Mobilität

Die Bundesregierung hat sich das Ziel gesetzt, eine intelligente, effiziente, nachhaltige, und damit zukunftsfeste Mobilität auf hohem Sicherheitsniveau zu ermöglichen, bei der Ressourcenverbrauch und Emissionen reduziert werden, die gleichzeitig aber auch den Bedürfnissen der Menschen gerecht wird und die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft stärkt. Dabei müssen Fahrzeug-, Flugzeug- sowie maritime Technologien und Kraftstoffe ebenso in den Blick genommen werden wie die Gesamtheit des Verkehrssystems und der Wandel des gesellschaftlichen Mobilitätsverhaltens.

Die Forschung auf dem Gebiet des Verkehrssystems Straße trägt dazu bei, sichere, effiziente und umweltverträgliche Mobilität auf hohem Qualitätsniveau unter sich rasch verändernden globalen Rahmenbedingungen zu sichern. Die Mobilitäts- und Kraftstoffstrategie (MKS) soll als ein wichtiges Umsetzungsinstrument für die Energiewende im Verkehr im Sinne der nationalen Nachhaltigkeitsstrategie fortgesetzt werden. Sie gibt bislang einen Überblick über Technologien sowie Energie- und Kraftstoffoptionen der verschiedenen Verkehrsträger. Vor allem die Elektromobilität ist ein entscheidender technologischer Beitrag zur klimafreundlichen Umgestaltung der Mobilität. Die Bundesregierung fördert mit der Nationalen Plattform Elektromobilität daher den strategischen Dialog von Industrie, Wissenschaft, Politik, Gewerkschaften und Verbänden. Bei der Entwicklung intelligenter Mobilitätssysteme kommt der Automatisierung und Vernetzung von Fahrzeugen und Diensten eine zentrale Bedeutung zu. Diese wird mit der Strategie automatisiertes und vernetztes Fahren sowie der Initiative Digitale Vernetzung im Öffentlichen Personenverkehr der Bundesregierung sowie mit einzelnen Fachprogrammen gezielt vorangetrieben.

Die Bundesregierung unterstützt die deutsche zivile Luftfahrtindustrie seit 1995 mit dem Luftfahrtforschungsprogramm, um die Wettbewerbsfähigkeit der in Deutschland ansässigen Luftfahrtunternehmen zu sichern und zur Verringerung der Klimawirkung des Luftverkehrs beizutragen.

Die maritime Wirtschaft ist eine Hochtechnologiebranche, die sich heute einem harten Verdrängungswettbewerb stellen muss. Gleichzeitig erfährt die Meerestechnik eine rasant wachsende Bedeutung für Klimaschutz sowie Energie- und Ressourcengewinnung.

Die Raumfahrt ist Vorreiter für die Entwicklung und Erprobung neuer Technologien und wirkt über den Technologietransfer als Innovationstreiber in andere Wirtschaftsbereiche. Die Bundesregierung fördert mit der Raumfahrtstrategie innovative Anwendungen in der Raumfahrtforschung und stärkt die internationale Vernetzung.

Intelligente und leistungsfähige Verkehrsinfrastruktur

Eine zuverlässige, leistungsfähige und sichere Verkehrsinfrastruktur ist das Rückgrat hoch entwickelter Industriestaaten. Der Wandel der Bevölkerungsstruktur, ein verändertes Mobilitätsverhalten sowie die zunehmende Urbanisierung führen zu neuen Anforderungen, aber auch neuen Möglichkeiten für den individuellen und öffentlichen Verkehr. Deshalb fördert die Bundesregierung Forschung zur Entwicklung innovativer Lösungen für eine leistungsfähige, nachhaltige, umweltverträgliche, klima- und wetterrobuste sichere Verkehrsinfrastruktur.

Nachhaltige Mobilität erfordert den Ausbau von Informations-, Kommunikations- und Verkehrsleitsystemen zur Verbesserung der Verkehrsinfrastrukturen. Durch die Ressortforschungseinrichtungen des BMVI (siehe auch EB II Organisationen und Einrichtungen in Forschung und Wissenschaft) wird zu den folgenden Schwerpunkten geforscht:

  • Erhaltungsmanagementsysteme und Bewertungssysteme für bestehende Infrastrukturen
  • Verkehrsträgerübergreifende Methoden zu Erhaltung und Betrieb vorhandener Infrastrukturen
  • Entwicklung neuer Mess- und Sensortechniken
  • Zustands- bzw. Schadensentwicklung von Infrastrukturbauwerken in der Zukunft zur lokalen und überregionalen Priorisierung
  • Steigerung der Verkehrssicherheit durch Weiterentwicklung der Werkzeuge des Entwurfs und der Ausstattung vor allem auf bestehenden Infrastrukturen
  • Bewertung von Infrastrukturen hinsichtlich möglicher Beeinträchtigungen durch extreme Wetter- und Klimaereignisse
  • Bewertung der Sicherheit und Zuverlässigkeit bestehender Infrastrukturen zum Weiterbetrieb ohne Sicherheits- und Verfügbarkeitseinbußen
  • Resiliente Straßeninfrastruktur (z. B. Projekt: SKRIBT)
  • Intelligente Brücke
  • Echtzeitsicherheitsmanagement von Straßentunneln (ESIMAS, BMWi)
  • Entwicklung innovativer Bauweisen unter besonderer Berücksichtigung der Lebenszykluskosten

Die Ressortforschungseinrichtungen und nachgeordneten Behörden des BMVI sind auf einzelne Verkehrsträger ausgerichtet. Im Hinblick auf die Ziele der Resilienz und der Umweltgerechtigkeit haben sich die Ressortforschungseinrichtungen und nachgeordneten Behörden unter der Federführung des BMVI ab 1. Januar 2016 zu einem Expertennetzwerk Wissen – Können – Handeln und damit zu einer inter- und transdisziplinären Zusammenarbeit zusammengeschlossen. In dem Expertennetzwerk sollen die Forschungs- und Entwicklungstätigkeiten der Ressortforschungseinrichtungen und nachgeordneten Behörden stärker gebündelt und vernetzt werden.

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Innovative Mobilitätskonzepte und Vernetzung

Neue Mobilitätskonzepte erfordern eine Vernetzung von Fahrzeugen mit der Verkehrsinfrastruktur. Die Standardisierung von Schnittstellen und die Modularisierung der IKT-Komponenten vorhandener einzelner Mobilitätssysteme ermöglichen eine Vielzahl von Anwendungen, wie etwa personalisierte Mobilitätskonzepte, effiziente Logistiknetze und intelligente Verkehrssysteme (siehe auch III 1.1 Digitalisierung, Schlüsseltechnologien).

