Schleswig-Holstein

Das Wissenschaftssystem in Schleswig-Holstein

Das Land Schleswig-Holstein unterhält neun staatliche Hochschulen und ist Sitzland von zehn außeruniversitären Forschungseinrichtungen. Insgesamt sind rund 55.000 Studentinnen und Studenten an den Hochschulen des Landes eingeschrieben. Ergänzt wird das Angebot durch zwei private Fachhochschulen, eine private Berufsakademie und die Fachhochschule für Verwaltung und Dienstleistung.

Die vier Forschungsschwerpunkte der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) sind: Kiel Marine Science, Kiel Nano Science, Kiel Life Science sowie Societal, Environmental and Cultural Change. Dieses Profil wird unterstützt durch die Exzellenzcluster in den Bereichen Meeresforschung (Future Ocean) und Entzündungsforschung (Inflammation at Interfaces) sowie die kulturwissenschaftlich ausgerichtete Graduiertenschule Human Development in Landscapes. Diese wurden im Rahmen der Exzellenzinitiative zusammen mit weiteren schleswig-holsteinischen Forschungspartnern erfolgreich eingeworben.

Die Forschung an der Universität zu Lübeck konzentriert sich vorrangig auf die Bereiche Medizin, Informatik und Biowissenschaften. Über die interdisziplinäre, hochschulinterne Zusammenarbeit hinaus bestehen lebendige Forschungskooperationen, beispielsweise mit dem Leibniz-Forschungszentrum Borstel, der Fraunhofer-Einrichtung für Marine Biotechnologie, dem Universitätsklinikum Schleswig-Holstein und der Fachhochschule Lübeck.

Mit der Universitätsklinik Schleswig-Holstein betreiben die Universitäten in Kiel und Lübeck gemeinsame Forschung. Schwerpunkte sind dabei die Themen Entzündung und Infektion, Gehirn, Hormone und Verhalten, Neurowissenschaften, Onkologie sowie Biomedizintechnik.

Die Forschung an der Europa-Universität Flensburg konzentriert sich auf die Schwerpunkte Bildungswissenschaften und Wirtschaftswissenschaften. Dabei stellt die bildungswissenschaftliche Forschung den Hauptschwerpunkt der Hochschule dar, die sich überwiegend der Lehrerinnen- und Lehrerbildung widmet.

Die vier Fachhochschulen des Landes sind in der anwendungsnahen Forschung, vielfach in Kooperation mit Wirtschaftsunternehmen des Landes, engagiert. An der Fachhochschule Flensburg handelt es sich schwerpunktmäßig um die Biotechnologie und Verfahrenstechnik, Energie und maritime Technologien.

Die Fachhochschule Kiel widmet sich folgenden Schwerpunkten: Herausforderungen und Chancen des demografischen Wandels, Wandel zu einer der Nachhaltigkeit verpflichteten Gesellschaft, Mechatronik und Leistungselektronik, Wissenschaftskommunikation sowie Meeres- und Offshore-Technik.

Die Kompetenzfelder der Fachhochschule Lübeck sind u. a. Biomedizintechnik, industrielle Biotechnologie, Gesundheitswirtschaft, Food Processing, Kommunikationssysteme/verteilte Systeme und ihre Anwendung, intelligente Energie, Kunststofftechnik, Logistik und Produktion.

An der Fachhochschule Westküste in Heide liegt der Fokus auf ausgewählten Forschungsprojekten u. a. in elektronischen Systemen, Tourismus- und Marktforschung, Regionalentwicklung und industrieller Bildverarbeitung.

Die außeruniversitäre Forschung sorgt für die fokussierte Entwicklung von Stärken in der schleswig-holsteinischen Forschungslandschaft, insbesondere in den Bereichen Meeres- und Küstenforschung, Life Sciences, Materialforschung, Evolutionsbiologie, Wirtschaftswissenschaften, Bildungsforschung, Archäologie, Mikroelektronik und Marine Biotechnologie. Alle großen deutschen Forschungsorganisationen haben damit Standorte in Schleswig-Holstein:

Die Helmholtz-Gemeinschaft ist mit zwei Großforschungseinrichtungen und zwei weiteren Standorten im Land vertreten. Das Helmholtz-Zentrum Geesthacht – Zentrum für Material- und Küstenforschung entwickelt Materialien und Verfahren für Leichtbau, Energie, Umweltschutz, medizinische Anwendungen (Biomaterialien) und analysiert die vielfältigen Prozesse und Wechselwirkungen an der Küste. Es ist zudem beteiligt an dem Hamburger Klima-Exzellenzcluster Integrated Climate System Analysis and Prediction.

