Strategische Ziele

Die Internationalisierungsstrategie der Bundesregierung setzt seit 2008 den Rahmen für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit in Wissenschaft und Forschung. Im Herbst 2014 zog das BMBF im Aktionsplan Internationale Kooperation eine Bilanz der bisherigen Internationalisierungserfolge und leitete wichtige Anpassungen für die weitere Umsetzung der Strategie ab. Der Aktionsplan war ein wichtiger Schritt im aktuellen Prozess der Weiterentwicklung der Internationalisierungsstrategie unter Federführung des BMBF.

Mit der Strategie zur Internationalisierung von Wissenschaft und Forschung wurde ein Rahmen für die vielfältigen Aktivitäten der Bundesregierung in diesem Bereich gesetzt. Die Strategie wirkte weit in die deutsche Wissenschaftslandschaft hinein: Die Forschungs- und Mittlerorganisationen entwickelten unter Bezug auf die Strategie der Bundesregierung eigene Internationalisierungsstrategien. So haben die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) 2012, die Fraunhofer-Gesellschaft (Fraunhofer) 2013, die Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren (HGF) 2010 und 2012, die Max-Planck-Gesellschaft (MPG) 2012 und die Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz e. V. (Leibniz-Gemeinschaft) 2013 organisationsspezifische Internationalisierungsstrategien und Maßnahmen zu deren Umsetzung verabschiedet. Im April 2013 wurde die Strategie der Wissenschaftsministerinnen und -minister von Bund und Ländern für die Internationalisierung der Hochschulen in Deutschland beschlossen, und 2014 veröffentlichte die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) unter Bezug hierauf Beispiele guter Internationalisierungspraxis an deutschen Hochschulen.

Der 2014 vom BMBF veröffentlichte Aktionsplan Internationale Kooperation stellt vor diesem Hintergrund das bisher Erreichte auf den Prüfstand. Die Bestandsaufnahme belegt den hohen Grad der internationalen Vernetzung des deutschen Bildungs-, Forschungs- und Innovationssystems: Deutschland spielt eine starke Rolle als Motor und Ideengeber im internationalen Kontext. Auch in den einzelnen Zielfeldern der Strategie (Forschungsexzellenz, Innovation, Zusammenarbeit mit Entwicklungs- und Schwellenländern, Globale Herausforderungen) hat Deutschland in den vergangenen Jahren viel erreicht (siehe auch II 3 Die Leistungsfähigkeit des deutschen Forschungs- und Innovationssystems).

Deutschland soll auch weiterhin als Wissenschafts-, Bildungs- und Innovationsstandort erfolgreich sein. Mit der Umsetzung von fünf Schlussfolgerungen des Aktionsplans soll eine neue Qualität der internationalen Zusammenarbeit in Wissenschaft, Innovation und Bildung erreicht werden:

  • Mobiler: Deutschland muss die Mobilität von Auszubildenden, Studierenden und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sowohl nach Deutschland als auch aus Deutschland heraus weiter stärken, um u. a. den künftigen Fachkräftebedarf decken zu können.
  • Effektiver: Kooperationen und Förderverfahren sind so einfach wie möglich zu gestalten, Hindernisse in der bilateralen und multilateralen Zusammenarbeit müssen abgebaut werden.
  • Effizienter: Deutschland muss sich noch besser und auf allen Ebenen sowie zwischen allen Akteuren national und international vernetzen.
  • Fokussierter: Deutschland muss noch konsequenter weltweit auf Qualität und Exzellenz in der internationalen Zusammenarbeit zum wechselseitigen Nutzen setzen.
  • Standortbewusster: Deutschland muss seine Interessen klar definieren. Internationale Kooperationen sollten auf den Punkt hin überprüft werden, inwiefern sie die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft und Wissenschaft stärken.