Eine zukunftsfähige und nachhaltige Mobilität erfordert integrierte Verkehrskonzepte, durch die sowohl die Leistungsfähigkeit der einzelnen Verkehrsmittel und ihr Zusammenspiel optimiert als auch der Fußgänger-, Rad- und öffentliche Personenverkehr attraktiver gestaltet und damit gestärkt werden. Mit dem Nationalen Radverkehrsplan 2020 und der Nationalen Klimaschutzinitiative unterstützt die Bundesregierung den Radverkehr als Teil eines modernen Verkehrssystems in Städten und ländlichen Räumen.

Innovative Entwicklungen wie das Car- oder Bikesharing zeigen, dass immer mehr Menschen ihre Mobilitätsbedürfnisse mit einem wachsenden Maß an Ressourcen- und Umweltschonung realisieren. Die Bundesregierung fördert sowohl zukunftsweisende Projekte an der Schnittstelle ÖPNV/Carsharing/Fahrrad als auch innovative Entwicklungen im ÖPNV, wie die durchgängige elektronische Fahrplaninformation (DELFI) und die Einführung eines flächendeckenden interoperablen elektronischen Fahrgeldmanagements (eTicket). Ziel ist der Einsatz von personalisierten elektronischen Informationsdiensten für eine flexible und den aktuellen Verkehrsbedingungen angepasste Orientierung bei der persönlichen Mobilität.

Intelligente Fahrzeug- und Straßensysteme tragen durch Kooperation miteinander wesentlich dazu bei, dass der Straßenverkehr sicherer, effizienter und umweltfreundlicher wird. Durch den vereinfachten Datenaustausch mit Dritten sowie den Zugang für private Dienstleistungsanbieter eröffnen sich neue Möglichkeiten im Bereich des Verkehrsmanagements und der Serviceangebote. Der Mobilitäts Daten Marktplatz (MDM) der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) ist ein zentrales Online-Portal, das den Zugang zu Verkehrsmetadaten bereitstellt.

Auch Logistiknetzwerke erfordern angesichts steigender Datenmengen ganzheitliche Prozessoptimierungen, die die neuen Möglichkeiten der flexiblen Produktion in die Verbesserung der Transportströme bis zum Endkunden einbeziehen. Mittels cyberphysikalischer Systeme lässt sich nicht nur die Distributions-, sondern auch die Servicestruktur effizienter managen (siehe auch III 1.1 Digitalisierung, Schlüsseltechnologien). Ziel ist es, die Effizienz und Robustheit des Gesamtsystems zu steigern und die Wettbewerbsfähigkeit durch verbesserte Nutzung der Ressourcen zu erhöhen. Hierzu bedarf es IKT-gestützter Tools zur einfachen Gestaltung von multimodalen Transportketten und unternehmensübergreifenden Konsolidierung von Transportströmen.

Zuverlässige Positions- und Navigationsdaten sind für die effiziente Mobilität in einem weltweit integrierten Gesamtverkehrssystem unverzichtbar. Mit dem zivilen Satellitennavigationssystem Galileo entwickelt Europa einen eigenständigen Zugang zu dieser Schlüsseltechnologie. In Deutschland ist der Aufbau verschiedener GATEs (Galileo Test- und Entwicklungsumgebungen) vorangetrieben worden. Hier können Entwickler ihre Anwendungen unter realen Einsatz- und Umgebungsbedingungen bis zur Verfügbarkeit von Galileo zur Marktreife führen. Das innovative Potenzial der GATEs wird im Forum Satellitennavigation (SatNav-Forum) zusammengeführt und unterstützt damit den deutschen Mittelstand bei der Erschließung neuer Märkte für Navigationsanwendungen. Für 2016 sind erste Dienste geplant, die es erstmals erlauben werden, „echte" Galileo-Signale zu nutzen.

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Straßenverkehrssicherheit

Die Einheit von Planung, Bau und Betrieb ist eine Grundvoraussetzung für eine sicher befahrbare und funktionsgerechte Straßeninfrastruktur. Dabei steht die Verbesserung der Verkehrssicherheit auf Landstraßen besonders im Vordergrund. Beispielsweise sollen Verkehrsunsicherheiten auf Bestandsstrecken durch geeignete Auditverfahren frühzeitig erkannt und wirksam behoben werden. Dafür notwendige Werkzeuge des Sicherheitsmanagements sind weiterzuentwickeln. Der Verbesserung der Fahrzeugsicherheit kommt für die Aufrechterhaltung und Steigerung der Verkehrssicherheit nach wie vor große Bedeutung zu. Hierunter fallen sowohl die aktive Fahrzeugsicherheit mit der Bewertung präventiver Maßnahmen als auch die passive Fahrzeugsicherheit mit der Bewertung unfallfolgenmindernder Maßnahmen. Ziele sind die Vermeidung von Unfällen, die Reduzierung der Unfallschwere und die Minderung der Unfallfolgen durch Einführung und Verbreitung von wirkungsvollen Fahrzeugsicherheitssystemen in der Fahrzeugflotte

Eine nachhaltige und sichere Mobilität erfordert Maßnahmen, die den gesellschaftlichen Wandel und das Verhalten im Verkehr berücksichtigen und vorausschauend auf diese reagieren. Hierbei sind sowohl demografische, technologische als auch siedlungsstrukturelle Veränderungen in ihrem Einfluss auf die Verkehrssicherheit und das Mobilitätsverhalten zu untersuchen. Einen wichtigen Ansatzpunkt für die Verkehrssicherheitsforschung sind ferner die Verhaltensänderungen von Verkehrsteilnehmern. Fehlerhaftes oder verkehrsunsicheres Verhalten sind wesentliche Unfallursachen. Daher gilt es, wissenschaftliche Grundlagen für die Förderung verkehrssicheren Verhaltens von motorisierten und nicht motorisierten Verkehrsteilnehmenden zu schaffen. Darüber hinaus muss die Verkehrssicherheitsforschung der Sicherheit von Fußgängern, Radfahrern und physisch schwächeren Verkehrsteilnehmenden in besonderem Maße Rechnung tragen. Diesem Sachverhalt wird derzeit u. a. mit konstruktiven fahrzeugseitigen Maßnahmen, hauptsächlich zum Schutz von Fußgängern in Kollisionen mit Personenkraftwagen, begegnet.

