Struktur und Akteure

Das deutsche FuI-System ist vielfältig. Dies resultiert unter anderem aus der föderalen Struktur und der langen Wissenschaftstradition. Es zeichnet sich durch ein breites Spektrum der Forschungsgebiete aus und ermöglicht eine hohe Spezialisierung in Kernbereichen. Außerdem ist das deutsche FuI-System so leistungsfähig und erfolgreich, weil die verschiedenen Akteure zur Zusammenarbeit bereit sind – z. B. durch Bildung von Forschungsverbünden zwischen außeruniversitären Forschungseinrichtungen, Hochschulen und Unternehmen. Grundsätzlich lässt sich zwischen FuE-finanzierenden und FuE-durchführenden Akteuren unterscheiden.

FuE werden in unterschiedlichen öffentlichen und privaten Institutionen betrieben. Abbildung II-1 stellt die Akteursgruppen des FuI-Systems dar und skizziert ihre Beziehungen zueinander.

Grafische Abbilung der Akteure des deutschen Forschungs- und Innovationssystems

Abb. II-1: Akteure des deutschen Forschungs- und Innovationssystems

BMBF

Bund und Länder als finanzierende Akteure

Entsprechend der gemeinsamen Verantwortung für die Forschung arbeiten Bund und Länder gemäß den verfassungsrechtlichen Vorgaben bei der Forschungs-, Technologie- und Innovationsförderung zusammen und sind bedeutende Akteure der Finanzierung von Forschung und Entwicklung. Nationale Rahmenbedingungen ergeben sich vor allem aus der Bundeshaushaltsordnung und dem Bundeshaushaltsgesetz. Ergänzt werden diese durch entsprechende landesrechtliche Bestimmungen. Sie bilden die rechtliche Grundlage für die Förderinstrumente, die eine zielgerichtete Forschungsförderung ermöglichen: Die gemeinsam von Bund und Ländern finanzierte mittel- und langfristig angelegte institutionelle Förderung dient u. a. der Sicherung der Grundlagenforschung, der Forschungsinfrastruktur und der strategischen Ausrichtung der deutschen Forschungslandschaft. Die aus Bundesmitteln finanzierte Projektförderung gliedert sich in Fach- und Förderprogramme und dient der Förderung zeitlich befristeter Forschungs-, Technologie- und Innovationsvorhaben. Die Projektförderung adressiert vornehmlich die Förderung der anwendungsorientierten Forschung. Bund und Länder stellen rund ein Drittel der Bruttoinlandsausgaben für Forschung und Entwicklung zur Verfügung (siehe auch II 1.2 Förderinstrumente des Staats sowie IV Die Zusammenarbeit zwischen Bund und Ländern).

Mit dem Wissenschaftsrat (WR), der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz (GWK) und dem Bund-Länder- Ausschuss „Forschung und Technologie“ stehen koordinierende und beratende Gremien zur Verfügung (siehe auch IV Die Zusammenarbeit zwischen Bund und Ländern). Beratende Funktionen haben außerdem die Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI), das Hightech-Forum sowie der Innovationsdialog zwischen Bundesregierung, Wirtschaft und Wissenschaft.

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Wirtschaft

Die Privatwirtschaft stellt für die Durchführung von FuE-Aktivitäten rund zwei Drittel der jährlich in Deutschland investierten Forschungsmittel bereit. Diese Mittel werden sowohl für eigene FuE-Aktivitäten der Unternehmen als auch für gemeinsame FuE-Projekte mit Partnern aus der Wirtschaft und Wissenschaft aufgewandt (siehe auch II 2.6 Forschung und Entwicklung in der Wirtschaft).

Die im Wirtschaftssektor stattfindende Forschung und Entwicklung ist stark anwendungsorientiert. Sie hat im Wesentlichen das Ziel, unmittelbar verwertbare Ergebnisse zu erreichen. Die Grundlagenforschung hat dagegen in der Privatwirtschaft einen geringeren Stellenwert. Die FuE-Aktivitäten sind regional sehr unterschiedlich ausgeprägt. Sie werden zum überwiegenden Teil von Großunternehmen bestimmt. Trotz des niedrigeren Anteils tragen auch kleinere und mittlere Unternehmen (KMU) sowie Start-up-Unternehmen entscheidend zur Innovationsleistung des deutschen Wirtschaftssektors bei, weil aus dieser Gruppe vielfach wegbereitende Innovationsleistungen hervorgehen. Ein weiteres Strukturmerkmal der Privatwirtschaft ist die im internationalen Vergleich hohe Konzentration der FuE-Kapazitäten auf Branchen der hochwertigen Technik.

