Zusammenarbeit mit Schwellen- und Entwicklungsländern

Die Kooperation mit Schwellen- und Entwicklungsländern in Bildung und Forschung unterstützt die Entwicklung von Wissensgesellschaften in den Partnerländern. Der Aufbau institutioneller und personeller Kapazitäten schafft zugleich starke und interessierte Partner für die Zusammenarbeit mit Deutschland in Forschung und Innovation.

Wissen ist eine fundamentale Ressource für zukunftsfähige Gesellschaften. Forschung und Bildung – von Berufsbildung über wissenschaftliche Ausbildung auf allen Stufen bis hin zum lebenslangen Lernen – sind die treibenden Kräfte systemischer Entwicklung. Die am 25. September 2015 von der UN-Vollversammlung verabschiedete Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung versteht Forschung und Innovation nicht nur als Instrumente zur Lösung drängender Probleme in entwicklungsrelevanten Bereichen wie z. B. Ernährung, Gesundheit und Energie, sondern darüber hinaus als Movens und integralen Bestandteil wirtschaftlicher und humaner Entwicklung insgesamt. Die internationale Zusammenarbeit in Forschung und Innovation verbessert die Anschlussmöglichkeiten der Partnerländer an die globale Produktion und Aneignung von Wissen, eröffnet Beschäftigungsmöglichkeiten und Zukunftschancen und trägt zu Wohlstand sowie sozialer Kohäsion bei. Deutschland gewinnt dabei Zugang zu Akteuren der Wissensproduktion, bringt Standards guter wissenschaftlicher Praxis international zur Geltung und schafft Voraussetzungen für das Engagement deutscher wie lokaler Unternehmen vor Ort. Gemeinsam tragen deutsche und ausländische Partner in den Schwellen- und Entwicklungsländern, zu denen mehr als 140 Länder der Erde gezählt werden, zur Bewältigung globaler und regionaler Herausforderungen wie Klimawandel, Ernährungssicherheit, Wasser- und Bodenmanagement, Ressourceneffizienz, Gesundheit, Georisiken, Migration und Urbanisierung bei.

Im bildungs-, forschungs- und innovationspolitischen Dialog tritt Deutschland sowohl auf bilateraler Ebene als auch in europäischen und internationalen Foren wie der G7 dafür ein, Leitziele im Sinne nachhaltiger Entwicklung zu vereinbaren und umzusetzen. Mit Politiksystemberatung zu Forschung und Innovation, unter anderem durch die Entsendung von Expertinnen und Experten, trägt Deutschland weltweit dazu bei, Wissenschaftssysteme partnerschaftlich und bedarfsgerecht mitzugestalten. Wachsende Bedeutung in der Forschungsförderung hat der Transfer von Wissen in die bedarfsorientierte Verwertung. Kritische Massen in der Fach- und Führungskräfteentwicklung werden durch deutsche Hochschulangebote im Ausland erreicht. Gezielt unterstützt werden diese Maßnahmen durch Projekte zur Entwicklung der Qualitätsinfrastruktur und Metrologie, welche die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) in Schwellen- und Entwicklungsländern insbesondere im Bereich der Metrologie durchführt. Wesentliche Beiträge leisten auch die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) mit der Beratung in den Bereichen Konformitätsbewertung, Akkreditierung und Managementsysteme sowie die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) mit BMZ-Projekten in den Bereichen Energie, Geowissenschaften und Rohstoffe.

Regionale Schwerpunkte

Einen besonders wichtigen regionalen Bezugsrahmen bilden die Dialogprozesse der Europäischen Nachbarschaftspolitik (ENP). Sowohl in der Östlichen Partnerschaft (EaP) mit den Staaten der ehemaligen Sowjetunion an der Außengrenze der EU und im Südkaukasus als auch in der Euro-Mediterranen-Partnerschaft trägt die Zusammenarbeit bei Forschung und Bildung zu komplexen außen- und sicherheitspolitischen Prozessen bei. Wissenschaftsdiplomatie – die Abstimmung über gemeinsame bildungs- und forschungspolitische Orientierungen sowie die unmittelbare Projektkooperation – hat infolge schwindender Stabilität in Ländern der Europäischen Nachbarschaftspolitik oder an ihren Grenzen enorm an Bedeutung gewonnen. Die Bundesregierung gestaltet diese Kooperation im Rahmen europäischer Projekte zum forschungspolitischen Dialog maßgeblich mit.