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Fahrzeugtechnologien

Die Übertragung von Technologien aus anderen Zweigen der Industrie kann ergänzende Beiträge zur Entwicklung einer modernen Mobilität leisten. Der Nutzer kann beispielsweise durch IKT-Lösungen für ein vorausschauendes, energieoptimales Fahren ebenso wie durch optimierte logistische Konzepte unterstützt werden. Auch Innovationen aus der Werkstoff- und Materialforschung bieten Anknüpfungspunkte. Automatisiertes Fahren gilt neben der Elektromobilität und der Vernetzung der Fahrzeuge als ein weiterer wesentlicher Treiber für technische Innovationen, Wertschöpfung und Beschäftigung. Das automatisierte und vernetzte Fahren bildet einen Themenschwerpunkt der Forschungsförderung des BMWi und des BMBF.

Gemeinsam mit dem Runden Tisch Automatisiertes Fahren entwickelte die Bundesregierung ein einheitliches Verständnis über die verschiedenen Stufen der Automatisierung und die damit verbundenen Herausforderungen. Die Beteiligten erarbeiteten fachübergreifend eine deutsche Position zu einer Vielzahl rechtlicher, technischer und wissenschaftlicher Fragen und überführten diese in strategische Eckpunkte, die im Juni 2015 beschlossen wurden. Die Eckpunkte richten den Fokus auf die Einführung des hochautomatisierten Fahrens bis 2020. Als Einsatzszenarien werden das Verkehrsumfeld Autobahn sowie das Verkehrsumfeld Parkhaus im Fokus stehen.

Die Bundesregierung hat unter anderem auf der Grundlage der vom Runden Tisch Automatisiertes Fahren beschlossenen Eckpunkte im September 2015 die Strategie automatisiertes und vernetztes Fahren – Leitanbieter bleiben, Leitmarkt werden, Regelbetrieb einleiten beschlossen, die sie unter Federführung des BMVI umsetzt. Ziel der Bundesregierung ist es, optimale Rahmenbedingungen und alle erforderlichen Voraussetzungen für die Einführung (einschließlich Erforschung, Entwicklung, Erprobung und Produktion) von Systemen des automatisierten und vernetzten Fahrens zu schaffen. Gegenstand der Umsetzung sind die in der Strategie identifizierten Aktivitäten in den Handlungsfeldern Infrastruktur, Recht, Innovation, Vernetzung, IT-Sicherheit und Datenschutz sowie gesellschaftlicher Dialog.

Im Großprojekt UR:BAN wurden zahlreiche Anwendungsfelder von Fahrerassistenzsystemen und deren Zusammenwirken untersucht (siehe auch Infobox UR:BAN).

UR:BAN: Urbaner Raum: Benutzergerechte Assistenzsysteme und Netzmanagement

In dem Großverbundvorhaben erarbeiteten insgesamt 31 Projektpartner aus der deutschen Fahrzeug- und Informationsindustrie, aus Forschungseinrichtungen und aus Städteplanungsämtern gemeinsam grundlegende Konzepte für neue Fahrerassistenz- und Verkehrsmanagementsysteme für die Stadt. Ziel ist es, den Verkehr der Zukunft sicherer und effizienter zu gestalten. Das BMWi beteiligte sich mit rund 40 Mio. Euro zu dem mit insgesamt 80 Mio. Euro ausgestatteten Projekt.

Forschungsprojekte wurden in drei Themenbereichen bearbeitet:

• Kognitive Assistenz: Sicherheit in der Stadt
• Vernetztes Verkehrssystem: Wirtschaftlich und energieeffizient fahren
• Mensch im Verkehr: Vorausschauendes und stressfreies Fahren

Die im Projekt UR:BAN erarbeiteten, innovativen Lösungsansätze sind eine hervorragende Basis für weitere Entwicklungen im Bereich des automatisierten und kooperativen Fahrens. Sie tragen dazu bei, die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Fahrzeugindustrie zu stärken, und leisten einen bedeutenden Beitrag zur Sicherung hochwertiger Arbeitsplätze in Deutschland.

Im Oktober 2015 wurden die Projektergebnisse nach vierjähriger Laufzeit in einer öffentlichen Abschlusspräsentation auf dem Messegelände in Düsseldorf vorgestellt. Auf dem Messegelände wurden neben Vorträgen und Ausstellungen insbesondere auch umfangreiche Fahrdemonstrationen zur Präsentation der neuen Technologien gezeigt. Experten aus den drei UR:BAN-Arbeitsbereichen präsentierten zahlreiche Exponate sowie ca. 50 Demonstrationsfahrzeuge.

Im Jahr 2015 wurde das BMWi-Fachprogramm Neue Fahrzeug- und Systemtechnologien veröffentlicht. Gegenstand des Programms ist die Förderung anwendungsnaher technologischer Innovationen in den zwei Programmsäulen in den zwei Programmsäulen Automatisiertes Fahren und Innovative Fahrzeuge.

Die Programmsäule Automatisiertes Fahren umfasst die technologische Entwicklung von den bisher verfügbaren assistierenden und teilautomatisierten Systemen hin zu höheren Automatisierungsgraden in unterschiedlichen Anwendungsbereichen des Straßenverkehrs.

Unabhängig vom Anwendungsfall sind auf dem Weg zu höheren Automatisierungsgraden zahlreiche, zum Teil komplexe Forschungs- und Entwicklungsfragen zu beantworten. Die nachfolgenden Themen wurden als besonders forschungsintensiv identifiziert:

  • Innovative Sensorik und Aktoriksysteme
  • Hochgenaue Lokalisation
  • Schnelle, sichere und zuverlässige Kooperation durch Kommunikation
  • Neuartige Verfahren zur Datenfusion und -verarbeitung
  • Mensch-Maschine-Interaktion
  • Angepasste Testverfahren und Validierung

Im Jahr 2015 konnten zwei große Forschungsprojekte gestartet werden: zum einen das Projekt Ko-HAF – Kooperatives, hochautomatisiertes Fahren, welches die Entwicklung von kooperativem, hochautomatisiertem Fahren für höhere Geschwindigkeitsbereiche (bis 130 km/h) auf gut ausgebauter Verkehrsinfrastruktur zum Ziel hat, und zum anderen das Projekt PEGASUS. Zudem wurde Ende 2015 eine Förderbekanntmachung zum Thema Hoch- und vollautomatisiertes Fahren für anspruchsvolle Fahrsituationen zur Umsetzung der Programmsäule veröffentlicht. Gegenstand der Förderprojekte sollen insbesondere integrierte Anwendungen für das hoch- und vollautomatisierte Fahren in komplexen Fahrsituationen sein, die über bestehende Ansätze hinausgehen.

