Zusammenarbeit mit Industriestaaten

Die Zusammenarbeit mit Industriestaaten wird überwiegend durch das breite Engagement der Akteure aus Wissenschaft und Forschung getragen, die mit ihren Partnern in diesen Staaten besonders eng vernetzt sind. Attraktive Rahmenbedingungen für die Zusammenarbeit mit Industriestaaten bestehen durch die exzellente wissenschaftliche Basis auf beiden Seiten, eine gemeinsam gepflegte Kultur der Mobilität und Offenheit sowie den Zugang zu starken Märkten.

Die Rolle der Politik besteht nicht in erster Linie in der finanziellen Förderung, sondern vielmehr darin, die Rahmenbedingungen für die Zusammenarbeit an die jeweiligen Anforderungen anzupassen. Dies wird z. B. über die Verabschiedung entsprechender Gesetze erreicht oder durch die Unterzeichnung bilateraler Absichtserklärungen, die eine gemeinsame strategische Ausrichtung der Forschungspolitik vorsehen. Im Dialog mit Partnern aus den Industriestaaten werden außerdem Grundfragen zur Weiterentwicklung des globalen Wissenschaftssystems thematisiert, etwa zu Fragen des Zugangs zu wissenschaftlichen Erkenntnissen und zum Umgang mit geistigem Eigentum.

Bilaterale Zusammenarbeit mit Israel

Der Zusammenarbeit mit Israel kommt aufgrund der Geschichte ein besonderer politischer Stellenwert in den internationalen Wissenschaftsbeziehungen zu. In mehr als fünfzig Jahren hat sich eine vielfältige Kooperationsarchitektur in Forschung und Innovation entwickelt (siehe auch Infobox Wissenschaft als Wegbereiter der diplomatischen Beziehungen). Herausragende Themenfelder in der Zusammenarbeit mit dem israelischen Forschungsministerium sind Wassertechnologie, Krebsforschung, Biotechnologie, Meeresforschung und zivile Sicherheitsforschung. Das BMBF und das israelische Wirtschaftsministerium finanzieren zudem gemeinsam das Deutsch-Israelische Programm zur Zusammenarbeit in der Berufsbildung, das vor allem auf Wissensaustausch und die Erhöhung der Mobilität von Auszubildenden zielt. Das Programm wird auf deutscher Seite von der Nationalen Agentur Bildung für Europa beim BIBB umgesetzt. Das BMWi fördert im Rahmen des Zentralen Innovationsprogramms Mittelstand (ZIM) mit dem israelischen Wirtschaftsministerium branchen- und technologieoffene Forschung und Entwicklung von KMU. Die deutsch-israelischen Kooperationsprojekte führen zu neuen innovativen Produkten und effizienteren Verfahren, die die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen erhöhen. Neben der bilateralen Zusammenarbeit mit den israelischen Partnerministerien tragen die Minerva-Stiftung, die Deutsch-Israelische Stiftung für wissenschaftliche Forschung und Entwicklung, die Deutsch-Israelische Projektpartnerschaft und der Stiftungsfonds Martin Buber-Gesellschaft der Forschungsstipendiaten in den Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften zur Förderung gemeinsamer deutsch-israelischer Forschung bei. Auch auf Ebene der europäischen Rahmenprogramme für Forschung und Innovation arbeiten deutsche und israelische Partner eng zusammen: Deutschland war mit über 5.000 Kopublikationen im Zeitraum von 2010 bis 2014 und 679 gemeinsamen Projektbeteiligungen im 7. Forschungsrahmenprogramm der EU Israels wichtigster Partner in Europa.