Im Rahmen des EU-EaP-Netzwerks (INCO-NET EaP) erstellt das BMBF gemeinsam mit weiteren europäischen Experten und relevanten Entscheidungsträgern in den Zielländern Policy Mix Peer Reviews für Moldau, Georgien und Armenien, die eine wichtige Grundlage für den zukünftigen Umbau der FuE-Landschaften darstellen. Außerdem nimmt das BMBF stellvertretend für Deutschland am politischen Dialog zwischen den Ländern der Östlichen Partnerschaft und den EU-Mitgliedstaaten teil (EaP-Panel).

Die gewachsenen Chancen der Zusammenarbeit mit afrikanischen Staaten in Bildung und Forschung finden neben der Afrika-Strategie des BMBF (siehe auch Infobox Afrika-Strategie 2014–2018 des BMBF) auch in Strategieprozessen auf europäischer Ebene ihren Ausdruck. An den bislang drei Aktionsplänen zur gemeinsamen, 2007 in Lissabon verabschiedeten Afrika-EU-Strategie (JAES) ist das BMBF stetig beteiligt. Die aktuelle Roadmap 2014–2017 betont die Rolle von Wissenschaft, Technologie und Innovation als Schlüsselfaktoren für Entwicklung. Gemeinsam mit weiteren sieben Mitgliedstaaten aus Afrika und Europa sowie der Kommission der Afrikanischen Union (AUC) und der Europäischen Union beteiligt sich Deutschland am Büro des Hochrangigen Politikdialoges HLPD (HLPD Bureau), das die Implementierung gemeinsamer politischer Maßnahmen unterstützt. Mit der Erarbeitung einer Roadmap zu Nahrungsmittelsicherheit und nachhaltiger Landwirtschaft (FNSSA) entstehen in einem Pilotbereich erstmals Leitlinien für die biregionale Kooperation.

Aufbau innovativer deutsch-kolumbianischer Netzwerke

Im Rahmen der bilateralen Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Kolumbien strebt das BMBF an, die kolumbianische Regierung bei der Implementierung von Innovations-Clustern zu unterstützen. Ziel des BMBF ist es, deutsche Erfahrungen im Bereich der wissensbasierten Wertschöpfung und der Förderung strukturschwacher Regionen durch Förderprogramme wie Unternehmen Region und go-cluster zu teilen (siehe auch III 3.3 Innovationspotenziale der Regionen sowie III 2.3 Verstärkte Internationalisierung von Clustern und Netzwerken). Das BMBF und die kolumbianische Förderbank Bancoldex haben im September 2015 erstmalig eine gemeinsame Bekanntmachung veröffentlicht. In einer zweijährigen Pilotphase werden ab 2016 vier deutsch-kolumbianische Clusternetzwerke aus den Bereichen Gesundheitsforschung, Wassertechnik und Bioökonomie gefördert. Nach einem Jahr wird auf beiden Seiten ein Evaluierungsworkshop durchgeführt, auf dessen Grundlage das BMBF und Bancoldex über weitere Förderphasen entscheiden.

Das Interesse an der Zielregion Zentralasien ist im Kontext des seit 2010 laufenden BMBF-Programms Partnerschaften für nachhaltige Problemlösungen in Schwellen- und Entwicklungsländern – Forschung für Entwicklung deutlich gestiegen. Die im Rahmen der deutschen Ratspräsidentschaft 2007 entstandene Strategie EU und Zentralasien – eine Partnerschaft für die Zukunft hatte erstmals politische Leitlinien für ein verstärktes europäisches Engagement in den zentral-asiatischen Ländern gesetzt. Vor diesem Hintergrund beteiligt sich das BMBF aktiv an EU-Initiativen mit der Zielregion (z. B. INCO-NET Central Asia). Die Unterstützung bei der Umstrukturierung nationaler FuE-Systeme durch internationale Expertise (Policy Mix Peer Reviews in Kasachstan und Kirgistan) stehen dabei im Vordergrund.