Die Programmsäule Innovative Fahrzeuge umfasst Themen aus den Bereichen Fahrzeugkonzepte und -technologien sowie aus der Antriebstechnik.

Im Einzelnen sollen neue Fahrzeugkonzepte und -technologien dazu beitragen, einen wirtschaftlichen, energieeffizienten, schadstoffarmen und leisen Verkehr zu befördern. Schwerpunkte bilden dabei die Themengebiete:

  • Effizienzsteigerung durch Leichtbau
  • Optimierte aerodynamische Eigenschaften
  • Reduzierte Reibungswiderstände im kompletten Antriebsstrang
  • Optimierung der Antriebstechnik mit Antriebsstränge in ihrer Gesamtheit oder deren Einzelkomponenten

Als eine der ersten Maßnahmen in dieser Säule wurden 2015 im Rahmen der Förderbekanntmachung Effizienzsteigerung Fahrzeugantriebe 16 Verbundprojekte gestartet. Gegenstand der Förderung ist die Forschung und Entwicklung für hocheffiziente und gleichzeitig umweltverträglichere konventionelle Antriebe für Fahrzeuge des Straßen- und Schienenverkehrs.

Eine weitere Förderbekanntmachung ist Ende 2015 zum Thema Leichtbaukonzepte für Straßen und Schienenfahrzeuge veröffentlicht worden. Gegenstand der Förderung sind die Forschung und Entwicklung von masseoptimierten Komponenten, Baugruppen und Strukturen für Fahrzeuge des Personen- und Güterverkehrs auf Straße und Schiene.

Weitere Förderbekanntmachungen des BMBF erfolgten u. a. zu den Themen:

  • Elektroniksysteme für das vollautomatisierte Fahren
  • Mensch-Technik-Interaktion für eine intelligente Mobilität

Das BMVI hat gemeinsam mit dem Freistaat Bayern, dem Verband der Automobilindustrie und dem Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien das Digitale Testfeld Autobahn auf der Bundesautobahn A9 zur Erprobung automatisierter und vernetzter Fahrfunktionen eingerichtet. Das Digitale Testfeld Autobahn unterscheidet sich von herkömmlichen Autobahnen in seiner außergewöhnlichen infrastrukturseitigen Ausstattung: So werden straßenbauliche Besonderheiten, wie z. B. Markierungen zur Positionsbestimmung, bereitgestellt, die insbesondere eine Erprobung der Interaktion zwischen Fahrzeug und Infrastruktur erlauben. Darüber hinaus sind Übertragungstechnologien, die dem neuesten Stand der Technik entsprechen, verfügbar, um so eine noch nie dagewesene Vernetzung zwischen Fahrzeugen und zwischen Fahrzeugen und der Infrastruktur zu ermöglichen. Neben der Erprobung des automatisierten und vernetzten Fahrens werden auf dem Digitalen Testfeld Autobahn auch Maßnahmen zur intelligenten Infrastruktur erprobt und weiterentwickelt. Erste Maßnahmen und Projekte starteten im Jahr 2015, u. a. ein System, das vor Falschfahrern warnen soll.

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Neue Antriebe, Elektromobilität

Elektromobilität ist der Schlüssel zur klimafreundlichen Umgestaltung der Mobilität. Bei der Förderung der Elektromobilität setzt die Bundesregierung auf einen intelligenten Maßnahmenmix aus Forschungsförderung für Wirtschaft und Wissenschaft, Anpassung der rechtlichen Rahmenbedingungen an aktuelle Entwicklungen sowie Kooperation mit Partnern aus Drittländern. Ein Schwerpunkt der Arbeit der Bundesregierung liegt in der FuE-Förderung, damit Deutschland im internationalen Wettbewerb weiterhin gut aufgestellt bleibt und sich als Leitmarkt und Leitanbieter der Elektromobilität etablieren kann. Dafür hat die Bundesregierung 1,5 Mrd. Euro bis Ende 2014 zur Verfügung gestellt. Zukünftig ist über den Energie- und Klimafonds jährlich eine Förderung von 210 Mio. Euro geplant. Daneben werden zusätzliche Haushaltsmittel der beteiligten Ressorts (z. B. für die Förderung der Brennstoffzellen-Forschung) eingesetzt.

Das Regierungsprogramm Elektromobilität aus dem Jahr 2011 schreibt den 2009 erschienenen Nationalen Entwicklungsplan Elektromobilität fort. Bei seiner Umsetzung und Weiterentwicklung wird die Bundesregierung durch die Nationale Plattform Elektromobilität (siehe auch Infobox 4. Bericht der Nationalen Plattform Elektromobilität) sowie die Gemeinsame Geschäftsstelle Elektromobilität (GGEMO) unterstützt. Diese dient als einheitliche Anlaufstelle und Sekretariat der Bundesregierung für die Aufgaben im Bereich der Elektromobilität sowie als Dienstleister und Sekretariat der Nationalen Plattform Elektromobilität.

4. Bericht der Nationalen Plattform Elektromobilität (NPE)

Die Nationale Plattform Elektromobilität ist ein Beratungsgremium der Bundesregierung. Die NPE wurde im Mai 2010 gegründet und bringt die wesentlichen Akteure aus Industrie, Wissenschaft, Politik, Gewerkschaften und Verbänden zum strategischen Dialog zusammen. Sie beobachtet und analysiert die Entwicklungen im Bereich der Elektromobilität. In sechs Arbeitsgruppen mit insgesamt ca. 140 hochrangigen Vertreterinnen und Vertretern werden die Schwerpunktthemen der Elektromobilität behandelt und Empfehlungen zur Umsetzung des Regierungsprogramms Elektromobilität erarbeitet. Die NPE berichtet regelmäßig der Bundesregierung.

