Sicherheit

In den letzten Jahrzehnten haben sich die globale Sicherheitsarchitektur und die Sicherheitsrisiken in der Gesellschaft grundlegend geändert. Direkte und indirekte Bedrohungen wie zum Beispiel Terrorismus, organisiertes Verbrechen oder Cyber-Kriminalität sowie Rohstoff- und Energieverknappung, Klimawandel und damit einhergehende Naturkatastrophen stellen neue Anforderungen an die innere Sicherheit und Verteidigung. Ziel der Bundesregierung ist es, zum Schutz eines freiheitlichen Lebensstils beizutragen.

Die zivile Sicherheitsforschung erkundet innovative Lösungen für den Schutz kritischer Infrastrukturen, für ein modernes Einsatz- und Krisenmanagement und für den Schutz vor Kriminalität und Terrorismus. Ihr grundlegendes Ziel ist es, die Bürgerinnen und Bürger vor Gefahren zu schützen, ihre Sicherheit und damit ihre Lebensqualität zu erhöhen. Dabei sind ethische, rechtliche und psychologische Fragen von Anfang an mit auszuloten. Die Bundesregierung fördert mit dem Rahmenprogramm Forschung für die zivile Sicherheit (2012–2017) die Entwicklung umfassender Sicherheitslösungen anhand von konkreten Szenarien, die Erforschung von aktuellen Querschnittsthemen und die Entwicklung transnationaler Lösungsansätze in internationalen Kooperationen.

Besonders Sicherheitsfragen im Zusammenhang mit der digitalen Welt haben stark an Relevanz gewonnen. Sie werden von der Bundesregierung im Rahmen der Digitalen Agenda 20142017 thematisiert und durch das Forschungsrahmenprogramm Selbstbestimmt und sicher in der digitalen Welt 2015–2020 konkretisiert.

Der Schutz Deutschlands erfordert auch künftig von deutschen Streitkräften neben den klassischen Aufgaben zur Landesverteidigung vorrangig die Fähigkeit zum Einsatz im multinationalen Verbund jenseits der Bündnisgrenzen zur Konfliktverhütung und Krisenbewältigung – einschließlich des Kampfes gegen den internationalen Terrorismus. Die wehrwissenschaftliche Forschung liefert die wissenschaftlichen und technologischen Grundlagen für die Erfüllung des Auftrags des Verteidigungsressorts.

Forschung für die zivile Sicherheit

Zur wirksamen Sicherung der individuellen Freiheit, der Unversehrtheit aller Bürgerinnen und Bürger sowie von lebenswichtigen staatlichen und wirtschaftlichen
Infrastrukturen kann Forschung neue Wege und Lösungen aufzeigen, Herausforderungen dieser Art zu begegnen. Das aktuelle Rahmenprogramm Forschung für die zivile Sicherheit 2012–2017 der Bundesregierung aus dem Jahr 2012 baut auf der im Jahr 2007 gestarteten ersten Programmphase auf. Als lernendes Programm bildet es den Rahmen für eine längerfristig ausgerichtete flexible Förderpolitik, die auf Basis der Erfahrungen bei der Durchführung und der sich ändernden Herausforderungen weiterentwickelt wird. Seit 2007 hat das BMBF über 450 Mio. Euro Fördermittel zur Verfügung gestellt. Zusätzlich hat die Industrie über 100 Mio. Euro an Eigenmitteln investiert.

Das Rahmenprogramm Forschung für die zivile Sicherheit richtet seine Forschungsförderung auf die globalen Herausforderungen der zivilen Sicherheit. Die Themen des Rahmenprogramms lassen sich in fünf Säulen unterteilen:

  • Schutz und Rettung von Menschen
  • Schutz kritischer Infrastrukturen
  • Schutz vor Kriminalität und Terrorismus
  • Gesellschaft und Wirtschaft
  • Sonstige Querschnittsthemen und -aktivitäten

Das Rahmenprogramm verfolgt einen szenarienorientierten Ansatz. Das heißt, Anforderungen von Anwendern, wie Polizei, Rettungskräften und Infrastrukturbetreibern, werden frühzeitig in die Forschung einbezogen. Realitätsnahe Szenarien bilden die Grundlage dafür, dass Technik-, Natur-, Geistes- und Sozialwissenschaften gemeinsam mit Behörden und Unternehmen an praxisorientierten Lösungen arbeiten und dabei gesellschaftliche Aspekte der Sicherheit berücksichtigen.