Im Rahmen des Prozesses zur Implementierung der Joint Initiative for Research and Innovation (JIRI), die beim EU-Lateinamerika- und EU-Karibik-Gipfel im Mai 2010 von den Regierungschefs beider Regionen verabschiedet wurde, werden zunächst in fünf thematischen Schwerpunktbereichen (Energie, Biodiversität/Klima, Gesundheit, IKT, Bioökonomie) konkrete Initiativen zur Stärkung der biregionalen Zusammenarbeit in Forschung und Innovation geplant und umgesetzt. Ein erstes Instrument ist das von der EU geförderte ERA-NET mit Lateinamerika und der Karibik, ERANet-LAC, das von Deutschland koordiniert wird. Mehr als 30 Länder aus beiden Regionen, darunter Deutschland, sind an den zwei Fördermaßnahmen von ERANet-LAC beteiligt.

Zur weiteren Internationalisierung deutscher Hochschulen und zur Stärkung der Innovationssysteme der Zielländer fördert das BMBF seit 2014 erstmals gezielt die Zusammenarbeit mit Entwicklungsländern der Region Lateinamerika und Karibik sowie des asiatisch-pazifischen Raums in der Forschung. Aktuell wird die Projektzusammenarbeit mit folgenden Zielländern in Lateinamerika unterstützt: Bolivien, Costa Rica, Ecuador, El Salvador, Kuba, Panama, Peru, Uruguay und Venezuela. Zielländer in der asiatisch-pazifischen Region sind derzeit Afghanistan, Pakistan, Nepal, Bhutan, Sri Lanka, Bangladesch, Myanmar, Laos, Kambodscha, Timor-Leste, die Philippinen, Papua-Neuguinea und die pazifischen Inselstaaten. Mittels der ebenfalls 2014 eingeführten Drittlandprogramme wurde zudem das bis 2020 laufende EU-Mobilitätsprogramm Erasmus+ über die europäischen Grenzen hinaus für Antragsteller ausgewählter Länder in anderen Kontinenten geöffnet.

Darüber hinaus unterstützt das BMBF Kolumbien beim Aufbau von innovativen Netzwerken (siehe auch Infobox Aufbau innovativer deutsch-kolumbianischer Netzwerke).

Förderung der internationalen Agrarforschung

Als Antwort auf wiederkehrende Nahrungsmittelkrisen und deren prognostizierte weltweite Verschärfung wurde 1971 das internationale Agrarforschungsnetzwerk Consultative Group on International Agriculture Research (CGIAR) gegründet, das mittlerweile 15 Forschungszentren auf vier Kontinenten umfasst und von Deutschland seit seiner Gründung mit verlässlichen Beiträgen unterstützt wird. Die Ergebnisse angewandter Agrarforschung fließen zudem in die Netzwerke der Grünen Innovationszentren ein, mit denen das BMZ im Rahmen der Sonderinitiative Eine Welt ohne Hunger bedarfsgerechte Innovationen und partnerschaftlichen Wissenstransfer in den Agrar- und Ernährungssektoren ausgewählter Entwicklungsländer – mit regionalem Schwerpunkt in Subsahara-Afrika – fördert.

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Deutsch-afrikanische regionale Wissenschaftsservicezentren zum Klimawandel (SASSCAL/WASCAL)

Globale Entwicklungen wie der Klimawandel, die Konkurrenz um Ressourcen, die Sicherung der Ernährung und daraus entstehende Landnutzungskonflikte stellen insbesondere Afrika vor immer größere Herausforderungen. Eine konkrete inhaltliche und strukturelle Maßnahme, um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, ist der Aufbau von regionalen Servicezentren zu Klimawandel und Landmanagement im Westen und Süden Afrikas.

Ziel der Initiative Regional Science Service Centres in West and Southern Africa ist es, den vom Klimawandel am stärksten betroffenen Regionen beim Aufbau entsprechender wissenschaftlicher Strukturen zu helfen, damit die Staaten vor Ort selbst valide Entscheidungen etwa im Hinblick auf ihre Landnutzung und Wasserversorgung treffen können. Darüber hinaus werden die Kapazitäten der beteiligten Länder gestärkt, damit sie selbst z. B. Klimaprognosen und Szenarien entwickeln, Handlungsoptionen aufzeigen und in internationalen Verhandlungsprozessen (z. B. United Nations Framework Convention on Climate Change [UNFCCC], Convention on Biological Diversity [CBD] etc.) die Interessen der Länder vertreten können.