Das GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel untersucht die chemischen, physikalischen, biologischen und geologischen Prozesse im Ozean und ihre Wechselwirkung mit dem Meeresboden und der Atmosphäre. Dieses wird in vier Schwerpunktthemen zusammengefasst: die Rolle des Ozeans im Klimawandel, menschlicher Einfluss auf marine Ökosysteme, marine Ressourcen sowie Plattentektonik und marine Naturgefahren.

Das Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung, unterhält zwei Außenstellen auf den Inseln Helgoland und Sylt mit meeresbiologischem Schwerpunkt zur Erforschung der ökologischen Wechselbeziehungen im Meer und im Küstenbereich.

Der Max-Planck-Gesellschaft zugeordnet ist das Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie in Plön. Es widmet sich grundsätzlichen evolutionsbiologischen Prozessen wie etwa ökologischen Anpassungen, Entstehung der Sexualität oder Evolution von Kooperativität.

Der Leibniz-Gemeinschaft gehören vier Institute an. Das Forschungszentrum Borstel, Leibniz-Zentrum für Medizin und Biowissenschaften, betreibt grundlagen-, krankheits- und patientenorientierten Forschung auf dem Gebiet der Pneumologie mit den Schwerpunkten Infektiologie, Allergologie, Tumorbiologie und chronische Entzündungen.

Das Institut für Weltwirtschaft Kiel ist eines der großen deutschen Zentren weltwirtschaftlicher Forschung. Mit dem Global Economic Symposium hat es außerdem eine wichtige Einrichtung zur Beratung von Gesellschaft und Politik etabliert. Die Deutsche Zentralbibliothek für Wirtschaftswissenschaften ist die weltweit größte Spezialbibliothek ihres Fachgebiets mit Sitz in Kiel und Hamburg.

Das Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik in Kiel betreibt grundlegende und anwendungsorientierte Forschung zu Fragen des mathematisch-naturwissenschaftlichen Lehrens und Lernens innerhalb sowie außerhalb von Schulen.

Das Fraunhofer-Institut für Siliziumtechnologie in Itzehoe hat den Schwerpunkt in der Entwicklung und Fertigung von Bauelementen der Mikroelektronik, von Mikrosensoren, Mikroaktuatoren und weiteren Komponenten der Mikrosystemtechnik sowie der Leistungselektronik.

Die Fraunhofer-Einrichtung für Marine Biotechnologie in Lübeck forscht und entwickelt in den Geschäftsbereichen Stammzelltechnologie, medizinisch-zelluläre Technologien und aquatische Technologien.

Mit dem Zentrum für Baltische und Skandinavische Archäologie in Schleswig hat das Land eine weitere außeruniversitäre Forschungseinrichtung auf dem Gebiet der Geisteswissenschaften erfolgreich etabliert, die vor allem im Ostseeraum intensive Kooperationen unterhält.

In Hamburg und Schleswig-Holstein entsteht mit dem European XFEL derzeit eines der größten Forschungsinfrastrukturvorhaben in der EU. Die Röntgen-Laser-Anlage wird neue Möglichkeiten z. B. für die Entwicklung von Werkstoffen, Medikamenten oder chemischer Prozesse in Produktionsverfahren eröffnen.

Schleswig-Holstein beteiligt sich zudem am Centre for Structural Systems Biology (CSSB) auf dem Campus des DESY in Hamburg, das die norddeutschen Stärken in der Infektionsforschung bündelt.

Kartographische Darstellung der Hochschulen und Forschungseinrichtungen Schleswig-Holsteins

Datenbasis: Hochschulen – Hochschulrektorenkonferenz, Stand 01/2016; Außeruniversitäre Forschungseinrichtungen sowie Bundes- und Landeseinrichtungen mit FuE-Aufgaben – Bundesbericht Forschung und Innovation 2016, EB II, Eigenangaben der Einrichtungen. © EuroGeographics bezüglich der Verwaltungsgrenzen. Standortkoordinaten: Geoinformationen © Vermessungsverwaltungen der Bundesländer und infas GEOdaten. © BMBF, Kartographische Darstellung: RISO, DLR Projektträger 2016.

Forschungs- und Technologieförderung

Folgende Forschungs- und Technologiefelder weisen in Schleswig-Holstein eine besonders dynamische Entwicklung auf: Life Sciences und Medizintechnik, Meeresforschung und -technologie sowie Materialwissenschaften und Nanotechnologie. Gemeinsam mit dem Bund werden derzeit die Exzellenzcluster Future Ocean und Inflammation at Interfaces gefördert. Hinzu kommt die Unterstützung der Graduiertenschule Human Development in Landscapes, ebenfalls über die Exzellenzinitiative.

