahmen gefördert wird. Die gezielte Regionalförderung strukturschwacher Regionen ist dabei stets eine gesamtstaatliche Aufgabe und dient unmittelbar der Herstellung gleichwertiger Lebensverhältnisse. Für die Sicherung der Daseinsvorsorge rückt das soziale Innovationspotenzial in peripheren ländlichen Regionen zunehmend in den Vordergrund.

Die regionale Innovationsförderung des Bundes unterscheidet zwischen Programmen, die speziell auf Ostdeutschland ausgerichtet sind, und bundesweiten Angeboten für strukturschwache Regionen. Die BMBF-Innovationsinitiative Unternehmen Region unterstützt seit 1999 regionale Initiativen in den ostdeutschen Ländern dabei, vorhandene Kompetenzen und Innovationspotenziale zu erkennen und unternehmerisch zu nutzen. Ziel der technologieoffenen Förderinitiativen ist es, den Aufbau regionaler Wirtschaftscluster zu unterstützen und damit die Wettbewerbsfähigkeit der ostdeutschen Regionen auszubauen bzw. einen Beitrag zur Fachkräftesicherung zu leisten. Hier setzt auch die FuE-Förderung gemeinnütziger externer Industrieforschungseinrichtungen über die Fördermaßnahme INNO-KOM-Ost an. Dieses Förderprogramm hat das Ziel, durch Unterstützung der innovativen Leistungsfähigkeit ostdeutscher Industrieforschungseinrichtungen (IFE) die Innovationskraft der ostdeutschen Wirtschaft nachhaltig zu stärken.

Zur Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur fördern Bund und Länder gewerbliche Investitionen sowie kommunale wirtschaftsnahe Infrastrukturmaßnahmen auf Basis einer gesamtdeutschen Fördergebietskarte (Gemeinschaftsaufgabe Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur). Mit einer weiterentwickelten Gemeinschaftsaufgabe Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes (GAK) könnten soziale Innovationen für die Lösung gesellschaftlicher Herausforderungen, wie der demografische Wandel, stärker berücksichtigt werden (siehe auch Infobox Modellvorhaben LandZukunft – Freiräume für kluge Köpfe).

Modellvorhaben LandZukunft – Freiräume für kluge Köpfe

Mit LandZukunft hat das BMEL Freiräume für Innovationen in peripheren ländlichen Räumen geschaffen. Ziel des Modellvorhabens war es, eine Verschärfung von Ungleichheiten zwischen Stadt und Land, aber auch zwischen den strukturstarken ländlichen Räumen und den peripheren Regionen mit wirtschaftlichen Problemen und Bevölkerungsrückgang zu vermeiden. Dazu wurden in vier Regionen innovative Konzepte und Projekte entwickelt und umgesetzt, um die regionale Wertschöpfung zu steigern, Arbeitsplätze zu sichern und dem demografischen Wandel zu begegnen. Hierfür wurden langfristige strategische und konkrete operative Ziele erarbeitet, gezielt Menschen mit Unternehmergeist mobilisiert und Freiräume für soziale Innovationen geschaffen. Die vier ausgewählten Modellregionen Birkenfeld, Dithmarschen, Holzminden und Uckermark wurden von April 2012 bis Dezember 2014 mit jeweils 1,8 Mio. Euro gefördert. Der 2014 erschienene Evaluationsbericht zieht eine positive Bilanz. Das Ziel einer Steuerung über Ziele und die Einbindung unternehmerisch denkender Menschen konnte erfolgreich umgesetzt werden. Damit konnte passgenau an bestehende Entwicklungsprozesse in den Regionen angeknüpft und eine gute Basis für die weitere Arbeit in den Regionen gelegt werden. Das Modellvorhaben ist wegweisend für die geplante Weiterentwicklung der bewährten Gemeinschaftsaufgabe Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes (GAK), die auch das Potenzial sozialer Innovationen für die nachhaltige ländliche Entwicklung stärker betonen könnte.

Innovationsinitiative für die Neuen Länder – Unternehmen Region

Unter der Dachmarke Unternehmen Region hat das BMBF seit 1999 ein eng verzahntes Förderinstrumentarium entwickelt, dessen Einzelprogramme an unterschiedlichen Stellen im Innovationsprozess ansetzen und zugleich die Besonderheiten der ostdeutschen Innovationsstrukturen berücksichtigen. Bisher wurden mehr als 3.000 Vorhaben bei rund 500 regionalen Innovationsbündnissen aus Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Hochschulen gefördert. Fünf dieser Programme laufen über das Jahr 2016 hinaus:

Mit Innovationsforen wird der Aufbau bzw. die Neuausrichtung regionaler Innovationsnetzwerke gefördert. Zielgruppe sind innovative Allianzen, die noch ganz am Anfang ihrer Entwicklung stehen, und Innovationsverbünde, die ihren Austausch in einem neuen Innovationsfeld intensivieren möchten. Seit 2001 wurden mehr als 170 Innovationsforen mit jeweils bis zu 85.000 Euro gefördert.

Ziel der Förderinitiative Innovative regionale Wachstumskerne ist es, marktorientierte regionale Bündnisse zu stärken, die über eine gemeinsame Technologie- oder Problemlösungsplattform verfügen und wesentliche Alleinstellungsmerkmale aufweisen. Seit 2001 wurden mehr als 50 Wachstumskerne gefördert (Bewilligungssumme zum 31. Dezember 2015: rund 350 Mio. Euro). Ergänzt wird das Programm seit 2007 durch Wachstumskerne Potenzial (WK Potenzial) zum gezielten Aufbau regionaler Kernkompetenzen. Bislang wurden hierbei rund 40 Verbundvorhaben mit zusammen mehr als 60 Mio. Euro gefördert.