Gemeinsam mit Partnern aus zehn Ländern des westlichen und fünf Ländern des südlichen Afrikas hat das BMBF im Juli 2010 nach einjähriger Vorbereitungsphase begonnen, je ein regionales Kompetenzzentren für Klimawandel und nachhaltiges Landmanagement (Regional Science Service Centre, RSSC) in Afrika aufzubauen.

Im westlichen Afrika arbeiten im West African Science Service Centre for Climate Change and Adaptive Land Management (WASCAL) die Staaten Benin, Burkina Faso, Elfenbeinküste, Gambia, Ghana, Mali, Niger, Nigeria, Senegal und Togo zusammen. Im südlichen Afrika wird das Southern African Science Service Centre for Climate Change and Adaptive Land Management (SASSCAL) gemeinsam mit den Staaten Angola, Botswana, Namibia, Sambia und Südafrika durchgeführt.

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AIMS-Forschungslehrstühle

Das BMBF fördert den Aufbau von Forschungslehrstühlen (German Research Chairs) an Mathematik-Zentren in fünf afrikanischen Ländern. Das African Institute for Mathematical Sciences (AIMS) wurde 2003 in Kapstadt/Südafrika gegründet, um der kritischen Unterversorgung an mathematisch ausgebildeten Experten in Afrika entgegenzuwirken. Aufgrund der sehr erfolgreichen Entwicklung von AIMS-Südafrika wurde im Jahr 2008 die AIMS Next Einstein Initiative (AIMS-NEI) gegründet. Diese verfolgt das Ziel, nach dem Vorbild von AIMS-Südafrika in den kommenden Jahren weitere AIMS-Zentren in ganz Afrika, an denen Masterstudierende und Doktoranden ausgebildet werden, aufzubauen und optimal miteinander zu vernetzen.

Mit dem Aufbau von insgesamt fünf Forschungslehrstühlen an Standorten in Senegal, Ghana, Südafrika, Kamerun und Tansania durch das BMBF werden die Hochschulbildung in Afrika sowie die Forschungskooperationen der Lehrstuhlinhaberinnen und -inhaber mit deutschen Universitäten initiiert bzw. gestärkt.

Mit der Einrichtung der Forschungslehrstühle an den AIMS-Standorten ruft das BMBF seine neue Marke „Deutsche Forschungslehrstühle" ins Leben. Die „Deutschen Forschungslehrstühle" werden den Kapazitätenaufbau vor Ort unterstützen und zugleich die Sichtbarkeit der deutschen Forschung in den Kooperationsländern erhöhen. Die Umsetzung der Maßnahme erfolgt durch die AvH und den DAAD.

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DAAD Exzellenz- und Fachzentren in Afrika, Asien und Lateinamerika

Seit 2008 fördert der DAAD aus Mitteln des AA die Vernetzung von deutschen und ausländischen Hochschulen und Forschungseinrichtungen in Form von Exzellenz- und Fachzentren. Vier an renommierten Hochschulen im Ausland etablierte Exzellenzzentren in Forschung und Lehre werden in Asien und Lateinamerika gefördert. Die Schwerpunkte der Zusammenarbeit liegen hierbei in Fachbereichen, in denen internationale Kooperationen für Deutschland und das Gastland von besonderem Interesse sind (thematische Behandlung von drängenden Zukunftsfragen) und in denen beide Länder über ein hohes Potenzial verfügen. Zielsetzung für diese Zentren ist es auch, die besondere Stärke des deutschen Wissenschaftssystems herauszustellen und gleichzeitig in die interessierte Öffentlichkeit zu wirken.

Mit dem Ziel, die Ausbildung künftiger Führungspersönlichkeiten und Entscheidungsträger für Wirtschaft, Politik und Gesellschaft in Afrika voranzutreiben und zu stärken, unterstützt der DAAD inzwischen acht Fachzentren an bedeutenden afrikanischen Universitäten durch Kooperationsprojekte mit mindestens einer deutschen Hochschule.