Im Fokus der Programmlinie Internationale Kooperation stehen Sicherheitslösungen, die gemeinsame Herausforderungen von Staaten adressieren. Ziel der Zusammenarbeit ist es, auf Basis gemeinsamer Stärken in Forschung und Technologie innovative und auch auf künftige Standards zielende Lösungen für die zivile Sicherheit weltweit zu entwickeln. Bisher bestehen bilaterale Regierungsabkommen mit Frankreich, Indien, Israel, Österreich sowie den USA.

Kleine und mittlere Unternehmen erhalten über die Fördermaßnahme KMU-innovativ: Zivile Sicherheitsforschung gezielten Zugang zur fachspezifischen Förderung des Forschungsrahmenprogramms (siehe auch III 3.1 Innovativer Mittelstand).

Forschung für die zivile Sicherheit ist kein reines Technologieprogramm. Es setzt vielmehr auch auf innovative organisatorische Konzepte und Handlungsstrategien zur Prävention von Schadensereignissen und zur Krisenbewältigung (siehe auch Infobox SiKomFan). Dazu werden alle Akteure der Innovationskette, wie etwa Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben sowie Betreiber von Infrastrukturen, einbezogen. Das BMBF unterstützt die Vernetzung der Akteure in der zivilen Sicherheitsforschung in Deutschland unter anderem durch die interaktive Forschungslandkarte SecurityResearchMap.

SiKomFan: Mehr Sicherheit im Fußball – Verbesserung der Kommunikationsstrukturen und Optimierung des Fandialogs

In der Saison 2014/2015 haben mehr als 21 Mio. Zuschauer die Spiele der beiden Bundesligen und der 3. Liga besucht. Auch wenn die Stimmung meistens gut und friedlich ist, bergen Menschenansammlungen Risiken. Es kann zu gefährlichem Gedränge kommen oder zu Ausschreitungen einiger gewaltbereiter Gruppen. Spieltage sind eine Herausforderung für Polizei, Rettungskräfte und private Sicherheitsdienste.

Ziel des Projekts SiKomFan ist es, die Kommunikation zwischen Fans, Sicherheitskräften, Vereinen sowie der Bevölkerung zu verbessern und damit das Verständnis füreinander zu erhöhen. Dazu untersuchen die Projektpartner nicht nur die Situation innerhalb und außerhalb des Stadions, sondern auch die An- und Abreisewege. Weitere Schwerpunkte liegen auf der Untersuchung der Kommunikation der Sicherheitskräfte untereinander und der unterschiedlichen Ausprägungen der Fankulturen sowie deren Außen- und Eigenwahrnehmung.

Koordiniert wird das mit insgesamt 3,5 Mio. Euro geförderte Vorhaben (Laufzeit: 2013–2016) von der Deutschen Hochschule der Polizei, die mit Partnern aus Forschung und Industrie an Lösungsvorschlägen zur Vermeidung von Konflikten arbeitet. Durch die Kooperation mit Fanvereinen und beispielsweise dem Deutschen Fußball-Bund fließt die Fanperspektive in die Erarbeitung von Maßnahmen zur Erhöhung der Sicherheit ein.

Die Forschungsergebnisse werden die Strategien des Sicherheitspersonals zum richtigen Umgang mit Fans verbessern und dazu beizutragen, besonders konfliktträchtige Situationen an der Schnittstelle zwischen Fans und Sicherheitsakteuren zu vermeiden.

Zur Weiterentwicklung des Bevölkerungsschutzes betreibt das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) für das BMI Ressortforschung. Die wissenschaftlichen und technischen Fragestellungen ergeben sich aus der täglichen Arbeit der Behörden sowie der operativ tätigen Organisationen und sind somit immer anwendungs- und lösungsorientiert. Dabei findet eine enge Abstimmung mit den Ländern statt, und eine Verzahnung mit dem Rahmenprogramm Forschung für die zivile Sicherheit ist durch die Ressortabstimmung gewährleistet.

Derzeit werden Forschungsvorhaben in folgenden Schwerpunkten gefördert:

  • Schutz vor chemischen, biologischen, radioaktiven und nuklearen Gefahren (CBRN)
  • Schutz Kritischer Infrastrukturen (KRITIS)
  • Psychosoziale Notfallversorgung (PSNV)
  • Gesundheitlicher Bevölkerungsschutz und
  • Kulturgutschutz

Daneben werden Projekte gefördert, die sich mit Fragen der Weiterentwicklung des Krisen- und Risikomanagements, der Krisen- und Risikokommunikation, der Ausbildung im Bevölkerungsschutz sowie der Selbsthilfe und des Selbstschutzes beschäftigen. Für die Zivilschutzforschung stehen jährlich etwa 2 Mio. Euro zur Verfügung.

