Unterstützung von Kooperationen zwischen öffentlich geförderter Forschung, Wirtschaft und Gesellschaft

Entsprechend der Vielfalt der deutschen Forschungs- und Innovationslandschaft setzt die Bundesregierung zur Förderung der Vernetzung von Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft unterschiedliche Schwerpunkte. Ziel ist die Förderung einer Innovationskultur, in der Transferaktivitäten und -erfolge eine angemessene Wertschätzung erfahren sowie produktive Netzwerke und strategische Kooperationen auf der Basis gegenseitigen Vertrauens angestoßen werden. Innovative Ideen werden so schneller erkannt und gemeinsam kreativ umgesetzt.

Mit der Fortschreibung des Paktes für Forschung und Innovation bis zum Jahr 2020 wurde mit den Wissenschafts- und Forschungsorganisationen eine Intensivierung der Vernetzungs- und Transferaktivitäten vereinbart. Die Vernetzung im Wissenschaftssystem soll zu einer nachhaltigen Etablierung von Partnerschaften zwischen Wirtschaft und Wissenschaft führen, und die internationale Zusammenarbeit soll ausgebaut werden. Bund und Länder streben – vorbehaltlich der jährlichen Haushaltsverhandlungen mit den Einrichtungen und vorbehaltlich der Mittelbereitstellung durch die gesetzgebenden Körperschaften – an, den einzelnen Wissenschaftsorganisationen jährlich einen Aufwuchs der Zuwendung um 3 % zu gewähren (siehe auch IV Die Zusammenarbeit zwischen Bund und Ländern).

Spitzencluster-Wettbewerb

Der Spitzencluster-Wettbewerb unterstützt die leistungsfähigsten Cluster aus Wissenschaft und Wirtschaft dabei, ihre Anziehungskraft zu vergrößern und sich im internationalen Wettbewerb in der Spitzengruppe zu etablieren. Seit 2007 wurde in drei Wettbewerbsrunden 15 Spitzencluster von einer unabhängigen Jury ausgewählt. Dabei wurden die Cluster mit den besten Strategien für Zukunftsmärkte in ihren jeweiligen Technologiefeldern ausgesucht. Jeder Spitzencluster wird über fünf Jahre mit bis zu 40 Mio. Euro gefördert. Fast 30 % der Fördermittel gehen an kleine und mittlere Unternehmen (KMU). Bis zum Ende der Förderperiode im Jahr 2017 werden so zusammen mit den Eigenbeiträgen der Wirtschaft bis zu 1,2 Mrd. Euro für Projekte zur Umsetzung der Clusterstrategien eingesetzt. Dazu kommen eine Vielzahl von im Rahmen der Spitzenclusteraktivitäten initiierten Investitionen in Forschungs- und Bildungsinfrastrukturen und die erfolgreiche Beteiligung beispielsweise an europäischen Programmen wie den Wissens- und Innovationszentren des Europäischen Instituts für Technologie (KIC-EIT).

Bereits der 2014 erschienene Abschlussbericht der begleitenden Evaluierung zeigte auf: Der Spitzencluster-Wettbewerb ist ein besonders erfolgreiches Instrument der Forschungs- und Innovationsförderung. Ein wesentlicher Erfolgsfaktor ist die enge Vernetzung der regionalen Akteure aus Wissenschaft und Wirtschaft, die durch die Förderung stark zugenommen hat. Ein Indiz für die Nachhaltigkeit der Förderung ist, dass alle zehn Spitzencluster der ersten beiden der drei Wettbewerbsrunden, deren Förderung zum Teil bereits seit mehr als zwei Jahren ausgelaufen ist, mit nahezu konstanten Kapazitäten in den Clustermanagements und weiterhin hohem Engagement der Clusterakteure in den Gremien weiterarbeiten. So sind die Spitzencluster weiterhin Katalysatoren für gemeinsame Bildungs- und Forschungsaktivitäten, ein gutes Pflaster für Start-ups, und sie stärken die Reputation des Innovationsstandorts Deutschland. Dies zeigte sich auch auf der 3. BMBF-Clusterkonferenz 2015 in Berlin, an der 600 Clusterakteure sowie Expertinnen und Experten aus dem In- und Ausland teilnahmen.

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go-cluster

Das Programm go-cluster des BMWi steht für eine zukunftsorientierte Clusterpolitik mit dem Ziel, leistungsfähige Innovationscluster hin zu international exzellenten Clustern weiterzuentwickeln. go-cluster bietet bedarfsorientierte Serviceleistungen für die Clusterakteure oder Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft an. Die regelmäßige Analyse von Trends der internationalen Clusterpolitik gibt Empfehlungen für die Ausrichtung der deutschen Perspektive. go-cluster fördert außerdem die Entwicklung und Umsetzung neuartiger Konzepte wie z. B. innovative Clusterservices oder CrossCluster-Kooperationen, die von den beteiligten Clustermanagements nachhaltig implementiert werden.