Die NPE hat im Dezember 2014 ihren vierten Bericht vorgelegt, in dem der Zwischenstand auf dem Weg zum Leitanbieter und Leitmarkt bewertet wird. Aufgrund der Entscheidung, die Bundesmittel vorrangig für die Förderung von FuE einzusetzen, konnte sich Deutschland bereits jetzt zusammen mit den USA als Leitanbieter etablieren. Bei der Marktentwicklung liegt Deutschland bisher mit 42.000 Zulassungen (Stand: Ende Oktober 2015) nur im Mittelfeld, weist aber mit 90 % Wachstum bei den Zulassungszahlen (von 2014 auf 2015) einen überdurchschnittlich guten Marktzuwachs auf. Um sich in der Markthochlaufphase auch als Leitmarkt zu etablieren und die Position als Leitanbieter weiter auszubauen, empfahl die NPE Forschung und Entwicklung künftig verstärkt auf die Steigerung der Attraktivität der Elektrofahrzeuge und die Verbesserung der Ladeinfrastruktur zu fokussieren. Innerhalb der Arbeitsgruppen werden die Empfehlungen der NPE kontinuierlich weiterentwickelt.

Thematische Schwerpunkte der Förderung sind u. a. Batterieforschung, energieeffiziente Gesamtfahrzeugkonzepte inklusive der Komponenten, Ladeinfrastruktur und Netzintegration (mit Schwerpunkt auf dem Zusammenspiel mit erneuerbaren Energien) sowie Auswirkungen auf das Gesamtsystem der Mobilität. Die Förderung erfolgt themenorientiert durch verschiedene Ressorts:

  • Die im August 2014 veröffentlichte BMBF-Maßnahme Batterie 2020 adressiert Batteriematerialien entsprechend ihrem Reifegrad zwischen grundlegender Forschung und Industrialisierung in drei Förderlinien (ausgerichtet entlang der Wertschöpfungskette). Im Fokus stehen Material- und Prozesstechnik sowie die Batteriezellproduktion für Lithium-Ionen-Systeme, die in näherer Zukunft zur Anwendung gelangen werden und höhere Reichweiten für Elektrofahrzeuge bei größerer Sicherheit und geringeren Kosten ermöglichen.
  • Den Förderschwerpunkt Energiewirtschaftliche Schlüsselelemente der Elektromobilität hat das BMWi im Rahmen des Energieforschungsprogramms verankert. Unterstützt wird die Forschung zur Batteriezelle und zu deren großmaßstäblicher Fertigung bis hin zur Integration der Systeme ins Fahrzeug. Untersucht werden auch Hybridkonzepte für die Energieversorgung von Sonderfahrzeugen und die übergreifende Frage der Integration des elektrischen Fahrzeugs ins Energiesystem.
  • Das BMBF unterstützt mit der 2014 veröffentlichten Förderrichtlinie e-MOBILIZE Elektroniksysteme und auf Elektroniksystemen basierende Innovationen, die dazu beitragen, den Energieverbrauch von Elektrofahrzeugen zu senken und die Reichweiten unter Praxisbedingungen zu erhöhen. Ein weiterer Fokus der Maßnahme sind automatische Funktionen für das effiziente elektrische Fahren.
  • Mit der Förderrichtlinie Elektroniksysteme für das vollautomatisierte Fahren (ELEVATE) unterstützt das BMBF Forschung zur Erarbeitung technologischer Grundlagen für das automatisierte Fahren in urbanen Umgebungen und die Nutzung von Synergien von elektrischem und automatisiertem Fahren (siehe auch III 1.1 Digitalisierung, Schlüsseltechnologien)
  • Mit KomroL – Kompakte und robuste Leistungselektronik der nächsten Generation setzt das BMBF einen thematischen Förderschwerpunkt zur Erschließung von Energie-Einsparpotenzialen beispielsweise im Bereich der nachhaltigen Mobilität (siehe auch III 1.1 Digitalisierung, Schlüsseltechnologien)
  • Mit ATEM – Antriebstechnologien für die Elektromobilität fördert das BMWi seit 2015 die Technologieentwicklung von Antriebssystemen von Elektro- und Hybridfahrzeugen der nächsten Generation, um zu einer beschleunigten Verbreitung von Fahrzeugen mit elektrifizierten Antriebssträngen beizutragen.
  • 2014 wurde aufbauend IKT für Elektromobilität III zur Einbindung von gewerblichen Elektrofahrzeugen in Logistik-, Energie- und Mobilitätsinfrastrukturen ausgeschrieben. Im Technologieprogramm IKT für Elektromobilität II: Smart Car – Smart Grid – Smart Traffic förderte das BMWi von 2011 bis 2014 neue Konzepte und Technologien für das Zusammenspiel von intelligenter Fahrzeugtechnik im Elektroauto mit einer intelligenten Energieversorgung und intelligenten Mobilitätskonzepten (siehe auch III 1.2 Nachhaltigkeit, Klima, Energie)
  • Mit Elektromobilität – Positionierung der Wertschöpfungskette (ELEKTRO POWER II) fördert das BMWi seit 2015 Forschung zum Ausbau der elektromobilen Wertschöpfungskette und der Überführung in industrielle Anwendung.
  • Mit der Förderrichtlinie Elektromobilität unterstützt das BMVI seit 2015 die Beschaffung von Elektrofahrzeugen mit dem Ziel der Erhöhung der Fahrzeugzahlen, insbesondere in kommunalen Flotten. Gefördert werden ebenso die hierfür benötigte Ladeinfrastruktur und die Verknüpfung der Fahrzeuge mit dem Stromnetz in Kombination mit dem Ausbau erneuerbarer Energien für den Verkehrssektor auf der kommunalen Ebene.
  • Mit dem Förderprogramm Erneuerbar mobil unterstützt das BMUB die Entwicklung marktfähiger Lösungen für eine klimafreundliche Elektromobilität. Nachdem seit 2009 über 60 Projekte erfolgreich im Rahmen des Förderprogramms Erneuerbar mobil des BMUB umgesetzt wurden, forderte das Ministerium 2015 erneut zur Einreichung von Skizzen für Vorhaben im Bereich der Elektromobilität auf. Im Fokus der Förderung stehen weiterhin Projekte, die die energie- und klimapolitischen Potenziale der Elektromobilität erschließen helfen und gleichzeitig zur Stärkung der Wettbewerbsposition deutscher Industriebranchen beitragen.
  • Neben der batteriebetriebenen Elektromobilität fördert das BMVI im Rahmen des noch bis 2016 laufenden Nationalen Innovationsprogramms Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (NIP) auch die Weiterentwicklung alternativer Antriebe. So wird sichergestellt, dass die Entscheidung über die jeweils optimale Antriebsform am Markt fällt und dass sich die Technologien gegenseitig ergänzen können.