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IT-Sicherheit

Die Bürgerinnen und Bürger in Deutschland sind ebenso wie Wirtschaft und staatliche Einrichtungen als Teil einer zunehmend vernetzten Welt auf das verlässliche Funktionieren der Informations- und Kommunikationstechnik angewiesen. Mit dem Grad der Digitalisierung nehmen jedoch auch die Anforderungen an die Sicherheit, Vertrauenswürdigkeit sowie Zuverlässigkeit digitaler Infrastrukturen und Dienstleistungen zu. IT-Sicherheit ist mittlerweile zu einem zentralen Element für Innovation und Wachstum in Deutschland geworden. Daher hat das BMBF den weiteren Ausbau der Kompetenzen in Forschung und Entwicklung für zukunftssichere vertrauenswürdige IT-Sicherheitslösungen zu einem Schwerpunkt der Förderung gemacht.

Das Forschungsrahmenprogramm der Bundesregierung für IT-Sicherheit Selbstbestimmt und sicher in der digitalen Welt 2015–2020 bündelt erstmals ressortübergreifend die Aktivitäten zur IT-Sicherheitsforschung. Der Schutz der Bürgerinnen und Bürger ist dabei von besonderem Interesse – und dazu gehört auch der Schutz von kritischen Infrastrukturen wie Wasser- und Energieversorgung. Das Programm wurde im März 2015 vom BMBF mit einem Gesamtfördervolumen von rund 180 Mio. Euro und einer Laufzeit bis 2020 vorgelegt. Mit den Forschungsthemen werden wesentliche Querschnittsthemen der Digitalen Agenda 2014–2017 aufgegriffen (siehe auch III 1.1. Digitalisierung, Schlüsseltechnologien). Es konzentriert sich auf die Schwerpunkte Neue Technologien, Sichere und vertrauenswürdige Informations- und Kommunikationssysteme, Anwendungsfelder der IT-Sicherheit sowie Privatheit und Schutz von Daten und stärkt dabei auch internationale Kooperationen (siehe auch Infobox SASER).

Die drei BMBF-geförderten Kompetenzzentren für IT-Sicherheit fokussieren sich thematisch und organisatorisch auf die wichtigsten Herausforderungen auf dem Gebiet der IT-Sicherheit. Sie sind als regionale Schwerpunkte angelegt, die vor Ort die Kompetenzen zu Fragen der IT-Sicherheitsforschung bündeln und dabei interdisziplinär arbeiten. Die seit 2011 bestehenden Kompetenzzentren an den Hochschulstandorten Darmstadt, Karlsruhe und Saarbrücken befassen sich u. a. mit Methoden wie Security by Design, Modellierung und Nachweis von Systemsicherheit, sichere Hardwarekomponenten und Sicherheit der Privatsphäre. Sie erarbeiten wichtige Grundlagen für spätere Anwendungen und greifen aktuelle Forschungsthemen flexibel auf. In Darmstadt besteht seit 2015 das größte europäische Kompetenzzentrum für IT-Sicherheitsforschung in Europa – das Center for Research in Security and Privacy (CRISP). Die Bundesregierung und das Land Hessen haben hierfür die zwei bisherigen Darmstädter Zentren zusammengeführt. Das CRISP wird seinen Forschungsschwerpunkt auf „Security at Large" legen und somit neue Methoden und Lösungsansätze für die IT-Sicherheit und den Schutz der Privatsphäre in großen komplexen und vernetzten Systemen entwickeln. Das BMBF fördert CRISP in den kommenden vier Jahren mit rund 17 Mio. Euro, das Land Hessen wird bis 2018 zusätzlich knapp 9 Mio. Euro investieren. Ebenfalls für vier Jahre werden die Kompetenzzentren CISPA in Saarbrücken mit rund 16 Mio. Euro und KASTEL in Karlsruhe mit rund 8 Mio. Euro gefördert.

Um vernetzte Industrieanlagen effektiver vor Cyberangriffen und Spionage zu schützen, wurde 2015 gemeinsam mit der Wirtschaft ein Nationales Referenzprojekt zur IT-Sicherheit in der Industrie 4.0 ins Leben gerufen. Sieben Forschungseinrichtungen und Universitäten forschen gemeinsam mit 14 Unternehmen der deutschen Industrie daran, Angriffspunkte für Hacker und Spione zu minimieren. Dies geschieht konkret anhand von Anwendungsschwerpunkten und Demonstratoren. Ziel sind neue Methoden, mit denen sichere Prozesse, sichere Daten und sichere Dienste bei sicherer Vernetzung realisiert werden können (siehe auch III 1.1. Digitalisierung, Schlüsseltechnologien).

