Staatliche Forschungseinrichtungen

Neben den Hochschulen und den gemeinsam von Bund und Ländern geförderten Einrichtungen für Wissenschaft, Forschung und Entwicklung führen auch staatliche Einrichtungen direkt Forschungs- und Entwicklungsaufgaben durch. Sie erfüllen gesetzlich festgelegte Aufgaben wie z. B. Zulassung, Prüfung und Regelsetzung und unterstützen politische Entscheidungsprozesse durch wissenschaftlich fundierte Beratung. Hierzu zählen Bundeseinrichtungen sowie Landeseinrichtungen mit FuE-Aufgaben (Ressortforschungseinrichtungen des Bundes und der Länder).

Die staatlichen Forschungseinrichtungen sind ein unverzichtbarer Bestandteil des deutschen FuI-Systems. Ihre Aufgabe ist es, die Politik wissenschaftlich zu beraten und kurzfristig Forschungsfragen aufzugreifen. Das geschieht u. a. mit Erkenntnissen über Anwendung und Wirkung moderner Technologien, über Gesundheit und Ernährung, über Mobilität und Stadtentwicklung, über Umwelt, Energie und Klimaschutz, über veränderte Arbeits- und Lebensbedingungen wie auch über die Herausforderungen der globalisierten Ökonomie. Nur so kann der Staat vorsorgen und Sicherheit gewährleisten. Die Bundeseinrichtungen nehmen ihre Tätigkeit im Kontext der Aufgaben des zuständigen Ressorts wahr. Darüber hinaus fördern Bundeseinrichtungen mit FuE-Aufgaben den wissenschaftlichen Nachwuchs.

In den vergangenen Jahren sind die bereitgestellten Mittel für die Durchführung von FuE und das in den Bundeseinrichtungen beschäftigte FuE-Personal gestiegen. So wuchsen die FuE-Ausgaben von 995 Mio. Euro (2012) auf 1,06 Mrd. Euro (2014). Damit wurden 88,1 % der FuE-Ausgaben des Bundes im Rahmen der institutionellen Ressortforschung erbracht. Darüber hinaus werben die Einrichtungen zum Teil Drittmittel ein. Im gleichen Zeitraum erhöhte sich das FuE-Personal von 9.288 auf 9.450 VZÄ. Der Anteil der Forscherinnen und Forscher am gesamten FuE-Personal betrug 2013 41,7 % (siehe auch Abb. II-11).

Grafische Abbildung der Anzahl des FuE-Personals nach Personalgruppen an Bundeseinrichtungen mit FuE-Aufgaben in Deutschland

Abb. II-11: Anzahl des FuE-Personals nach Personalgruppen an Bundeseinrichtungen mit FuE-Aufgaben in Deutschland (in Vollzeitäquivalenten)

BMBF

Jedes Bundesministerium ist für die Ressortforschung in seinem Geschäftsbereich selbst verantwortlich (Ressortprinzip). Ressortforschung wird entweder unmittelbar von den Bundesministerien selbst oder durch die derzeit 38 Bundeseinrichtungen mit FuE-Aufgaben betrieben bzw. beauftragt. Darüber hinaus arbeiten die Ressorts im Rahmen der Ressortforschung kontinuierlich mit weiteren FuE-Einrichtungen zusammen. Die Bandbreite dieser kontinuierlichen Zusammenarbeit reicht von regelmäßigem Informationsaustausch bis zu Kooperation und institutioneller Förderung nach den Bestimmungen des Zuwendungsrechts.

Die Bundeseinrichtungen mit FuE-Aufgaben (siehe auch EB II 2.1 Bundeseinrichtungen mit FuE-Aufgaben) verfügen teilweise über herausragende Forschungsinfrastrukturen. Diese Infrastrukturen stehen in der Regel auch externen Forschungsgruppen zur Verfügung. Dadurch tragen sie zur Vernetzung der Akteure im deutschen FuI-System bei. Um die externe Nutzung und die damit verbundenen wissenschaftspolitischen Ziele zu erleichtern und zudem die Transparenz der Möglichkeiten zu erhöhen, wurde u. a. damit begonnen, Informationen über die nutzbaren Infrastrukturen der Ressortforschung in die bestehende EU-Plattform MERIL (Mapping of the European Research Infrastructure Landscape) einzustellen.

Eine Reihe von Bundeseinrichtungen mit FuE-Aufgaben unterhält eigene Fachinformationseinrichtungen und zentrale Fachbibliotheken, deren Dienstleistungen für die Wahrnehmung der Ressortaufgaben erforderlich sind oder der interessierten Fachöffentlichkeit zur Verfügung stehen (siehe auch EB II 3.5 Fachinformationseinrichtungen und -bibliotheken).

Die Landes- und kommunalen Einrichtungen mit FuE-Aufgaben werden institutionell aus Landesmitteln und zum Teil aus Drittmitteln finanziert. Die FuE-Ausgaben der Länder für kommunale und Landeseinrichtungen mit FuE-Aufgaben (ohne Leibniz-Gemeinschaft) sind von etwa 237 Mio. Euro (2011) auf etwa 203 Mio. Euro (2013) zurückgegangen. Das in den Einrichtungen tätige FuE-Personal betrug 2.401 Personen (VZÄ) im Jahr 2013.

In der nachfolgenden Abbildung sind die Forschungseinrichtungen der Länder berücksichtigt, die zu mindestens 50 % vom jeweiligen Bundesland grundfinanziert sind (ohne Leibniz-Gemeinschaft) (siehe auch Abb. II-12). [1]

Geografische Karte der Standorte staatlicher Forschungseinrichtungen sowie FuE-Einrichtungen mit kontinuierlicher Zusammenarbeit

Abb. II-12: Standorte der staatlichen Forschungseinrichtungen sowie FuE-Einrichtungen mit kontinuierlicher Zusammenarbeit

Datenbasis: Bundesbericht Forschung und Innovation 2016, EB II, Eigenangaben der Einrichtungen. Geobasisdaten: © EuroGeographics bezüglich der Verwaltungsgrenzen. Standortkoordinaten: Geoinformationen © Vermessungsverwaltungen der Bundesländer und infas GEO daten. © BMBF, Kartographische Darstellung: RISO, DLR Projektträger 2016.

 

[1]     Grundsätzlich gehören zu diesen Einrichtungen auch die Akademien der Wissenschaften. Aufgrund ihrer besonderen Ausrichtung und der teilweisen Finanzierung aus dem sogenannten Akademienprogramm werden sie im Bericht und im Ergänzungsband II gesondert unter den außeruniversitären Forschungseinrichtungen dargestellt. Im Bericht und im Ergänzungsband II bleiben Archive, Bibliotheken, Museen und vergleichbare Einrichtungen unberücksichtigt, soweit sie nicht zur Leibniz-Gemeinschaft zählen.