Um die Förderaktivitäten auf dem Gebiet der Elektromobilität für Unternehmen und Forschungseinrichtungen transparent und kundenfreundlich zu gestalten, hat die Bundesregierung im Rahmen ihres Regierungsprogramms Elektromobilität bei der Förderberatung Forschung und Innovation des Bundes die Lotsenstelle Elektromobilität eingerichtet.

Die Bundesregierung hat darüber hinaus im April 2012 vier deutsche Regionen (Baden-Württemberg, Bayern/Sachsen, Niedersachen und Berlin/Brandenburg) als Schaufenster Elektromobilität ausgewählt; dort wird Elektromobilität an der Schnittstelle von Energiesystem, Fahrzeug und Verkehrssystem erprobt. In den Schaufenstern werden 90 Projekte mit insgesamt 33 Einzelvorhaben bis Ende 2015 gefördert. Um die Erkenntnisse und Erfahrungen aus den Schaufensterprojekten übergreifend verfügbar zu machen, hat die Bundesregierung eine schaufensterübergreifende Begleit- und Wirkungsforschung beauftragt. Die Summe der Zuwendungen des Bundes beträgt etwa 157 Mio. Euro.

2012 hat die Bundesregierung zudem markante Förderbeispiele als Leuchtturmprojekte ausgewählt. Die Auswahl eines Projekts als Leuchtturm ist ein Gütesiegel für besonders wichtige Innovationen, die einen bedeutenden Beitrag zum technologischen Fortschritt oder zur Kostensenkung in der Elektromobilität leisten. Im Juni 2015 wurden sieben weitere herausragende technologische Projekte als Leuchttürme der Elektromobilität nominiert.

Gut ausgebildete Fachkräfte sind für den Erfolg der Elektromobilität besonders wichtig. Das Ziel ist, alle relevanten Lernorte der beruflichen und akademischen Aus- und Weiterbildung auf die neuen Anforderungen aus der Elektromobilität auszurichten. Mit dem Netzwerk Qualifizierung Elektromobilität hat die Bundesregierung ein begleitendes Instrument eingerichtet, mit dem die elektromobilitätsbezogene Ausbildung und Qualifizierung sowohl im akademischen wie im berufsbildenden Bereich analysiert wird, bestehende Qualifizierungsangebote identifiziert und bewertet werden und den Bildungsakteuren eine internetgestützte Plattform zur branchenübergreifenden Vernetzung und zum Austausch von Best-Practice-Beispielen bereitgestellt wird.

Auf internationaler Ebene steht die Bundesregierung in engem Kontakt mit den Regierungen Japans, Chinas und der USA, um sich mit diesen in Fragen von Normung, Standards und Ladeinfrastruktur kontinuierlich auszutauschen (siehe auch III 4 Innovationsfreundliche Rahmenbedingungen). Entsprechend gibt es mittlerweile eine große Anzahl unterschiedlicher länderübergreifender Kooperationsvorhaben. Besonders herausragend ist das 2014 gestartete und von der deutschen und chinesischen Regierung geförderte Sino-German EV Charging Project. Es wird von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) koordiniert und entwickelt effektive Lösungen für privates und öffentliches Laden von Elektrofahrzeugen. Das BMBF förderte im Sino-German Network on Electromobility (TU9/CN) die universitäre Forschung an Antrieben, Energiespeichern, Elektroniksystemen und Ausbildungskonzepten für die Elektromobilität.

Forschungsprojekte zur Erfassung der Alltagsmobilität

Die Verkehrspolitik und -planung benötigt als Grundlage für zielgenaue Entscheidungen und Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur belastbare Daten zur Alltagsmobilität der Bevölkerung. Das BMVI beauftragt im Rahmen des Forschungsprogramms Stadtverkehr zwei Bausteine zur Erforschung der Alltagsmobilität. Mit dem Deutschen Mobilitätspanel werden jedes Jahr die Mitglieder von rund 1.500 Haushalten gebeten, ihre Mobilität eine Woche lang in einem Tagebuch sowie das Tankverhalten aufzuzeichnen. Mit diesem Ansatz ist die Identifizierung von bundesweiten Trends und individuellen Verhaltensänderungen im Mobilitätsgeschehen möglich.

Die im Abstand von mehreren Jahren durchgeführte große Querschnittserhebung Mobilität in Deutschland (MiD) ermöglicht darüber hinaus auch die Identifizierung sozioökonomischer, regionaler oder raumtypischer Mobilitätsmuster. Im Jahr 2016 werden im Auftrag des Bundes rund 30.000 Haushalte befragt. Länder sowie regionale und kommunale Auftraggeber beteiligen sich mit Vertiefungsstichproben. Mit insgesamt 130.000 befragten Haushalten wird die MiD 2016 nicht nur eine der größten Haushaltsbefragungen Deutschlands, sondern sie beschreitet auch innovative Wege in der empirischen Sozialforschung. So wird erstmals in einer großen Erhebung eine Einwohnermeldeamtsstichprobe mit einer Telefonstichprobe nach dem Dual-frame-Ansatz zu einem Triple-frame-Auswahlrahmen kombiniert. Erstmals werden auch die Mobilitätsdaten kleinräumig geografischen Gitterzellen zugeordnet, um dann die wichtigsten Mobilitätskennwerte mithilfe moderner statistischer Verfahren, der sogenannten Small-area-Schätzung, für andere statistisch vergleichbare Räume zu modellieren. Erste Ergebnisse sollen zum Jahreswechsel 2017/2018 vorliegen.

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Luftfahrt

Die forschungsintensive und innovationsstarke Luftfahrtindustrie verbindet Hochtechnologien wie Elektronik, Robotik, Mess-, Steuer-, Werkstoff- und Regeltechnik miteinander und ist damit auch ein Innovationstreiber der Industrie 4.0. Mit der 2014 durch das BMWi veröffentlichten Luftfahrtstrategie will die Bundesregierung Deutschland zu einem weltweiten technologischen Vorreiter für ein umweltfreundliches, sicheres, leistungsfähiges, wettbewerbsfähiges und passagierfreundliches Luftverkehrssystem machen. Sie fördert daher unter anderem die Erforschung und Entwicklung innovativer Technologien für Luftfahrzeuge und Triebwerke sowie deren effiziente Nutzung im gesamten Lebenszyklus. Außerdem soll die Sicherheit, Zuverlässigkeit und Vernetzung des Luftverkehrs weiter verbessert werden. Kernelemente der Luftfahrtstrategie sind die Förderung von Grundlagenforschung durch das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt e. V. (DLR), die finanzielle Forschungsförderung durch das nationale Luftfahrtforschungsprogramm (LuFo) und durch die EU im Rahmen von Horizont 2020 sowie das Darlehensprogramm für die Finanzierung von Entwicklungskosten der Industrie.