Entlang des Wissensdreiecks Forschung, Innovation und Bildung definiert der Aktionsplan Internationale Kooperation drei prioritäre Ziele in der internationalen Zusammenarbeit. Zwei weitere inhaltliche Prioritäten zielen auf Deutschlands Verantwortung in der Welt ab:

  1. Wissenschaftliche Exzellenz durch internationale Zusammenarbeit
    Die Förderung und Entwicklung von Exzellenz ist ein zentraler Pfeiler in der internationalen Kooperation in Bildung und Forschung. Dabei steht die Kooperation mit anderen Industriestaaten im Mittelpunkt, zunehmend rücken aber auch die BRICS-Staaten und andere Schwellenländer ins Blickfeld (siehe auch V 3.3 Zusammenarbeit mit den BRICS-Staaten). Exzellenz wird dabei auf mehreren Ebenen gefördert. Über die Förderung von Mobilität sollen exzellente Studierende und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aller Karrierestufen für den Standort Deutschland gewonnen werden. Neue Wissensquellen können für deutsche Akteure erschlossen werden. Darüber hinaus ist internationale Zusammenarbeit nötig, weil einzelne wissenschaftliche Fragestellungen zunehmend grenzüberschreitend bearbeitet werden müssen, etwa auch bei der Errichtung und Weiterentwicklung von Forschungsinfrastrukturen.
  2. Innovationspotenziale international erschließen
    Im Wettbewerb um marktrelevantes Wissen, innovative Produkte und Dienstleistungen kommt dem Grad und der Qualität der internationalen Vernetzung zunehmende Bedeutung zu. Das Ziel, spezifisches Wissen zu erschließen und qualifizierte Fachkräfte zu gewinnen, gehört neben der Markterschließung zu den stärksten Treibern bei der Internationalisierung von FuE-Aktivitäten. Die Entwicklung der internationalen Innovationspotenziale, der Aufbau neuer Hightech-Standorte und die Etablierung von Partnerschaften mit den stärksten und kreativsten Innovationsstandorten der Welt sind dabei in besonderem Maße vom Spannungsverhältnis zwischen Wettbewerb und Kooperation der Länder geprägt. Die internationale Vernetzung wird durch den Trend zur Herausbildung globaler Wertschöpfungsketten zusätzlich befördert. Diese bringen die verschiedenen Akteure je nach Markt und Produkt zunehmend in unterschiedlichen Rollen und Funktionen zusammen. Die Maßnahmen des BMBF zielen darauf ab, diese Entwicklung mit positiven Akzenten zu begleiten und die deutschen Akteure mittelbar und unmittelbar zu unterstützen, sich auf den globalen Märkten zu behaupten. Die Instrumente der Hightech-Strategie werden dabei zunehmend internationalisiert. Dabei geht es zum einen um die Entwicklung von internationalen Komponenten der Instrumente selbst, zum anderen aber auch um eine Verknüpfung dieser Instrumente mit bestehenden europäischen Initiativen, zum Beispiel mit den Initiativen der Gemeinsamen Programmpla-nung oder Knowledge and Innovation Communities (KIC). Dadurch soll die Verzahnung von Innovationsprozessen auf nationaler, europäischer und internationaler Ebene verstärkt werden. So wird die Internationalisierung deutscher Spitzencluster über eine eigene Maßnahme des BMBF gefördert. Die Stärkung der internationalen Dimension der Hightech-Strategie wird durch ein eigenes Fachforum „Internationalisierung" innerhalb des Hightech-Forums unterstützt.
  3. Stärkung der Zusammenarbeit mit Entwicklungs- und Schwellenländern
    Für Entwicklungs- und Schwellenländer ist Deutschland aufgrund seiner Wissenschafts-, Technologie- und Innovationsstärke sowie seines anerkannten Bildungssystems ein gefragter Partner. Deutschland verfügt über Schlüsselkompetenzen, beispielsweise bei der Bekämpfung von Ressourcenknappheit, der Ausbreitung von Epidemien sowie bei der Zusammenarbeit von Staat und Privatsektor in der Berufsbildung, die gleichzeitig Voraussetzung für eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung und gute Regierungsführung in diesen Ländern sind. Gleichzeitig werden viele Schwellen- und Entwicklungsländer durch die Weiterentwicklung ihrer nationalen Forschungs- und Innovationssysteme zu neuen Partnern. Die Zusammenarbeit in Bildung und Forschung ermöglicht allen beteiligten Ländern den Zugang zu neuen Wissensquellen. Studierende und Forschende können für den Standort Deutschland gewonnen werden. Gemeinsame wissenschaftliche Praktiken und Standards sollen entwickelt werden, um Forschungskooperationen auf gleichem Qualitätsniveau zu ermöglichen. Diese Länder sind Akteure im globalen Wettbewerb und eröffnen Chancen auf die Erschließung neuer Märkte. Zudem können in der Kooperation mit Schwellen- und Entwicklungsländern neue Ansätze zur Lösung globaler Herausforderungen entwickelt werden (siehe auch V 3.3 Zusammenarbeit mit Schwellen- und Entwicklungsländern).