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Gesundheitsnetzwerke in Subsahara-Afrika

Die Fördermaßnahme Forschungsnetze für Gesundheitsinnovationen in Subsahara-Afrika zielt auf eine nachhaltige Stärkung der wissenschaftlichen Zusammenarbeit im Gesundheitsbereich zwischen Deutschland und den Ländern Subsahara-Afrikas. Den Rahmen bildet die 2015 erneuerte BMBF-Förderinitiative Globale Gesundheit im Mittelpunkt der Forschung – Vernachlässigte und armutsassoziierte Erkrankungen (siehe auch III 1.4 Gesundheit und Ernährung).

Im Mittelpunkt der Forschungsnetzwerke steht die Bekämpfung von Krankheiten, die Menschen in Afrika besonders gefährden. Um die regionalen Bedingungen zu berücksichtigen, werden die Forschungsnetze von afrikanischen Einrichtungen koordiniert. Die gemeinsame Forschung soll dazu beitragen, die Gesundheitssituation in Afrika zu verbessern, und damit helfen, den Teufelskreis von Armut und Krankheit zu durchbrechen. Eine verstärkt interdisziplinäre und internationale Zusammenarbeit ist hier der Schlüssel zum Erfolg. Deutschland zeigt mit dieser Initiative Verantwortung für dringende Fragen der globalen Gesundheit. Gleichzeitig soll deutschen Forschungsinstitutionen die Möglichkeit gegeben werden, mit afrikanischen Partnerinstitutionen wichtige aktuelle Forschungsfragen bearbeiten zu können und mit dieser gemeinsamen Forschung im Wettbewerb der weltweit Besten zu bestehen.

Die Fördermaßnahme wurde im Jahr 2013 bekannt gegeben. Aus über 70 eingegangenen Anträgen wurden fünf Forschungsnetzwerke ausgewählt, an denen insgesamt 14 afrikanische Staaten beteiligt sind. Die Netzwerke bestehen aus ein bis zwei deutschen und zwei bis acht afrikanischen Partnern. Der Förderbeginn ist für Frühjahr 2016 geplant. Der Großteil der ausgewählten Forschungsprojekte widmet sich armutsassoziierten Infektionskrankheiten wie Tuberkulose oder parasitären Wurmerkrankungen. Alle Projekte zielen auf einen Ausbau der Kapazitäten von Kliniken und Laboren in den afrikanischen Partnerländern ab. Die Forschungsnetze arbeiten eng mit Universitäten und Versorgungseinrichtungen zusammen und stärken somit nachhaltig sowohl die Bildungs- als auch die Gesundheitssysteme der afrikanischen Partnerländer.

Für die afrikanischen Partner eines Netzwerks stehen mindestens 80 % der BMBF-Förderung zur Verfügung. Die BMBF Förderung von rund 50 Mio. Euro bis 2021 wird durch adäquate Kofinanzierung der afrikanischen Partnerländer, gemessen an ihrer Wirtschaftskraft, ergänzt.

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Stärkung von Wissensgesellschaften in Nordafrika und dem Nahen Osten

Mit den Ländern der Nachbarregionen Nordafrika und Nahost bestehen seit Jahrzehnten enge Wissenschaftsbeziehungen auf der Basis bilateraler Abkommen und gemeinsamer Finanzierungen. Projektkooperationen werden in Programmen mit Ägypten, Marokko und Tunesien gefördert. Herausragende Beispiele der Kooperation mit Jordanien sind die 2005 gegründete Deutsch-Jordanische Universität (siehe auch V 3.4 Deutsche Sichtbarkeit im Ausland) und das Elektronen-Synchrotron SESAME. Mit den Palästinensischen Gebieten wurde 2015 die erste bilaterale Bekanntmachung für gemeinsame Forschungs- und Mobilitätsprojekte veröffentlicht. Sie soll palästinensischen Studierenden und Forschenden Zugang zu internationalem wissenschaftlichem Austausch ermöglichen und zum Aufbau der Forschungsinfrastruktur vor Ort beitragen. Seit 2013 vernetzt die Arab German Young Academy (AGYA) exzellente deutsche und arabische Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler. Ergänzend zu den bilateralen Aktivitäten wurden die europäischen Rahmenprogramme intensiv zur Projektkooperation mit Partnern aus der Region genutzt.