Wissenschaft als Wegbereiter der diplomatischen Beziehungen

2015 feierten Deutschland und Israel den 50. Jahrestag der Aufnahme diplomatischer Beziehungen. Schon in den 1950er-Jahren bauten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Max-Planck-Gesellschaft Brücken des Vertrauens zwischen beiden Ländern. So wurde die Wissenschaft zum Wegbereiter für die zwischenstaatliche Annäherung. Ein Meilenstein für die Intensivierung der Wissenschaftsbeziehungen war 2008 das bilaterale Jahr der Wissenschaft und Technologie unter dem Motto „Wissenschaft als Diplomatie des Vertrauens". Heute zeigen nicht nur die jährlichen Regierungskonsultationen, dass beide Staaten auf allen politischen Handlungsebenen enge partnerschaftliche Beziehungen pflegen. Forschung und Bildung gehören nach wie vor zu den umfangreichsten und produktivsten Kooperationsfeldern. Dem Jubiläumsjahr widmeten die Minerva-Stiftung, die DFG, die Deutsch-Israelische Stiftung für wissenschaftliche Forschung und Entwicklung, der Stiftungsfonds Martin Buber-Gesellschaft, die Hochschulrektorenkonferenz, die VolkswagenStiftung und mehrere Universitäten eigene Veranstaltungen.

weiterlesen

Zusammenarbeit mit Nordamerika

Die Wissenschaftskooperation mit den Vereinigten Staaten und mit Kanada deckt das gesamte thematische Spektrum ab und wird vom breiten Engagement der Universitäten, Forschungs- und Mittlerorganisationen und forschenden Unternehmen getragen. Im Jahr 2015 trugen einige neue Bausteine zu einer weiteren Intensivierung der Zusammenarbeit mit diesen beiden Industrieländern bei. Hervorzuheben ist das Max Planck-University of Ottawa Centre for Extreme and Quantum Photonics, das die Max-Planck-Gesellschaft und die Universität Ottawa im Mai 2015 in Ottawa eingerichtet haben. Um die Zusammenarbeit zwischen innovativen Netzwerken aus Deutschland und Nordamerika zu verstärken, unterstützt das BMBF im Rahmen des Programms zur Internationalisierung von Spitzenclustern deutsche Cluster bei der Vernetzung mit Partnern aus den USA und aus Kanada. Derzeit kooperieren deutsche Cluster mit drei Partnern in den USA und zwei Partnern in Kanada (siehe auch III 2 Vernetzung und Transfer). Die WTZ zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten widmet sich zentralen Zukunftsthemen, wie etwa der Frage, wie wir in der Stadtentwicklung auf die großen gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit reagieren wollen. Neben dem Thema Smart Cities standen bei der WTZ-Kommissionssitzung im Mai 2015 auch Themen wie Intelligente Produktionsverfahren (Industrie 4.0), Elektromobilität, Hochenergiephysik und Antibiotika-Multiresistenzen im Fokus. Außerdem wurden sondierende Maßnahmen zur Intensivierung der Zusammenarbeit in den Themengebieten Batterieforschung und Nanosicherheit durchgeführt. Deutsche Forschungseinrichtungen sind Einrichtungen in den USA zudem schon seit Langem durch die intensive gemeinsame Nutzung von Forschungsinfrastrukturen verbunden – insbesondere in der physikalischen Grundlagenforschung. Die erste transatlantische Vereinbarung im Bereich der beruflichen Bildung wurde im Juni 2015 zwischen dem BMBF, dem BMAS und dem BMWi sowie den US Departments of Labor, Commerce and Education unterzeichnet.

Innovation, Meeres- und Arktisforschung, Bioökonomie und Quanteninformationsforschung sind Schwerpunktthemen der Zusammenarbeit mit Kanada. Außerdem ist Kanada ein strategischer Partner Deutschlands bei der Entwicklung von Brennstoffzellen und zukunftsweisender Wasserstofftechnologie. In den Neurowissenschaften kooperieren deutsche und kanadische Wissenschaftler im Rahmen von multilateralen Fördermaßnahmen und Netzwerken. Auch bei der Helmholtz-Alberta-Initiative spielt das Thema der neurodegenerativen Erkrankungen eine zunehmend bedeutende Rolle. Weitere sichtbare Komponenten der Kooperation sind zwei Fraunhofer-Projektzentren zu den Themen Neue Werkshoffe und Regenerative Medizin sowie die beiden Max-Planck-Zentren (neben dem neuen Photonik-Zentrum in Ottawa das Center for Quantum Materials, UBC Vancouver). Bei der WTZ-Kommissionssitzung im Dezember 2015 standen die Themen Neurowissenschaften und Industrie 4.0 sowie die Kooperation der Spitzencluster und die Rolle der KMU in der Forschung im Mittelpunkt.