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Öffentliche Forschung

Wichtiger Forschungsakteur bei der Durchführung von Forschung ist auf öffentlicher Seite der Hochschulbereich, das sind die Universitäten und Fachhochschulen (siehe auch II 2.2 Hochschulen). Neben der Forschung an Hochschulen existiert ein breites Spektrum an außeruniversitärer Forschung, die größtenteils an gemeinsam von Bund und Ländern geförderten Einrichtungen durchgeführt wird (siehe auch II 2.3 Außeruniversitäre Forschungseinrichtungen). Hierzu zählen vor allem die Forschungseinrichtungen der vier großen Forschungsorganisationen. Dies sind im Einzelnen die Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e. V. (MPG), die Fraunhofer-Gesellschaft zur Förderung der angewandten Forschung e. V. (Fraunhofer), die Hermann von Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren e. V. (HGF) und die Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz e. V. (Leibniz-Gemeinschaft). Zur Gruppe der Akteure der außeruniversitären Forschung zählen des Weiteren die acht Akademien der Wissenschaften der Länder, die Deutsche Akademie für Technikwissenschaften (acatech) und die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina – Nationale Akademie der Wissenschaften sowie die Ressortforschung.

Die Ressortforschung des Bundes dient der Vorbereitung, Unterstützung und Umsetzung politischen und administrativen Handelns. Sie ist mit der Wahrnehmung gesetzlicher und fachlicher Aufgaben des Ressorts verbunden. Dieses anspruchsvolle breite Aufgabenspektrum wird durch Bundeseinrichtungen mit Forschungs- und Entwicklungsaufgaben durch die Einrichtung selbst, in Kooperation mit anderen Forschungseinrichtungen oder durch Vergabe von Forschungsaufträgen an externe Forschungsnehmer (extramurale Forschung) ausgeführt. Hinzu kommen Landes- und kommunale Forschungseinrichtungen, die aus Landesmitteln und zum Teil aus Mitteln Dritter finanziert werden (siehe auch II 2.4 Staatliche Forschungseinrichtungen sowie EB II Organisationen und Einrichtungen in Forschung und Wissenschaft).

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Intermediäre

Die Gruppe der Intermediäre des deutschen FuI-Systems umfasst im Wesentlichen die Akteure, die FuE-Aktivitäten mit eigenen Förderprogrammen unterstützen bzw. die Interessen der Akteure vertreten II 2.5 Weitere FuE-fördernde Akteure). Zu ihr zählen u. a. die Deutsche Forschungsgemeinschaft e. V. (DFG) und der Stifterverband für die deutsche Wissenschaft.

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Industrieforschung

Eine wichtige Schnittstellenfunktion zwischen Wissenschaft und der mittelständisch geprägten Wirtschaft in der vorwettbewerblichen Forschung haben auch die gemeinnützigen externen Industrieforschungseinrichtungen inne. Sie sind überwiegend über die Verbände Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen „Otto von Guericke“ e. V. (AIF) und Deutsche Industrieforschungsgemeinschaft Konrad Zuse e. V. (Zuse-Gemeinschaft) organisiert (siehe auch EB II Organisationen und Einrichtungen in Forschung und Wissenschaft).

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Europäische Kommission

Mit dem zum 1. Januar 2014 gestarteten EU-Rahmenprogramm für Forschung und Innovation Horizont 2020 (2014–2020) wird ein wichtiger Beitrag zur Entwicklung des Europäischen Forschungsraums (EFR) geleistet und das weltweit sichtbare Profil der europäischen Forschungslandschaft geschärft. Mit einem Fördervolumen von insgesamt rund 77 Mrd. Euro ist das vom Rat der Europäischen Union und dem Europäischen Parlament beschlossene und von der Europäischen Kommission verwaltete Forschungs- und Innovationsprogramm das weltweit größte seiner Art. Es bündelt die Forschungsförderprogramme auf europäischer Ebene und ist noch stärker als die bisherigen Programme auf Kooperation zwischen Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft sowie Innovation ausgerichtet (siehe auch V 2.3 Deutschlands Beteiligung an Horizont 2020).

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