  4. Internationale Verantwortung übernehmen und einen Beitrag zur Bewältigung globaler Herausforderungen leisten
    Globale Herausforderungen, wie u. a. Klimawandel und Ernährungssicherheit, machen nicht an Ländergrenzen halt. Sie können nur im Rahmen gemeinsamer, länderübergreifender Anstrengungen auf europäischer und internationaler Ebene bewältigt werden. Bildung und Forschung schaffen das notwendige Wissen und eröffnen konkrete Lösungen für globale Herausforderungen. Darüber hinaus stellt die Wissenschaft das notwendige Wissen bereit, um eine „informierte" Politik zu ermöglichen. Die internationale Kooperation bei globalen Herausforderungen hat viele Vorteile, angefangen vom Teilen von Forschungsrisiken über die Bündelung von Ressourcen (Budget und Personal) bis hin zur Ausbildung eines weltweiten Verständnisses für spezifische globale Herausforderungen. Die Bundesregierung unternimmt große Anstrengungen, um eine wirksame und effiziente Forschung zu globalen Herausforderungen zu unterstützen. Mit der Hightech-Strategie, den aktuellen Rahmenprogrammen des BMBF Forschung für Nachhaltige Entwicklung (FONA3) und Forschung für die zivile Sicherheit 2012–2017 sowie der nationalen Forschungsstrategie BioÖkonomie 2030 liegt bereits ein starker Schwerpunkt auf Forschung zu globalen Herausforderungen.
  5. Durch Ausbildung Perspektiven für Mensch und Wirtschaft schaffen
    Zunehmende Bedeutung kommt in der internationalen Kooperation der beruflichen Bildung zu. Ihr Beitrag zur wirtschaftlichen Stabilität und Wettbewerbsfähigkeit sowie zur Beschäftigungsfähigkeit junger Menschen ist gerade seit den wirtschaftlichen Krisen nach 2008 allgemein anerkannt. Die europäischen Institutionen haben die Berufsbildung (Vocational Education & Training – VET) zu einem Schwerpunkt der Förderung in Bildung, Kultur und Jugend bis zum Jahr 2020 gemacht. Die OECD-Länderberichte und -Studien Learning for Jobs und Skills beyond School belegen das wachsende internationale Interesse am deutschen System der dualen Ausbildung. Das Strategiepapier der Bundesregierung zur internationalen Berufsbildungszusammenarbeit aus einer Hand (2013) rückt dieses Handlungsfeld in den Fokus. In internationalen Berufsbildungskooperationen mit mehreren Ländern wird es konkret ausgestaltet. Aktuell unterhält das BMBF fünf europäische und zwölf außereuropäische Berufsbildungskooperationen; die 2013 im Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) eingerichtete „Zentralstelle für internationale Berufsbildungskooperationen" steht als erster Ansprechpartner für berufsbildungsrelevante Anfragen aus dem In- und Ausland bereit und unterstützt die ressortübergreifende Zusammenarbeit in Deutschland. Mit der Förderinitiative zum Berufsbildungsexport und der Initiative iMOVE unterstützt das BMBF deutsche Bildungsanbieter beim erfolgreichen Zugang zu ausländischen Berufsbildungsmärkten. Mit dem Strategieprojekt VETnet beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) und neun deutschen Auslandshandelskammern (AHK) werden unternehmensnahe Modelllösungen für duale Berufsbildung in den Partnerländern geschaffen. Die Förderung der grenzüberschreitenden beruflichen Mobilität von Auszubildenden, beispielsweise im Programm Erasmus+, wie auch von Ausbildungspersonal bietet eine Antwort auf die zunehmende Internationalisierung der Arbeitswelt. Damit gewinnen deutsche Auszubildende im Ausland wichtige interkulturelle Kompetenzen hinzu, während internationale Nachwuchskräfte in Ausbildungsinstitutionen hierzulande die hohe Qualität der dualen Berufsbildung schätzen lernen. So kann auch der zunehmende Fachkräftebedarf in Deutschland adressiert werden.