Im Juni 2015 haben die Bildungs-, Wirtschafts- und Arbeitsministerien Deutschlands und der USA eine gemeinsame Absichtserklärung über eine vertiefte Kooperation in der Berufsbildung unterzeichnet. Die derzeitig in Entwicklung befindliche Arbeitsplanung sieht unter anderem die Entwicklung und Erprobung von betrieblichen Ausbildungsmodellen in Kooperation mit Colleges sowie eine Kampagne zur Verbesserung des Images des Handwerks vor.

weiterlesen

Bilaterale Zusammenarbeit mit Australien

Australien bietet neben einer teilweise hervorragenden Wissenschaftslandschaft (3 % der weltweiten Veröffentlichungen bei 0,3 ‰ der Weltbevölkerung; Physik-Nobelpreis an Brian Schmidt 2012) Zugang zu interessanten Forschungsobjekten. Ein wichtiger Baustein der deutsch-australischen Zusammenarbeit ist die Hochschulkooperation. Laut Hochschulkompass der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) existieren zurzeit 575 Kooperationsabkommen (Stand März 2016) zwischen deutschen und australischen Universitäten. Im asiatisch-pazifischen Raum unterhalten deutsche Universitäten nur mit China und Japan mehr Kooperationsabkommen. Wichtigstes Instrument der Zusammenarbeit ist der Austausch von Studierenden sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, dessen finanzielle Förderung in erster Linie durch den DAAD erfolgt. Der DAAD konnte das 2008 gestartete Austauschprogramm durch eine 2014 unterzeichnete Vereinbarung mit Universities Australia, der Dachorganisation der australischen Universitäten, mittlerweile auf mehr als 30 der insgesamt 39 australischen Universitäten ausdehnen. Australische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zählen, gemessen an der Zahl der Bewerbungen, zu den erfolgreichsten Antragstellerinnen und Antragstellern für die Programme der Alexander von Humboldt-Stiftung (AvH). Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert seit Ende 2012 das erste deutsch-australische Graduiertenkolleg mit dem Thema Molekulare Pathogenese männlicher Reproduktionsstörungen zwischen der Universität Gießen und der Monash University in Melbourne. In diesem Programm forschen Doktoranden auch über einen längeren Zeitraum beim ausländischen Partner. Weitere Vorhaben dieser Art sind in Vorbereitung.

Joint German-Australian Research Group (JGARG) – Forschungsinfrastruktur in Australien

Im Rahmen der BMBF-Förderung zur Etablierung von Forschungspräsenzen deutscher Hochschulen im asiatisch-pazifischen Raum haben die Technische Universität Braunschweig und die University of New South Wales in Sydney eine gemeinsame Forschungsgruppe im Bereich der nachhaltigen Produktion aufgebaut. Durch die Präsenz in Australien werden nachhaltige Partnerschaften – auch mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen und Unternehmen (z. B. CSIRO – Commonwealth Scientific and Industrial Research Organisation) – ermöglicht. Diese gehen weit über den Austausch von Forschenden und Studierenden und Projektarbeit hinaus.

Zukünftige ingenieurwissenschaftliche Lösungen müssen globalen Herausforderungen Rechnung tragen, indem sie ökonomisch, ökologisch und sozial verträgliche Produkte und Dienstleistungen bereitstellen. Zusätzlich sind regionale Gegebenheiten zu berücksichtigen, um eine nachhaltige Entwicklung zu ermöglichen. Vor diesem Hintergrund arbeitet die Joint German-Australian Research Group an Methoden und Werkzeugen sowie konkreten Lösungen für Nachhaltigkeit in der Produktion und ein ganzheitliches Life Cycle Engineering (LCE).

Nach Auslaufen der Anschubfinanzierung durch das BMBF trägt sich die Arbeitsgruppe durch die Einwerbung von Drittmitteln in Australien und Deutschland. Zu den bisherigen Erfolgen zählt neben dem Austausch von Studierenden und Forschenden, zahlreichen Projekten und Veröffentlichungen eine gemeinsame Buchreihe „Sustainable Production, Life Cycle Engineering and Management".

weiterlesen