Zur Forschungsförderung im Schwerpunkt Life Sciences gehört auch die Beteiligung Schleswig-Holsteins an drei Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung. Diese konzentrieren sich auf die Forschung in den Themenbereichen Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK), Infektion (DZIF) und Lungenforschung (DZL). Auf Hochschulseite sind die Universitäten in Kiel (DZHK, DZL) und Lübeck (alle drei Themenbereiche) eingebunden.

Zudem ist ein Studienzentrum der NAKO Gesundheitsstudie (Nationale Kohorte) in Kiel angesiedelt. Am neu eingerichteten Untersuchungszentrum auf dem Campus des Universitätsklinikums werden in den kommenden Jahren 10.000 Probandinnen und Probanden umfassend medizinisch untersucht und nach ihren Lebensgewohnheiten befragt.

Über das Landesprogramm Wirtschaft wird das Innovationspotenzial des Landes mit EFRE- und Landesmitteln gezielt erweitert. Die Förderung der Zusammenarbeit von Wissenschaft und Wirtschaft ist dabei ein wesentliches Element der Prioritätsachse eins Stärkung der regionalen Innovationspotenziale.

Sie richtet sich an folgenden spezifischen Zielen aus:

  • Stärkung der öffentlichen anwendungsnahen Forschungs- und Innovationskapazitäten (FuI) mit Bezug zu den schleswig-holsteinischen Kompetenzfeldern unter Ausrichtung auf die Bedarfe der regionalen Wirtschaft
  • Steigerung der Innovationskapazitäten und -fähigkeiten der schleswig-holsteinischen Unternehmen

Dafür vorgesehene Maßnahmen sind: Ausbau der FuI-Infrastruktur, Kompetenzzentren, Verbund- und Kooperationsprojekte, betriebliche Innovationen, Innovationsassistenten sowie Transfer-, Cluster- und Netzwerkstrukturen.

weiterlesen

Cluster- und Netzwerkförderung

Durch die Beteiligung an der Exzellenzinitiative sowie den koordinierten Förderprogrammen der Deutschen Forschungsgemeinschaft sind die schleswig-holsteinischen Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen in zahlreichen Verbünden vertreten.

Darüber hinaus wird die Bildung von Netzwerken, die dem Wissensaustausch sowie der Kooperationsanbahnung von Wissenschaft und Wirtschaft dienen, vom Land gefördert. Das Maritime Cluster Norddeutschland mit über 250 Mitgliedern hat seinen zentralen Standort in Kiel und sorgt u. a. für die gezielte Unterstützung von Innovationen im maritimen Bereich.

Für den Bereich der Life Sciences arbeitet als Clustermanager die Life Science Nord Management GmbH für Hamburg und Schleswig-Holstein, vormals NORGENTA. Neben klassischen Clusterservices für Unternehmen, Forschungseinrichtungen etc. vermarktet die LSN Management GmbH den Standort im nationalen und internationalen Umfeld. Zudem unterstützt sie beim Einwerben von Drittmitteln, baut länderübergreifende sowie länderspezifische Innovationsnetzwerke auf und initiiert innovative Life-Science-Projekte.

Das Clustermanagement Digitale Wirtschaft Schleswig-Holstein ist für den Sektor der Informations- und Kommunikationstechnologie im Lande tätig. Für die Logistikbranche ist die landesweite Logistikinitiative Schleswig-Holstein aktiv. Ausgehend von der Region Lübeck ist foodRegio – das Branchennetzwerk Ernährungswirtschaft in Norddeutschland – gegründet worden. Die rund 50 Unternehmen und Einrichtungen aus dem Bereich der Ernährungswirtschaft engagieren sich in themenspezifischen Arbeitskreisen von der Ausbildung bis zur Zertifizierung.

weiterlesen

Technologietransfer und Gründungsförderung

Der Wissens- und Technologietransfer gehört zu den zentralen Aufgaben der Hochschulen des Landes Schleswig-Holstein, die im Hochschulgesetz festgelegt sind. Auch in der aktuellen Zielvereinbarung der Landesregierung mit den Hochschulen spielt der Wissens- und Technologietransfer eine wichtige Rolle. So wird beispielsweise an der Stiftungsuniversität zu Lübeck die Anzahl von Ausgründungen als eine Kennzahl für die Leistungsmessung der Hochschule herangezogen.