SASER – Safe and Secure European Routing

Jeden Tag werden weltweit riesige Datenmengen über elektrische und optische Leitungen übertragen. Dabei verlagert sich die Kommunikation zunehmend in das Internet. Selbst normale Telefongespräche werden schon zu 30 % mittels „Voice over IP – VoIP" über das Internet geführt. Die aktuellen Nachrichten über umfassende Internetspionage haben gezeigt, dass diese Gespräche umfassend abgehört werden. Das 2014 initiierte europäische EUREKA-Forschungsprojekt Safe and Secure European Routing (SASER) soll technologische Souveränität zurückgewinnen, und es trägt dazu bei, europäische Netze gegen unbefugten Zugriff, Spionage und Angriffe zu sichern. Um den Datenverkehr im Internet sicherer zu machen, soll das Routing nicht wie bisher elektrisch, sondern weitestgehend mit optischen Technologien realisiert werden und so die sicherheitsanfällige und kostenintensive Umwandlung und Verarbeitung der elektrischen Signale unnötig machen. Zusätzlich wird das Abhören durch die reine Verwendung optischer Übertragungsmedien wie Glasfasern erschwert. Ziel des Projekts SASER ist es, bis 2020 die unsicheren elektronischen IP-Router durch neue integrierte optoelektronische Knoten zu ersetzen. Für das Projekt haben sich 34 Partner in Deutschland und weitere 29 Projektpartner in Frankreich, Finnland, Dänemark und Großbritannien zusammengetan. Führende europäische Systemhersteller, Netzbetreiber, KMU sowie Universitäten und Forschungseinrichtungen forschen gemeinsam für ein sicheres, robustes und zuverlässiges Netz. Das Projektvolumen beträgt 80 Mio. Euro europaweit, davon 59 Mio. Euro in Deutschland, mit maßgeblicher Unterstützung durch das BMBF.

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Wehrwissenschaftliche Forschung

Die deutschen Streitkräfte sind ein integraler Bestandteil der Außen- und Sicherheitspolitik Deutschlands. Die Bundeswehr muss über ein breites und flexibles militärisches Fähigkeitsspektrum verfügen. Das geforderte breite Fähigkeitsspektrum der Bundeswehr verlangt von der wehrwissenschaftlichen Forschung in ihrer Gesamtheit vor allem den Erhalt einer umfassenden Analyse- und Bewertungsfähigkeit über alle wehrwissenschaftlich relevanten Forschungsbereiche sowie das frühzeitige Erkennen und Aufgreifen neuer wehrwissenschaftlicher Entwicklungen und Trends in Forschungsvorhaben zur Vorbereitung ministerieller Entscheidungen.

Die wehrwissenschaftliche Forschung schafft bereits zu einem frühen Zeitpunkt die erforderlichen Grundlagen, um den Bedarf der Bundeswehr an militärischen Fähigkeiten zu decken. Wehrwissenschaftliche Forschung sichert auch die internationale Kooperationsfähigkeit Deutschlands im Verteidigungsbereich durch einen geeigneten Ausbau bi- und multilateraler Forschungskooperationen, insbesondere im europäischen Rahmen der European Defence Agency (EDA) und im transatlantischen Kontext der North Atlantic Treaty Organization (NATO).

Der 2015 veröffentlichte Ressortforschungsplan des BMVg gibt die inhaltliche Ausrichtung der Forschung des BMVg für 2015 und die Folgejahre in den Forschungsbereichen Wehrmedizin und Wehrpsychologie, Wehrtechnik, Sozialwissenschaften und Militärgeschichte sowie Geowissenschaften vor (siehe auch EB II Organisationen und Einrichtungen in Forschung und Wissenschaft). Im Jahresbericht des Bundesministeriums der Verteidigung zur wehrwissenschaftlichen Forschung werden ausgewählte Forschungsvorhaben der fünf Forschungsbereiche des Ressorts der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Wehrmedizinische und wehrpsychologische Forschung: Die in eigenen Einrichtungen durchgeführte oder durch das BMVg gesondert finanzierte wehrmedizinische Forschung und Entwicklung ist ein anwendungsbezogener, fortdauernder Prozess zum Erkennen und Schließen von Fähigkeitslücken in der sanitätsdienstlichen Versorgung der Bundeswehr. Mit der begonnenen Neustrukturierung der präventivmedizinisch orientierten Forschung und Beratung in einem Institut für Präventivmedizin der Bundeswehr (ab 2016) sollen die entsprechenden Fähigkeiten gebündelt und die wissenschaftliche Leistungsfähigkeit verbessert werden. Der psychologische Dienst der Bundeswehr fördert die Entwicklung neuer Analyse- und Interventionsmethoden insbesondere der Prävention und führt die Evaluation der angewandten psychologischen Methoden und Verfahren durch.