Mit dem 5. zivilen Luftfahrtforschungsprogramm (LuFo V) unterstützt das BMWi Forschungs- und Technologievorhaben der zivilen Luftfahrt. Inhaltlich orientiert sich das LuFo an den beiden Zielfeldern des europäischen Strategiedokuments Flightpath 2050: (1) die Ausrichtung der Luftfahrt an gesellschaftlichen Bedürfnissen und Anforderungen und (2) industrielle Führerschaft der europäischen Luftfahrtindustrie. Technologisch orientiert sie sich an der strategischen Forschungsagenda (SRIA) von ACARE (Advisory Council for Aeronautics Research in Europe).

Im Mittelpunkt des BMWi-Forschungsprogramms stehen die Erforschung und Entwicklung innovativer Produkte, Verfahren und technischer Dienstleistungen in der zivilen Luftfahrt. Bislang erschienen zwei Programmaufrufe. Für den ersten Programmaufruf stellte das BMWi mit dem Bundeshaushalt jährlich Mittel in Höhe von rund 150 Mio. Euro bereit. Beim dritten Programmaufruf LuFo V-3 (2017–2021) sind vier Förderlinien vorgesehen:

  • Ökoeffizientes Fliegen: Für Initiativen und Vorhaben der Hochschulen und Universitäten zur Erforschung von Technologien für den Anwendungszeitraum 2030 bis 2050. Das Förderspektrum umfasst alle Themen und Disziplinen des Luftverkehrssystems und der zivilen Luftfahrzeuge.
  • KMU: Förderfähig sind alle luftfahrtrelevanten Technologien. Eingereichte Ideen stehen jedoch nicht mit solchen der Programmlinie Technologie im Wettbewerb. Damit soll interessierten KMU Gelegenheit gegeben werden, in für sie attraktiven Produktnischen aktiv zu werden.
  • Technologie: Unterstützt werden Vorhaben der industriellen Forschung in den Themenfeldern passagierfreundliche und ökoeffiziente Kabine, leistungsfähige, sichere und sparsame Systeme, leise und effiziente Antriebe, innovative Strukturen für Luftfahrzeuge, Flugphysik, luftfahrtspezifische Eigenschaften der Industrie 4.0 in Entwicklung, Produktion und Instandhaltung sowie sichere, effiziente und umweltverträgliche Luftfahrtprozesse und Flugführung.
  • Demonstration: Unterstützt werden Vorhaben, die die Lücke zwischen Technologie- und Produktentwicklung schließen. Dazu gehören die Integration von Einzeltechnologien zu einem System oder einem relevanten Subsystem sowie die Stärkung und der Aufbau von Kompetenzen und Fähigkeiten auf Gesamtsystemebene.

Im Rahmen des LuFo können Technologien gefördert werden, die sich für eine Anwendung im zivilen, kommerziellen Markt eignen und eine hohe und andauernde Wertschöpfung in Deutschland versprechen. Im LuFo wird auch zukünftig eine starke Ausrichtung auf die Zulieferindustrie, inklusive innovativer und forschungsintensiver KMU, beibehalten werden. Insbesondere soll dabei durch entsprechende Anreizstrukturen die Vernetzung von Industrieunternehmen, KMU, Hochschulen und Forschungsinstituten vorangetrieben werden.

Die Projektförderung im Bereich niedriger Technologiereifegrade speist sich aus Forschungsprogrammen verschiedener Ressorts auf Ebene der Länder und des Bundes. Hinzu kommen Fördermittel aus Querschnittsprogrammen und Fachprogrammen, wie die Materialforschung, die einen erhöhten Bezug zur Luftfahrt haben (siehe auch III 1.1. Digitalisierung, Schlüsseltechnologien).

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Maritime Technologien

Die Bundesregierung unterstützt die Erweiterung des Wissens- und Erfahrungspotenzials der deutschen meerestechnischen Industrie und Wissenschaft. Im Fokus steht der Ausbau Deutschlands zu einem schiffs- und meerestechnischen Hightech-Standort. Dazu gehören Lösungsbeiträge der maritimen Branche zu den drängenden internationalen Herausforderungen in den Bereichen Rohstoff- und Energieversorgung, Klima- und Umweltschutz, Sicherheit und Erfüllung der Transportaufgaben.

Damit die deutschen Häfen ihren Funktionen als Drehscheiben des nationalen und internationalen Warenaustauschs und als Güterverteilzentren weiterhin gerecht werden können, sollen sie bei der Erforschung und Entwicklung innovativer Hafentechnologien sowie bei den Umschlagverfahren und dem Weitertransport unterstützt werden. Nach den Förderprogrammen ISETEC I und ISETEC II wird die Bundesregierung 2016 ein neues Förderprogramm für innovative Hafentechnologien auflegen. Übergeordnetes Ziel des Förderprogramms ist es u. a., den Güterumschlag in den Häfen zu beschleunigen und die Zu- und Ablaufverkehre zu optimieren. Die Bundesregierung fördert Forschungs- und Entwicklungsvorhaben in den Bereichen Schiffbau, Schifffahrt und Meerestechnik mit dem Programm Maritime Technologien der nächsten Generation. Es unterstützt deutsche Unternehmen bei Entwicklung und Einsatz maritimer Hightech-Produkte, um deren Wettbewerbsfähigkeit auf dem Weltmarkt zu verbessern und Arbeitsplätze zu sichern. Das Forschungsprogramm besteht aus den vier Technologiesäulen Schiffstechnik, Produktion maritimer Systeme, Schifffahrt und Meerestechnik. Ferner fördert die Bundesregierung marktnahe Innovationen im Schiffbau über das Programm Innovativer Schiffbau sichert wettbewerbsfähige Arbeitsplätze.

Die meerestechnische Industrie steht in den nächsten Jahren vor neuen Herausforderungen. Die Erschließung von Energieressourcen auf und im Meer wie Öl, Gas und Offshore-Windenergie, Wellenenergienutzung, die Gezeitennutzung oder Osmose sowie die Verfügbarmachung mariner mineralischer Rohstoffe wie Manganknollen und Massivsulfide werden zunehmend an Bedeutung gewinnen. Auch in der Forschungsförderung der erneuerbaren Energien werden anwendungsnahe Themen und Schwerpunkte der maritimen Technologien, wie für die Offshore-Windenergie und die Meeresenergien, berücksichtigt (siehe auch III 1.2 Nachhaltigkeit, Klima, Energie).