Die Hochschulen haben in den letzten Jahren verstärkt strategische Instrumente eingeführt und Transferstrukturen aufgebaut, um das Thema Entrepreneurship in der Hochschule zu verankern, potenzielle Existenzgründerinnen und -gründer zu beraten und in der Gründungsphase zu begleiten. Beispielhaft für diese Instrumente seien genannt: die Professur für Gründungs- und Innovationsmanagement sowie das Zentrum für Entrepreneurship an der Universität zu Kiel, das Projekt Gründercube im Rahmen des Bundesprogramms EXIST an der Stiftungsuniversität zu Lübeck, das Institut für Entrepreneurship und Business Development an der Fachhochschule Lübeck und das Dr. Werner Jackstädt-Zentrum der Europa-Universität und der Fachhochschule Flensburg.

Den Erfolg der Hochschulen in Schleswig-Holstein dokumentiert der „Ländercheck Wissenschaft" des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft. Dabei wird anhand von 15 Indikatoren untersucht, wie gut die Hochschulen in den Bundesländern Gründungsförderung betreiben. Im Ländercheck 2014 befindet sich Schleswig-Holstein in der Spitzengruppe in den Themenfeldern Gründungsverankerung sowie Gründungsberatung und Ausgründungen.

Schleswig-Holstein verzeichnet die meisten Ausgründungen gemessen an der Zahl der Studierenden. Auf 1.000 Studierende kommen etwa acht Gründungen, sechs mehr als im Durchschnitt.

Das Engagement der Hochschulen bei Gründungsaktivitäten wird vom Land unterstützt, u. a. mit der Bereitstellung eines Gründerstipendiums für Hochschulabsolventinnen und -absolventen.

Mit dem Seed- und Start-up-Fonds, der als institutionenübergreifende Innovationsunterstützung mithilfe der Landesregierung errichtet wurde, haben das Land und die Förderinstitute wie die Investitionsbank (IB.SH), Mittelständische Beteiligungsgesellschaft (MBG) und Bürgschaftsbank einen Beteiligungsfonds in einer Risikopartnerschaft etabliert. Ziel des Fonds ist es, die Neugründung und Entwicklung innovativer KMU, aber auch Ausgründungen aus Hochschulen und Forschungseinrichtungen durch stille Beteiligungen zu fördern.

Das Netzwerk des Technologietransfersystems in Schleswig-Holstein umfasst neben der Wirtschaftsförderung und der Technologietransfer Schleswig-Holstein GmbH (WTSH) auch 16 öffentlich geförderte Technologie- und Gründerzentren, die Beauftragten für den Technologietransfer an den Hochschulen sowie Finanzierungsinstitute (wie MBG und IB.SH).

weiterlesen

Internationale Zusammenarbeit (einschließlich EU)

Die schleswig-holsteinischen Hochschulen und Forschungseinrichtungen sind in vielfältige internationale Kooperationsbeziehungen eingebunden und partizipieren an den Forschungsförderprogrammen der EU, etwa im Rahmen von Horizont 2020. Regelmäßig beteiligen sich die Universitäten und Fachhochschulen des Landes an grenzüberschreitenden INTERREG-Projekten.

Ebenso arbeiten die Landesbehörden und Technologietransfereinrichtungen in den EU-Projekten zur Regionalkooperation und zur Technologieförderung mit Partnern aus anderen EU-Staaten zusammen. Die Zusammenarbeit im Ostseeraum (insbesondere mit Dänemark) nimmt den höchsten Stellenwert ein. Die Landesregierung hat ein Konzept entwickelt, um die deutsch-dänische Zusammenarbeit zu intensivieren.

Der wissenschaftspolitischen Zusammenarbeit im Ostseeraum widmet sich das Projekt Baltic Science Network unter der Federführung von Hamburg. Das schleswig-holsteinische Wissenschaftsministerium gehört zu den 20 internationalen Partnern aus allen Ostseestaaten, die sich für einen intensiveren Austausch und die gemeinsame Darstellung als Wissenschaftsregion einsetzen. Zur Umsetzung startet im Frühjahr 2016 ein gleichnamiges INTERREG-Projekt.

Eine hohe Entwicklungsdynamik erfahren groß angelegte und langfristige Kooperationen mit der Volksrepublik China. Die Fachhochschulen Lübeck und Westküste haben mit der Zhejiang University of Science and Technology (ZUST) ein gemeinsames Institut zum Export von zwei Bachelorstudiengängen gegründet. Die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und das GEOMAR bauen die meereswissenschaftliche Zusammenarbeit in Lehre und Forschung sowohl mit der Zhejiang-Universität in Hangzhou als auch mit der Ocean University of China in Qingdao aus.

weiterlesen