Die Schwerpunkte leiten sich aus den großen gesellschaftlichen Herausforderungen der Region ab: Erneuerbare Energien und Energieeffizienz, Wasserressourcenmanagement, Ernährungssicherheit und Klima- und Umweltforschung, aber auch IKT gewinnt zunehmend an Bedeutung. Auf die sozialen Herausforderungen reagieren Querschnittsansätze zur Unterstützung von Wissenstransfer und Innovation, zur Beschäftigungsfähigkeit und zur Berufsbildung in den Partnerländern. Auch wenn sich die Demokratisierungshoffnungen des „Arabischen Frühlings" nur punktuell eingelöst haben, bleibt die wissenschaftliche Kooperation eine wichtige Plattform im Austausch mit den Zivilgesellschaften der Länder Nordafrikas und des Nahen Ostens. Wissenschaftsdiplomatie, die in gemeinsamen bilateralen und europäischen Gremien und Forschungsteams gepflegt wird, trägt maßgeblich dazu bei, Vertrauen und Sicherheit im südlichen und östlichen Mittelmeerraum zu stärken (siehe auch Infobox Tunesien: Wandel, Bildungs- und Forschungskooperation).

Tunesien: Wandel, Bildungs- und Forschungskooperation

Die tunesische Gesellschaft verfolgt den 2011 eingeschlagenen Weg der Demokratisierung auch unter schwierigen Bedingungen weiter. Das BMBF engagiert sich im Rahmen der Transformationspartnerschaften der Bundesregierung mit Unterstützungsangeboten im Bereich Bildung, Forschung und Innovation. Der Fokus liegt im Aufbau von Netzwerken zwischen Forschungsinstituten beider Länder und in der Förderung gemeinsamer Forschungsprojekte, die der Bewältigung gesellschaftlicher Herausforderungen in den Bereichen Umwelt, Landwirtschaft, Wasser und Energie dienen. In der Zusammenarbeit mit Tunesien werden insbesondere Hochschulpartnerschaften, tri- und multilaterale Projekte mit tunesischer Beteiligung sowie Forschungspartnerschaften gefördert. Das BMBF hat eine Initiative zur Steigerung der Beschäftigungsfähigkeit von tunesischen Hochschulabsolventinnen und -absolventen gestartet. Im Rahmen der durch das Auswärtige Amt finanzierten Projekte der Transformationspartnerschaft unterstützt der DAAD seit 2012 Hochschulpartner darin, die akademische Ausbildung zu stärken und die wissenschaftliche Innovationsfähigkeit im Zielland zu fördern. In der Zusammenarbeit zwischen deutschen und arabischen Hochschulen stehen die Modernisierung der Lehre, der Strukturausbau in Forschung und Management sowie die Verbesserung der Beschäftigungsfähigkeit der Absolventinnen und Absolventen im Mittelpunkt der Kooperationsprojekte. Einen Meilenstein in der Zusammenarbeit setzt die geplante Gründung einer deutsch-tunesischen Hochschule mit Schwerpunkten in den Ingenieurwissenschaften. Zusätzliche Möglichkeiten der Projektkooperation eröffnet die am 12. Oktober 2015 vereinbarte Assoziierung von Tunesien als erstes arabisches Land im EU-Forschungsrahmenprogramm Horizont 2020.

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Kooperation in Forschung und Innovation mit der Türkei

Die Türkei ist aufgrund ihrer geografischen Lage am Bosporus Brücke und Bindeglied zum Nahen Osten und nach Asien. Derzeit erlebt das Land einen robusten wirtschaftlichen Aufschwung. Die türkische Regierung verfolgt bis zu ihrem hundertjährigen Bestehen im Jahre 2023 ambitionierte Ziele im Bereich der Wissenschaft und hat daher ihre Investitionen in diesem Bereich in den letzten zehn Jahren verdreifacht. Nicht zuletzt durch die etwa drei Millionen in Deutschland lebenden Menschen mit türkischem Migrationshintergrund sind Deutschland und die Türkei einander besonders eng verbunden.

