Rheinland-Pfalz

Das Wissenschaftssystem in Rheinland-Pfalz

Die vier staatlichen Universitäten und sieben Hochschulen des Landes präsentieren ein jeweils individuelles sowie in seiner Gesamtheit vielfältiges und weite Gebiete umfassendes Spektrum in der Forschung. Sie setzen unterschiedliche Schwerpunkte in den Naturwissenschaften, der Medizin, den Geistes- und Gesellschaftswissenschaften sowie in den Ingenieurwissenschaften.

Jede Universität und jede Hochschule hat dabei ein auf die eigenen Stärken ausgerichtetes Forschungsprofil. Den Forschungsprofilen gemeinsam ist die Bedeutung der interdisziplinären Forschung sowie der Kooperationen mit anderen Hochschulen, mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen und der Wirtschaft.

Die Förderung und Einbindung des wissenschaftlichen Nachwuchses sind Kernelemente der wissenschaftlichen Zukunftssicherung der Universitäten und Hochschulen in Rheinland-Pfalz.

Hochschulen

Die Johannes Gutenberg-Universität Mainz hat ein breites und international sichtbares Forschungsspektrum. Als Forschungsuniversität liegen ihre Schwerpunkte z. B. in der Materialforschung, der Kern- und Teilchenphysik, den Neurowissenschaften, der Onkologie und Immunologie, den interkulturellen Studien sowie den Medien- und Politikwissenschaften.

Die Technische Universität Kaiserslautern hat durch ihre profilbildenden Forschungszentren und -schwerpunkte ein gut entwickeltes und klar identifizierbares wissenschaftliches Profil mit Schwerpunkten in den Bereichen Natur-/Materialwissenschaften und Mathematische Modellierung/Simulation sowie in den Bereichen Ressourceneffizienz und Nutzfahrzeugtechnologie.

Die Schwerpunkte der vorwiegend geisteswissenschaftlich ausgerichteten Universität Trier liegen bei den Themen Europa, Geisteswissenschaften von der Antike bis zur Gegenwart, Umwelt, Information und Kommunikation sowie Psychobiologie.

Die Forschungsschwerpunkte der Universität Koblenz-Landau konzentrieren sich auf die Themen Bildung, Umwelt, Informatik, Kommunikation, Medien und Politik sowie Kulturwissenschaften.

Die Forschungsschwerpunkte der Fachhochschule Bingen liegen in den Themen Energie, Mobilität, Informationstechnik sowie Agrar und Umwelt.

An der Hochschule Kaiserslautern zählen die Integrierten Miniaturisierten Systeme, Zuverlässige Softwareintensive Systeme sowie nachhaltige Produkte und Dienstleistungen zu den profilbildenden Forschungsbereichen.

Die Forschung an der Hochschule Koblenz konzentriert sich u. a. in den Forschungsschwerpunkten Analytische Bildgebung und Gesellschaftswissenschaften.

Die Hochschule Ludwigshafen entwickelt ihr Forschungsprofil in der Employability-Forschung, der Forschung zu nachhaltiger Unternehmensentwicklung sowie zu Neuroökonomie und Konsumverhalten weiter.

Forschungsschwerpunkte der Hochschule Mainz sind Informationstechnik und Kommunikation sowie Material und Werkstoffe in Bauwesen, Architektur und Design.

Das Forschungsprofil der Hochschule Trier ist geprägt von Forschungsfragen zur nachhaltigen Entwicklung und zu unterschiedlichen Perspektiven des Stoffstrommanagements, der Energie- und Umwelttechnik, der Informationstechnik, der Ingenieurwissenschaften sowie der Medizintechnik.

Die Hochschule Worms widmet sich mit ihren Fachbereichen Wirtschaftswissenschaften, Touristik und Verkehrswesen sowie Informatik der Dienstleistungsforschung.

Außeruniversitäre Forschungseinrichtungen

Das Helmholtz-Institut Mainz forscht auf dem Gebiet der Struktur, Symmetrie und Stabilität von Materie und Antimaterie. Hier kooperieren Institute der Universität Mainz eng mit der GSI in Darmstadt. Das Fraunhofer-Institut für Techno- und Wirtschaftsmathematik in Kaiserslautern entwickelt mathematische Methoden und Modelle zur praxisorientierten Lösung komplexer Probleme in Technik, Logistik, Kommunikation und Finanzwesen. Das Fraunhofer-Institut für Experimentelles Software-Engineering in Kaiserslautern forscht an innovativen Methoden und Prozessen für komplexe, industrielle Software- und Systementwicklung. Die in Kaiserslautern angesiedelte Fraunhofer-Abteilung Materialcharakterisierung und -prüfung des Fraunhofer-Instituts für Physikalische Messtechnik in Freiburg erarbeitet Praxislösungen in der Qualitätsprüfung sowie in der Medizin- und Sicherheitstechnik. Das Fraunhofer-Anwendungszentrum für multimodale und luftgestützte Sensorik der Hochschule Koblenz entwickelt eine fliegende Sensorplattform für Fernerkundung z. B. in der Land- und Forstwirtschaft. Das Mainzer Fraunhofer ICT-IMM hat sich in den mikrofluidischen Systemtechniken, den chemischen Prozess- und Verfahrenstechniken sowie den Mikrostrukturierungstechniken mit einer konsequent kunden- und anwendungsorientierten Ausrichtung national und international einen Ruf als kompetenter Dienstleister für FuE erworben.