Ressortforschungseinrichtungen des Bundes und internationale Zusammenarbeit

Die Translation von Forschungsergebnissen in die Praxis hängt heute insbesondere von der Schaffung geeigneter internationaler Rahmenbedingungen ab. Hier nehmen die Ressortforschungseinrichtungen des Bundes mit ihren internationalen Kontakten und ihren spezifischen Aufgaben an der Schnittstelle von Wissenschaft und Politik eine entscheidende Rolle ein. Durch ihr wissenschaftliches Engagement im Bereich der Entwicklung und internationalen Harmonisierung von Methoden, Standards, Normen und Regelungen schaffen sie die Voraussetzungen für den Erfolg von Innovationsprozessen und für die internationale Zusammenarbeit bei der Bewältigung von globalen gesellschaftlichen Herausforderungen. Ein Beispiel dafür ist das Engagement der Ressortforschungseinrichtungen im Bereich der Gesundheit von Mensch und Tier bei der Bewältigung globaler Infektionskrankheiten. Auf Basis der im Rahmen der Ebola-Epidemie gemachten Erfahrungen arbeiten die Einrichtungen mit dem Deutschen Zentrum für Infektionsforschung, der Weltgesundheitsorganisation, der Europäischen Arzneimittelagentur, der US-amerikanischen Food and Drug Administration und anderen internationalen Behörden zusammen, um schnell geeignete Notfallmaßnahmen und -behandlungen zu entwickeln, wissenschaftlich begründete Kriterien für deren Einsatz zu generieren, die internationalen Gesundheitsvorschriften zur Bewältigung solcher Epidemien umzusetzen und beim Aufbau entsprechender Strukturen in Drittweltländern zu helfen. Durch diese auf eigener Forschung basierende Schlüsselstellung tragen die Ressortforschungseinrichtungen des Bundes wesentlich zum Erhalt und zur Weiterentwicklung einer leistungsfähigen Innovationsinfrastruktur in Deutschland, Europa und der Welt bei.

Berufsbildung

Die Berufsbildung gewinnt im Rahmen der Internationalisierungsstrategie zunehmend an Bedeutung. Innovationsfähigkeit ist in hohem Grade auch vom Qualifizierungsniveau der nicht akademischen Fachkräfte abhängig. Deutschland gilt weltweit mit seinem dualen System der Berufsbildung als Vorbild. Viele Staaten sind an Berufsbildungszusammenarbeit interessiert, um zu lernen, wie duale Mechanismen – z. B. das institutionalisierte Zusammenwirken von Staat und Privatsektor, die Kopplung der Lernorte Unternehmen und Berufsschule – funktionieren und wie die Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit der jeweiligen Volkswirtschaft durch die vorwiegend betriebliche berufliche Qualifizierung von Fachkräften unterstützt werden können. Zudem sind adäquat ausgebildete Fachkräfte eine Erfolgsbedingung für das Engagement deutscher Unternehmen in den Zielländern: Deutsche Dienstleistungen und Produkte können den Zugang zu Auslandsmärkten nur dann meistern oder verbessern, wenn auf den dortigen Arbeitsmärkten die beruflichen Fähigkeiten für Produktion, Vertrieb, Beratung und Wartung auf entsprechendem Niveau vorhanden sind.

Die ökonomischen Krisen seit 2008 haben in einigen europäischen Ländern u. a. zu erheblichen Verwerfungen auf den Arbeitsmärkten sowie teilweise zu enormer Jugendarbeitslosigkeit geführt; die Berufsbildungskooperationen des BMBF mit europäischen Partnerländern zielen daher auf die Stärkung der Jugendbeschäftigung und die Modernisierung der Berufsbildungssysteme, um die Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit des europäischen Standorts zu sichern und zu stärken.