Das deutsch-türkische Wissenschaftsjahr 2014 hat die vielfältigen Beziehungen beider Länder intensiviert, zahlreiche Kooperationen sind neu entstanden (siehe auch Infobox Deutsch-Türkisches Wissenschaftsjahr 2014). Einer der Höhepunkte war die feierliche Eröffnung der Türkisch-Deutschen Universität (TDU) in Istanbul im April 2014 durch Bundespräsident Gauck und Staatspräsident Gül. Weiterhin wurde das deutsch-türkische Forschungszentrum für Informations- und Kommunikationstechnologien (German-Turkish Advanced ICT Research Center, GT-ARC) mit Standorten in Berlin und Istanbul eingerichtet. Mit der Unterzeichnung des ersten bilateralen Kooperationsabkommens zwischen dem BMBF und dem türkischen Ministerium für Wissenschaft, Industrie und Technologie (MoSIT) wurde die Kooperation auf eine neue Stufe gestellt.

Besondere Beachtung finden in der deutsch-türkischen Kooperation die Schnittstellen der Forschung mit Industrie und Wirtschaft, die arbeitsmarktgerechte Aus- und Weiterbildung und schließlich der Austausch zwischen Wissenschaft und Gesellschaft. Drei gemeinsam mit dem Wissenschaftlichen und Technischen Forschungsrat der Türkei (TÜBITAK) entwickelte Förderinstrumente sollen die wissenschaftliche Zusammenarbeit in den nächsten Jahren weiter vertiefen.

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Unterstützung beim Ausbau des Innovationsystems in der Ukraine

Mit keinem anderen Land pflegt die Ukraine so intensive Kontakte in der Wissenschaft wie mit Deutschland. Um schnell, aber auch dauerhaft innovative Strukturen und Systeme in der Ukraine zu unterstützen, hat die Bundesregierung einen Aktionsplan abgestimmt. Zur Koordinierung der vielfältigen Aktivitäten ist ein regelmäßiger Dialog zwischen den beteiligten Akteuren (vor allem BMBF, DFG, HRK und DAAD) notwendig, den das BMBF moderiert. Zu folgenden Themenbereichen werden bedarfsorientierte Maßnahmen in der Ukraine initiiert und betreut:

  • Beratung bei Gesetzesvorhaben und Strukturreformen
  • Erhöhen der Forschungsleistung der ukrainischen Universitäten
  • Internationalisierung der Hochschulen und Forschungseinrichtungen
  • Anbindung öffentlich geförderter Forschung an den Innovationssektor

So veranstaltete das BMBF zusammen mit DAAD, HRK und Akkreditierungsagenturen sowie dem ukrainischen Ministerium für Bildung und Wissenschaft (MBW) das ukrainisch-deutsche Hochschulforum Bildung, Wissenschaft, Innovation an Universitäten: Aktuelle Herausforderungen. Zur Unterstützung der Reformen in der Ukraine präsentierten deutsche Experten ihre Erfahrungen, beispielsweise zur Qualitätssicherung in der Lehre. Gemeinsam mit der HRK wurden durch den Aufbau eines institutionellen Qualitätssicherungssystems für Hochschulen sowie durch die Schulung von Experten für Akkreditierungsverfahren konkrete Maßnahmen umgesetzt.

Gemeinsam mit dem MBW und der Nationalen Akademie der Wissenschaften der Ukraine (NAdWU) entwickelte das BMBF außerdem geeignete Methoden und Prozesse für die Evaluierung der Forschungsinstitute der NAdWU.

Die Reform der ukrainischen Juristenausbildung wurde ebenfalls seitens des BMBF unterstützt. Als Ergebnis und Arbeitsgrundlage für die anstehenden Aufgaben ist u. a. ein 360 Seiten starkes Weißbuch entstanden, das an alle juristischen Fakultäten der Ukraine verteilt wurde, um die begonnene Reformdiskussion auch landesweit zu unterstützen.