Wehrtechnische Forschung: Die wehrtechnische Forschung und Technologie (FuT) wird durch ressorteigene Forschung in drei wehrtechnischen Bundeseinrichtungen mit FuE-Aufgaben und durch auftragsfinanzierte Forschung durch Dritte geleistet. Durch eine intensive Beobachtung und Erschließung aller für wehrtechnische Anwendungen relevanten natur- und ingenieurwissenschaftlichen Felder durch die Wehrtechnische FuT wird die Bundeswehr in die Lage versetzt, technologische Entwicklungen hinsichtlich ihrer zukünftigen militärischen Verwendbarkeit bzw. ihres Bedrohungspotenzials zu beurteilen. Die Ergebnisse der wehrtechnischen FuT-Aktivitäten sollen die für Ausrüstungsentscheidungen erforderliche Analyse- und Bewertungsfähigkeit sichern, neue innovative Technologien für die Weiterentwicklung der Fähigkeiten der Bundeswehr identifizieren, dafür neue Lösungen anbieten und Zukunftstechnologien zeitgerecht bis zur Produktnähe vorantreiben. Mit der Einrichtung eines Dezernats Militärpsychologische Forschung am Streitkräfteamt und seinem weiteren Ausbau sollen die wehrpsychologischen Forschungsaktivitäten verstärkt und deren Qualität gesichert werden.

Sozialwissenschaftliche Forschung: Ihr Schwerpunkt liegt auf problemorientierter sozialwissenschaftlicher Auftragsforschung mit überwiegend empirischer Ausrichtung und zugehöriger Grundlagenforschung. Die sozialwissenschaftliche Forschung im Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr (ZMSBw) stellt dem Ressort und der Bundeswehr wissenschaftliche Erkenntnisse über den Funktionswandel von Streitkräften im nationalen und multinationalen Kontext, zur inneren Lage der Streitkräfte, zum Verhältnis von Streitkräften und Gesellschaft sowie zu relevanten soziokulturellen Entwicklungen in der Gesellschaft zur Verfügung. Sie unterstützt damit den Transformationsprozess der Bundeswehr und trägt zur Verbesserung ihrer Einsatzfähigkeit bei.

Militärgeschichtliche Forschung: Kernauftrag ist es, die deutsche Militärgeschichte mit ihren internationalen Bezügen zu erforschen und die Ergebnisse für die historische Bildung in der Bundeswehr und den Diskurs in Wissenschaft und interessierter Öffentlichkeit nutzbar zu machen. Das ZMSBw erforscht die Militärgeschichte als integralen Bestandteil der allgemeinen Geschichtswissenschaft nach deren Methoden und Standards. Dabei werden Wechselbeziehungen zwischen Militär, Staat, Politik, Gesellschaft, Kultur, Wirtschaft, Wissenschaft und Technik im globalen Kontext berücksichtigt. Dies erfolgt in Kooperation mit der Professur für Militärgeschichte an der Universität Potsdam und der Beteiligung des ZMSBw am Masterstudiengang Military Studies.

Geowissenschaftliche Forschung: Der Ressortforschungsbereich bearbeitet die Themen und Fragestellungen, die für die aktuelle, mittelfristige und langfristige Sicherstellung der Geoinformationsunterstützung als militärischer Kernfähigkeit erforderlich sind. Es gilt, relevante Geofaktoren und Umwelteinflüsse immer und überall erkennen zu können, deren Auswirkungen auf Operationsführung und Taktik zu beurteilen, aktuelle und qualitätsgesicherte gering- und hochdynamische Geoinformationen für Übung, Einsatzvorbereitung und Einsatz weltweit und flächendeckend bereitzustellen und Einsatzkräfte geowissenschaftlich zu beraten. Die geowissenschaftliche Fachexpertise für die Streitkräfte und für das BMVg wird im Zentrum für Geoinformationswesen der Bundeswehr (ZGeoBw) vorgehalten.

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