Nationale Innovationscluster können sich um eine Aufnahme in go-cluster bewerben. go-cluster vereint derzeit 100 Innovationscluster aus allen Regionen Deutschlands und vernetzt somit fast 13.000 Clusterakteure, darunter über 7.000 KMU aus 16 Technologiefeldern. Über Best-Practice-Beispiele informiert regelmäßig die Reihe ClusterERFOLGE. Diese umfassen beispielsweise neue internationale Kooperationen, gemeinsam entwickelte innovative Produkte oder Dienstleistungen, neue Maßnahmen zur Fachkräftesicherung sowie Gründungsunterstützung.

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Clusterplattform Deutschland

Mit der Clusterplattform Deutschland stellen BMWi und BMBF mit Unterstützung der Länder die zentrale Informationsplattform für Clusterakteure in Deutschland und im Ausland über die Clusterlandschaft und -politik zur Verfügung. Die Website, in Deutsch und Englisch verfügbar, informiert nicht nur über laufende Ausschreibungen und Programme auf den verschiedenen Ebenen von den Ländern über den Bund bis zur EU, sondern gibt auch interessante Einblicke in die deutsche Clusterlandschaft. Mittels einer Suchfunktion mit verschiedenen Auswahlkriterien wie z. B. Exzellenzmaßnahme, technologischer Fokus sowie Bundesland kann gezielt nach Clustern – differenziert nach Technologiefeldern und Standorten – recherchiert werden.

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Forschungscampus

Komplexe und vielschichtige Forschungsfelder mit hohem Forschungsrisiko, aber auch hohem Potenzial für Sprunginnovationen erfordern langfristig angelegte Kooperationen zwischen Wissenschaft und Wirtschaft. Im Jahr 2011 hat das BMBF die Förderinitiative Forschungscampus als neuartiges Kooperationsinstrument zur Stärkung langfristiger strategischer Partnerschaften gestartet. In einem Forschungscampus bündeln die Partner aus Wissenschaft und Wirtschaft ihre Kompetenzen gemeinsam unter einem Dach; sie arbeiten an einem langfristig angelegten Forschungsthema und begründen dazu eine verbindliche öffentlich-private Partnerschaft. Für einen Zeitraum von bis zu 15 Jahren erhält jeder Forschungscampus eine Anreizfinanzierung von bis zu 2 Mio. Euro pro Jahr. Die Partner in den neun Forschungscampi planen für die bis zu fünfjährige erste Hauptphase, über ihre Eigenanteile in den geförderten Projekten hinaus, Eigenbeiträge in Höhe von ca. 244 Mio. Euro. Verbindliche Vereinbarungen regeln die Zusammenarbeit und vor allem den Umgang mit geistigem Eigentum. Sie sind das Fundament, auf dem die vertrauensvolle und langfristige Zusammenarbeit der Partner in den Forschungscampi aufgebaut ist.

Der erste Forschungscampus ist bereits 2012 auf Empfehlung der unabhängigen Jury direkt in die zunächst bis zu fünfjährige erste Hauptphase gestartet. Weitere acht Forschungscampi hat die Jury nach einer bis zu zweijährigen Vorphase, die jeweils erfolgreich zur Ausarbeitung eines langfristig tragfähigen Forschungsprogramms genutzt wurde, für eine Förderung in der Hauptphase empfohlen. Damit befinden sich die folgenden neun Forschungscampi in der Hauptphase der Förderinitiative und setzen ihr Forschungsprogramm um:

  • ARENA2036 – Active Research Environment for the Next Generation of Automobiles in Stuttgart verfolgt das Ziel, mit intelligentem Leichtbau und einer optimierten flexiblen Produktion die wandlungsfähige Automobilfabrik der Zukunft zu entwickeln.
  • DPP – Digital Photonic Production in Aachen zielt auf den ressourcen- und energieeffizienten Einsatz von Lasern als Werkzeug in der Produktion und Bauteilfertigung ab.
  • FEN – Elektrische Netze der Zukunft in Aachen widmet sich der Erforschung von Gleichspannungsnetzen aller Spannungsebenen zur Stromübertragung und -verteilung für die zukünftige Energieversorgung in Deutschland vor dem Hintergrund der Energiewende.
  • InfectoGnostics in Jena entwickelt neue Methoden für den hocheffizienten, schnellen und mobilen Nachweis von Infektionserregern und mikrobiellen Kontaminationen.
  • Mobility2Grid in Berlin erforscht die Verbindung der Nutzung regenerativer Energien mit der Zukunft der urbanen Mobilität in einem Stadtquartier.
  • MODAL Mathematical Optimization and Data Analysis Laboratory in Berlin entwickelt Methoden zur Simulation und Optimierung hochkomplexer datenintensiver Prozesse.
  • M2OLIE – Mannheim Molecular Intervention Environment entwickelt einen neuartigen Ansatz diagnostischer und therapeutischer Maßnahmen, der auf molekularer Ebene die Untersuchung und Therapie von Krebserkrankungen ermöglicht.
  • Open Hybrid LabFactory – Materialentwicklung und Produktionstechnik für den wirtschaftlichen und multifunktionalen Leichtbau in Wolfsburg adressiert mit der Entwicklung von großserientauglichen Leichtbaukomponenten den Automobilbau der Zukunft.
  • STIMULATE – Solution Centre for Image Guided Local Therapies in Magdeburg entwickelt und optimiert bildgeführte minimalinvasive Methoden für die Diagnose und Behandlung von Krebs-, Neurologie- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Das 2012 gestartete Begleitvorhaben Forschungscampus pro aktiv erweitert die Wissensbasis der Innovationsforschung und -politik zu öffentlich-privaten Kooperationsformen für die Forschung und unterstützt den kontinuierlichen Austausch zwischen allen Beteiligten der Förderinitiative Forschungscampus. Das generierte Erfahrungswissen wird einem breiten Kreis von Akteuren aus Wissenschaft, Wirtschaft, Gesellschaft und Politik nutzbar gemacht und in die künftige Ausgestaltung öffentlich-privater Partnerschaften für die Forschung einfließen.

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Forschung an Fachhochschulen

Fachhochschulen forschen anwendungs- und lösungsorientiert. Sie arbeiten vielfach bereits eng mit regionalen Unternehmen zusammen und leisten einen wichtigen Beitrag zur Qualifizierung von Fachkräften. Bereits seit 1992 unterstützt das BMBF den Wissens- und Technologietransfer zwischen Fachhochschulen und Unternehmen. Das Programm Forschung an Fachhochschulen ist das zentrale Instrument zur Förderung der anwendungsorientierten Forschung an Fachhochschulen in den Ingenieur-, Natur- und Wirtschaftswissenschaften, in der sozialen Arbeit sowie in den Pflege- und Gesundheitswissenschaften.

Die Förderlinien des Programms eröffnen themenoffene und themenspezifische Fördermöglichkeiten:

  • Forschung an Fachhochschulen mit Unternehmen (FHprofUnt) fördert FuE-Kooperationen vor allem mit KMU, um durch Wissens- und Technologietransfer zu innovativen Lösungen für die betriebliche Praxis zu gelangen.
  • IngenieurNachwuchs unterstützt die forschungs- und anwendungsnahe Qualifizierung von Ingenieurinnen und Ingenieuren und hier insbesondere die Qualifizierung von forschungsstarkem Nachwuchs im Rahmen von kooperativen Promotionen.
  • Soziale Innovationen für Lebensqualität im Alter (SILQUA-FH) ermöglicht praxisorientierte Forschungsprojekte im Bereich soziale Arbeit sowie in den Pflege- und Gesundheitswissenschaften.
  • Förderung von strategischen Investitionen an Fachhochschulen (FHInvest) ermöglichte 2013 und 2014 die Förderung von Investitionsprojekten zur Bereitstellung und Anwendung innovativer technischer Forschungsgeräte. Seit 2015 werden Forschungsgroßgeräte zu vergleichbaren Bedingungen im Rahmen der Förderlinie FHprofUnt gefördert.
  • 2015 initiierte das BMBF die themenoffene Maßnahme Starke Fachhochschulen – Impuls für die Region (FH-Impuls). FH-Impuls richtet sich an forschungsstarke Fachhochschulen, die einen bereits vorhandenen Forschungsschwerpunkt mit hohem Transfer- und Umsetzungspotenzial ausbauen und ihr Forschungsprofil nachhaltig schärfen wollen.

Das Fördervolumen des Programms Forschung an Fachhochschulen hat sich seit 2005 von 10,5 Mio. auf 45,9 Mio. Euro im Jahr 2015 mehr als vervierfacht. Von 2006 bis 2014 wurden an bundesweit rund 125 Fachhochschulen etwa 1.400 Forschungsvorhaben durchgeführt und insgesamt 286 Mio. Euro Fördermittel bereitgestellt.

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