Mit einem gemeinsamen Förderprogramm werden außerdem in den nächsten Jahren die Entwicklung und Umsetzung von Evaluierungsmethoden auf verschiedenen Ebenen, die Vorbereitung von Konzepten zum Aufbau von Institutspartnerschaften, die Etablierung von tragfähigen Konsortien für die gemeinsame Beteiligung an multilateralen Forschungsprogrammen (z. B. Horizont 2020) sowie die Entwicklung innovativer Methoden zum Ausbau der Zusammenarbeit mit der Industrie intensiv unterstützt. Diese Dynamik in der Kooperation mit der Ukraine wird nicht zuletzt durch die Zunahme der Ausgaben um 24 % (2015) gegenüber 2014 deutlich.

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Stärkung der Forschungskooperation zur Unterstützung von Entwicklungsprozessen in den Regionen Zentralasien und Südkaukasus

Die Regionen Zentralasien (Kasachstan, Kirgistan, Tadschikistan, Turkmenistan und Usbekistan) und Südkaukasus (Armenien, Aserbaidschan und Georgien) gewinnen im Zeitalter der Globalisierung zunehmend an strategischer Bedeutung und gehören zu den geopolitisch äußerst sensiblen Weltregionen. Globale Probleme wie steigende Armut und Umweltrisiken wie der Klimawandel, wachsender Wassermangel, Desertifikation und Infektionskrankheiten (HIV/Aids, Tuberkulose, Hepatitis) sind in den Ländern höchst virulent. Ihnen kommt zudem eine katalytische Wirkung auf andere wichtige Gesellschaftsbereiche zu (Wirtschaftsentwicklung, Entwicklung der Zivilgesellschaft). Wissenschaft und Forschung gehören zu den Schlüsselfaktoren für den Umgang mit diesen Herausforderungen. Entsprechend groß ist die Bedeutung, die Deutschland der Kooperation in diesen Bereichen beimisst.

In Reaktion hierauf stellte das BMBF ein gezieltes Programm zur Forschung für Entwicklung auf, das speziell auf die Länder dieser Zielregionen zugeschnitten ist. Der Fokus des Programms liegt auf der regionalen Implementierung kooperativ gewonnener Forschungsergebnisse in den Themenbereichen Klimawandel, Geohazards, Wassermanagement, Gesundheitsrisiken und Nahrungsmittelsicherheit. Ein primäres Ziel der Zusammenarbeit ist in diesem Kontext, den Ausbau vor Ort vorhandener Potenziale zu forcieren. Ein weiterer Schwerpunkt der Aktivitäten liegt auf dem Ausbau der wissenschaftlichen Forschungskapazitäten und insbesondere der Qualifikation von Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern in den Zielländern.

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Zusammenarbeit mit Vietnam im Bereich Wasser und Nachhaltigkeit

Vietnam ist neben Indonesien das wichtigste Partnerland des BMBF in Südostasien. Die Zusammenarbeit in Wissenschaft und Technologie (WTZ) begann 1996 und hat sich seitdem dynamisch entwickelt. Ein Schwerpunkt der Zusammenarbeit ist die gemeinsame Entwicklung von Wasser- und Umwelttechnologien. Im Jahre 2006 wurde mit dem Ministry of Science and Technology (MoST) eine strategische Partnerschaft im Wasserbereich vereinbart und die Einrichtung eines vietnamesisch-deutschen Projektbüros Wasser- und Umwelttechnologien beschlossen, das im Oktober 2007 in Hanoi eröffnet wurde.

Mit dem Willen, die Kooperation in der Wasser- und Umweltforschung im strategischen Interesse beider Länder verstärkt auf die steigenden Herausforderungen des 21. Jahrhunderts auszurichten und unter Berücksichtigung des Klimawandels zu nachhaltigen Lösungen im Umgang mit natürlichen Ressourcen zu gelangen, wurde das gemeinsame Büro im März 2013 in Vietnamesisch-deutsches Büro für Wasser und Nachhaltigkeit umbenannt und neu strukturiert. Das gemeinsame Büro bildet eine koordinierende und informierende Plattform für gemeinsame Aktivitäten. Derzeit werden zwölf Verbundvorhaben in den Bereichen Wasser- und Umwelttechnologie sowie Landmanagement und Stadtentwicklung bilateral gefördert.

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