Das Max-Planck-Institut (MPI) für Chemie in Mainz befasst sich mit der Entstehung, Entwicklung und Zukunft der Erde. Das Mainzer MPI für Polymerforschung ist mit seiner Fokussierung auf weiche Materie und makromolekulare Materialien weltweit einzigartig. Das MPI für Softwaresysteme (Standorte Kaiserslautern und Saarbrücken) beschäftigt sich mit der Erstellung und Weiterentwicklung komplexer Softwaresysteme und softwareintensiver Anwendungssysteme.

Unter den Einrichtungen der Leibniz-Gemeinschaft befindet sich das Römisch-Germanische Zentralmuseum in Mainz, zugleich Forschungsinstitut und Museum. Hier widmet man sich archäologischen Forschungsfeldern von der frühesten Menschheitsgeschichte bis ins Mittelalter. Das Trierer Zentrum für psychologische Information und Dokumentation befasst sich mit der Dokumentation wichtiger Publikationen und sonstiger Informationen aus dem deutschen Sprachraum, die für das Fach Psychologie und deren Vermittlung auf nationaler und internationaler Ebene von Bedeutung sind. Das in Mainz angesiedelte Institut für Europäische Geschichte widmet sich der Erforschung der geistigen und religiösen Grundlagen Europas mit Blick auf die europäische Identität.

Landesforschungseinrichtungen (Auswahl)

Im Mainzer Institut für translationale Onkologie GmbH werden die Anwendungsmöglichkeiten der personalisierten Medizin und translationalen Onkologie erforscht sowie vorhandene Kenntnisse auf diesem Gebiet an Unternehmen und Forschungseinrichtungen vermittelt bzw. in Netzwerke und Cluster eingebracht.

Das Institut für Verbundwerkstoffe GmbH erforscht und entwickelt technische Anwendungen und Anwendungsmöglichkeiten von Verbundwerkstoffen. Schwerpunkte sind u. a. die Bauteildimensionierung, Werkstoffmodellierung, Lebensdaueranalyse, Materialprüfung, Prozess-Struktur-Eigenschaftsanalyse, Herstellverfahren und Prozesskettenentwicklung.

Das Forschungsinstitut für anorganische Werkstoffe – Glas/Keramik – GmbH in Höhr-Grenzhausen betreibt praxisnahe, angewandte FuE, die der Rohstoffwirtschaft und der keramischen Industrie zugutekommen. Das akkreditierte Prüflabor (DIN EN ISO 17025) für Untersuchungen keramischer Roh- und Werkstoffe rundet das Bild ab.

Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses

Hervorragende Nachwuchskräfte sind Voraussetzung für die hohe Wettbewerbsfähigkeit des Innovationsstandortes Rheinland-Pfalz. Das Land ergreift zahlreiche Maßnahmen, um Studierende bestmöglich auszubilden, sie nach dem Abschluss als qualifizierte Fachkräfte zu halten und Talente ins Land zu holen. Die Attraktivität des Standortes wird durch eine enge Vernetzung von Hochschulen und außeruniversitären Einrichtungen sowie von Wissenschaft und Wirtschaft gestärkt. Eine der Maßnahmen ist die besondere Förderung von Promotionsvorhaben in enger Kooperation von Hochschulen mit Unternehmen (InnoProm).

Die Implementierung von Graduierteneinrichtungen zur Ausbildung von Promovierenden liegt seit 2008 in der Autonomie der Universitäten. In den profilbildenden Schwerpunkten haben die Hochschulen durch die Forschungsinitiative zudem spezifische Fördermaßnahmen für den wissenschaftlichen Nachwuchs ergriffen. Die Universität Mainz und die Max-Planck-Institute für Chemie und Polymerforschung in Mainz setzen mit dem Max Planck Graduate Center (MPGC) gemeinsam die erfolgreiche und innovative Ausbildung von Promovierenden fort und werden dabei von MPG und Land mit je 1,0 Mio. Euro pro Jahr gefördert.

Ein Schwerpunkt liegt auf der Förderung von Nachwuchswissenschaftlerinnen. Das Land stellt z. B. Wiedereinstiegsstipendien zur Verfügung, damit Frauen nach einer Familienphase oder qualifizierten Berufstätigkeit ihre Arbeiten oder Promotionen abschließen können bzw. sich für eine Professur qualifizieren.

Das Land setzt auf eine frühe Selbstständigkeit für Nachwuchskräfte und besser planbare Karriereperspektiven. Dazu hat sich das Land mit den Universitäten darauf verständigt, dass mittelfristig jede zweite Juniorprofessur über einen Tenure Track verfügen soll. Die Universitäten haben 50 Professuren erhalten, auch um Tenure-Track-Konzepte umzusetzen.

Kartographische Darstellung der Hochschulen und Forschungseinrichtungen von Rheinland-Pfalz

Datenbasis: Hochschulen – Hochschulrektorenkonferenz, Stand 01/2016; Außeruniversitäre Forschungseinrichtungen sowie Bundes- und Landeseinrichtungen mit FuE-Aufgaben – Bundesbericht Forschung und Innovation 2016, EB II, Eigenangaben der Einrichtungen. © EuroGeographics bezüglich der Verwaltungsgrenzen. Standortkoordinaten: Geoinformationen © Vermessungsverwaltungen der Bundesländer und infas GEOdaten. © BMBF, Kartographische Darstellung: RISO, DLR Projektträger 2016.