Die Förderinitiative Zentren für Innovationskompetenz. Exzellenz schaffen – Talente sichern zielt seit 2002 darauf ab, an Hochschulen und Forschungseinrichtungen international sichtbare Zentren der Spitzenforschung mit innovativen Ansätzen zur Nachwuchsförderung zu etablieren. Mittlerweile ziehen 14 solcher Zentren talentierte Forscherinnen und Forscher aus dem In- und Ausland an (Etat bis 2021: mindestens 335 Mio. Euro).

Mit InnoProfile-Transfer wird der Technologietransfer durch eine Förderung der Kooperation von Nachwuchsforscherinnen und -forschern mit regionalen Unternehmen gestärkt. Das BMBF stellt im Rahmen von InnoProfile-Transfer bis 2019 insgesamt 123 Mio. Euro zur Förderung von 23 marktorientierten Verbundprojekten, 7 Nachwuchsforschungsgruppen und 21 Forschungsgruppen, die von unternehmensfinanzierten Stiftungsprofessuren geleitet werden, bereit.

Seit 2012 werden mit Zwanzig20 – Partnerschaft für Innovation die in den neuen Ländern aufgebauten wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Kompetenzen durch über Ostdeutschland hinausreichende interdisziplinäre Kooperationen ausgebaut, gefestigt und so die Entstehung neu vernetzter Innovationsstrukturen unterstützt. Das BMBF stellt den zehn ausgewählten Konsortien jeweils bis zu 45 Mio. Euro zur Umsetzung ihrer Strategien zur Lösung gesellschaftlich und volkswirtschaftlich relevanter Problemstellungen zur Verfügung.

In den Jahren 2014 und 2015 wurden Evaluierungen der Programme ForMaT (2013 ausgelaufen), Innovative regionale Wachstumskerne, WK Potenzial und Zentren für Innovationskompetenz mit durchgängig positiven Ergebnissen abgeschlossen. Demnach hat die Förderung von Kooperation und Wissensaustausch zwischen öffentlicher Forschungsinfrastruktur und Unternehmen ursächlich zum Aufbau einer international konkurrenzfähigen, von kleinen und mittleren Unternehmen geprägten Wirtschaftsstruktur in Ostdeutschland beigetragen.

Ab 2016 wird Unternehmen Region zu einem deutschlandweiten Innovationsförderkonzept zur Unterstützung von Regionen mit besonderen Herausforderungen beim Strukturwandel weiterentwickelt.

Geografische Karte der Initioativen Unternehmen Regionen 2014-2016

Abb. III-3: Anzahl der Initiativen von Unternehmen Region 2014 – 2015

BMBF

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INNO-KOM-Ost

Das BMWi-Programm Innovationskompetenz Ost (INNO-KOM-Ost) stärkt die Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit der ostdeutschen Wirtschaft durch die Unterstützung von Forschung und Entwicklung in gemeinnützigen externen Industrieforschungseinrichtungen. Das Programm INNO-KOM-Ost ist technologieoffen. Gefördert werden Vorhaben der Vorlaufforschung, marktorientierte FuE-Vorhaben sowie investive Vorhaben zur Verbesserung der wissenschaftlich-technischen Infrastruktur, die für Forschung und Entwicklung einen international angemessenen Leistungsstandard ermöglichen. Das Programm existiert seit 2009.

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Gemeinschaftsaufgabe Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur

Die Bund-Länder-Gemeinschaftsaufgabe Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur (GRW) fördert gewerbliche Investitionen sowie wirtschaftsnahe kommunale Infrastrukturmaßnahmen in strukturschwachen Gebieten. Die Förderung erfolgt auf Basis des zwischen Bund und Ländern vereinbarten Koordinierungsrahmens, der die grundsätzlichen Leitlinien, die Instrumente und das Fördergebiet festschreibt. Seit Juli 2014 gilt eine neue gesamtdeutsche Fördergebietskarte, die die GRW-Fördergebiete im Einklang mit dem EU-Beihilferecht bis zum 31. Dezember 2020 verbindlich festlegt.

Die gewerbliche Investitionsförderung der GRW trägt zur Implementierung von Prozess- oder Produktinnovationen in Unternehmen bei. Auch investive Maßnahmen in forschungs- und technologieorientierten Betrieben wie der Ausbau und die Modernisierung von Forschungs- und Laboreinrichtungen können bezuschusst werden. KMU können bei angewandter Forschung, Entwicklung und Markteinführung neuer Produkte, Produktionsverfahren, Prozessinnovationen oder Dienstleistungen unterstützt werden. Mit der Förderung von Beratungen und Schulungen von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern wird die Personalstruktur von KMU qualitativ verbessert. Durch die Infrastrukturförderung, z. B. von Gewerbe- und Technologiezentren, werden die Gründung innovativer Unternehmen, die Entstehung und Anwendung von neuem technischen Wissen sowie die Entwicklung und Herstellung neuer Produkte gefördert. Hauptzielgruppe der Förderung sind gewerbliche Unternehmen, Kommunen oder Kommunalverbände, öffentliche Einrichtungen und Unternehmen. GRW-Maßnahmen zur Vernetzung und Kooperation, wie z. B. durch Aufbau von Kooperationsnetzwerken und Innovationsclustern, unterstützen die regionale und überregionale Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und lokalen Strukturen. Ziel ist es, vorhandene Potenziale besser auszuschöpfen und so die Wettbewerbsfähigkeit strukturschwacher Regionen langfristig zu stärken.

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