Im Bereich des Tiefseebergbaus werden Deutschland und Frankreich künftig eng zusammenarbeiten. So unterzeichneten Vertreter der deutschen und französischen Regierung sowie der Wirtschaft zwei „Declarations of Intent". Vereinbart wurde eine stärkere Kooperation zwischen den Ländern; zugleich verpflichteten sich beide Seiten zu höchsten Umweltstandards und größter Transparenz.

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Raumfahrt

Die Raumfahrt besitzt eine hohe strategische Bedeutung für den Wissenschafts- und Technologiestandort Deutschland. Die Raumfahrtstrategie der Bundesregierung aus dem Jahr 2010 bildet die Grundlage für die deutschen Aktivitäten in der Raumfahrt. Die Raumfahrtstrategie setzt die Leitlinien, sich klar nach Nutzen und Bedarf auszurichten, sich am Prinzip der Nachhaltigkeit zu orientieren und dabei eine intensive europäische und internationale Zusammenarbeit anzustreben. Die deutschen Raumfahrtaktivitäten sollen den gesellschaftlichen Nutzen der Raumfahrt mehren, die Effizienz in der Raumfahrt weiter steigern sowie die Kommerzialisierung der Raumfahrt und der Raumfahrttechnologie ausbauen.

Das BMWi fördert die deutschen Raumfahrtaktivitäten auf nationaler und europäischer Ebene. Die Raumfahrtstrategie wird durch das Nationale Programm für Weltraum und Innovation, durch die deutsche Beteiligung an der Europäischen Weltraumorganisation ESA und durch die Raumfahrtforschung und -technologie des DLR umgesetzt. Das DLR verantwortet mit seinem Geschäftsbereich DLR-Raumfahrtmanagement aufgrund der Aufträge der mit Raumfahrt befassten Ressorts unter der Federführung des BMWi die Erstellung der von der Bundesregierung zu verabschiedenden integrierten deutschen Raumfahrtplanung sowie die Durchführung der deutschen Raumfahrtprogramme und -aktivitäten.

Andere Bundesministerien, z. B. das BMVI mit dem europäischen Satellitennavigationssystem Galileo, dem europäischen Erdbeobachtungsprogramm Copernicus und mit EUMETSAT, der Europäischen Organisation zur Nutzung von meteorologischen Satelliten, und das BMVg, sind federführend an anwendungsbezogenen Weltraumprojekten beteiligt. Die Raumfahrtaktivitäten des BMVI zielen u. a. auf die Verbesserung des Umwelt-, Arten-, Klima- und Katastrophenschutzes und die Förderung des nachhaltigen Ressourcenmanagements und genauere Wettervorhersagen ab. Die Ergebnisse unterstützen auch andere Bundesministerien bei der Aufgabenwahrnehmung, beispielsweise die Geschäftsbereiche des BMUB, des BMEL und des BMI. Entwicklungen werden mit diesen Geschäftsbereichen abgestimmt.

In der Maßnahme Erdbeobachtungsbasierte Methoden zur Unterstützung internationaler Initiativen und Konventionen fördert das BMWi seit 2015 die Entwicklung und Erprobung neuartiger Materialien und Technologien im Forschungsfeld der Satellitenkommunikation, die für die optische Kommunikation zwischen Satelliten Verwendung finden können.

Um die großen Potenziale der Raumfahrttechnologien zu erschließen, existiert seit 2013 die Initiative INNOspace zur Förderung von Innovationen, Transfers und neuen Märkten. Die Initiative des DLR umfasst verschiedene Maßnahmen und Instrumente. So fördern branchenübergreifende Fachtagungen Kooperationen und gemeinsame Entwicklungen zwischen Raumfahrt und anderen Wirtschaftszweigen. Experten- und Anwender-Workshops dienen der Erschließung neuer Märkte. In der mobilen Ausstellung INNOspaceEXPO wird das Innovations- und Transferpotenzial von Raumfahrt und Weltraumforschung in den Fokus der öffentlichen Wahrnehmung gerückt (siehe auch Infobox ALL.TÄGLICH). Darüber hinaus werden Innovations- und Transferprojekte aus Mitteln des Nationalen Programms für Weltraum und Innovation gefördert. Die Aktivitäten der Initiative INNOspace erfolgen in enger Abstimmung mit dem BMWi sowie mit verschiedenen Bundesländern.

ALL.TÄGLICH!

Mit der Ausstellung INNOspaceEXPO „ALL.TÄGLICH!" präsentiert das DLR Raumfahrtmanagement im Auftrag des BMWi den Beitrag der Raumfahrt für Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt. Vielen Menschen ist nicht oder noch zu wenig bewusst, dass Technologien, die sie annähernd jeden Tag wie selbstverständlich nutzen und die ihnen helfen, besser zu lernen, zu arbeiten oder mobil zu sein, aus der Raumfahrt stammen. Dass also Raumfahrt ein unverzichtbarer technischer und gesellschaftlicher Innovationsmotor ist, der einen beträchtlichen Anteil an der weltweit steigenden Lebensqualität hat. Die mobile Ausstellung präsentiert über 40 exemplarische Innovationen, Technologien und Anwendungen aus den Themenfeldern Wohnen und Arbeiten, Gesundheit und Ernährung, Reisen und Freizeit, Mobilität und Kommunikation sowie Wissen und Bildung. Raumfahrtforschung trifft den Nerv der Zeit, denn jedes einzelne Exponat zeigt, wie sehr Entwicklungen aus der Raumfahrt Lösungen für die sogenannten Megatrends ermöglichen. Der Öffentlichkeit und speziell auch dem jungen Publikum wird deutlich, dass Forschung für die Raumfahrt und Forschung im Weltraum auch unmittelbar für das Leben auf der Erde vielfältige neue Perspektiven eröffnen und unser Leben beeinflussen. Nach der feierlichen Eröffnung durch das BMWi im August 2015 war die Ausstellung „ALL.TÄGLICH!" im Deutschen Technikmuseum in Berlin zu sehen. Weitere Stationen sind u. a. Stuttgart, Bremen und München. Insgesamt ist eine Dauer der Wanderausstellung von drei Jahren vorgesehen.

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